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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Die Feuerritter, Ann-Kathrin Karschnick
Ann-Kathrin Karschnick

Die Feuerritter



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Entsetzen und Grauen lagen auf dem im Mondschein fahl wirkenden Gesicht des jungen Mannes. Was seine sonst so glasklaren, hellblauen Augen gerade gesehen hatten, konnte er nicht fassen. Diese Grausamkeiten waren zu viel für seinen Verstand. Nur schwer begriff er welche Auswirkungen das soeben Gesehene haben würde. Ein dunkler Schleier legte sich über seine Augen und hinterließ Spuren panischer Angst. Was sollte er nur tun?


   Etwas regte sich an seiner Brust. Sein Herz schlug immer noch rasend schnell und es wollte sich einfach nicht beruhigen. Nur sehr langsam drang die Wärme durch seinen Mantel an seinen Körper. Fast hätte er in seiner alles umfassenden Angst das kleine Ding in seinen zitternden Armen vergessen. Traurig blickten ihn zwei leuchtend grüne Augen an, beinahe so, als habe der kleine Knirps genau verstanden, was vor kurzem in dem Haus seiner Eltern passiert war. Das Baby in seinen Armen zitterte unmerklich, während der Wind bedächtig an der dünnen Decke zog. Khanto öffnete seinen Mantel und drückte den Jungen näher an sich heran. Sogleich hörte das Baby auf zu zittern. Der Mann schaute sich den Jungen genauer an.


   Es war das erste Mal, dass er ihn in den Armen hielt, denn der Säugling war erst wenige Monate alt. Khanto war nur durch Zufall bei seinem alten Freund für einige Tage untergekommen. Er war wie immer auf der Durchreise gewesen und wollte nur kurz vorbeischauen. Doch mitten in der Nacht wurde er von einem heftigen Getöse geweckt und plötzlich tauchten überall fremde Männer in dem Haus aus.


   Trotz der Katastrophe wirkte der Junge gesund. Das Gesicht des Jungen schien unversehrt, seine Arme versteckt in einem kleinen Mantel und sein Körper eingewickelt in eine hastig um ihn geschlungene Decke. Unter normalen Umständen wäre der Junge sicher eingeschlafen. Doch in dieser Nacht war nichts normal verlaufen, jenes wurde Khanto schmerzlich bewusst. Ohne es zu wollen, schlichen sich einige Tränen seine Wangen hinab. Mühsam unterdrückte er den Schmerz und die Erinnerung, aber es war vergebens. Schließlich konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten und sackte verzweifelt auf die Knie.


   Er weinte Minute um Minute, bis alle Tränen versiegt waren. Die Trauer übertraf seine Angst und schwoll in ihm hinauf, wie ein reißender Fluss. Dieser Fluss riss alle anderen Gefühle mit sich.


   Khanto nahm seinen vom Unterholz zerfetzten Mantel und wischte sich damit die Tränen aus Gesicht und Augen. Um seine Fassung bemüht, legte er das Bündel mit dem Baby vor sich auf den Boden. Wie könnte er je vergessen, was geschehen war, wenn der Junge bei ihm war? Immer wenn er ihn ansah, erinnerte es Khanto an die Gesichter der Menschen, die gestorben waren. Schmerzverzerrt oder überrascht hatten sie geblickt, während er an ihnen vorbei in die rettende Dunkelheit der Nacht gerannt war. Khantos Gedanken überschlugen sich in dem dunklen Wald. Wie spät war es? Die Sonne war schon lange untergegangen, dennoch schien der Mond nicht sehr hell auf das Laub am Boden.


   Eine frische Brise fuhr durch seine zerzausten Haare und fegte ein Stück seiner Angst hinfort. Die Äste neigten sich bedrohlich in seine Nähe. Er stand in einer kleinen Senke, die kaum zehn Schritte breit und von einigen Bäumen umgeben war. Khanto erinnerte sich nur dunkel an den Weg, den er auf seiner Flucht gelaufen war. Bilder von einem hohen Wall und einem weiten Salatfeld traten vor seine starr blickenden Augen. Plötzlich schob sich ein anderes Bild in den Vordergrund und mit den Bildern kam die Erinnerung. Mit der Erinnerung kamen die Worte, die so eindringlich und qualvoll zugleich in seinen Ohren klangen.


   Khanto, gib mir dein Ehrenwort. Nimm meinen Sohn und versteck dich im Wald. Er darf nicht gefunden werden. Hörst du? Versprich mir auf ihn aufzupassen. Schwöre es! Beschütze ihn!


   Khanto schlug sich gegen die Stirn und versuchte verzweifelt diese Dinge zu vergessen, die Bilder nicht mehr zu sehen und die Worte nicht mehr zu hören. Tief unter seiner Angst und dem Entsetzen wusste er jedoch, er würde diese Augenblicke niemals vergessen. Mit einem plötzlichen Anfall von Wut und Trotz hob er das Baby auf und legte es unter seinen Mantel. Der Kleine hatte auf dem kalten Boden wieder angefangen zu zittern.


   Das Zittern dieses zarten Geschöpfes an seinem Körper bestärkte ihn in seinem Entschluss. Es war der letzte Wunsch seines Freundes gewesen, diesen Jungen zu beschützen. Khanto würde einen Weg finden, diese Aufgabe zu bewältigen und bis zu seinem letzten Atemzug alles geben, um das zerbrechliche Bündel in seinen Armen zu verteidigen. Tief in seine Gedanken vergraben, schritt er den Weg voran, den er gewählt hatte. Als er bereits einen Augenblick gegangen war, nahm er ein schreckliches, wütendes Gebrüll in der Ferne wahr, das er kurz zuvor schon einmal in dem Haus gehört hatte und beschleunigte vor Angst bebend seine Schritte. Gleich darauf verschwand die Furcht für einen winzigen Moment und ließ Hoffnung in sein Herz. Sie wärmte ihn in dieser kalten, trüben Nacht bis in jede Faser seines schlanken Körpers. Für wenige Sekunden fast schon fröhlich schritt er voran in ein anderes Leben. Aber das war ihm egal. Khanto war eine Idee gekommen, wie er für den Jungen sorgen konnte, ohne ständig in seiner Nähe zu sein.


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