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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Die Erben des Lichts, Achim Köppen
Achim Köppen

Die Erben des Lichts


Das Tor der Welten

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George Miller wurde derweil immer unruhiger. Er hatte kaum noch Lust, länger hier in Herrington zu verweilen. Dieser ganze Urlaub erschien ihm eher wie ein schlechter Traum. Aber andererseits wollte er Peter auch nicht ganz allein lassen.
Da Mrs. Smith jetzt nicht mehr kam, blieb George nichts anderes übrig, als sich selbst um den Haushalt zu kümmern, denn Peter hielt sich die meiste Zeit in der Bibliothek auf. Etwa zwei Tage nach der Beerdigung trafen sich die beiden zufällig in der Küche.


„Es ist sehr erfreulich, dass du dich auch einmal wieder sehen lässt, denn während du dich die ganze Zeit in der Bibliothek verkrochen hast, konnte ich mich hier um alles kümmern", bemerkte Miller gereizt.


„Du hast ja Recht", erwiderte Peter müde, „ich habe mich dir gegenüber in den letzten Tagen nicht ganz korrekt verhalten, aber ich weiß auch nicht mehr, was ich von den ganzen Aufzeichnungen meines Großvaters halten soll."


George blickte ihn fragend an.


„Komm doch mit in die Bibliothek, dann zeige ich dir, was ich damit meine."


Die Bibliothek befand sich in einem heillosen Zustand: Bücher waren aus den Regalen genommen und auf dem Tisch verteilt. Dieser war ohnedies mit einem Wust von Papieren bedeckt. Inmitten des ganzen Wirrwarrs lag das Holzkästchen, das Peter von Vikar Nolan erhalten hatte.


„Es ist mir gelungen, zumindest einen Teil der Aufzeichnungen aus der Runenschrift zu übersetzen. Hier in diesem Heft befindet sich eine Übersetzungsanleitung."
Mit diesen Worten hielt Peter das kleine schmale Oktavheft in die Höhe.


„Ich werde dir einmal etwas von dem, was ich bisher übersetzt habe, vorlesen. Pass auf:


5. Juni 1989. Ich habe bei meinen Nachforschungen in der Kirche eine Entdeckung gemacht, die meine kühnsten Erwartungen übertroffen hat. Die alte Legende vom"Tor der Welten" scheint einen wahren Kern zu haben. Vikar Jones musste ich teilweise in mein Vorhaben einweihen, sonst hätte er mir sicher nicht dabei geholfen, ja, es mit Sicherheit nicht einmal erlaubt. Ich mache mich sofort an die Übersetzung, es wird nicht einfach werden.


12. Juni. Es ist geglückt! Die Übersetzung ist so ziemlich abgeschlossen. Wenn es wirklich stimmt, was auf diesem alten Pergament steht, kann man von dem Steinkreis hier in Herrington in eine fremde unbekannte Welt mit Namen"Alkhana" gelangen. Ich kann es zwar selbst kaum glauben, werde aber trotz alledem einen Versuch wagen.


Dies war seine letzte Aufzeichnung. Einige Tage später ist er spurlos verschwunden und erst nach etwas über einem Jahr wieder aufgetaucht."


„Und du glaubst jetzt tatsächlich etwas von diesem ganzen mystischen Kram?", fragte George und konnte sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen.


„Ich weiß, wie schon gesagt, selber nicht, was ich davon halten soll. Denn die ganze Sache wird noch rätselhafter. Schau nur, was ich auf diesem alten Stück Pergament noch entdeckt habe."


Webster holte sein Feuerzeug aus der Hosentasche und entzündete eine Kerze, die vor ihm auf dem Tisch stand.


Dann nahm er das Pergament, auf der sich die Zeichnung vom Steinkreis befand und hielt es vorsichtig über die Flamme.


„Hier ist noch etwas mit geheimer Tinte hinzugefügt worden."


Tatsächlich wurden jetzt die Konturen einer Zeichnung sichtbar, die man anscheinend nachträglich hinzugefügt hatte. Sie zeigte eine Schar Bewaffneter, die sich, von einem Ritter angeführt, auf das Steintor zu bewegte. Im Tor konnte man ein Fabelwesen erkennen, das einem Drachen oder Lindwurm ähnelte.


Miller sah die Zeichnung skeptisch an.
„Es kann verschiedene Gründe haben, weshalb man versucht hat, diese Zeichnung zu verbergen. Vielleicht hatte man nur Angst vor einer Verfolgung durch die Kirche. In der damaligen Zeit war es für irgendwelche Geheimwissenschaftler unter Umständen sehr gefährlich, Dinge zu verbreiten, die dem Klerus nicht genehm waren. Gerade über so eine heidnische Kultstätte wie den Steinkreis."


„Möglich, aber ich möchte endlich Gewissheit darüber haben, was sich dort oben wirklich abgespielt hat. Zu lange habe ich nur an mich und meine Karriere als Rechtsanwalt gedacht. Die Ereignisse seit Oktober letzten Jahres, der Tod von Deborah und Susan haben mir dies ebenfalls gezeigt. Auch um meine Großeltern habe ich mich zu wenig gekümmert. Noch heute Nacht gehe ich hinauf zum Steinkreis, um dort die Untersuchungsergebnisse meines Großvaters zu überprüfen. Ich bin es ihm einfach schuldig. Nach alledem, was hier bisher geschehen ist, kann ich natürlich auch verstehen, dass du lieber noch London zurückfahren möchtest. Ich bringe dich dann gerne zum nächsten Bahnhof. Aber du kannst mich auch heute Nacht zum Steinkreis begleiten."


George überlegte einen Augenblick.


„In Ordnung, ich komme mit."


Er wusste genau, dass Peter sich sein Vorhaben nicht wieder ausreden lassen würde, und konnte seine Gründe dafür auch gut verstehen.


Kurz nachdem George die Bibliothek wieder verlassen hatte, nahm Webster noch einmal den Teil der Übersetzung zur Hand, den er Miller nicht vorgelesen hatte. Es handelte sich um das, was auf der Rückseite des Pergaments stand, nämlich:


„Gehe in der Nacht zur Sommersonnenwende hinauf zum Steinkreis, platziere die Runensteine in der vorgegebenen Weise und sprich dann um Mitternacht die magische Formel, so wird sich dir das Tor nach Alkhana öffnen. Aber hüte dich vor dem Wächter." Der letzte Satz beunruhigte Webster ein wenig. Wer war damit gemeint? Er hatte keine Ahnung. Erst sehr spät, fast zu spät, sollte er dahinter kommen.


Peter verließ die Bibliothek und ging hinauf in sein Zimmer, um sich etwas auszuruhen. Bald würde er wissen, was dort oben an dem alten Kultplatz geschehen war. Denn heute Nacht war die Sommersonnenwende.


Früh nahmen beide das Abendessen ein, welches George für sie zubereitet hatte. Danach beschäftigte sich Peter noch etwas mit den Büchern, und Miller machte einen Spaziergang ums Haus.


Gegen 23 Uhr ging Webster schließlich hinauf in sein Zimmer, um sich wärmere Kleidung anzuziehen. Außerdem holte er aus einem seiner Koffer eine 38er-Automatikpistole mit Schulterhalfter. Diese Waffe hatte er sich vor einigen Jahren zugelegt, als die Zahl der Raubüberfälle in den Londoner Parkhäusern drastisch angestiegen war. Er überzeugte sich, ob sich genügend Munition im Magazin befand, und lud die Waffe durch.


Einen kurzen Augenblick schien er noch zu überlegen, ob er sie überhaupt mitnehmen sollte. Aber einem unbestimmten Gefühl folgend, schnallte er sich das Halfter um und steckte sie hinein. Anschließend nahm er das Holzkästchen, ööffnete es und legte den Kristallsplitter, die Runensteine, das Pergament und das Oktavheft hinein, schloss es wieder und steckte es vorsichtig in die Jackentasche. Dann verließ er sein Zimmer.


George wartete schon unten im Flur auf ihn.


Er trug einen alten abgenutzten Parka. Beide verließen schweigend das Haus. Es war dunkel geworden, nur der Mond war schwach zu erkennen. Sie hatten beschlossen, zu Fuß zu gehen, und folgten zunächst dem kleinen Feldweg, der vom Hause der Websters bis zur Hauptstraße führte.


Nach einer knappen Viertelstunde erreichten sie Herrington.


Hier war alles still, nur in der Ferne bellte ein Hund, und irgendwo schloss jemand eine Tür. Die Leute hier im Ort gingen früh zu Bett. Sie durchquerten das Dorf und kamen nach circa fünfzehn Minuten an die Ortseinfahrt.


Jetzt war es nicht mehr weit.


Von der Hauptstraße führte ein schmaler Pfad den bewaldeten Hügel hinauf, auf dem sich der Steinkreis befand.


Der Weg endete direkt an dem alten Kultplatz. Jetzt konnte George gut verstehen, dass manche Leute aus dem Dorf diesen Platz mieden; es war hier wirklich unheimlich.
Auf merkwürdige Art und Weise schien es sogar noch ruhiger zu sein als vorhin unten im Ort. Nur der Wind spielte leise im Geäst der uralten Eichen. Von Zeit zu Zeit schob sich der Mond hinter den dichten Wolken hervor.


Die fast vier Meter hohen Steinquader bildeten einen Ring von etwa zwanzig Metern Durchmesser. In dessen Mitte befand sich das Steintor, dieses große, aus drei Blöcken bestehende Objekt.


Webster ging nun hinüber zum Steintor und tastete den linken Block in einer Höhe von etwa einem Meter ab. Bald spürte er eine kleine Einbuchtung im Stein. Er ging zum rechten Block und fand an derselben Stelle ebenfalls eine solche Vertiefung. Dann machte er ein paar Schritte vom Tor weg in gerader Richtung nach vorne und entdeckte in dem ansonsten weichen Waldboden eine runde Fläche von etwa einem halben Meter Durchmesser, die felsig war. In dieser Fläche befand sich eine kleine Mulde. Er kratzte sich nachdenklich am Kopf, holte dann aber das Kästchen aus seiner Jackentasche, ööffnete es, nahm die drei Runensteine heraus und warf dabei einen kurzen Blick in das Oktavheft.


Nun platzierte er jeden der Steine an der entsprechenden Stelle: zwei in den Einbuchtungen am Steintor und den dritten in der Mulde am Boden.


George schüttelte nur mit dem Kopf.
„Was bezweckst du eigentlich damit?"


Doch Peter antwortete nicht. Stattdessen entnahm er dem Holzkästchen noch einen Zettel, auf dem die Übersetzung der magischen Formel stand. Dann stellte er sich etwa drei Meter vom Steintor entfernt auf.


Miller schien jetzt seine Gedanken zu erraten.
„Mein Gott, Peter, du glaubst doch nicht etwa, dass dieser Hokuspokus wirklich funktioniert? Das Ganze war doch alles nur ein Phantasiegebilde deiner Großeltern!"


In diesem Augenblick schlug die Turmuhr im Dorfe 12 Uhr. Peter begann den Zauberspruch abzulesen - seltsame Laute einer nordisch klingenden Sprache kamen über seine Lippen.


Und plötzlich schien von der Mitte des Platzes, wo sich das Steintor befand, Nebel aufzusteigen. Es war tatsächlich Nebel, aber einen solchen hatten sie zuvor noch nie gesehen. Er schien von innen her bläulich zu leuchten und hatte bald den ganzen Platz eingehüllt. Ungläubig starrten die beiden auf das, was sich vor ihren Augen abspielte. Innerhalb des Tors schien der Nebel am intensivsten zu leuchten. Dann entstand inmitten des Portals ein mächtiger Wirbel, ähnlich dem einer Windhose.


Jetzt war Peter nicht mehr zu halten, und er achtete auch nicht auf die Zurufe seines Freundes, der ihn zurückhalten wollte.


Er ging auf das Tor zu, wurde von dem wirbelnden Nebel erfasst und war dann nicht mehr zu sehen.


George zögerte noch einen kurzen Augenblick, dann rannte er hinter Peter her und verschwand ebenfalls im Nebel.


Nach ein paar Minuten begann der Nebel sich wieder aufzulösen. Der Steinkreis schien jetzt wieder wie zuvor, nur Peter und George waren von dieser Welt verschwunden.


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