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> Fantasy Bücher > Die Göttin und die Zigeunerin
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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Die Göttin und die Zigeunerin, Hermann Weigl
Hermann Weigl

Die Göttin und die Zigeunerin


Der Weg zwischen den Sternen 3

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Eines Tages weckte mich Cassandra mitten in der Nacht.
?Was ist denn los??, fragte ich schläfrig.
?Ein seltenes Naturereignis. Der Feuerwald blüht. Ich werde mit Harpon
in ein paar Minuten los fliegen. Möchtest du mitkommen??
Zuerst wollte ich nein sagen. Aber dann dachte ich an all die
wunderbaren Dinge, die mir Harpon und Cassandra in den Wäldern gezeigt
hatten und sagte zu.
Ich sollte es nicht bereuen.


Die Nacht war kühl und sehr dunkel, denn nur eine schmale Mondsichel
stand am Himmel. Im Zielgebiet hielt Harpon den Gleiter so dicht neben
der Krone eines Baumes an, dass einige Zweige über die Seitenscheiben
kratzten. Als er das Verdeck öffnete, schlug uns die frische, feuchte
Nachtluft entgegen und die Stimmen des nächtlichen Waldes drangen an
unsere Ohren.

?Und wo ist jetzt das Feuer??, fragte ich ungeduldig.
?Die Blüten müssten sich bald öffnen. Gedulde dich etwas?, sagte
Cassandra mit leiser Stimme. ?Ich habe dieses seltene Naturereignis
selbst noch nicht gesehen. Aber es muss wunderschön sein.?
Wir traten auf die von einer hohen Bordwand umgebene Ladefläche des
Gleiters hinaus. Harpon und Cassandra schienen einen bestimmten Punkt in
der Finsternis zu fixieren. Ich konnte dort aber nichts erkennen.
Langsam ging ich die Bordwand entlang und versuchte erfolglos in der
Dunkelheit etwas auszumachen. So etwas Langweiliges, dachte ich. Und
deswegen bin ich mitten in der Nacht aufgestanden.
?Darlena! Es geht los!?, warnte mich Harpon mit leiser Stimme.
Schnell lief ich wieder auf die andere Seite der Ladefläche. Cassandra
deutete in die Nacht hinaus. Zuerst konnte ich nichts erkennen. Aber
dann vernahm ich einen schwachen roten Lichtschein in einigen Metern
Entfernung. Und plötzlich sah ich, wie sich direkt neben der Bordwand,
so nahe, dass ich sie hätte berühren können, eine der Blüten, die
ungefähr so groß wie meine Handfläche war, öffnete. Je weiter sie sich
entfaltete, umso intensiver wurde das Leuchten in ihrem Inneren. Die
äußeren Blätter leuchteten blutrot und die inneren in einem strahlenden
Hellrot. Ich hatte so gebannt auf diese Pracht gestarrt, dass ich meine
Umgebung nicht beachtet hatte. Als ich wieder hochsah, hielt ich vor
Überraschung die Luft an, denn das Laubdach leuchtete, so weit mein
Blick reichte, rot wie Feuer. Ich suchte Cassandras Blick. Der
Lichtschein, der von den Blüten ausging, spiegelte sich in ihren Augen
wider und überzog ihr Gesicht mit einem rötlichen Schimmer. Sie lächelte
mich an und Harpon und Cassandra nahmen mich in ihre Mitte und legten
ihre Arme um mich, als wäre ich ein kleines Kind. Aber das Naturereignis
hatte noch gar nicht seinen Höhepunkt erreicht. Plötzlich mischten sich
weitere Farbtöne in die rote Pracht. Gelbe und orangefarbene Punkte
erschienen zwischen den Blüten und stiegen über die Gipfel der Bäume auf.
?Was ist das??, fragte ich.
?Insekten?, erklärte Harpon. ?Harmlose Insekten. Sie treffen sich zum
Hochzeitsflug. Die männlichen Tiere sterben danach. Die weiblichen Tiere
leben noch solange, bis sie ihre Eier abgelegt haben.?
Ganze Schwärme dieser Insekten stiegen nun auf und schwirrten dicht um
uns herum. ?Aua!? Ich schloss erschrocken meine Augen, als eines der
Insekten gegen meine Stirn stieß. Es war auf die Ladefläche gefallen,
und Cassandra nahm es vorsichtig auf und hielt es mir auf ihrer
Handfläche entgegen. Fasziniert betrachtete ich das Tier, das etwa so
lang wie Cassandras Zeigefinger war. Es schien gänzlich von Innen heraus
zu leuchten. Deutlich konnte ich die tastenden Fühler, die Augen, die
Beine, die Flügel und den grazilen Körper erkennen. Das Insekt krabbelte
suchend auf Cassandras Handfläche herum und erklomm schließlich ihren
ausgestreckten Zeigefinger. Als es an der Fingerspitze angelangt war,
tastete es mehrmals ins Leere, dann breitete es seine Flügel aus und
schwirrte davon.

Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden lang wir auf der Ladefläche
gestanden und das Farbenspiel dieses Naturschauspiels beobachtet haben.
Der Flug der Leuchtinsekten über den roten Blüten des Feuerwaldes wollte
kein Ende finden. Wir waren mitten unter ihnen, innerhalb einer
schwirrenden Wolke aus Lebewesen, fast als wären wir ein Teil der Natur
des Waldes. Ich spürte die Faszination meiner Begleiter und sie griff
auch auf mich über.


Irgendwann zeigte sich am Horizont der erste Schimmer des beginnenden
neuen Tages. Die Blüten begannen sich wieder zu schließen, die
strahlende Pracht verblasste langsam und die Insektenwolken zogen sich
zwischen die Baumkronen zurück. Das Naturereignis war vorbei. Erst in
vielen Jahren würde der Feuerwald wieder seine Blüten öffnen.

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