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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Das Vermächtnis der Fünf Kreise, Roman Klein
Roman Klein

Das Vermächtnis der Fünf Kreise


Band 2 der Fantasy-Trilogie Der Fünfte Kreis

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…Dann schlug er aufgeregt seine Kapuze vom Kopf, sodass der Schnee, der noch darauf lag, aufgewirbelt wurde. Sein Haar fiel wie eine Flut von Silber über die breiten Schultern glatt herunter. Er wirkte augenblicklich auf den Rest der Gruppe wie ein Riese, Zorn zeigte sich in seinen Augen, vermischt mit unsäglicher Fürsorge. Alle wollten wissen, welchen Schatz er meinte, und löcherten ihn mit Fragen.


Ein Aufschrei! Tataho zeigte aufgeregt zum nördlichen Himmel hinauf und erstarrte. Es hatte den Anschein, als konzentrierte er sich auf einen einzigen Punkt. Der Rest der Gemeinschaft war so besessen in die Diskussion mit dem Meister verstrickt, dass er die unechte schwarze Wolke, die sich ihnen über die Grate rasch näherte, nicht bemerkte. Sie schien lebendig zu sein und bestand aus unzähligen schwarzen Tupfen, die in der Luft ungeordnet umherhüpften. Ständig änderte die Wolke ihre Gestalt, mal war sie dicht gedrungen wie eine Kugel und mal erschien sie flach, einer gewellten Scheibe nicht unähnlich. Sie machte den Anschein, als sei sie auf der Suche nach jemandem.


„Kommt!“, schrie Baldur aus voller Brust, als er den Schatten am Himmel erblickte. Seine Augen waren scharf, schärfer als die eines Falken. Er erkannte die Gefahr in der Wolke. „Unter den Bäumen dort finden wir Zuflucht.“ Im vollen Lauf schnappte er sich Tataho und rannte, so schnell er konnte, den Berghang hinab. Auch die anderen überlegten nicht lange und preschten hinterher. Das Gesicht des Meisters war bitterernst, er schien vor der Bedrohung weglaufen zu wollen, wusste aber nicht, wohin. Hin und wieder ertappte sich Annika dabei, wie sie angsterfüllt nach oben schaute und jeden Moment einen Überfall aus der Luft erwartete. Die rätselhafte Wolke rückte näher und näher. Ein entfesseltes Krächzen, das der Wind herantrug, eilte ihr voraus. Und dann sahen sie es: Die Wolke bildete sich aus pechschwarzen Krähenvögeln, die sich im Schwarm zusammenfanden. Schon erreichten Baldur und die anderen den schützenden Waldrand und sprangen bedenkenlos in die niedrigen Büsche und Hecken hinein, die den Wald wie eine natürliche Mauer umsäumten. Die Esel schreckten vor den Sträuchern zurück und sträubten sich, bis Jasman ihnen einen Klaps auf den Hintern gab, dann hasteten auch sie mit lautem ‚Ia’ ins Gestrüpp. Für einen Augenblick herrschte Stille. Dann erwürgte sie beinahe das zornige, schrille Krächzen der herannahenden Krähenschar, es hallte über dem engen Tal wider und prallte an den steilen, felsigen Berghängen ab. Anfangs zogen die Vögel über ihre Köpfe hinweg, wie schwarze Irrlichter im immer dunkler werdenden Himmelsschein, dann flogen sie weiter und kamen kurze Zeit später lärmend wieder zurück. Baldur beobachtete voller Sorge das übermütige Treiben. „Die Vögel verheißen nichts Gutes“, ahnte der alte Zauberer, „sie kundschaften die Gegend aus. Wer oder was sich auch dahinter verbirgt, dies lässt keine guten Absichten erkennen.“


Krähen symbolisierten in Nordland im Allgemeinen Klugheit und Weisheit und offenbarten meist Ereignisse, denen sie zeitig vorauseilten. Aber manchmal standen sie auch als Sinnbild für die Bosheit und das Böse an sich, da sie Aas keinesfalls verschmähten, denn sie konnten tagelang geduldig auf den Tod verletzter Tiere lauern, um dann Fleischstücke aus deren leblosen Leibern zu reißen. Die Mächtigen und Weisen der Welt betonten immer wieder, dass eine Krähe beim Verzehr den Geist ihres Opfers in sich aufnähme und dass dieser, ob gut oder böse, gerecht oder ungerecht, von nun an bis in alle Ewigkeit unter den Lebenden im Reich der Toten weilte.


Die merkwürdigen Zeichen, die die Krähen zur Stunde in den Himmel malten, entstanden zwar auf den ersten Blick willkürlich und kaum jemand hätte das Geflattere als einen Fingerzeig gedeutet, trotzdem schienen die Vögel eine Sprache zu sprechen. Nur ein geübtes Auge konnte in den Gestalten und Formen einen tieferen Sinn erkennen und ihnen Geheimnisse entlocken. Der Anführer der dunklen Himmelsschar schlug beinahe spielerisch heftige Haken in der Luft oder änderte abrupt seine Richtung, mal stürzte er nach unten, um dann steil nach oben zu ziehen, mal wurde er so schnell wie ein Falke, sodass seine Brüder und Schwestern ihm kaum folgen konnten. Dann riss die schwarze Wolke für einen Moment auseinander.


„Meister!“, rief Thessalla. „Könnt Ihr schon irgendetwas erkennen? Sie haben uns bereits entdeckt und warten gierig darauf, dass wir endlich aus der Deckung kriechen. Jede Feder werde ich ihnen einzeln ausrupfen, sollten sie es wagen, uns anzugreifen!“


Baldur hatte seinen Kopf in den Nacken gelegt und starrte unbeirrt hinauf. Er begann, seltsame Worte zu murmeln, als läse er in einem riesigen Buch, das über ihm aufgeschlagen schwebte und dessen Seiten die Farbe des Himmels angenommen hatten. Annika und Iwo schützten den kleinen Tataho, indem sie ihre Mantelhälften über den Knaben schlugen, sodass man ihn von der Luft aus nur schwer erspähen konnte. Von Furcht erfüllt kauerte Tataho darunter. Jeder Vogelschrei, der ertönte, schmerzte in seinen Ohren, zwängte sich durch Kopf und Geist. Er hielt sich beharrlich die Ohren zu, doch eine liebliche, weibliche Stimme drang trotz seiner Bemühungen durch, zischte immerzu seinen Namen: „Tataho, Tataho! Ich kann dich sehen, folge mir! Folge meinen Brüdern und Schwestern!“ Neugierig wie ein Junge in seinem Alter war, lugte er unter dem Manteldach hervor. Im selben Augenblick, als er zwischen den kahlen Ästen und welken Blättern hinaufschaute, erschien der Himmel wie ein erdrückender Spiegel, jedoch hell und klar. Er konnte sein Gesicht darin erkennen, groß und mächtig, und es war schwarz wie das Gefieder der Vögel. Fassungslos standen die anderen, als ob sie versteinert wären, zwischen den Baumstämmen und betrachteten Tatahos Abbild. Selbst die Esel guckten hinauf und ihre Augen weiteten sich, als ob sie sich fürchteten oder wunderten. Die Krähen formierten ein freundliches Gesicht, es lächelte. Es war eindeutig das Lächeln des Jungen, das wie ein beseelter Schatten am Himmel zu kleben schien. Sie verharrten eine Weile in dieser Anordnung und schlugen gehetzt mit den Flügeln. Geheimnisvolle Mächte von irgendwoher lenkten sie. Plötzlich lösten sich einige Vögel aus der Formation und stürzten zu Boden.


„Tataho!“, schrie Annika. Ihr Aufschrei war im ganzen Tal zu hören. Sie hatte ihren Sohn entdeckt, wie er mutterseelenallein auf freiem Feld stand und nach oben schaute. Tataho hatte gespürt, wie seine Sinne sich auf einmal vernebelten und sein Verstand verdunkelte. Als ob eine andere Kraft am Werk sei, krabbelte er unter den schützenden Mänteln hervor und taumelte aus dem Wald.


„Um Himmels willen!“, schrie Baldur, aufmerksam geworden durch Annikas Rufe. Mit Besorgnis folgten seine Blicke den Krähen, die auf den Jungen stießen. Hastig sprang er hinter der Hecke hervor und erhaschte mit kraftvollem Griff den linken Arm Tatahos. „Bist du von allen guten Geistern verlassen!“, schimpfte er, während er ihn wieder in Richtung Waldrand zerrte. Tataho fuhr sich mit der Hand über die Stirn und zwang sich, den Blick von den Krähen abzuwenden. Diese Vögel zogen ihn in ihren Bann und er kämpfte gegen den Wunsch an, sich ihnen zu stellen. Es widerstrebte ihm, seinem Meister zu folgen, der ihn geradewegs wie einen Sack Kartoffeln in die Büsche und schließlich sich selber zu Boden warf. Unmittelbar darauf zischte es. Ein Schwarm aus wenigen Krähen sauste unter wildem Protest dicht über ihre Köpfe hinweg, dann stiegen sie wild krächzend steil nach oben und stürzten sich erneut hinunter, aber dieses Mal auf Baldur, der am Boden kauerte. Thessalla und Iwo sprangen ihnen entgegen. Der Ratsherr schwang heftig und zielgenau seinen Stab. Mit einem einzigen Hieb erwischte er gleich drei Krähen im Flug. Schwarze Federn wirbelten durch die Luft und schwebten sanft zu Boden. Die geschlagenen Vogelkörper lagen um den Meister verstreut im Schnee. Unmäßig flatterten sie mit ihren gebrochenen Flügeln, doch keine entkam Thessallas Stockhieben.


„Nein!“, schrie Tataho aufgebracht, als er sah, wie der Bäumler ohne Gnade zu Werke ging und die wehrlosen Geschöpfe niedermetzelte. Entschlossen stürmte er aus dem Schutz des Waldes. Annika lief ihm hinterher. Sie wollte ihn von hinten greifen, aber sie verfehlte ihn um eine Handlänge. Erneut hörte Tataho die liebliche Stimme, die ihn aufforderte, den Vögeln zu folgen. Baldur rappelte sich auf und reckte seinen Stab gen Himmel. Die Luft war erfüllt mit schwarzen Schatten, die wüst umherschwirrten und immer wieder mit ihren scharfen Schnäbeln auf ihn und die anderen einhackten. Thessalla und Iwo schlugen wild um sich und rannten hin und her, schlugen Haken oder ließen sich auf den Boden fallen, als hätten sie ihren Verstand verloren. Annika duckte sich und blieb in der Hocke, auch sie wurde attackiert. Tataho dagegen verschonten die Krähen, er blieb unversehrt. Und nicht nur das, sie behielten einen respektvollen Abstand zu ihm. Der Meister stand unbeholfen auf den Beinen, seine Rufe jedoch waren trotz der rauen Stimmen unzähliger Krähen deutlich genug: „Haltet ein, ihr verlorenen Geschöpfe von Alvon Alvaradis, und kehrt zurück zu Eurer Herrin von Elfrun, die Euch gesandt hat! Überbringt Ihr die Worte eines erbosten Zauberers: Der Halbling bedarf keiner Hilfe einer Megäre, jetzt und auch im Morgen nicht! Fliegt rasch und überbringt Eurer Herrin diese Kunde!“ An Baldurs Stabspitze zündete ein Blitz. Schon verbreitete sich eine feurige Helligkeit: Von der Talsohle bis hinauf zum Pass loderten aus der erzürnten Luft frostige Flammen, die rotgelb in den Himmel emporstiegen und die kreischende Vogelschar davonjagten. Wenige, die versehentlich mit ihren Schwingen die Feuerzungen berührten, verbrannten nicht, sondern wurden zu Eis. Als wuchtige Klumpen fielen sie vom Himmel herab und zerschellten an den Felsen wie übergroße Hagelkörner. Es dauerte eine Weile, bis der Rauch des Zorns sich verzogen und der Schrecken sich gelegt hatte, als der Westwind noch einmal kräftig aufwehte.


„Es wird Zeit, die Berge zu verlassen“, sagte Baldur. Sein Geist war geschwächt und er torkelte. „Ich merke, dass ich alt werde und meine Zauberkräfte zunehmend schwinden.“


„Meister Baldur, Ihr seid zwar nicht mehr der Jüngste, aber für eine Überraschung noch nicht zu alt.“


„Ach, Herr Iwo, die Zeit hinterlässt auch an mir Spuren und die kommenden Tage werden nicht besser.“ Baldur wandte sich an Tataho, der teilnahmslos dastand und den Himmel absuchte. „Was ist bloß in dich gefahren?“


Tataho antwortete nicht sofort. Seine klaren, leuchtenden Augen ruhten auf Thessalla. „Das hättet Ihr nie und nimmer tun dürfen“, schimpfte er. „Ihr wart ihnen weit überlegen!“


„Es sind bereits tote Geschöpfe, die ihr Leben längst hinter sich haben, man kann sie nicht ein zweites Mal töten. Erst jetzt sind sie dort, wo sie eigentlich hingehören, in den Weiten des Universums, im Reich der Toten“, antwortete Thessalla.


Tataho war erstaunt, aber sein Blick war hart. „Dann ist es also wahr, dass die Geister der Toten in den Rabenvögeln fortbestehen?“


„Es scheint zumindest bei dieser Art der Fall gewesen zu sein, mein Junge“, erklärte sein Vater.


„Meister Baldur“, rief Tataho aufgeregt, als wollte er unbedingt etwas los werden, „ich habe ihre Stimme gehört, sie hat zu mir gesprochen und immer wieder meinen Namen gerufen.“


„Hör nicht auf diese Rufe, denn ich verspüre keinen Funken Ehrlichkeit in ihnen, womöglich steckt eine List dahinter. Doch wie ich sehe, geht es dir gut und das freut mich sehr…“


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