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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Der vergessene Mond Bd I, Bernd Tannenbaum
Bernd Tannenbaum

Der vergessene Mond Bd I


Zeit des Erwachens

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Mit einem Gefühl von Ehrfurcht sah Herm hinab in die Ebene, die von tausenden Zelten bedeckt war. „Unglaublich, so viele.“ Tyr hatte ihm erzählt, das es die größte Zusammenkunft seit Jahren werden würde, alle elf Klanlords würden kommen und ihre Krieger mitbringen, um Stärke zu zeigen. Und doch hätte Herm niemals gedacht, dass es so viele sein würden. Dann trat Kira neben ihn und legte ihre Hand auf seine Schulter, sie schien sich für einen kurzen Moment an ihn zu lehnen, bevor sie sich schließlich neben ihn stellte. Einen Augenblick lang versank Herm in ihrer Berührung und stellte sich vor, wie sie sich an ihn schmiegte, die Berührung ihres Körpers hatte nach wie vor eine erregende Wirkung auf ihn.


 


Mit einem Schütteln warf er die Gedanken an Kira ab und starrte zusammen mit ihr wieder auf das Meer von ledernen Zelten, das sich vor ihnen wie ein brauner Teppich ausbreitete. In der Mitte des riesigen Teppichs ragten neun große Steine in den Himmel, die in einem Kreis angeordnet selbst die größten Zelte noch um das doppelte überragten. Um die Steine herum standen zwölf besonders große und prächtige Zelte, über elf von ihnen wehten die Fahnen der verschiedenen Klans Valkalls, über dem zwölften und größten der Zelte jedoch wehten keine Fahnen. „Wessen Zelt das wohl ist?“ Gerade, als Herm sich die Frage in Gedanken gestellt hatte, stieß Kira ihn an und zeigte auf gerade dasselbe Zelt. „Das ist das Zelt der Runenleser. Der Rat der Neun tagt dort unter der Leitung von Marla, der Sprecherin. Es ist das Ziel deiner Reise.“ Sprachlos sah Herm sie an. Offenbar hatte Kira bei ihren langen Gesprächen mit Persia und ihrer Tochter weit mehr über ihre Gastgeber gelernt, wie er für möglich gehalten hätte, er hatte sie einmal mehr unterschätzt.


 


Schließlich kam auch Tyr die kleine Anhöhe herauf und stellte sich neben sie. „Seht dort, das große Zelt mit dem Banner des weißen Bären, dort werden wir meinen Bruder Teschokk treffen, den Klanlord der Ygmaren.“ Die Stimme des Klanführers klang rau und stolz, als er auf eines der großen Zelte bei den Steinen zeigte. Herm hatte bei seinen Abenden mit Eiswein an Tyrs Feuer viele Geschichten über dessen Bruder gehört, und die hatten nicht gerade zu seiner Entspannung beigetragen. Teschokk war bekannt als mutiger Krieger und kompromissloser Anführer, der weder Feigheit noch Verbrechen tolerierte. Seine Gunst konnte man nur durch Tapferkeit erwerben und wer bei ihm in Ungnade fiel, war verloren.


 


Herm hatte versucht, dem Treffen mit Teschokk auszuweichen, aber Tyr hatte klar zu verstehen gegeben, dass es einer Beleidigung gleich kommen würde, der Einladung seines Bruders abzusagen. Teschokk hatte offenbar gehört, das Herm Tyrs Leben gerettet hatte und wollte ihn kennen lernen. Noch einmal konzentrierte er seinen Blick auf das riesige Lager, das zu seinen Füßen lag. Ein kleiner See lag im Süden der Zelte und sicherte die Trinkwasserversorgung, während ein kleines Gebirge mit vier Gipfeln die Ebene nach Norden begrenzte. Hunderte große Feuer brannten zwischen den Zeltgruppen, das Holz dafür lieferte der kleine Nadelwald im Westen. Lediglich der Weg von Osten war frei und so kamen neben Tyrs Jagdklan auch andere Neuankömmlinge über die Hügel zum Lager, um es weiter zu vergrößern. Dann brach Tyr die Stille und begann, den Hügel hinab auf Teschokks Zelt zu zugehen und nach kurzem Zögern folgten ihm Herm und Kira auf seinem Weg in das Herz des Lagers. Der Marsch durch die unendlichen Reihen von Zelten schien Stunden zu dauern und der Geruch von Essen und zu vielen Menschen auf zu engem Raum wurde intensiver, je näher sie dem Zentrum des Lagers kamen. Gerade, als Herm ein erstes Knurren in seinem Magen spürte, das ihn an die kommende Mittagszeit erinnerte, öffneten sich die Reihen der Zelte vor ihm und ermöglichten freie Sicht auf die neun Steine, den heiligen Ort der valkallischen Klans, umgeben von den elf Zelten der Klanlords. Zielsicher ging Tyr voraus und führte die kleine Gruppe zum Zelt seines Bruders, das anders wie die meisten anderen Zelte von vielen weißen Bärenfellen bedeckt war, passend zu dem Banner des Klans der Ygmaren. Ohne anzuhalten nahm er die Felle des Eingangs zur Seite und trat in das Zelt seines Bruders, Herm und Kira dicht hinter ihm.


 


Es war das größte Zelt, dass Herm je betreten hatte. Eine große Feuerstelle in der Mitte sorgte nicht nur für angenehme Wärme, sondern auch für den verführerischen Duft von gebratenem Fleisch, das in mehreren Spießen über der Glut hing. Vier gefährlich aussehende Wachen mit langen weißen Mänteln verfolgten jede ihrer Bewegungen, als sie ins Innere eintraten, zwei neben dem Eingang und zwei neben dem hölzernen Thron, auf dem ein Hüne von einem Mann saß. Wenigstens zwei Meter groß und so muskelbepackt, dass er selbst Tyr in den Schatten stellte, war der Klanlord der Ygmaren ein atemberaubender Anblick. Auf seinem Kopf befand sich ein einfacher silberner Reif, der mit einem einzelnen großen blauen Diamanten besetzt war, offensichtlich ein Zeichen seiner Herrschaft. Um den Hals trug er eine lange Kette mit Bärenkrallen, den größten Teil seines Körpers in hochwertiges Leder gehüllt stach am meisten sein langarmiger Kriegshammer hervor, der in seinem kostbar verarbeiteten Waffengurt hing. Herm konnte sich gut vorstellen, wie der riesige Barbar die brutale Waffe im Kampf führen und seine Gegner mit dem Hammer, den ein normaler Mann vermutlich kaum anheben konnte, zerschmettern würde. Zur linken des bärtigen Riesen war ein langer Tisch aufgestellt, an dem zwei Männer mit großen Trinkhörnern saßen. Einen von ihnen erkannte Herm sofort, es war Karmain, Tyrs jüngerer Bruder, der vor wenigen Tagen die Nachricht von der großen Zusammenkunft überbracht hatte. Der andere Mann war älter und doch war seine Ähnlichkeit mit Teschokk, Tyr und Karmain unverkennbar, es musste sich um Mennon handeln, den zweitältesten der Brüder. Herms Blick weilte für einige Sekunden auf dem wild aussehenden Mann, dessen Erscheinung anders war wie die seiner Brüder. Mit freiem Oberkörper und nur in grobe Lederhosen und Stiefel bekleidet sah er wilder und furchteinflößender aus wie die valkallischen Krieger, die er bisher kennen gelernt hatte. Ein unbestimmtes und unwohles Gefühl in seiner Magengegend warnte Herm sofort, diesen Mann hatte man besser nicht zum Feind. Karmain nickte ihm kurz bestätigend zu, während der Mann, der Mennon sein musste, ihn und Kira komplett ignorierte.


 


Dann trat Tyr vor den Thron, kniete nieder und streckte seine Arme aus. Teschokk sah für einen Moment auf ihn herab, der Herm wie eine Ewigkeit vorkam, dann stand er ruckartig auf und ein breites Grinsen zierte sein Gesicht, als er seinen Bruder in die Arme schloss. Für Minuten umarmten sich die Brüder und lachten, es war offensichtlich, dass sie sich lange nicht gesehen hatten. „Nun Tyr, willst du mir deinen Lebensretter nicht vorstellen? Und wer ist das kleine Mädchen an seiner Seite?“ Die Stimme des Klanlords klang fröhlich, als er sich ihm und Kira zuwandte. „Dies ist Herm Wyrmtöter, der Mann, der nicht nur mein Leben rettete, sondern auch den Tod unseres alten Runenlesers an seinem Mörder rächte, mit seiner Gefährtin Kira.“ Für einen Moment war Herm überrascht, dass Tyr Kira mit Namen erwähnte, Frauen hatten keinen besonders hohen Stand bei den valkallischen Klans, es war ein weiterer Beweis dafür, dass sie sich den Respekt Tyrs erworben hatte. „Ah. Dann sage mir, Herm Wyrmtöter, welcher Mond ist es, der dir die Kraft gibt?“


 


Die Frage klang in Herms Ohren wie ein Hammerschlag und er fühlte sich, als hätte man ihm in den Magen geschlagen. Von allen möglichen Fragen war dies die einzige, die er nicht hätte stellen dürfen, die einzige, auf die Herm keine Antwort geben konnte. Was sollte er jetzt tun, lügen? Seine Gedanken begannen zu rasen auf der Suche nach einem Ausweg aus der Misere. „Lord Teschokk, an der Seite eures Bruders zu kämpfen, war eine große Ehre. Doch ich kam her um Marla zu treffen, mein Mond ist eine Sache der Runenleser.“ Mit einem Schlag wurde es still in dem Zelt und das fröhliche Lachen gefror in dem Gesicht des Klanlords. Es war offensichtlich, dass er es nicht gewohnt war, in seinem eigenen Zelt herausgefordert zu werden. Dann durchbrach ein Poltern die eisige Stille, als Mennon den schweren Holztisch zur Seite warf, als ob er aus Papyrus wäre und brüllend aufsprang. „Kaldarrischer Hund, wie kannst du es wagen?“ Mit einem Satz war er bei Herm, eine schwere einschneidige Kriegsaxt in der Hand, sein Gesicht zu einer wütenden Fratze verzerrt. Plötzlich ging alles ganz schnell. Bevor Herm überhaupt reagieren konnte, warf sich Kira vor ihn und griff Mennons Hand noch im Schwung seiner Vorwärtsbewegung, um den wenigstens doppelt so schweren Mann wie von Zauberhand über sich zu werfen. Mit einem Lauten Krachen schlug der muskulöse Barbar auf dem Boden auf, um sogleich sein eigenes Messer an seiner Kehle zu fühlen, dass ihm Kira während ihres Wurfs aus dem Gürtel gezogen hatte.


 


Die Wachen des Klanlords zogen augenblicklich ihre Waffen und stellten sich schützend vor ihren Anführer, während Herm, Kaimain und Tyr sprachlos auf das Geschehnis starrten. Schließlich schob Teschokk die Wachen beiseite, die sich vor ihn gestellt hatten und ging langsam auf Kira zu. „Und jetzt, was willst du nun tun? Glaubst du, du kannst uns alle mit deinen Tricks zu Boden bringen, bevor unsere Äxte deinen Schädel spalten?“ Herms Herz raste, die Anspannung in dem großen Zelt schien die Luft zu zerreißen. Er musste etwas tun. „Kira, lass ihn los. Ich befehle es.“ Verwirrt sah sie ihn an, er hatte noch nie zuvor mit einem derartig strengen Befehlston zu ihr gesprochen.


 


Dann verstand sie, nahm langsam den Dolch von Mennons Kehle und stand vorsichtig auf. „Ja Meister, wie ihr befehlt.“ Herm atmete innerlich auf. Sein Plan war gefährlich, aber momentan sah er keine Alternative. So selbstsicher, wie es ihm nur möglich war, schob er sich wieder vor Kira und stellte sich dem Klanlord, der ihm mit einem durchdringenden Blick direkt in sie Augen sah. „Kira ist nicht nur meine Gefährtin, sondern auch mein Leibwächter. Sie wird jeden töten, der es wagt mich anzugreifen.“ Teschokks Augen blieben starr auf Herm gerichtet und aus einem Moment wurde eine Minute, dann eine Ewigkeit.


 


Gerade als Herm glaubte, dass der mächtige Riese zum Schlag ausholen würde, erklang eine neue, fremdartige Stimme und durchschnitt den Raum. „Was ist das für ein Unsinn hier? Reicht es euch nicht, euch gegenseitig zu bekriegen, müsst ihr nun auch noch die Waffen gegen eure eigenen Gäste erheben?“ Fasziniert blickte Herm wie auch die anderen Anwesenden auf den Zelteingang, wo wie aus dem Nichts eine unglaublich alte Frau stand, die sich in gebückter Haltung auf ihren knorrigen alten Stock stützte. Trotz ihres Alters und ihrer zerbrechlich wirkenden Gestalt strahlte die kleine bucklige Frau eine nicht fassbare Aura von Kraft und Autorität aus. Mit Bewunderung sah Herm, wie sich Teschokk furchtlos vor der alten Frau aufbaute und ihrem durchdringenden Blick stand hielt. „Dies ist mein Zelt, Marla. Hier gilt mein Wort und nicht das des Rats der Neun.“ Es war offensichtlich, dass dies nicht der erste Konflikt zwischen dem Klanlord und der alten Runenleserin war. „Ach wirklich? Ist es nicht so, dass der junge Mann hier ein Magier ist, der herkam um sich den Prüfungen zu unterziehen, so wie alle Anwärter? Ist es nicht so, dass er mit Hilfe seiner Kräfte einen großen Wyrm getötet und deinen Bruder gerettet hat? Und ist es nicht so, dass alle Anwärter, gleich welchen Klans, mir unterstehen? Oder sind dir letzte Nacht unsere Vorfahren erschienen und erklärten unsere geehrten Traditionen für ungültig, Teschokk?“


 


Marlas Worte trafen den mächtigen Klanlord wie Axthiebe und mit jedem Satz schien er kleiner und schwächer zu werden, bis er schließlich einen vollen Schritt vor ihr zurückwich. Gerade wollte Herm aufatmen, als Mennon sich neben seinen Bruder stellte. „Der Kaldarrische Hund kann kein Runenleser werden, er gehört keinem der Klans an. Er ist ein Fremder.“ Mit eisigem Blick starrte er auf Herm und Kira, es war klar dass sie sich heute einen mächtigen Feind gemacht hatten. „Ich habe ihm die Mitgliedschaft in meinem Klan angeboten. Herm Wyrmtöter hat mein Leben und das meiner Krieger gerettet, er ist ein Mitglied der Kormu wenn er es will.“ Überrascht sah Herm zu Tyr, der nun das Wort ergriffen hatte. Er musste nicht lange überlegen, es gab nur eine Antwort. „Ich akzeptiere den Klan der Kormu als meine Familie und Tyr als meinen Klanführer. Meine Gefährtin und ich werden ein Teil des Klans und schwören ihm Treue bis zum Tod.“


 


Herm wusste nicht, ob seine Worte dem entsprachen, was in dieser Situation erwartet wurde, doch offensichtlich waren sie gut gewählt. Wortlos stellte sich Tyr vor ihn und legte ihm seine Hände auf die Schultern. „Hiermit akzeptiere ich Herm Wyrmtöter als Mitglied im Klan der Kormu. Er und seine Familie sind nun meine Familie und sollen bei allen Feuern der Ygmaren willkommen sein.“ Mit einem Schlag entspannte sich die Situation im Zelt. Die Wachen steckten ihre Äxte wieder weg und Teschokk ging zurück zu seinem Thron. Karmain stellte den Tisch wieder auf und auch Mennon ging schließlich wieder an seinen Platz, wenn auch sein Blick ein klares Versprechen an Herm und Kira gab, dass die Angelegenheit noch nicht erledigt war.


 


„So sei es also. Herm Wyrmtöter und seine…Leibwächterin...sind mir im Jagdklan meines Bruders willkommen. Du kannst ihn jetzt haben, Marla.“ Mit einer Handbewegung gab Teschokk zu verstehen, dass sie gehen konnten.


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