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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Darry 2, Sven Rübhagen
Sven Rübhagen

Darry 2


Die Blutende Wüste

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Selbstmord


 


Ein singendes, langanhaltendes Klirren ertönte, als Darry sein magisches Schwert aus der Scheide zog. Mit einer unglaublich langsamen Bewegung richtete er die Klinge vor sein Gesicht. Wie oft hatte er sein Spiegelbild in den letzten zwei Wochen, seitdem er mit Meldan den Toten Wald verlassen hatte, so betrachtet? Darry wusste es nicht. Er wusste ja nicht einmal, was er sich davon versprach. Doch eines war für ihn klar: Jedes Mal, wenn er sein Gesicht auf der Klinge erblickte, wurde das quälende Gefühl in ihm unsagbar schlimmer. Auch jetzt starrte er die Klinge an, doch nun konnte er sein Antlitz nicht sehen. Das lag wahrscheinlich daran, dass es in der Höhle, in der Meldan und er diese Nacht verbringen wollten, viel zu finster war, um überhaupt wenig mehr als schemenhafte Umrisse erkennen zu lassen. Doch das Licht war gar nicht nötig. Wenn auch nur indirekt, sah er es trotzdem. Großer Gott, was hatte er sich nur gedacht, in den Toten Wald einzumarschieren? Wie starrköpfig und selbstsüchtig hatte er nur gehandelt? Das, was er getan hatte, konnte man nicht einfach so vergessen. Es war etwas, das sich bis auf Ewigkeiten ins Gedächtnis fraß und einen quälte, bis man daran kaputtging. Wie oft war er des Nachts hochgeschreckt, gepeinigt von den Träumen. Sie handelten nicht von der Realität, doch das hieß nicht, dass sie leichter zu ertragen waren. Ganz im Gegenteil. Immer wieder hörte er die Schreie der Sterbenden, konnte fast spüren, wie sich die kraftlose Hand des sterbenden Helios` in sein Wams grub und er ihn mit großen, geweiteten Augen anstarrte. Er schüttelte den Kopf, um diese grausamen Gedanken zu vertreiben. Sie spukten ihm im Kopf herum wie finstere, höhnisch-lachende Geister, die sich dort eingenistet hatten. Darry senkte das Schwert ein Stück und lauschte gleichzeitig angestrengt. Es war nichts zu hören. Meldan hatte sich dazu entschlossen, draußen ein wenig Holz für ein kleines Feuer zu suchen. Auf der Suche nach einem Nachtplatz waren sie auf diese Höhle hier gestoßen und wie durch ein Wunder befanden sich in der Nähe auch einige Bäume. Sie mussten beinahe jede Nacht ein Feuer errichten, denn es war inzwischen bitterkalt geworden. In Nächten, in denen sie kein Feuer hatten entzünden können, hatten sie sich damit begnügen müssen, sich windgeschützte Orte zu suchen. Zweimal hatten sie besonderes Glück gehabt. Darry war mit Meldan unterwegs, um seinen Vater aus den Fängen Lobastors zu befreien. Vor ungefähr fünf Tagen waren sie etwas vom Weg abgekommen und auf eine große Stadt am großen Meer namens Xanos gestoßen. Dort hatten sie die Möglichkeit bekommen, bei einer kleinen Familie zu übernachten. Von ihr hatten sie auch warme Kleider geschenkt bekommen, sodass sie nun nicht mehr so sehr frieren mussten. Zwei Tage später war ihnen ein älterer Händler mit einem karrenziehenden Pferd begegnet, der sie ein Stück mitgenommen hatte. Er war sehr verschlossen gewesen und hatte nur gesagt, er wäre auf dem Weg weiter nach Norden. Mit einem langanhaltenden Atmen schloss Darry die Augen und schüttelte gleich darauf den Kopf. Nein, sein Leben hatte in jener Nacht, als Helios gestorben war, seinen Sinn verloren. Alles war so unsagbar schwerer geworden und die Schuldgefühle lasteten auf seinen Schultern. Erneut lauschte Darry. Noch immer war es vollkommen still. Meldan würde vielleicht nicht mehr lange brauchen, um genug Holz zu sammeln und dann würde er zurückkommen. Wieder hob Darry das Schwert und versuchte erneut, sein Gesicht darauf zu erblicken, doch auch jetzt wurde er enttäuscht. „Es tut mir so leid, Helios“, flüsterte er und in diesem Moment stiegen brennende, heiße Tränen in seine Augen. Er konnte es nicht mehr. Er hatte damals, vor einer langen Zeit gedacht, zusammen mit Helios dieser Aufgabe gewachsen zu sein, und vielleicht hatte er damit sogar recht gehabt. Aber seitdem er tot war, war Darry sich sicher, dass er es allein nicht mehr schaffen würde. Mit einer entschlossenen Bewegung hob er sein Schwert, richtete die Klinge gegen seine Brust und stach zu. In diesem Moment geschah etwas völlig Unmögliches! Kurz bevor die tödliche Klinge seine Brust berühren konnte, wurde sie von einer unglaublichen Kraft gepackt und zurückgedrängt. Es war, als wenn das Schwert gegen einen unsichtbaren Schutzschild geprallt wäre. Das Schwert wurde Darry aus der Hand geschleudert und im selben Moment wurde er gegen die Wand hinter ihm geworfen – von nichts Sichtbarem, Festem, dennoch spürte er eine Berührung. Eine Berührung, die nicht nur körperlich nach ihm zu greifen schien. Das magische Schwert prallte gegen die gegenüberliegende Wand und fiel scheppernd zu Boden. Darry konnte für endlose, quälende Sekunden nicht atmen. Er raffte sich mühsam in eine sitzende Position und lehnte sich kraftlos gegen die nackte, kalte Felswand der Höhle. Er zitterte am ganzen Körper und auf seiner Stirn breiteten sich glitzernde Schweißperlen aus. Rasche Schritte näherten sich der Höhle und Darry musste den Blick nicht wenden, um zu wissen, dass es Meldan war, der mit Brennholz zurückkehrte. Erst als das Geräusch ruckartig verstummte, sah er in Richtung Höhlenausgang. In diesem Moment kam Meldan mit besorgtem Gesicht auf ihn zugeschritten und ließ sich vor ihm nieder. „Darry, was ist mit dir?“, fragte er, als er ihn wenige Sekunden später besorgt gemustert hatte. Darry, der die Augen zuvor geschlossen hatte, öffnete sie müde und schüttelte nur den Kopf. „Es ist nichts“, sagte er nur und winkte ab, als Meldan ihm auf die Füße helfen wollte. Nachdem er vergeblich versucht hatte, selber hochzukommen, ließ er sich wieder zurücksinken. Was war los mit ihm? Plötzlich sah Meldan ihn entsetzt an und anschließend wanderten seine Augen in Richtung Brust und wieder zurück. „Darry, dein Wams“, sagte er im Flüsterton. Als Darry seinen Blick wandte, erstarrte er. Ein breiter Riss zog sich quer von der Brust bis zum Bauchnabel hinab. Meldan sah ihm wieder ins Gesicht und Darry schaute verlegen zur Seite. Er konnte Meldans Blick nicht standhalten. „Darry, was hast du getan?“, fragte er und seine Stimme klang genauso, wie sein Gesicht aussah. Sichtlich besorgt. Nun schaffte Darry es doch, sich zu erheben. „Gar nichts“, sagte er knapp und griff nach seinem Mantel, um ihn überzustreifen. Er nahm wahr, wie Meldan aufstand und mit ruhigen Schritten auf ihn zukam. Keine Sekunde später spürte er dessen Hand auf seiner Schulter. „Was hast du getan?“, fragte Meldan erneut. Ohne zu antworten, schloss er seinen Mantel, dann drehte er sich zu ihm um und funkelte ihn an. „Ich habe gar nichts getan, in Ordnung?“, entgegnete Darry heftig und lief hinüber zu seinem Schwert, das immer noch unverändert auf dem Boden lag. „Und warum ist dann dein Oberteil zerrissen?“ Anstatt einer Erklärung bückte er sich nach seiner Waffe. Meldan zog scharf die Luft zwischen den Zähnen ein. „Großer Gott, Darry!“ Nun wandte sich Darry doch zu ihm um und sah ihn ausdruckslos an. Meldans Blick wanderte von dem Schwert, das Darry in der Hand hielt, zu seinem Gesicht und wieder zurück. Er schritt mit schnellen Schritten auf ihn zu, seine Miene war vor Zorn verzerrt. Darry bemerkte, wie sich Meldans Hand blitzschnell hob und im beinahe selben Moment spürte er einen brennenden Schmerz auf seiner Wange. „Uns ist nicht damit geholfen, wenn du dich umbringst“, sagte Meldan wütend. Darry nahm kaum wahr, wie Meldan nach seinem Schwert griff und es ihm aus der Hand riss. Er lehnte kraftlos an der Wand und sah zu Boden. In diesem Moment spürte er seine Schuldgefühle und das schlechte Gewissen besonders stark. Meldan hatte recht. „Dein Schwert nehme ab jetzt ich“, sagte Meldan, nun wieder eine Spur ruhiger. „Bevor du dich wirklich noch umbringst.“


 


Überfall im Schnee


 


In dieser Nacht hatte es zu schneien begonnen. Nicht stark, aber doch kräftig und langanhaltend genug, um den kalten Boden mit einer weißen Kristalldecke zu überziehen. Darry und Meldan waren früh am nächsten Morgen weitergezogen. Der Rest des gestrigen Abends war sehr wortkarg verstrichen und letzten Endes hatte sich Darry neben dem knisternden Feuer schlafen gelegt. Kurz vor ihrem Aufbruch hatten sie beschlossen, sich in Richtung der kleinen Stadt Zentar zu begeben und schließlich das Felsplateau zu umgehen. Darry sah mit zusammengekniffenen Augen nach Norden. Der Schneefall hatte während des Vormittags zugenommen und inzwischen war Wind aufgekommen, der ihnen die großen Flocken ins Gesicht peitschte. Darry war ziemlich sicher, dass der Wind von Stunde zu Stunde stärker wurde und bereits dabei war, zu einem Sturm heranzuwachsen. Und mit dem Wind schien auch der Schneefall kräftiger zu werden! Darry verscheuchte diese Gedanken und wischte sich mit dem Ärmel seines Mantels den Schnee aus dem Gesicht. Meldan, der nur knapp vor ihm lief, wurde bereits von den dicht herabfallenden Schneeflocken verschluckt. Unschlüssig sah sich Darry um. Er erblickte nur eine weiße Landschaft und in näherer Entfernung vereinzelte Bäume, die einen kalten Mantel aus Weiß trugen. Inzwischen konnte der Junge nicht einmal mit Sicherheit sagen, dass die Richtung, in der sie liefen, tatsächlich Osten war. Wieder wischte er sich den Schnee aus den Augen, der ununterbrochen auf ihn einpeitschte. Sein Gesicht war von der beißenden Kälte vollkommen gerötet und taub. Darry stolperte über einen Stein, der unter der Schneedecke im Verborgenen lag, und stürzte in den kalten Schnee. Mühsam raffte er sich wieder in die Höhe, doch er brauchte drei Anläufe, bis es ihm endlich gelang. Meldan hatte nichts von alledem mitbekommen. Er lief, noch immer in leicht gebückter Haltung, weiter. Darry beschleunigte etwas seine Schritte, um zu ihm aufzuschließen. Es dauerte recht lange, bis er neben ihm lief. Meldan wandte den Kopf zu ihm und sah ihn aus leicht verengten Augen an. „Ich schlage vor, wir suchen einen Ort, an dem wir bleiben können, bis es aufhört zu schneien“, sagte er laut, denn der Wind hatte tatsächlich an Kraft gewonnen, sodass er beinahe alle Geräusche aus der Umgebung verschluckte. Darry nickte und begann sich von Neuem aufmerksam umzusehen. Das Ergebnis war dasselbe wie beim letzten Mal. Er fand nicht mal ansatzweise etwas, das sie vor dem Sturm geschützt hätte. Meldan schien das Gleiche wahrzunehmen, denn er ließ seinen Blick mit einem enttäuschten Gesicht kreisen. Eine weitere Stunde setzten sie ihren Weg stumm fort, in der das Wetter noch einmal schlimmer geworden war. Der Wind und der Schnee schienen nun von allen Seiten zugleich auf sie einzuschlagen, weshalb Darry immer wieder aus dem Gleichgewicht geriet und mehr als einmal beinahe gestürzt wäre, hätte Meldan ihn im letzten Moment nicht gestützt. Plötzlich nahm Darry in einiger Entfernung eine Bewegung wahr. Es war nicht mehr als ein verwaschener, grauer Schatten, der sich hinter dicht fallendem Schnee und umherwirbelndem Wind verbarg und deshalb kaum zu erkennen war, doch er war da. „Meldan, aus dem Süden, da kommt etwas!“ Obwohl Darry neben ihm lief, musste er schreien, damit er ihn überhaupt verstehen konnte. Dieser schaute mit einer Mischung aus Sorge und Neugier in die gedeutete Richtung und öffnete verwirrt die Augen. „Mir würde es deutlich besser gehen, wenn ich wüsste, was das zu bedeuten hat.“ Zur Antwort nickte Darry. Er kniff die Augen zusammen und erkannte, dass der Schatten inzwischen nicht mehr nur grau, sondern schwarz und konturenreicher geworden war. Der Schneefall schaffte es nun nicht mehr, das Herannahende vollkommen zu verbergen. Mit einem unguten Gefühl im Magen wandte er seinen Blick ab und sah Meldan erwartungsvoll an. „Meldan, gib mir bitte mein Schwert!“, forderte er ihn mit festem Ton auf. Zuerst schien Meldan zu zögern und ein fast erschrockener Ausdruck breitete sich auf seinem Gesicht aus, doch dann griff er an seinen Gürtel und löste das magische, schwarze Schwert. Darry nahm es entgegen und befestigte es an seinem eigenen Gürtel. „Wir sollten weitergehen“, schlug Darry vor. „Ich denke nicht, dass uns Gefahr droht.“ Meldan schienen diese Worte nicht zu beruhigen, denn er sah ihn zweifelnd an, wandte sich aber gleich darauf um, damit sie ihren Weg fortsetzen konnten. Darry merkte schnell, dass der Schneefall schwächer geworden war. Nun schien die weiße Wand, die vom Himmel fiel, Risse bekommen zu haben, die ihm erlaubten, genauer sehen zu können. Was dann geschah, passierte so schnell, dass Darry nur durch einen Zufall überlebte. Ein dünner Pfeil schnellte auf ihn zu und blieb dicht vor ihm im gefrorenen Boden zitternd stecken. Darry zog sein Schwert und rannte mit klopfendem Herzen zu Meldan, der vor ihm lief. Ein erneuter Pfeil flog in seine Richtung, verfehlte ihn nun sehr knapp. Meldan schien die Gefahr auch bemerkt zu haben, denn er blieb stehen und zog ebenfalls sein Schwert. Genau in diesem Augenblick zuckte ein dritter Pfeil durch die Kälte. Darry fasste Meldan am Arm, warf sich im selben Moment zur Seite und landete hart im Schnee. Der Pfeil bohrte sich dort in den Boden, wo Meldan gerade noch gestanden hatte. Der schneebedeckte Boden war glatt, sodass Darry nur schwerfällig wieder auf die Füße kam. Der Schatten, der nun keiner mehr war, sondern ein Reiter auf einem schwarzen Pferd, war erstaunlich schnell nähergekommen. Der Reiter legte einen neuen Pfeil an, doch er kam nicht dazu, ihn loszuschicken. Meldan zückte sein Messer und schleuderte es dem Angreifer entgegen, wodurch dieser gezwungen wurde, zur Seite auszuweichen. Diese Zeit genügte, Darry seinen Bogen aus seinem Beutel ziehen zu lassen, sodass nun er einen Pfeil anlegen konnte. Darry handelte schnell, doch der Reiter reagierte mit einer Entschlossenheit, die nahezu übermenschlich wirkte. Der Mann warf sich aus dem Sattel, woraufhin Darrys Pfeil harmlos über den Kopf des Pferdes hinwegflog. Der Reiter stand unglaublich schnell wieder auf, doch nun hatte er ein Schwert in der Hand. Und die Entfernung zwischen ihnen beiden betrug nur wenige Schritte. Darry ließ seinen Bogen blitzschnell fallen, und während er sein Schwert zog, prallten die beiden Klingen schon aufeinander. Das Klirren der Schwerter schien ein Loch in das Brausen des Windes zu schlagen, doch das nahm Darry gar nicht wahr. Der Reiter stach nach seiner Brust, doch Darry parierte den Hieb schnell genug. Er bemerkte, dass dieser Mann ein überaus guter Schwertkämpfer war und er ihm nicht lange standhalten würde. Nun wurde er von der Flanke angegriffen, Darry warf sich zur anderen Seite und landete somit erneut im kalten Schnee. Er rollte sich herum, als er Meldan gewahrte, der auf sie beide zugerannt kam und Darrys Bogen und Pfeil aufhob. „Lass sofort das Schwert fallen oder ich schieße dich nieder!“, rief Meldan mit kräftiger Stimme, hatte einen Pfeil angelegt und zielte auf die Brust seines Gegners. Der Reiter hielt tatsächlich inne und blieb, nachdem er zuerst Darry nachsetzen wollte, nun wie erstarrt stehen. „Du kannst mich gern angreifen, aber ich denke, dass der Pfeil schneller ist als dein Schwert“, sagte Meldan kühl, nachdem Darry sich wieder erhoben hatte. Sein Schwert hielt er noch immer in der Hand. „Was willst du von uns?“, fuhr Meldan nun lauernd fort. Der Reiter sah betroffen zu Boden. Das schien er nicht erwartet zu haben. Erst jetzt bekam Darry die Gelegenheit, sich den Mann genauer anzusehen. Er hatte schulterlanges, schwarzes Haar, ein kantiges Gesicht und sein Bart war auf Wangen, Oberlippe und Kinn gestutzt. Unter dem dicken Fellmantel schien sich ein muskulöser Körper zu verbergen. Darrys Blick suchte das Pferd. Erstaunt stellte er fest, dass, seitdem sich der Reiter aus dem Sattel geworfen hatte, es sich nicht von der Stelle gerührt hatte. „Darry, pass auf!“ Durch den plötzlichen Schrei alarmiert wandte er seinen Blick wieder auf den Mann und stellte erschrocken fest, dass er auf ihn zugestürmt kam. Meldan ließ den angelegten Pfeil davonschnellen, verfehlte den Reiter aber um Haaresbreite. Darry war nur für einen kurzen Moment unachtsam gewesen. Und das hatte der Fremde ausgenutzt! Es verstrich kaum eine Sekunde, da spürte er, wie er sein Handgelenk packte und es herumdrehte. Darry trat ihm vor das Schienenbein und verhinderte damit, dass dieser ihm das Gelenk brach und ihm das Schwert aus der Hand fiel. Der Reiter stieß einen erschrockenen Ruf aus, fiel in den Schnee und Darry warf sich sofort auf ihn. Er ließ das Schwert fallen und hob die Faust, um dem Mann ins Gesicht zu schlagen, doch dieser ließ nur ein kurzes Lachen hören, sodass Darry innehielt. „Das würde ich nicht tun“, warnte er. „Was soll das heißen?“, wollte Meldan wissen. Er war nähergekommen und starrte finster zu ihm herab. . Der Mann musste nicht einmal antworten, damit sie verstanden, was er meinte. Überrascht sah Darry auf und konnte im letzten Moment einen erschrockenen Ausruf unterdrücken. Und jetzt ging alles sehr schnell. Das Pferd des Fremden kam auf Darry und Meldan zu, sodass sich Darry zur Seite warf. Er beobachtete voller Schrecken, wie der Mann mit einer beinahe unmöglichen Bewegung auf die Füße kam, währenddessen er nach Darrys Schwert griff. Als sich Meldan und Darry in Bewegung setzten, um ihn aufzuhalten, sprang der Reiter bereits auf sein Pferd und ritt in Richtung Süden davon. „Das gibt es doch nicht!“, stieß Meldan aus und warf sein Schwert wutentbrannt in den Schnee. Darry stand nur auf der Stelle und sah in die Richtung, in die der Fremde davongeritten war. Mit seinem magischen Schwert! Er schüttelte enttäuscht den Kopf und wischte sich mit dem Ärmel seines Mantels über das Gesicht. „Weshalb hat er uns überfallen?“, fragte Meldan nun aufgebracht. Wieder schüttelte Darry den Kopf. „Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass wir kaum eine Möglichkeit haben werden, ihn einzuholen.“ Meldan kam auf ihn zu. Sein Gesichtsausdruck schien nun ein wenig entspannter geworden zu sein. „Darry, ich verspreche dir, dass ich dir das Schwert zurückbringe“, sagte er und fasste ihn freundschaftlich bei der Schulter. Darrys Stirn legte sich verständnislos in Falten. „Wie meinst du das?“ Meldan ließ ein triumphierendes Grinsen sehen. „Ich hole ihn natürlich nicht ein, aber ich habe seine Spuren, die mich zu ihm führen werden.“ Darry schüttelte entschieden den Kopf. „Nein, Meldan, das ist viel zu gefährlich.“ Nun lachte Meldan. „Darry, was war denn in unserer Vergangenheit nicht gefährlich.“ Damit hatte Meldan wirklich recht. „Ich werde ihm nachlaufen. Folge du dem Weg weiter wie geplant. Wir treffen uns in der Nähe von Zentar.“ „Lass mich mit dir gehen“, begehrte Darry auf, doch Meldan schüttelte nur den Kopf. „Nein, Darry, alleine bin ich schneller. Ich werde dir das Schwert zurückholen.“ Mit diesen endgültigen Worten wandte er sich um, hob sein Schwert vom Boden auf und folgte mit schnellen Schritten den Spuren, die der Reiter zurückgelassen hatte.


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