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Der Nebel Notre Dames


und andere Geschichten

von Fabienne Siegmund

fantasy
ISBN13-Nummer:
9783981284690
Ausstattung:
Paperback, 144 Seiten
Preis:
11.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
UB-Verlag
Leseprobe

 

Sie hatte ihn gefunden. Lange hatte sie gesucht, aber schlussendlich – und das war, was zählte, hatte sie ihn gefunden – hoch über den Dächern von Paris. Reglos stand er da – einer der stummen Wächter Notre Dames war er geworden. Unter seinen wachsamen aber doch reglosen Steinaugen floss die Seine entlang, trug in ihren Wellen Geschick und Schicksal. Ob das ihre ebenfalls dabei war? Oder das seine? Stein kann nicht sprechen, wie sollte die Seine von ihm erfahren?, schoss es ihr durch den Kopf, während sie dichter zu ihm schwebte, über sein steinernes Antlitz strich. „Das hätte nicht passieren müssen“, flüsterte sie leise. Traurigkeit schwang in ihrer Stimme mit. Sie wusste, dass es hatte passieren müssen. Dass ihre Worte nur eine Lüge waren, die sie trösten sollten, aber auch ihre Worte hatten an Macht verloren. Das war der Preis gewesen. Eine Träne rollte über ihre Wange, seine Augen hingegen starrten nur reglos auf die schlafende Stadt. Sie straffte ihre Schultern, griff nach dem Tuch, das ihre nackte Haut unter einem dünnen Schleier verbarg und hinter ihr wie eine Nebelschwade durch die Luft wehte. Mit einer Bewegung ihrer Hände ließ sie das Tuch auf ihn zuschweben, umgarnte ihn damit, seinen nackten Oberkörper, seine Ohren, die so spitz waren wie die ihren – sein Gesicht mit dem Falkenschnabel, das nicht länger menschlich war. Aber all das rührte sich nicht – denn er war zu Stein geworden. Sie umarmte ihn, drückte ihren warmen Körper gegen seine Kälte, und ihre Tränen legten sich auf seine steinerne Stirn wie Regentropfen. Irgendwann drückte sie sich von ihm weg, versuchte ein Lächeln. „Ich werde dich befreien.“ In ihrem Kopf hörte sie die Stimmen der Geister, die sie immer begleiteten. „Er hat es nicht verdient. Er hat dich verletzt, hat dein Herz gebrochen.“ Sie schüttelte energisch den Kopf, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen. Ihre Haare, die die Farbe des Schleiers hatten, der sie umhüllte, wehten durch die Nacht. Die Geister, die die Vergangenheit waren, hatten recht, aber sie konnte nicht anders. Sie wusste, dass er Schmerz sein würde. Aber auch Liebe.

 

 

Klappentext

Hoch über den Dächern von Paris, auf der Galerie des Chimères zu Notre Dame, weht in Nächten, in denen der Mond der Welt sein schmales Lächeln schenkt, eine Nebelwehe. In ihrem Herzen klirren leise Glöckchen, und in ihr hallen die Worte eines Versprechens nach: „Immer, wenn der Mond am Himmel lacht.“

Dies ist der Auftakt einer Reihe phantastischer Kurzgeschichten.

Was es mit diesem Versprechen auf sich hat; warum 1000 Kraniche aus Papier eine wichtige Rolle spielen; aus welchem Grund sich eine junge Frau nur mit einer Laterne und einem Eiskristall zu einer abgelegenen Hütte aufmacht und wann ein Tränentänzer tanzt … Diese und viele weitere Rätsel werden gelöst.
Feen, Elfen, Drachen, Irrlichter, Trolle und mysteriöse Katzen mit Schneeflockenobsidianaugen werden ihren großen Auftritt haben.
Lassen Sie sich entführen in eine andere Welt, die zum Nachdenken und Träumen einlädt.