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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Die einarmige Tote, Sven Rübhagen
Sven Rübhagen

Die einarmige Tote



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Schrecken im Schurwald


 


Die Dunkelheit schien nahezu undurchdringbar. Im Westen war die dunkelrot gefärbte Sonne schon fast untergegangen und ihre letzten tiefen Strahlen durchzogen die Finsternis.


David Schrell ließ langsam seinen Blick kreisen und die Bäume des Waldes, der ihn umgab, waren erfüllt von einem abgrundtiefen Schwarz. Dennoch hoben sie sich bedrohlich von der immer stärker werdenden Dunkelheit der hereinbrechenden Nacht ab.


Dieses Bild hatte etwas Furchteinflößendes.


Sarah Kremel, mit der er gemeinsam die achte Klasse der Realschule besuchte, schlang fröstelnd die Arme um ihren Körper und David gewahrte in ihrem Blick etwas, das am ehesten mit Angst zu beschreiben war.


„David, wir sollten langsam umkehren“, hörte er ihre Stimme. Als sie ihm ins Gesicht blickte, hatte der Ausdruck von Unbehagen noch einmal zugenommen.


Der Junge nickte zustimmend. Es war Hochsommer, und auch wenn es bereits nach neun Uhr war, war es alles andere als kalt. Doch dieser Wald brauchte keine Kälte, um seinen Besuchern kalte Schauer über den Rücken laufen zu lassen. David konnte es nicht erklären, aber irgendetwas war merkwürdig an dieser Szenerie.


David und Sarah befanden sich im Schurwald, nahe ihrer Heimatstadt Plochingen, etwa 20 km von Stuttgart entfernt. Plochingen war eine kleine Stadt mit ca. vierzehntausend Einwohnern. Eigentlich waren es nur fünf bis zehn Minuten zu Fuß bis zur Stadt. Obwohl sie schon recht lange in Plochingen lebten, hatte ein Spaziergang sie heute zum ersten Mal in den Schurwald geführt. Sie hatten ihm bisher einfach nie wirklich Beachtung geschenkt.


Ohne seinen Blick von Sarahs Gesicht abzuwenden, lauschte er.


Und hörte gar nichts.


Normalerweise hätte er um diese Uhrzeit Grillen zieren hören müssen, oder das leichte Rascheln von Laub, doch nichts dergleichen drang an sein Ohr.


„Was hast du?“, fragte Sarah alarmiert. Seine Gedanken mussten sich wohl deutlich auf seinem Gesicht widerspiegeln, denn nun hatte sich ihr Gesichtsausdruck abermals verändert. David wusste im ersten Moment nicht, ob dieser Ausdruck ihm besser gefallen sollte oder nicht.


Es war eindeutig Besorgnis. Spürte sie es auch? Diese Totenstille?


David schüttelte etwas verzögert und eine Spur zu heftig seinen Kopf und versuchte gleichzeitig ein beruhigendes Lächeln aufzusetzen. Er war sich alles andere als sicher, ob ihm dies gelang.. „Gar nichts“, sagte er nur und nahm sie in die Arme.


„Lass uns bitte umkehren“, raunte sie ihm mit einem nun eindeutig verängstigten Tonfall ins Ohr.


Sarah drehte zögernd ihren Kopf zur Seite und sagte: „Hier stimmt irgendetwas nicht.“


David sah sich ebenfalls zum wiederholten Mal um. Die Sonne war inzwischen vollkommen untergegangen, sodass die Dunkelheit den Wald völlig eingehüllt hatte wie der düstere Griff eines finsteren Geistes.


„Unsinn“, widersprach David, um sich und seine Freundin zu beruhigen.


Natürlich hatte Sarah recht!


Sein Blick schweifte noch immer in die Ferne, ohne überhaupt etwas zu sehen, als er plötzlich spürte, wie Sarah ihn sanft mit sich zog.


„Es ist nicht mehr weit und ich will nach Hause\", sagte sie, während sie mit zügigen Schritten den Waldweg entlangging. Es fehlte wirklich nicht mehr viel und sie würde mit ihren Beinen so weit ausschreiten, dass es einem rennen sehr nahe kam.


David fragte sich, woher sie wissen wollte, dass es nicht mehr weit war, immerhin liefen bereits seit gefühlt einigen Stunden hier herum, nachdem sie die Orientierung verloren hatten. Er hatte sich immer wieder gefragt, wie groß dieser Wald wohl sein mochte.


Ohne ein Wort des Protestes folgte er ihr mit zügigem Schritt.


Sie waren inzwischen weitere zwei Stunden den unebenen Waldweg entlanggelaufen. Inzwischen musste es Mitternacht sein. Doch David wusste nun, dass sie auf dem richtigen Weg waren, denn er erblickte ein altes Denkmal, welches den Namen „Weißer Stein“ trug. Er hatte des Öfteren davon gehört. Seine Mutter hatte ihm zum Beispiel als Kind immer davon erzählt.


Sie befanden sich inmitten des Schurwaldes an einer Kreuzung der Straßen Aichschieß-Plochingen und Esslingen-Schorndorf. In der Mitte stand der weiße Stein. Es war eigentlich nichts besonders. Einfach ein grober, rechteckiger Stein, an dem schon an manchen Stellen das Moos zu nagen begonnen hatte. Auf der Vorderseite stand in einfachen Druckbuchstaben: Weisser Stein.


Die Legende über diesen Stein besagt, dass er mit dem Verschwinden eines württembergischen Jagdknechtes in Verbindung stehe. Bauern der Umgebung wurden unterdrückt und getrieben von den angestauten Hass und der Rachedurst sollen diese einem Jagdknecht aufgelauert und ihn erschlagen haben. Seit jeher soll dieser in den letzten Jahreswochen an diesem Stein gesehen worden sein. Und das bis heute. David glaubte nicht an diesen Spuck. Auch wenn er es als Unsinn abtat, vermied er es, auf das Denkmal zuzugehen.


Hastig nickte David. „Okay Sarah, wir sind richtig.“


Er deutete in die Richtung, in der Plochingen lag, dann liefen sie los. Wäre die Situation nicht so bedrückend gewesen, hätte David gelacht. Sie liefen seit Stunden in diesem Wald umher und jetzt war der Weg doch so simpel.


Die Stille, die zuvor so undurchdringlich gewesen war, wurde plötzlich von einem lauten, langgezogenen Knurren unterbrochen. Es war ein Geräusch, das David durch den gesamten Körper ging und sich im Magen festsetzte.


Er und Sarah blieben abrupt stehen, als wären sie von einer Sekunde auf die nächste zur Salzsäule erstarrt. Nach einem Moment drehte sich Sarah zu ihm um und in ihrem Gesicht lag ein Ausdruck, der ihm schier das Herz brach.


Es war nackte Panik. Er konnte sehen, wie in ihren Augen glitzernde Tränen schimmerten.


„David, was war das?“, fragte sie mit erstickter Stimme und er konnte beinahe körperlich spüren, wie sie sich Mühe gab, nicht einfach vor Panik zu schreien.


David schüttelte nur den Kopf. „Ich weiß es nicht“, log er, denn er wusste es ganz genau. Irgendwo in der Dunkelheit in ihrer Nähe lauerte etwas und es würde über sie herfallen.


David ballte im Stillen die Hände zu Fäusten und biss sich auf die Unterlippe.


Er durfte nicht aus der Fassung geraten. Wahrscheinlich hatten ihre überreizten Nerven ihnen nur einen Streich gespielt und sie sich das bedrohliche Geräusch nur eingebildet.


Nein, er musste ruhig bleiben. Er musste für Sarah da sein, denn er wusste, dass sie sehr ängstlich war.


Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende gedacht, hörte er sie bereits panisch weinen.


„David, ich habe Angst“, wimmerte sie und drückte sich gleich darauf so dicht an ihn, dass es fast wehtat. Er erwiderte ihre Umarmung, küsste ihr tröstend auf die Stirn und strich ihr im selben Moment durch das blonde Haar.


„Es ist nicht mehr weit, Sarah. Wir haben es gleich geschafft.“


Er hatte diese Worte kaum ausgesprochen, als er aus den Augenwinkeln etwas mit einer unglaublichen Geschwindigkeit aus der Finsternis heranspringen sah.


„SARAH, LAUF!“, stieß er mit sich überschlagender Stimme hervor, gab ihr einen kräftigen Stoß, sodass sie seiner Umarmung entglitt, zurücktaumelte und stürzte.


Mit einer Schnelligkeit, die er sich niemals zugetraut hätte, warf er sich nach hinten. Wäre er stehengeblieben, wäre es sein sicherer Tod gewesen.


Er sah gerade noch, wie etwas Großes über ihn hinwegsprang.


Umständlich rappelte er sich wieder auf und fuhr gleich darauf herum.


Vor seinen Augen spielte sich die reinste Hölle ab.


Es war ein Anblick, der David schier den Atem nahm, weil es einfach unmöglich war.


Vor ihm, vielleicht in fünf Schritten Entfernung, befand sich ein großes Monster, ein Werwolf, wie er ihn nur aus Filmen kannte. Er war gegen das Denkmal geprallt, das allerdings so robust zu sein schien, dass es noch immer fest auf der Erde stand.


Das Wesen schien diesen Aufprall nicht einmal gespürt zu haben, denn es stieß ein lautes Gebrüll aus und riss die Klauen gen Himmel. Es stellte sich auf die Hinterläufe und funkelte David mit feuerroten Augen an.


David hörte hinter sich, wie Sarah ein lautes Wimmern ausstieß und als er sich mit gewaltiger Kraftanstrengung zu ihr umwandte, erkannte er, dass sie sich zu Boden hatte fallen lassen. In ihrem Gesicht las er nacktes Entsetzen und eine Mutlosigkeit, die ihm die Kehle zuschnürte. Am liebsten hätte David Sarah einfach am Arm gepackt, um dann so schnell wie möglich zu verschwinden. Doch er konnte es nicht. Er war nicht fähig sich zu rühren.


Das änderte sich, als das Werwolfmonster erneut ein Gebrüll ausstieß, das durch den gesamten Wald zu rasen schien.


Als David sich zu dem Untier umwandte, erkannte er, dass es sich langsam auf ihn zubewegte. Seine Augen hatten noch einmal an Leuchtkraft gewonnen und seine spitze, mit Fell bedeckte Schnauze stand drohend weit offen, sodass seine gefährlichen Zähne offenbart wurden.


Mit einem entsetzten Gefühl stürzte er sich zu Sarah herum und eilte zu ihr. Noch immer saß sie einfach am Boden und hatte sich wahrscheinlich aufgegeben.


David war schnell, doch das Waldmonster war schneller.


Wie aus einem bösen Traum nahm er wahr, dass der Werwolf an ihm vorbeisprang und sich auf Sarah stürzte.


Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete David, wie sie einen erstickten Schrei ausstieß und anschließend von dem Monster einfach mitgezerrt wurde.


„DAVID!“


Es vergingen nur wenige Sekunden und das Monster war zusammen mit Sarah verschwunden.


Dann war alles still. So still, dass es an puren Hohn erinnerte.


David konnte nicht glauben, was passiert war, geschweige denn verstehen. Nun war er es, der kraftlos auf die Knie sank. Sein Atem raste und das Blut rauschte ihm so stark in den Ohren, dass er im ersten Moment glaubte in der Nähe einen kleinen Bach plätschern zu hören.


Später vermochte er nicht mehr zu sagen, wie lange er dort im stillen, finsteren Wald gesessen hatte, doch irgendwann hatte einen Entschluss gefasst.


Er konnte Sarah nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.


Mit einer plötzlichen Entschlossenheit, die ihn beinahe selber erschreckte, raffte er sich hoch und lief in die Richtung, in der Sarah mit dem Werwolf verschwunden war.


 


Doch das, was er entdecken würde, sollte erst der Beginn eines schrecklichen Albtraums sein.


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