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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Cupid - Unendliche Nacht, Nadine d'Arachart und Sarah Wedler
Nadine d'Arachart und Sarah Wedler

Cupid - Unendliche Nacht


Die Niemandsland-Trilogie (Band 2)

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Das Warten auf den Tod ist manchmal qualvoller als der Tod selbst.


Slade


Kapitel 1

Ich erkenne ihn an seinen Schritten, noch bevor er die Tür erreicht hat. Schwer und schnell, als wäre da etwas Bösartiges auf dem Boden, das es niederzustampfen gilt. Instinktiv versuche ich, mir auf die Schnelle eine Rüstung zuzulegen. Doch bevor ich einen klaren Gedanken fassen kann, fliegt auch schon die Tür zu der kleinen Hütte auf, die ich mir mit Patience teile.


Cy macht sich nicht die Mühe, sie hinter sich zu schließen, ehe er mich anfährt: »Wann hattest du vor, es mir zu sagen?«


Ich stehe neben meinem Bett, eine Auswahl meiner bescheidenen Habseligkeiten vor mir wie belastende Beweisstücke. »Gleich nach dem Packen«, lüge ich.


Cy starrt mich an. Er spürt, wenn ich die Unwahrheit sage – eines der wenigen Dinge, die ich an ihm hasse. Ich lüge ungern und wenn er mich dabei ertappt, fühle ich mich umso schlechter, so als hätte ich ihn doppelt verraten.


»Du wolltest dich einfach so davonschleichen, ja?« Irgendwo hinter ihm rührt sich etwas, dann taucht ein feuerroter Haarschopf aus einem der anderen Häuschen auf. Jayward ist der neugierigste Wächter, dem ich je begegnet bin. Ich bin froh, dass Cy ihn bemerkt und endlich die Tür hinter sich schließt. »Was um alles in der Welt ist denn jetzt schon wieder, Jo?«


Er versteht mich nicht, natürlich nicht. Er hat keine Ahnung von der Zwickmühle, in der ich stecke. Ich denke an Patience, an das aufkeimende Leuchten in ihren Augen und alles in mir tut weh. Von allen Jungen auf dieser Welt musste sie sich ausgerechnet ihn aussuchen. Den einen, den ich über alles liebe. Ohne den ich nicht auch nur einen Tag sein will. Allein die Vorstellung fortzugehen treibt mir die Tränen in die Augen, und ich drehe mich schnell weg. »Wir müssen herausfinden, wie die Daten unserer Chips gelöscht werden können. Einer von uns muss gehen, Cy.« Das hätte ich nicht sagen sollen. Mein Fehler wird mir klar, noch während ich spreche.


»Schön, dann gehe ich.«


»Dadurch sind wir genauso getrennt.«


»Ja, aber du rennst zumindest nicht blindlings in die nächste Gefahr.«


Ich stelle mir vor, Cy mit Skinner ziehen zu lassen und selbst mit Patience zurückzubleiben. Patience, die ihm hinterherschmachten würde, die mir Tag für Tag erzählen würde, wie sie ihn vermisst und wie sehr sie sich auf seine Rückkehr freut. Und ich würde die ganze Zeit wissen, für wen Cys Herz in Wahrheit schlägt, würde sie immer wieder aufs Neue hintergehen.


»Mein Entschluss steht fest.« Ich sammle mich und drehe mich zu ihm um. »Ich komme besser mit Skinner zurecht als du. Ihr würdet einander umbringen, noch ehe ihr das Meer überquert habt. Lass mich gehen.«


Lange sieht er mich an und schweigt. Seine blauen Augen lodern, seine Züge sind hart. Dann verändert sich etwas in seinem Gesicht.


Meine ich das nur oder stiehlt sich ein Ausdruck von Triumph in seinen Blick?


»Du kannst nicht gehen.« Er verschränkt die Arme vor der Brust. »Keiner von uns. Du weißt nicht, wie schnell ihr es zurück auf die Insel schafft und wenn es zu lange dauert, stirbst du. Es ist zu gefährlich.«


Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Zu groß war der Schock über Patience' Enthüllung. Fast fange ich an, mich zu schämen. Ich benehme mich wie ein kleines Mädchen, das einfach bockig wegläuft, ohne an die Konsequenzen zu denken. Jetzt rattert mein Hirn los, aber mir will keine Lösung einfallen. Solange mein Chip aktiv ist, bin ich unweigerlich an Patience gebunden. Ich darf mich nicht darauf verlassen, dass wir meine Daten löschen können, bevor die Zeit abläuft, die ich von ihr getrennt sein kann. Darian Jed Leigh wird wohl kaum am Ufer auf uns warten und uns die Lösung für unser Problem bereitwillig in die Hände spielen. Und genauso wenig wird er im Modification Centre sitzen und auf uns warten. Wir werden ihn suchen müssen. Vielleicht sucht er aber auch längst nach uns. Orten kann er uns nicht – eine Sicherheitsfunktion sämtlicher Wächter-Chips. Aber er hat sicher Mittel und Wege, uns über kurz oder lang zu finden.


Ein zufriedenes Lächeln erscheint auf Cys Lippen. »Tja, Jo Somerville, du musst wohl mit uns hier bleiben, bis wir uns gemeinsam einen vernünftigen Plan überlegt haben und alle zusammen losziehen können. Tut mir leid, aber aus deiner Kamikazenummer wird nichts.«


Kapitel 2

Das Laub knistert unter meinen Stiefeln, während ich mir einen Weg durch den Wald bahne. Auf Lundy wird es langsam Herbst. Die Tage sind immer noch warm, aber die trockenen Gewitter häufen sich. Einige Male hat es im Wald gebrannt, seit wir hergekommen sind, doch wir sind bisher stets Herr des Feuers geworden. Immer, wenn ein Blitz in eine der Baumkronen einschlägt, muss ich an das Inferno auf Finisterra denken. Und an seinen Verursacher.


Skinner wohnt ein wenig abseits von uns anderen. Als wir die Insel kurz nach unserer Ankunft abgesucht haben, hat er Ruinen aus der Zeit vor den Metropolen entdeckt. Was auch immer das für eine Zeit war, er scheint sie zu mögen. Wir anderen haben ein Dorf bezogen, das vor Jahren wahrscheinlich eine ähnliche Kolonie wie die der Finister war. Ein paar hölzerne Bauten, die sich um einen kleinen Platz mit einer Feuerstelle drängen. Bisher war es nicht so kalt, dass wir ein Feuer hätten entfachen müssen und ich bin froh darüber. Niemand weiß, ob und wie intensiv Leigh nach uns suchen lässt. Gut möglich, dass wir irgendwann angegriffen werden. In diesem Fall wäre es mir lieber, Skinner in unserer unmittelbaren Nähe zu wissen. Doch er ist anders als wir. Ich fürchte, er braucht das Alleinsein.


»Falls das ein Versuch sein soll, dich anzuschleichen, ist er missglückt.«


Ich fahre herum und entdecke Patience’ Bruder, wie er an einem Baum lehnt. Sein Grinsen entblößt zwei Reihen weißer Zähne. Seine spöttische Art hat mir gerade noch gefehlt.


»Hätte ich mich angeschlichen ...«, ich werfe ihm die Birne zu, die ich auf der Streuobstwiese zwischen unserem Dorf und seinem Domizil gefunden habe, »... dann wäre es nicht missglückt.«


Skinner fängt das Obst auf und reibt es an seiner Hose sauber. Er und die Heiler ernähren sich fast ausschließlich von dem, was die Bäume abwerfen. Manchmal findet Skinner im Wald aber auch ein totes Tier. Wir erzählen den Kindern nichts von den Verletzungen, die jedes dieser Tiere aufweist. Einen Teil des Fleisches trocknen wir für den Winter. Wir würden auch Obst einkochen, aber dazu fehlen uns die Mittel. Den Erzählungen der anderen nach soll Yules eine Expertin darin gewesen sein, Mahlzeiten aus Dingen zuzubereiten, die eigentlich nicht genießbar sind. Gras, Rinde, Blüten ... Doch Yules ist gestorben, genau wie Rory und einige andere Wächter. Acht Watcher sind wir noch, dazu zwölf Heilerkinder. Zum Glück müssen wir nicht essen, sonst würde es für unsere Schützlinge bald eng werden.


»Was führt dich zu mir?«, fragt er und beißt in die Birne.


»Ein Problem, das du bei deinem Plan nicht bedacht hast.« Langsam gehe ich weiter auf das windschiefe Häuschen zu, in dem er lebt. Ich hoffe, dass er mich hereinbittet und wir uns drinnen unterhalten können. Doch Skinner macht keine Anstalten, sich von dem Baumstamm zu lösen, also erzähle ich ihm gleich hier von Cys Einwand: Wenn einer von uns beiden, sei es nun Cy selbst oder ich, die Insel verlässt, wird er in regelmäßigen Abständen wieder in Patience’ Nähe müssen. Das bedeutet, dass es entweder für sie oder für denjenigen von uns einen schnellen Weg über den Ozean geben müsste, und den haben wir nicht.


»Das ist kein Problem«, sagt Skinner kauend. »Zumindest keins, für das ich nicht schon eine Lösung hätte.«


Seine Worte überraschen mich. Wenn ich ehrlich bin, habe ich meine Flucht bereits als gescheitert betrachtet. Habe mir schon überlegt, wie es jetzt weitergehen soll. Natürlich könnten wir einfach hier bleiben und abwarten, was Darian Leigh als nächstes tun wird. Oder darauf hoffen, dass Skinner sich täuscht und die Cupids seinen Vater doch getötet haben. Aber das würde ein Leben mit dem ständigen Risiko bedeuten, im nächsten Augenblick einfach tot umzufallen.


Und dann ist da noch Cy ... Sollte ich ein weiteres Mal Schluss mit ihm machen? Das kann ich unmöglich tun. Es würde nicht nur mein, sondern vor allem sein Herz brechen. Patience die Wahrheit sagen, nach allem, was sie durchgemacht hat? Niemals. Einfach zu verschwinden ist der einzige Weg. Und dann kann ich nur hoffen, dass er sich auch in sie verliebt. Sie ist bezaubernd. Ich könnte den Verlust verkraften, wenn ich die beiden glücklich sehen würde. Zumindest glaube ich das, obwohl momentan allein der Gedanke daran meinen Magen zusammenkrampft.


»Dann verrat mir deine Lösung«, bringe ich mühsam hervor.


Skinner scheint nur auf dieses Stichwort gewartet zu haben. »Komm mit«, sagt er und wirft das Gehäuse der Birne achtlos hinter sich. Dann verschwindet er im dichten Astwerk.


Zuerst habe ich Mühe, ihm zu folgen. Hier im Zwielicht des Waldes macht ihm sein schlechtes Auge so gut wie gar nicht zu schaffen. Er ist geschickt und unglaublich schnell. Was Patience' Vater als genetischen Abfall bezeichnet, ist eigentlich ein genetisches Wunder. Cy und ich mussten uns unsere Fähigkeiten von klein auf mühsam antrainieren. Mithilfe unserer Chips wurden sie bis ins Unnatürliche verstärkt. Wir haben Niederlagen eingesteckt, Schmerzen verspürt und daraus gelernt. Skinners Bewegungen sind von Natur aus präzise und kraftvoll. Das ist es aber auch, was ihn so fremdartig macht.


»Wohin gehen wir?«, frage ich, als ich zu ihm aufgeschlossen habe.


Skinner dreht sich im Laufen zu mir um. »Das siehst du früh genug. Hast du dich schon entschieden, wann wir aufbrechen können?«


»So schnell wie möglich«, sage ich entschlossen. »Von mir aus noch heute.«


Er zieht eine Augenbraue hoch. »Keine letzte Nacht? Kein letzter gemeinsamer Sonnenaufgang? Kein langer Abschied mit viel Herzschmerz und –«


»Halt die Klappe, du Idiot!« Ich beschleunige meine Schritte und marschiere an Skinner vorbei. Zwar habe ich nach wie vor keine Ahnung, wo er hin will, doch bei genauerem Hinsehen erkenne ich, dass sich ein schmaler Pfad durchs Dickicht zieht. Als wäre jemand diesen Weg sehr oft gegangen.


»Ist ja schon gut«, lenkt Skinner hinter mir ein. »Konnte ja nicht ahnen, dass die Dame heute so empfindlich ist.«


Ich gebe ihm keine Antwort. Genau genommen weiß ich auch nicht, ob er die Gefühle zwischen Cy und mir überhaupt verstehen, ob ein halber Cupid lieben kann.


»Hier links?«, frage ich, ohne weiter auf seine Worte einzugehen, und deute in die Richtung, in die sich der schmale Pfad fortsetzt.


Skinner bejaht. Der Wald um uns herum lichtet sich langsam und es tauchen nun immer wieder niedrige Mauerreste im Unterholz auf. Ich muss aufpassen, dass ich nicht stolpere. Vermutlich haben sich hier einmal Gebäude befunden, aus Stein, wie das, in dem Skinner lebt. Sachkundiger gebaut als die Hütten im Dorf. Der Boden unter meinen Füßen verändert sich, wird von weichem Waldgrund zu Asphalt, der rissig und von Wurzeln durchzogen ist. Ich schaue mich um. Halb von Efeu überwuchert, entdecke ich eine Halle etwa hundert Meter vor uns. Sie ist mit einem zweiflügeligen Tor verschlossen. Einem Tor, das für Riesen gemacht zu sein scheint.


»Was ist das?«


»Lass dich überraschen. Ich hab’s entdeckt, als wir die Insel erkundet haben.« Skinner übernimmt wieder die Führung und ich folge ihm skeptisch.


Warum hat er uns diese Halle nicht schon früher gezeigt? Wir hätten die Kinder darin unterbringen können oder Lebensmittel.


»Keine Sorge.« Er schenkt mir ein überlegenes Grinsen. »Es ist keine Falle.« Er läuft vor, dann macht er sich am Tor zu schaffen. Es sieht nicht aus, als könne er es ohne Hilfe bewegen, doch kaum hat er den Riegel gelöst, schwingen die Flügel fast von alleine auf.


»Augen zu«, fordert Skinner, ehe ich im Inneren etwas erkennen kann.


»Das ist albern«, protestiere ich, doch er besteht darauf, mich zu überraschen, also tue ich ihm schließlich den Gefallen.


Skinner packt mich an der Schulter und führt mich behutsam, fast feierlich, ins Innere der Halle. Die Luft ist staubig und dick. Als habe sich die Hitze des ganzen Sommers darin gesammelt. Ich muss husten, als sie mir entgegenströmt.


»Der Geruch der alten Zeiten«, kommentiert mein Begleiter. »Trau dich, geh weiter. Es liegt nichts im Weg, über das du stolpern könntest.«


Ich tauche tiefer in die stickige Schwärze. Es riecht nach trockener Erde, Maschinenöl und etwas Scharfem, Beißendem. Etwas, das ich von dem Fischkutter kenne, mit dem wir aus Lissabon geflohen sind. »Benzin?«, frage ich.


»Fast.« Ehrfurchtsvoll hat Skinner die Stimme gesenkt. »Kerosin.«


Auf einmal bleibt er stehen und ich tue es ihm gleich. Ich lausche auf seine Bewegungen, warte darauf, dass er die Halle verlässt und mich in der Dunkelheit einsperrt. Ein Teil von mir traut ihm, trotz allem, was er für uns riskiert hat, immer noch nicht über den Weg. Der andere, größere Teil von mir rügt mich dafür.


»Was –«, beginne ich.


»Augen auf«, unterbricht mich Skinner sogleich. Ich gehorche und bin für einen Augenblick sprachlos. Starre die Maschine an, die sich vor mir erhebt. Es ist ein zweimotoriges Flugzeug, strahlend weiß, majestätisch.


»Damit«, sagt Skinner, der hinter mich getreten ist, ohne dass ich es bemerkt habe, »sind Cy und Patience innerhalb von Minuten auf dem Festland. Wellengang und lecke Boote können uns egal sein.«


»Du hast es repariert?«, frage ich ungläubig. »Woher kannst du sowas?«


»Man hat viel freie Zeit in Spitzbergen«, sagte er und fügt schulterzuckend hinzu: »Außerdem ist Mechanik ein Kinderspiel.«


Sekundenlang starre ich noch das Flugzeug an, den weißen Lack, der im einfallenden Sonnenlicht funkelt, dann wende ich mich um, falle Skinner um den Hals. »Danke, Skinner ...«


Kapitel 3

Auf dem Weg zurück ins Dorf dringt Kinderlachen und Geschrei an mein Ohr. Ich lasse den Wald hinter mir und entdecke Patience auf der Streuobstwiese. Wie es scheint, beaufsichtigt sie die kleineren Heiler beim Fangen spielen. Die Kinder lieben sie, selbst die, die kaum jünger sind als sie, blicken bewundernd zu ihr auf. Dass sie vor wenigen Wochen noch ein Instrument Darian Jed Leighs war, nimmt ihr niemand übel. Ich weiß, dass sie selbst es manchmal tut – sie wünscht sich, sie hätte die Stärke gehabt, sich ihrem Vater zu widersetzen. Manchmal gibt sie sich die Schuld am Tod der verstorbenen Wächter. Ich sage ihr immer wieder, dass das Unsinn ist. Hätte sie sich geweigert, Leighs Armee zum Leben zu erwecken, hätte er Wege gefunden, sie dazu zu zwingen. Sie soll sich nicht schlecht fühlen wegen allem, was passiert ist. Als hätte sie meine Gedanken gelesen, winkt sie mir breit lächelnd zu und kommt herübergelaufen.


»Warst du bei Skinner?«, fragt sie und fügt, ohne eine Antwort abzuwarten, hinzu: »Wie geht es ihm?«


»Es geht ihm gut.« Ich erzähle ihr nicht von dem Flugzeug, denn sie weiß noch nichts von meinem Fluchtplan. »Du solltest ihn auch mal besuchen.«


Patience beißt sich auf die Unterlippe. »Ich weiß nicht. Ich muss immer daran denken, wie mein Vater ... unser Vater ihn behandelt hat und ...«


Ich weiß, was sie sagen will. Sie schämt sich, dass sie, die Saviour, die wohlbehütete Prinzessin war, aufgewachsen auf einem teuren Internat mit anderen reichen Industriellenkindern. Er war stets nur der Aussätzige, der ungewollte Sohn, die Schande der Familie. Doch die Dinge haben sich geändert – zuletzt ist auch sie ein Opfer ihres tyrannischen Erzeugers geworden.


»Außerdem habe ich die Kleinen.« Sie deutet hinter sich. »Ich kann sie unmöglich allein lassen, sonst klettern sie auf den Bäumen herum und verletzen sich.«


»Du könntest einen der anderen Wächter bitten, auf sie aufzupassen.« Mich lasse ich absichtlich außen vor. Ich bin gerade keine fröhliche und ausgelassene Gesellschaft und würde die Kinder innerhalb von Minuten in Trauerklöße verwandeln.


»Nein, das geht nicht.« Sie zuckt mit den Schultern. »Cy hat sie alle auf dem Dorfplatz zusammengerufen und uns fortgeschickt.«


Schnell blicke ich in Richtung der Hütten, die ich durch die Obstbäume nur schemenhaft erkennen kann. Offenbar bin ich nicht die Einzige, die seit unserem Streit tätig geworden ist.


Kapitel 4

Wie eine verschworene Gemeinschaft stehen sie zusammen. Cy ist der Wortführer, er lehnt an der Wand seiner Hütte und macht eine wegwerfende Handbewegung, während die anderen aufmerksam zuhören. Erin entdeckt mich als Erste. Sie stößt ihren Bruder Cash an und er blickt in meine Richtung, dann drehen sie sich alle zu mir um.


»Was ist los?«, frage ich und bleibe vor der kleinen Gruppe stehen. Augenblicklich muss ich an unser erstes Zusammentreffen in London denken. Damals machten sie alle einen abgekämpften Eindruck, die Angst um ihre Schützlinge hatte sie zermürbt. Jetzt sind es nicht mehr die Wächter, sondern ihre Kleider, die einen schlechten Eindruck machen. Wir waren Hals über Kopf auf die Insel geflüchtet und hatten praktisch nichts außer dem, was wir am Körper trugen. Wie ein imposanter Kämpfer, ein treuer Bediensteter der Industriellen, sieht keiner mehr von uns aus.


»Cy hat uns erzählt, was du vorhattest«, sagt Jayward mit vorwurfsvoller Stimme.


»Ach ja?« Ich sehe immer noch Cy an.


Er macht keine Anstalten, auf meine Nachfrage zu reagieren, stattdessen ist es ein Wächter, den alle Ratface nennen, der erwidert: »Ist doch klar. So eine Entscheidung geht schließlich uns alle an.«


Ich löse mich endlich von Cys Gesicht und wende mich Ratface zu. Er sieht mit seinen großen Schneidezähnen und den eingefallenen Wangen tatsächlich wie eine Ratte aus. »Richtig. Und es wundert mich, dass ihr euch so wenig Gedanken um eure Chips macht. Wer weiß, wann die Eltern eurer Schützlinge euch abschalten.«


»Warum sollten sie?« Ratface hebt die Schultern. »Sie vertrauen uns. Sicher ist es zu ihnen durchgedrungen, dass wir ihre Kinder vor Leigh gerettet haben. Sie wissen, dass wir sie heil zurückbringen werden, wenn die Zeit reif ist.«


Ein paar der anderen machen zustimmende Geräusche. An einem Ort wie Lundy ist es einfach, Schlimmes und Bedrohliches zu verdrängen.


»Wir brauchen dich hier, Jo«, mischt sich jetzt auch Erin ein. »Wir sind wenige. Manche von uns haben mehrere Kinder, auf die sie achtgeben müssen. Was, wenn wir aufgespürt und angegriffen werden? Da kommt es auf jeden an.«


Unauffällig balle ich die Hände zu Fäusten. Auf einmal komme ich mir egoistisch vor. Was, wenn sie Recht haben? Wenn ich in London schlafende Hunde wecke? Gut möglich, dass die Eltern der anderen Kinder sich bislang auf ihre Wächter verlassen. Vielleicht haben sie sich auch einfach noch nicht getraut, etwas zu unternehmen. Aber wenn Skinner und ich die Konfrontation mit den Industriellen suchen ...


Auf einmal wendet sich alle Aufmerksamkeit von mir ab und ich bin erleichtert – bis mir der Grund dafür klar wird.


»Hast du uns belauscht, Cupid?«, fragt Cash.


»War nicht nötig, man hat euer Gezeter bis in den Wald gehört.« Skinner bleibt neben mir stehen.


Jayward legt Cy beruhigend eine Hand auf die Schulter.


»Hast du vielleicht etwas zum Thema beizutragen?«, fragt dieser ungehalten. »Sonst kannst du nämlich gleich wieder verschwinden.«


»Ich habe etwas ziemlich Entscheidendes beizutragen.« Skinner verschränkt die Arme. »Etwas, das euch alle interessieren dürfte, Watcher.«


Die Blicke aller ruhen nun auf ihm. Sie sind finster, auch wenn ich weiß, dass nicht jeder Wächter ein Problem mit ihm hat. Eigentlich sind es nur Cy und Cash, die ihn lieber heute als morgen von der Insel jagen würden. Doch momentan ist es anders, momentan stehen sie alle gemeinsam gegen Skinner und mich.


»Ihr glaubt, ihr seid hier sicher. Schließlich habt ihr euch, im Gegensatz zu Jolette und Cy, nicht mit euren Auftraggebern angelegt. Doch eure Auftraggeber sind nicht die Einzigen, die Zugriff auf eure Chips haben.«


»Nein«, sagt Jay. »Aber in der Wächterschule wird man kaum Interesse daran haben, uns abzuschalten.«


»Glaubt ihr das wirklich?« Skinner überblickt die Runde der Watcher, ehe er fortfährt: »Dann solltet ihr euch mal fragen, wem die Wächterschule gehört.«


Ich sehe förmlich, wie die Erkenntnis alle zugleich trifft. Hart wie eine Faust. Auch ich habe das Gefühl, als hätte mir jemand mit einem Schlag sämtliche Luft aus den Lungen getrieben.


»Darian Leigh«, bringt schließlich Cy hervor. »Dein Vater ist ... unser Boss? Der Boss von uns allen?«


»Überraschung«, sagt Skinner trocken. »Seid ihr jetzt immer noch dafür, dass Jo sich mit euch im Schneckenhaus verkriecht? Oder soll sie lieber herausfinden, wie eure Daten gelöscht werden können?«


Kapitel 5

»Kurvenkoordinator, Fahrtmesser, Kurskreisel, Höhenmesser ...«


»Borduhr«, unterbricht Skinner Cy. »Was du da als Höhenmesser bezeichnest, ist die Borduhr, Watcher. Gibst du dir überhaupt Mühe, diese Maschine zu verstehen?«


»So einfach ist das nicht«, erwidert Cy.


Mir ist klar, dass er lügt. Durch Skinners Enthüllung wurden seine Einwände in Rekordgeschwindigkeit zunichte gemacht. Niemand weigert sich jetzt noch, uns abreisen zu lassen – im Gegenteil.


Auch Skinner scheint Cys Lüge zu bemerken. Zumindest sagt sein Gesichtsausdruck uns trotz der dunklen Brillengläser alles, als er sich zu uns umdreht. »Du wirst fliegen müssen«, sagt er zu seiner Schwester.


Patience lässt ein klägliches Lachen hören. Auch sie ist dagegen, dass wir gehen. Trotz allem, was ihr Vater getan hat, glaubt sie nicht, dass er unsere Chips abschalten und uns einfach töten wird.


Schaudernd denke ich an Darian Jed Leighs Untotenarmee. An das Gute in ihm zu glauben, ist mehr als naiv.


»Gut, noch mal«, ordnet Skinner an. »Es gibt zwei Kraftstoffanzeigen. Eine links und eine rechts. Die linke –«


»Wie viel Kraftstoff haben wir überhaupt?«, unterbricht Cy ihn hoffnungsvoll.


»Genug. Ich habe eine alte Tankstation neben dem Hangar entdeckt. Dort lagert unterirdisch eine ganze Menge von dem Zeug. Wie viel Leistung es nach all den Jahren noch bringt, ist eine andere Frage.«


»Moment.« Ohne es zu ahnen, hat Skinner Cy eine Vorlage geliefert. »Du meinst, das Kerosin stammt aus der Prämetropolzeit? Wir schreiben das Jahr 98, verdammt noch mal. Ihr wollt doch nicht ernsthaft mit Kraftstoff in die Luft gehen, der mindestens 100 Jahre auf dem Buckel hat.« In seinem Pilotensitz dreht er sich zu mir um.


Ich halte seinem Blick nicht stand, sehe stattdessen aus dem Fenster. »Wenn wir Leigh nicht finden und ihn dazu bringen, unsere Daten zu löschen, werden wir alle enden wie Naemi«, sage ich. »Und dann holt er sich in aller Ruhe die Kinder.«


Mein Schreckensszenario reicht nicht, um Cy zu besänftigen. »Das ist Irrsinn«, zischt er, steigt aus dem Flugzeug und knallt die Tür zu.


Zwischen uns anderen herrscht Schweigen. Skinner atmet geräuschvoll aus, ansonsten ist es gespenstisch still in der alten Maschine.


Ich wünschte, wir könnten einfach gehen, uns auf der Stelle auf den Weg machen. Ohne die Absicherung durch Cy und Patience. Wenn ich meinen Chip manipulieren, die Verbindung zu ihr irgendwie kappen könnte ... Mein Leben wäre ein verlorenes ohne sie und Cy, aber trotzdem sehne ich mich im Moment danach.


»Jemand sollte mit ihm reden«, sagt Skinner und schließt allein durch seinen Tonfall aus, dass er derjenige sein wird.


»Ich gehe schon.« Patience hat anscheinend nur auf dieses Stichwort gewartet. Leichtfüßig steigt sie aus der Maschine, die Skinner manchmal als Cessna bezeichnet und folgt Cy, der langsam in Richtung Hangar läuft. Ich sehe ihr hinterher. Seit unserer Flucht aus Woodpery ist ihr Haar noch heller geworden und ihre Haut hat einen goldbraunen Ton angenommen. Anders als mein Gesicht wird ihres von keiner einzigen Sommersprosse verunziert. Es ist genauso ebenmäßig wie das ihres Bruders und doch wirkt sie wie das genaue Gegenteil von ihm.


»Hey.« Skinner hat sich zu mir umgedreht. »Ich hoffe, der Grund, aus dem du die Insel verlassen willst, ist nicht der, den ich gerade vermute.«


»Was vermutest du denn?«, frage ich tonlos. Draußen hat Patience Cy eingeholt. Sie legt ihm ihre feingliedrige Hand auf den Rücken. Ich weiß genau, wie sich das anfühlt. Seine warme Haut, seine tiefen Atemzüge, wenn er sauer ist.


»Beziehungskrise«, sagt Skinner lapidar.


»Ich habe keine ... Beziehung mit Cy«, fahre ich ihn an. »Spinnst du?«


Patience' Bruder wendet sich ab. »Schön, wie du meinst.«


Wunderbar, jetzt habe ich auch noch Skinner vor den Kopf gestoßen. Ich fahre mir mit der Hand durchs Gesicht, dann beuge ich mich zu ihm vor. »Tut mir leid, ich bin im Moment ...« Weil ich selbst nicht weiß, wie ich meinen Zustand beschreiben soll, versuche ich es gar nicht erst. »Bring ihm das Fliegen einfach so schnell wie möglich bei, okay?«


Skinner versichert es mir und er hält Wort.


Die nächsten Tage verbringen Cy und er fast ausschließlich an Bord des Flugzeugs. Immer wieder gehen sie die unterschiedlichen Knöpfe, Hebel und Anzeigen durch, die alle irgendwie gleich aussehen. Wenn wir uns nicht gerade mit der Cessna befassen, sorge ich dafür, dass ich nie allein bin. Stets ist Patience oder einer der anderen Watcher in meiner Nähe. Gemeinsam befreien wir die Start- und Landebahn im Wald von dem Jahrzente lang gewucherten Unkraut, durch das sie gar nicht zu erkennen gewesen war. Cy muss sich damit begnügen, mir von Zeit zu Zeit einen fragenden Blick zuzuwerfen. In seinen Augen liegt eine Traurigkeit, eine tiefe Resignation, die mir das Herz bricht. Als er und Skinner schließlich zu ihrem ersten Testflug starten, warten Patience und ich am Boden. Ein paar der anderen habe sich zu uns gesellt. Als die Maschine an uns vorbei rast und schließlich in die Höhe steigt, halten alle die Luft an.


»Was euer Cupid nicht alles kann«, sagt Cash. Er steht mit verschränkten Armen neben mir und blickt misstrauisch in den Himmel.


»Sei besser froh«, gebe ich zurück. »Wenn unsere Daten gelöscht werden, könnt ihr euch alle bei ihm bedanken.«


Cash lacht auf. »Bei einem Kinderfänger bedanke ich mich höchstens dann, wenn er freiwillig das Zeitliche segnet.«


Nur am Rande bekomme ich mit, wie Erin ihren Bruder bittet, aufzuhören. Ich will mich nicht streiten, also gehe ich ein paar Schritte herüber zu Patience. Sie kauert neben Mali am Boden, krallt die Hände in ihr Fell und sieht angstvoll in den Himmel.


»Ihnen passiert schon nichts.«


Erst jetzt bemerkt sie mich und bemüht sich um ein Lächeln. »Ich wünschte, wir könnten alle hier bleiben. Und endlich normal leben.«


Fast muss ich lachen. Zum einen ist unser Versteckspiel auf Lundy alles andere als normal und zum anderen bezweifle ich, dass Patience jemals wieder normal leben wird. Wir alle haben die Macht, mit der sie geboren wurde, zu spüren bekommen, als sie für ihren Vater Tote erwecken musste. Die anderen Wächter, aber auch die übrigen Heiler, begegnen ihr mit Ehrfurcht. Sie wird immer und überall einen Sonderstatus einnehmen. Nicht zum ersten Mal frage ich mich, wie viele von ihrer Sorte es gibt – wie viele Heiler, deren Kräfte nicht versiegen. Vielleicht ist sie die Einzige.


Mit jeder Flugstunde, die Cy und Skinner absolvieren, wird Patience' Angst weniger und auch ich entspanne mich. Seine fünfte Landung auf der brüchigen Bahn gelingt Cy nahezu ruckelfrei. Als er aus dem Flugzeug steigt, begegnen sich unsere Blicke und der finstere Ausdruck in seinen Augen sagt mir, dass es soweit ist. Dass er soweit ist. Er macht ein paar Schritte auf mich zu und ich sehne seinen Kuss förmlich herbei. Ich möchte es so sehr und trotzdem kann ich mir gleichzeitig nichts Schlimmeres vorstellen. Doch anstatt mich zu umarmen, seinen Mund auf meinen zu drücken, presst Cy nur die Lippen zusammen und geht an mir vorbei.


»Zeit zu packen«, sagt Skinner fröhlich.


Es kostet mich Kraft, Cy nicht hinterherzulaufen. »Das habe ich längst«, erwidere ich. »Verschwinden wir endlich.«


Kapitel 6

Es liegt in meiner Natur, dass ich Patience nicht lange böse sein kann. Dennoch würde ich ihr jetzt gerade liebend gern die Meinung sagen, weil mir der Sinn so gar nicht nach dieser großen Verabschiedung steht, die sie auf die Schnelle organisiert hat. Ich glaube, sie spürt es, denn sie hält Abstand zu mir. Hat sich zu den anderen Heilern gesetzt und vermeidet jeden Blickkontakt. Die Kinder bilden einen Halbkreis um die Feuerstelle, die andere Hälfte des Kreises bilden wir Wächter. Immer wenn unsere kleine Gruppe zusammenkommt, fallen mir zwei Dinge auf: Zum einen ist das die Ähnlichkeit, die wir Watcher miteinander haben. Unsere kräftigen Körper, unsere ernsten Gesichter. Wir könnten eine Familie sein. Zum anderen überwältigt es mich jedes Mal, wie die anderen Heiler im Vergleich zu Patience verblassen. Früher, in unserem alten Leben, das hauptsächlich auf dem Internat stattfand, hatte ich nie mit anderen besonderen Kindern außer ihr zu tun. Von Zeit zu Zeit habe ich gerätselt, ob noch mehr von ihrer Sorte auf ihre Schule gehen. Nun ist mir klar, dass es gar nicht möglich gewesen wäre, sie zu entlarven, denn sie wirken völlig normal. Vielleicht wird das anders sein, wenn sie ihre vollen Kräfte entfaltet haben. Im Moment jedoch überstrahlt Patience sie alle wie ein Diamant einen Haufen aus Kohlestücken.


Polly, die ihre wilden Locken hochgebunden hat, macht die Runde und füllt unsere zurechtgeschnitzten Holzbecher mit heißem Rhododendrontee. Erst auf Lundy habe ich erfahren, dass sie und Yules gute Freundinnen waren. Auch ihre Schützlinge sind befreundet, sie waren Nachbarskinder. Jetzt hat Polly sich beider angenommen.


»Total lecker«, sagt Jayward und verzieht das Gesicht, nachdem er einen kleinen Schluck probiert hat.


Ein paar der anderen lachen leise.


»Der Tee ist gesund und wird Jolette stärken.« Polly lächelt mich an. »Du kannst auch etwas für Skinner mitnehmen, wenn du möchtest.«


»Danke.« Ich trinke ebenfalls einen Schluck. Das Gebräu schmeckt zugleich bitter und ein wenig süß. Ich lächle Polly an, dann wende ich mich Patience zu. »Er macht schon mal das Flugzeug fertig, sonst wäre er auch gekommen.«


Sie nickt stumm. Sicher hätte sie ihren Bruder gern bei der Abschiedsfeier dabei gehabt. Obwohl von Feier eigentlich keine Rede sein kann. Die Kinder tuscheln unruhig miteinander und würden wahrscheinlich lieber die Insel unsicher machen, als hier zu sitzen. Die Wächter hingegen haben ein sichtlich schlechtes Gewissen, weil sie uns allein losziehen lassen, obwohl es auch um ihr Schicksal geht. Ich habe bereits jedem Einzelnen von ihnen versichert, dass das in Ordnung ist, aber überzeugt wirken sie nicht.


»Seid ihr bewaffnet?«, fragt Cash leise. Er hat eines der Zwillingskinder auf dem Arm.


Ich nicke. Nach unserer Ankunft auf Lundy haben wir einige brauchbare Dinge entdeckt, darunter ein paar Messer. Auch Pfeil und Bogen lagerten in einer der Hütten, aber ich bevorzuge Klingen und Skinner weigert sich, mit den Waffen der Kinderhäscher zu schießen. Noch mehr, als er seinen Vater ablehnt, verschmäht er anscheinend das Cupidblut in seinen Adern.


»Wir sind auf alles vorbereitet.« Mein Herz schlägt bei diesen Worten etwas heftiger. »Wir sind schneller zurück, als ihr denkt.« Verstohlen blicke ich herüber zu Cy. Er starrt die Feuerstelle an, als würden dort Flammen lodern und tatsächlich sehe ich, wie seine Augen brennen. Wie immer entlarvt er meine Lüge.


»Überstürzt nichts«, sagt Myranda, eine Wächterin mit rotblondem Haar. »Euch zu zweit mit Leighs Vigilanten anzulegen wäre Selbstmord. Schnappt ihn euch, wenn er verwundbar ist. Wenn er im Bett liegt und schläft.«


»Ja«, knurrt Cash. »Und wenn ihr mit ihm fertig seid, schneidet ihm die Kehle durch.«


Sieben Augenpaare schnellen zu ihm herum. Cash mustert uns Watcher, doch erst, als ihm Erin den Ellbogen in die Rippen stößt und mit dem Kinn auf Patience deutet, wird ihm klar, wie unpassend seine Worte waren. Er hebt die Hände. »War doch nur ein Scherz.«


Wir alle wissen, dass es keiner war und er versucht auch nicht, seine Worte überzeugend klingen zu lassen.


»Noch jemand Tee?« Polly hebt den alten Kessel an, aus dem es immer noch dampft. Niemand antwortet. Wir alle hängen unseren Gedanken nach. An die Reise, die uns bevorsteht. An die Zukunft. Daran, wie es sein wird, nicht mehr durch einen Chip bestimmt zu werden. Wo werden wir stehen, wenn der Winter vorbei ist? Wo werde ich dann sein? Der Gedanke macht mich unruhig und ich schüttle ihn ab. Dann leere ich den Rest meines Tees und stehe auf. Es ist windig, von fern rauscht der Ozean. Die kleine Insel, auf die wir nach dem Kampf gegen die Untoten geflohen sind, wird mir fehlen. Das viele Grün, die Unberührtheit, die Abwesenheit von allem, das mit den Metropolen zu tun hat. Wer hätte gedacht, dass ich je so denken würde.


Ich reiße mich selbst aus meinen Gedanken und wende mich Mali zu. Meine Hündin hat sich neben mich ins Gras gelegt und döst vor sich hin. Ich lege die Arme um ihren Hals und küsse ihr Fell. Schweren Herzens lasse ich sie hier, denn um die beiden Dinge, auf die sie abgerichtet ist – Cupids zu bekämpfen und Patience zu beschützen –, geht es diesmal nicht. Mali hebt den Kopf und schlabbert mir durchs Gesicht. Ich wuschle ihr durchs Fell, dann verabschiede ich mich schnell von den anderen.


Auch Patience und Cy stehen auf. Der Himmel über Lundy hat sich zugezogen. Ehe es zu regnen beginnt, will ich fort sein.


Kapitel 7

Der Ozean ist aufgewühlt. Wellen türmen sich zu Gebirgen auf, fallen in sich zusammen und verschwinden in weißem Schaum. Die Stadt, die von Minute zu Minute näherkommt, liegt unbewegt vor uns. Die Türme der Industrie ragen in den Himmel wie eh und je, die Villen der Industriellen stehen gedrungen darunter auf kleinen Fleckchen aus grünem Rasen. Wenn es dunkel wäre und die zahllosen Lichter der Metropole brennen würden, wäre der Anblick schön. So aber ist London bloß von einer grauen Wolkendecke überlagert, die geradewegs aus den Industrietürmen zu kommen scheint.


»Wie lange noch?«, frage ich Skinner.


»Vielleicht zwanzig Minuten.« Er sitzt neben mir und steuert das Flugzeug, als hätte er nie etwas anderes getan. Ungemütlich wird es nur, wenn wir ein Luftloch durchfliegen.


Hinter mir ist Patience schon wieder auffallend ruhig geworden. Sicher ist ihr übel, so wie damals, als wir auf der Flucht waren. Ich denke daran zurück, wie wir gemeinsam im Maschinenraum des Schiffes saßen und dieses alte Kinderlied gesungen haben.


Sing ein Lied für Sixpence ...


Ich drehe mich zu Patience um und greife nach ihrer Hand. »Wenn ich weg bin ...« Meine Stimme klingt rau und ich muss mich räuspern. »Wenn ich weg bin, dann musst du für mich wachsam sein. Sobald dir etwas komisch vorkommt, sobald du eine seltsame Entdeckung machst, gehst du sofort zu Cy.«


Patience' Augen ruhen lange auf mir, ein fragender Ausdruck liegt darin. Dann drückt sie meine Finger. »Weshalb bist du so traurig, Jo?«


Cy, der neben ihr sitzt, blickt auf und sieht beinahe überrascht aus. Kann er sich denn nicht denken, dass ich traurig bin? Nach allem was war, scheint er mich noch immer für kalt und gefühllos zu halten. Dabei habe ich längst überwunden, was mein Chip mir so viele Jahre lang eingeflüstert hat. Meine Gefühle für Cy sind stärker als die Programmierung, die man einst in das winzige Stück Metall über meinem Herzen gespeist hat.


Obwohl sich alles in mir dagegen sträubt, denke ich an die Nächte auf Lundy, in denen er sich zu mir schlich, wenn Patience bei einem der anderen Heilermädchen übernachtete. Wie sich sein Körper anfühlte, wenn er einfach nur bei mir lag. Manchmal hat er mir von seinem Leben erzählt, von den vielen Dingen, die er im Niemandsland und vor den Toren Woodperys erlebt hat. Bei jeder dieser Erzählungen habe ich nur darauf gewartet, dass ihn etwas amüsiert und er zu lachen anfängt. Ich liebe sein Lachen, nach wie vor. Und ich vermisse ihn jetzt schon so sehr, dass man keine Heilerin mit feinem Gespür für menschliche Unzulänglichkeiten sein muss, um es zu merken. Auch Patience vermisse ich bereits. Dennoch zwinge ich mich zu einem Lächeln.


»Ich bin nicht traurig, ich mache mir nur Sorgen.«


»Das musst du nicht«, sagt Cy an Patience' Stelle. »Ich passe gut auf sie auf, bis du wieder da bist.«


Bis du wieder da bist. Beim Klang seiner Worte muss ich schlucken. Dennoch zwinge ich mich, den Blick zu heben und ihn anzusehen. Ich will, nein, ich muss mir sein Gesicht einprägen. Den gutmütigen Zug um seine Lippen, den kämpferischen Ausdruck in seinen Augen. Sein strubbeliges Haar, den Ton seiner Haut.


»Danke«, sage ich leise. Für alles, will ich hinzufügen, aber das wäre zu verräterisch. Ich zwinge mich, mich zusammenzureißen. Wir werden uns schließlich noch mal sehen, ehe ich mich für immer von ihnen trenne. Wenn alles wie geplant läuft, treffen wir uns schließlich sehr bald schon wieder.


Den Rest des Weges über ist es gespenstisch still in der Kabine. Die Stadt vor uns wächst und wächst, und dann überfliegen wir die ersten Vororte. Nirgends sonst wurde das Motto der Metropolen – Alle Macht dem Kapital! – so konsequent umgesetzt wie in London. Es gibt keine höheren Instanzen als die Industriellen, von daher gibt es auch niemanden, der den Flugverkehr kontrollieren könnte. Dennoch wagen wir uns nicht bis ins Stadtzentrum vor. Wir fliegen über die gigantischen Parks des Weald und verlieren über seinen letzten Ausläufern langsam an Höhe. Auf einer Landstraße setzt Skinner die Cessna auf und sie rollt so weich aus, als befänden wir uns noch in der Luft. Cy und Patience steigen mit uns aus und ich wende mich Cy zu, suche nach passenden Worten, nach einer passenden Geste. Einen Augenblick lang stehen wir uns stumm gegenüber. Er ist der erste, der Luft holt, um etwas zu sagen und ich erkenne an seinem Blick, was es sein wird. Dass er ein weiteres Mal versuchen wird, mich zurückzuhalten. Doch ehe er dazu kommt, fällt mir Patience um den Hals.


»Ich habe Angst um dich«, flüstert sie. »Ich bete, dass es dir gut geht, wenn wir uns wiedersehen.«


Dieses Beten hat sie von Cy. Ich bin mir nicht sicher, ob sie seine Bedeutung versteht, doch ich weiß zu schätzen, dass sie es für mich tut.


Ich erwidere ihre Umarmung kurz, dann lasse ich sie los. »Bleib in seiner Nähe«, sage ich schnell und drehe mich zu Cy um. Zumindest glaube ich, dass Cy noch dort hinter mir steht, aber ich irre mich. Er ist bereits eingestiegen und stellt alles für den Rückflug ein. Lange, stundenlang, wie es mit vorkommt, schaue ich in seine Richtung, ohne dass er meinen Blick erwidert.


»Seid vorsichtig«, sagt Patience zu Skinner. »Und wenn du meinem ... unserem Vater begegnest, lass dich nicht ...«


»Umbringen?«, grinst er.


Cy ignoriert mich immer noch. Auch, als Patience neben ihm Platz nimmt und die Tür zuzieht. Er starrt geradeaus und wartet darauf, dass es losgehen kann. Zuerst glaube ich, dass er einfach nur stur ist – stur und sauer. Dann, als die Cessna an uns vorbeirollt, sehe ich die Tränen, die auf seinen Wangen glitzern.


Kapitel 8

»Unautorisierte Landung im Sevenoaks Park. Ich wiederhole: Unautorisierte Landung im Sevenoaks Park.«


Behutsam winde ich mich aus Skinners Griff. Gerade rechtzeitig hat er mich hinter eine umgestürzte Eiche gezogen, als die Vigilanten mit ihrem Kombikopter aufgetaucht sind. Ich spähe durch die morsche Baumkrone und sehe, wie sie die Landstraße absuchen. Sie müssen sofort, als sie unser Flugzeug gesehen haben, hergekommen sein. Also habe ich mich getäuscht – irgendjemand unter den Industriellen, vielleicht auch die Industriellenvereinigung, kümmert sich mittlerweile sehr wohl um eine Luftraumüberwachung. Irgendwer bezahlt dafür. Das bedeutet, dass die Reichen mehr Angst haben als früher. Vielleicht wegen der Geschehnisse um Darian Leigh, vielleicht wegen der zunehmenden Unruhen im Niemandsland. Hoffentlich verfolgen sie unser Flugzeug nicht bei seinem Rückflug zur Insel. Es bedeutet auch, dass Cy und Patience, wenn sie in zwei Tagen wieder hierhinkommen, damit wir unsere Chips synchronisieren können, möglicherweise in ihr Verderben fliegen.


»Nein, keine Spur von einem Flugzeug«, spricht der Vigilant scheinbar zu sich selbst. Erst bei genauem Hinsehen erkenne ich den Knopf in seinem Ohr. Er stellt an seiner Datenbrille herum, dann sucht er den Boden ab. »Aber deutliche Wärmeveränderungen am Boden. Hier hat vor Kurzem noch etwas mit warmem Motor gestanden.« Eine Pause, dann sagt er in zackigem Ton: »Jawohl, wird gemacht!«


Im nächsten Augenblick ruft er seinen Kollegen, der weiter unten die Straße in Augenschein nimmt, zu sich. »Umgebung inspizieren, sofort!«


Alarmiert sehe ich Skinner an, aber er erwidert meinen Blick nicht. Er starrt geradeaus, die Klinge eines langen Messers blitzt in seiner Hand. Nach allem, was ich über ihn gelernt habe, vermute ich, dass er die beiden Vigilanten ohne zu zögern töten würde. Wir Wächter lernen in der Ausbildung gewisse Grundsätze. Einer davon lautet: Ein Watcher tötet keine Menschen.


Skinner war nicht auf der Wächterschule. Vorsichtshalber halte ich ihn am Arm fest. Ich will kein Blut vergießen. Skinner sieht mich an, ich deute mit den Augen auf das Messer und schüttle leicht den Kopf. Dann lenkt mich das Rascheln von Schritten im Gras ab. Ein erneuter Blick zur Straße verrät mir, dass die zwei Vigilanten sich auf die rechte und linke Seite aufgeteilt haben. Einer von ihnen, derjenige, der offenbar Funkkontakt zu jemandem im Stadtzentrum hält, marschiert genau auf unser Versteck zu. Mein Puls beschleunigt sich. Wenn ich einen Kampf abwenden will, der höchst unfair wäre, weil die Vigilanten nur Taser haben, muss ich mir etwas einfallen lassen.


Ich deute nach links. Auf allen Vieren arbeiten Skinner und ich uns an dem umgestürzten Baumstamm entlang und nutzen ihn als Deckung. Dann ziehe ich Skinner hinter einen wild wuchernden Busch.


»Hier war jemand!«, ruft der Vigilant. Er hat den umgestürzten Baum erreicht und starrt die Stelle hinter der Krone an, wo wir uns versteckt haben. »Zwei Personen, würde ich sagen. Der Boden ist noch ganz warm.«


»Weitersuchen!«, befiehlt sein Kollege und überquert die Straße, um ihm zu helfen. »Die können sich ja nicht in Luft aufgelöst haben!«


Verfluchte Datenbrillen! Ich frage mich, seit wann die Vigilanten damit ausgerüstet sind. Jetzt laufen sie beide in unsere Richtung. Ich blicke mich um. Die einzige Fluchtmöglichkeit führt tiefer in den Wald, doch unsere Verfolger würden unsere Schritte im Unterholz hören.


Skinner stößt mich an, deutet auf den Kombikopter der Vigilanten und sieht mich fragend an – zumindest glaube ich, dass es ein fragender Blick ist, denn die Sonnenbrille verschlüsselt wie immer seinen Gesichtsausdruck.


»Fingerabdruckscanner«, flüstere ich.


Skinner nickt kurz und wendet seine Aufmerksamkeit wieder den Männern zu, die nach uns suchen. Der erste von ihnen hat uns so gut wie erreicht, ich kann durch das Blattwerk bereits sein Gesicht erkennen. Ernste Züge, teigig von zu viel schlechtem Essen. Seine Uniform schützt seinen Solarplexus, aber der Hals liegt fast vollständig frei. Mit einem gezielten, festen Schlag könnte ich ihn für eine Weile außer Gefecht setzen.


Ich blicke herüber zu Skinner, um ihm deutlich zu machen, was ich vorhabe, doch ich komme nicht mehr dazu. Auf einmal schleudert er mich aus dem Gebüsch heraus zu Boden und stürzt sich auf mich, nagelt meine Handgelenke mit den Knien auf dem Asphalt fest. Dann schließen sich seine Hände um meinen Hals und er drückt zu.


Reflexartig habe ich ausgeatmet, als ich rücklings auf den Waldgrund gefallen bin. Genauso instinktiv schnappe ich nun nach Luft, doch es ist vergeblich. Ich bin so perplex, dass ich im ersten Augenblick einfach nur bewegungslos unter ihm liege. Dann erst beginne ich, mich zu wehren, mich unter ihm zu winden.


»Hör auf zu zappeln!«, fährt er mich an. »Dann geht es schneller.« Skinners Griff um meinen Hals verstärkt sich. Er hat unglaublich viel Kraft.


Ich schnappe nach Luft und versuche, seinen schweren Körper von mir herunterzutreten, doch mit jeder Bewegung schreien meine Lungen nur dringender nach Luft. Automatisch versuche ich zu atmen und höre mich selbst gequält japsen. Dann wird mir schwindelig, die Baumkronen über meinem Kopf beginnen sich zu drehen. Mein ganzer Brustkorb brennt und ich mobilisiere meine Kräfte, um mich aufzubäumen, mich irgendwie zu verteidigen.


Im nächsten Moment zischen auf einmal zwei Elektroden in Skinners Schultern und der elektrische Schlag schleudert ihn in Richtung Straße.


»Ein Cupid!«, triumphiert einer der Vigilanten.


Sofort werde ich in die Höhe gerissen. »Geht es Ihnen gut? Sind Sie verletzt?«


Ich bin außerstande, etwas zu erwidern. Stattdessen starre ich herüber zu Skinner, der mit einem zweiten Stromstoß malträtiert wird. Er keucht auf, fällt zurück auf den grasbewachsenen Boden und bleibt heftig atmend liegen.


»Können Sie mich verstehen?«, fragt der Vigilant.


Der andere zieht Skinner in die Höhe und legt ihm Fesseln an, schwarze Ringe aus Carbon, die wie eine Acht aussehen und sich eng an seine Haut schmiegen. Und dann nehmen sie uns beide mit zu ihrem Kombikopter. Ich bin immer noch zu fassungslos, um einen klaren Gedanken zu fassen oder auf die Fragen des Vigilanten zu antworten.


»Die Kleine braucht einen Arzt«, ruft er seinem Kollegen zu. »Am besten fliegen wir auf direktem Weg in die Stadt!«


Skinner wird auf die Rückbank verfrachtet, die durch eine Glasscheibe vom vorderen Bereich getrennt ist, und einer der Vigilanten nimmt neben ihm Platz. Der andere bittet mich auf den Sitz des Copiloten.


»Verdammte Cupids«, sagt er, sobald wir in der Luft sind.


Ich gebe ihm nicht direkt eine Antwort, muss mich erst sammeln. Ich denke an das Feuer, das Skinner auf Finisterra entfacht hat, denke daran, wie tapfer er Seite an Seite mit uns gegen seinen Vater gekämpft hat. »Ja«, sage ich dann leise. »Danke für die Rettung.«


»Dafür sind wir da.« Der Vigilant lächelt zu mir herüber. Er ist jung, jünger als sein verquollener Kollege. Nervöse Flecken haben sich auf seinem Hals ausgebreitet. »Dürfte ich Sie etwas fragen?«


»Sicher.« Verstohlen sehe ich an meinen Kleidern herunter. Kaum zu glauben, dass er mich für eine Industrielle hält. Man muss blind sein, um die Risse zu übersehen. Die vielen Stellen, an denen der Stoff bereits dünn geworden ist.


»Sind ... sind Sie eine Heilerin? Denn wenn dieser Cupid ein so großes Interesse an Ihnen hatte ...«


Ich blicke zu ihm herüber.


»Meine Mutter ist sehr krank«, sagt er schnell und hoffnungsvoll. »Sie hat deswegen ihre Arbeit in den Textilwerken verloren. Ein Gesundungshaus können wir uns nicht leisten und ...« Ich sehe, wie sein Adamsapfel hüpft, als er schwer schluckt.


 


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