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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Der letzte Atlanter, Daniela Mattes und Roland M. Horn
Daniela Mattes und Roland M. Horn

Der letzte Atlanter



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Kapitel 1


 


Ayo schaute prüfend zum Himmel. Die schweren Gewitterwolken hatten sich endlich verzogen und die Regengüsse waren versiegt. Nachdem sein Volk sich in die Baumhäuser zurückgezogen hatte, um nicht von den Fluten hinweg gespült zu werden, war heute der erste Tag, an dem man sich wieder durch die momentan morastige Wüste bewegen konnte, die ihn vom Meer trennte. Er gab seiner Schwester Aziza ein Zeichen und sie nahm die bereitliegende Ausrüstung, während er sein Messer griff und den Tragekorb auf den Rücken schnallte. Sie würden sich am besten sofort auf den Weg machen, um zu sehen, ob sie in den Fischreusen etwas gefangen hatten.


 


Seine Füße klatschten in den sumpfigen Boden, als er vom Baum heruntersprang, und er sank ein Stück weit ein. Vorsichtig prüfte er, wie schlimm es war und ging einige Schritte umher. Nun, man konnte nach dem vielen Regen nichts Besseres erwarten. Aber die Sonne, wenn sie heute scheinen würde, wäre kräftig genug, um das Land in kürzester Zeit wieder auszutrocknen und in eine Wüste zu verwandeln.


 


An den Bäumen hingen verschiedene Behältnisse, in denen seine Eltern das Regenwasser aufgefangen hatten. Auch große Tröge aus Holz hatten sie für die Tiere gefüllt, die sie in dem Unterstand auf dem Hügel zusammengetrieben hatten. Sein jüngster Bruder Mabu würde später nach den Tieren schauen. Seine Eltern, genau wie die anderen Stammesgenossen würden sich darum kümmern, die Hütten wieder in Ordnung zu bringen und den Göttern zu opfern.


 


Der Medizinmann und der Stammesführer waren bereits dabei, alles für die Zeremonien vorzubereiten. Der Medizinmann - Wakili - war zugleich Schamane und ein Bruder seiner Mutter. Ayo bewunderte ihn. Er würde später auch gerne Medizinmann werden, doch noch war er mit seinen 8 Jahren nicht alt genug dafür. Da sein Volk sehr klein war, waren sie beinahe alle miteinander verwandt. Der Stammesführer – Kibwe – war der Mann der Schwester seines Vaters, also ebenfalls ein Onkel.


 


Wakili kam auf Ayo und Aziza zu. „Ihr müsst vorsichtig sein auf eurem Weg. Ich habe die Götter befragt und sie wollten mir keine Auskunft geben. Sie haben mir nur ein Zeichen offenbart, das besagt, dass etwas Ungewöhnliches geschehen wird. Seid also vorsichtig. Ich werde eine Zeremonie zu Eurem Schutz abhalten und auch eine für einen reichen Fang.“ Ayo und Aziza nickten. Was Wakili sagte, war Gesetz. Wenn die Götter es so bestimmt hatten, dass heute ein besonderer Tag war, so würden sie nichts dagegen unternehmen können. Und das hätten sie sich auch nicht angemaßt. Die Götter wussten schließlich immer, was sie taten. Und es lag an ihnen, jemanden zu belohnen oder zu bestrafen.


 


Wakili schaute seiner Nichte und seinem Neffen hinterher, wie sie sich langsam trabend entfernten – einer schonenden Gangart, die sie über eine weite Strecke durchhalten konnten, die aber in der nassen Erde etwas beschwerlich sein würde. Er wusste noch nicht genau, was die Götter geplant hatten, aber es war etwas Wichtiges, etwas Besonderes. Nun konnte er nichts anderes tun, als abzuwarten.


 


*


 


 


Ayo und Aziza trafen auf ihrem Weg zum Meer noch andere Menschen der benachbarten Stämme, die ebenfalls ihre Kinder losgeschickt hatten, um nach Nahrung zu suchen. Nicht alle mochten jedoch Fisch und daher waren die beiden Geschwister den größten Teil der Strecke alleine unterwegs, während ihre Freunde und Bekannten sich auf die Suche nach Früchten und verirrten Tieren machten. Eine solche Flut hatten sie schon lange nicht mehr erlebt. Aber sie war gut für das Land, das nach der langen Trockenheit nach Wasser gedürstet hatte. Welch ein Glück, dass die Götter beschlossen hatten, das Land zu tränken und es fruchtbar zu machen.


 


Schweigend trabten sie durch den Matsch und über die freie Ebene. Ein leerer Kürbis gefüllt mit frischem Wasser baumelte an ihren Ledergürteln. Ayo trug den leeren Korb, den er mit viel frischem Fisch zu füllen hoffte. Wenn die Reusen wirklich voll davon waren, dürften sie keine Zeit verlieren. Lägen die Fische zu lange in den Reusen, wäre er nicht mehr frisch genug, eine Tatsache, die durch den anschließenden Transport in der heißen Sonne noch verschlechtert werden würde. Daher plante er, die Fische in der nassen Erde einzuschlagen und trocknen zu lassen und sie dann erst zu transportieren. Nur das Gewicht machte ihm noch Sorgen. Vielleicht könnte er die Fische auch in die Blätter wickeln, die er in den Korb gefüllt hatte…


 


Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als seine Schwester plötzlich stehenblieb und ihn am Arm zurückhielt. Sie hatten bereits den Strand erreicht und konnten in der Ferne noch einige wütende Wellen sehen, die es aber nicht bis an den Strand schafften, sondern zuvor sanft ausrollten. Zunächst war ihm nicht klar, was seine Schwester erschreckt hatte, doch dann folgte er ihrem ausgestreckten Arm, mit dem sie immer wieder hektisch auf das Ziel ihrer Aufregung deutete. Dabei wackelte das Band mit den eingeflochtenen Muscheln, das sie am rechten Handgelenk trug.


 


„Schau, da vorn! Siehst Du es denn nicht? Da liegt etwas Großes im Sand. Ist es gefährlich? Ist es ein riesiger Fisch? Sollten wir lieber umkehren?“ Seine ansonsten sehr zurückhaltende und schweigsame Schwester sprudelte über vor Aufregung. Doch sie hatte keine Angst, stattdessen blitzte Neugier und Abenteuerlust in ihren Augen, die ihre Worte Lügen straften. Umkehren? Gefahr? Ayo lächelte. Seine Schwester war wild darauf, herauszufinden, was da am Strand lag. Und er auch. „Das könnte das Zeichen der Götter sein, von dem Onkel Wakili gesprochen hat“, sagte er nachdenklich. „Und wenn es ein Zeichen der Götter ist, so müssen wir es erkunden und dürfen nicht einfach umkehren.“



 


 


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