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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Blutflucht Evolution, Loreen Ravenscroft
Loreen Ravenscroft

Blutflucht Evolution


Fantasy Romance

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Es war Freitagabend. Wie so oft half ich meinem Onkel Sam an der Bar aus. Seine urige Kneipe lag im Herzen von Greytown und langsam füllte sich der kleine Raum mit Gästen, während die alte Jukebox schon ein zweites Mal dieselben Lieder rauf und runter dudelte. Viele Männer, die meisten von ihnen Fischer und Hafenarbeiter, suchten nach einem langen und harten Arbeitstag Ablenkung, was den Alkoholverbrauch enorm in die Höhe trieb. Jeweils in Gruppen zu vier bis sechs Leuten drängten sie sich um die Tische, spielten Karten oder klagten sich gegenseitig ihr Leid über die Missstände, die der Machtwechsel mit sich gebracht hatte. Ein fischiger Geruch klebte an ihren Stiefeln und Seetang an den Wachshosen. Ich konnte Fisch nicht ausstehen! Warum musste ich gerade in dieser heruntergekommenen Stadt leben?


Meine eigentliche Verdienstquelle bestand darin, ein paar Zimmer zwei Stockwerke über dieser Kneipe zu vermieten. Ein Schild an der Tür meiner Pension verriet den Leuten, dass sie mich, Kate McAdams, hier, mitten im Haufen grölender Männer, finden konnten – falls sie eine bescheidene, aber saubere Übernachtungsmöglichkeit suchten.


Das Geschäft lief so einigermaßen. Viele, die neu in diese Stadt kamen, um Arbeit zu suchen, brauchten erst einmal einen Platz zum Schlafen. Es war schwer in diesen Zeiten Arbeit zu finden, was nicht allein am Regierungswechsel lag. Das war es schon gewesen, als ich vor über zwei Jahrzehnten das Licht der Welt erblickte. Das war zu der Zeit, in der sich die Menschheit spaltete, denn die Welt hatte sich verändert und mit ihr ihre Bewohner.


Es gab die »Normalos« auf der einen Seite und eine ausgestoßene Minderheit auf der anderen: die Mutanten. Das waren Menschen, deren Eltern oder Großeltern sich genetischen Experimenten unterzogen hatten. Das illegale Geschäft mit der Gentechnik boomte damals. Die Ärzte versprachen mittels speziellen Therapien jede Krankheit heilen zu können.


Die Probanden, die sich den ersten Experimenten zur Verfügung gestellt hatten, waren gut bezahlt worden, daher hatten sich viele Freiwillige gemeldet. Doch der Eingriff in das menschliche Erbgut blieb nicht ohne Folgen. Die veränderten Gene mutierten bei einigen Menschen und wurden oft weitervererbt. Grässliche Missbildungen an Neugeborenen waren keine Seltenheit. Einige von denen, die nicht tot oder entstellt geboren wurden, entwickelten im Laufe des Lebens außergewöhnliche Fähigkeiten.


Manchen sah man nicht an, dass sie anders waren, so wie mir, weshalb ich dieses Geheimnis wie einen Schatz hütete. Außer mit meinen Eltern, Gott habe sie selig, und meinem lieben Onkel Sam, teilte ich dieses Geheimnis mit niemandem. Ich wollte einfach ein normales Leben führen – dazugehören. Insofern war es dann doch nicht so übel, in Greytown zu leben. Hier gab es viele Menschen wie mich, das spürte ich instinktiv.


Erneut öffnete sich die Tür und die zwei Jugendlichen, die hereinkamen – Pickelgesicht und Blondie, wie ich sie immer nannte –, rissen mich aus meinen Gedanken. Sie gingen auf die Bar zu, wo ich die meiste Zeit des Abends verbrachte. Ich hatte sie hier schon oft gesehen und konnte sie nicht ausstehen. Ständig machten sie mir gegenüber anzügliche Bemerkungen. Eben zwei Halbstarke, die gerade der Pubertät entwachsen waren und nicht wussten, wie sie mit ihren überkochenden Hormonen umzugehen hatten. Sie glaubten wohl, sie könnten damit einer jungen Frau imponieren.


Ich verstand sie irgendwie. Es war für junge Menschen schwer, Arbeit zu finden. Die meisten hingen nur herum, stahlen oder betranken sich. Sie hatten nichts, womit sie sich beweisen konnten. Keine Perspektive, keine Zukunft.


Ich blieb wie immer freundlich und mixte ihnen ihre Drinks. Alles war an diesem Abend genauso wie an jedem anderen Freitagabend: die ewig gleiche, dröhnende Musik, von Zigaretten verqualmte Luft, dieselben Gesichter.


Meinem Onkel Sam half ich so gut es ging, denn schließlich war er nicht mehr der Jüngste. Einen weiteren Angestellten konnte er sich auf Dauer nicht leisten. Für meine Hilfe stellte er mir die fünf Zimmer über der Kneipe zur Verfügung. Die Mieteinnahmen durfte ich komplett behalten. Zum Glück hatte ich von meinen Eltern eine kleine Wohnung in der Nähe geerbt, weshalb mein knappes Einkommen gerade zum Leben reichte.


Es hätte mich auch schlimmer treffen können.


Ja, eigentlich ging es mir verdammt gut.


Soeben träumte ich, wann ich endlich genug Geld auf der Seite hätte, um dieser trostlosen Stadt für einige Tage den Rücken kehren zu können, als sich wieder die Tür öffnete und ein weiterer Gast die Kneipe betrat. Bei seinem Anblick hielt ich den Atem an und mein Magen wollte bis zu den Knien rutschen. Für einen Moment nahm ich fast nichts mehr um mich herum wahr. Vor Anspannung ballte ich die Hände zu Fäusten, wobei sich meine Fingernägel in meine Handflächen bohrten. Doch auch das registrierte ich kaum.


Ich hatte diesen Mann seit Wochen nicht mehr gesehen und die Hoffnung bereits aufgegeben, dass er sich hier noch einmal blicken lassen würde. In meinem Bauch breitete sich ein angenehmes Kribbeln aus. Schnell versuchte ich mich auf das Einschenken der Getränke zu konzentrieren, damit er mein rotes Gesicht nicht bemerkte. Zugleich verfluchte ich meine Schüchternheit. Er war mir schon einmal durch die Lappen gegangen. Ein zweites Mal wollte ich eine Chance nicht verspielen, falls sich überhaupt eine auftun würde.


Prüfend ließ er den Blick durch den dunstigen Raum gleiten. Dieses wunderbare Beispiel männlicher Schönheit war um einiges größer als ich und bestimmt ein paar Jahre älter. Sein dunkelbraunes Haar war zerzaust und hätte dringend einen Schnitt nötig gehabt. Seinen Bart hatte er auch schon mehrere Wochen nicht mehr rasiert und unter seinen Augen befanden sich dunkle Schatten. Überhaupt wirkte er ziemlich erschöpft und ausgebrannt. Der wilde Anblick schockierte mich, unterschied er sich erheblich von seinem letzten Besuch. Seine Aura schien ebenfalls nicht mehr so hell zu strahlen wie bei unserer letzten Begegnung. Trotzdem machte er auf mich einen starken, fast schon animalischen Eindruck. Was wahrscheinlich an seinem gut gebauten Körper und den dunkelgrauen Augen lag, die etwas von einem lauernden Tier hatten. Nicht, dass ich jemals ein lebendes Raubtier gesehen hatte, außer kranke, streunende Hunde, die es irgendwie schafften in dieser ausgemergelten Stadt zu überleben.


Als Kind hatte ich mit meinen Eltern ein Zoo-Museum besucht und dieser mysteriöse Mann erinnerte mich plötzlich an diesen fantastischen, exotischen Ausflug. Ein Beamer hatte einen scheinbar lebendigen, dreidimensionalen Tiger, der immer um die Besucher herumschlich, in den Ausstellungsraum projiziert. Ich war so fasziniert von der Schönheit und Geschmeidigkeit dieses Tieres gewesen, dass ich heute noch von diesem Tag träume. Genauso war es mir mit diesem Fremden ergangen.


Als er vor mehreren Wochen zum ersten Mal den Laden meines Onkels betreten hatte, war es sofort um mich geschehen gewesen. Doch die wenigen Male, die er bei mir an der Bar gesessen hatte, war er so still und verschlossen gewesen, dass wir kaum ein paar Worte gewechselt hatten.


Hoffentlich war er mittlerweile aufgetaut.


Heute trug er ein ärmelloses graues Shirt und an seinen braungebrannten Armen erkannte ich deutlich feine weiße Linien, die wie Narben aussahen. Ich erinnerte mich nicht, dass sie mir das letzte Mal schon aufgefallen wären. Seine Jeans hatten auch schon bessere Tage gesehen, trotzdem sah dieser Kerl in meinen Augen umwerfend gut aus, vor allem, wie sich der Stoff um seine Muskeln spannte. Keine Ahnung, warum gerade ich so auf ihn reagierte, denn von den wenigen Gästen, die sein Erscheinen überhaupt registriert hatten, erntete er nur abfällige Blicke.


Erneut bewunderte ich seinen gebräunten Teint, fand es aber ziemlich riskant, sich dermaßen ungeschützt den krebserregenden Strahlen der Sonne auszusetzen. Die Ozonschicht war schon ewig zerstört und von einem längerer Aufenthalt unter freiem Himmel war dringend abzuraten.


Als sein Blick auf mich fiel, glaubte ich ein Lächeln auf seinen Lippen zu erblicken, worauf sofort meine Wangen in Flammen standen. Verflixte Schüchternheit!


Der Typ hatte aber auch einen sinnlichen Mund, Teufel noch mal!


Er schlenderte Richtung Bar, was meinen Puls zum Rasen brachte. Ich wollte ihm sofort seinen Lieblingsdrink mixen, zum einen, um mich von meiner Nervosität abzulenken, zum andern, da er nie etwas anderes getrunken hatte als einen Blue Moon. Mit zitternden Händen gab ich die Eiswürfel in den Shaker, mischte Gin, Blue Curacao und Ananassaft dazu – der leider kein natürlicher Fruchtsaft war, sondern aromatisiertes Wasser – und füllte alles mit Limonade auf.


Als mein Schwarm am Ende der Theke Platz nahm, reichte ich ihm das Longdrinkglas mit dem blauen Getränk, das ich fest umklammerte. Es grenzte an ein Wunder, dass es unter dem Druck meiner Finger ganz blieb. Langsam ließ ich das Glas los.


Nachdem er mir ein kurzes Lächeln geschenkt hatte, das mein Herz erneut zum Hüpfen brachte, schlürfte er gedankenversunken seinen Cocktail. Schnell machte ich ihm einen Burger mit extra viel Fleisch drauf und schob ihm den Teller unter die Nase. Mein Schwarm sah so aus, als könnte er ihn dringend vertragen.


»Geht aufs Haus«, sagte ich und: »Schön, dass du wieder da bist.«


Was war nur in mich gefahren? Wieso war mir das rausgerutscht? Mein Gesicht glühte abermals und mein Atem stockte. Ich verklemmtes, graues Mäuschen!


Dankend nahm er die Mahlzeit mit den Worten »Ja, das finde ich auch« entgegen, was ihn, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, ebenfalls ein wenig verblüffte. Seine Blicke brannten auf meiner Haut wie Feuer. Hastig schaute ich weg.


Er hatte mit mir gesprochen! Und seine Stimme klang noch genauso erotisch wie bei unserer letzten Begegnung, beinahe wie ein Schnurren. Am liebsten wäre ich vor Freude in die Luft gesprungen! Jeder Nerv in mir pulsierte und kribbelte.


Kate, reiß dich zusammen, befahl ich mir in Gedanken. Dieser Mann würde sich niemals für so eine unscheinbare Frau, wie ich eine war, interessieren, schon gar nicht, wenn er wüsste, dass ich seine Gedanken lesen konnte – wenn ich wollte. Tief in meinem Inneren war ich ihm längst hoffnungslos verfallen.


Ein wenig träumen war ja wohl erlaubt.


Die zwei Halbstarken machten sich über ihn lustig.


»Hui, sieh an, die Bestie ist wieder da.« Blondie lachte.


»Rrr, er ist ein richtig wildes Tier«, sagte Pickelgesicht. »Heute noch nicht das Fell geleckt, was?«


Mein Traumtyp schenkte ihnen jedoch keine Beachtung. Stattdessen bestellte er einen weiteren Blue Moon und einen Burger. Heute lief alles friedlich ab, worüber ich froh war. Außerdem war ich überglücklich, weil mein »Tiger«, wie ich ihn in meinen Tagträumen nannte, da war und einige Worte mit mir gewechselt hatte. Und etwas Wildes und Animalisches hatte er definitiv an sich. Da musste ich Pickelgesicht und Blondie ausnahmsweise zustimmen. Nur dass mich diese Attribute eher anzogen als abschreckten.


Jeder, der anders war, wurde oft angepöbelt oder abschätzig angeschaut. Derjenige hätte ja ein Mutant sein können. Wenigstens war ich äußerlich normal. Mein Exfreund hatte mich sogar attraktiv gefunden, obwohl ich mich für zu dünn hielt. Ich liebte an mir bloß meine langen rotbraunen Haare.


Es gab mit Sicherheit viele Mutanten wie mich, die unerkannt bleiben wollten. Deswegen kannte die Regierung auch nicht ihre genaue Zahl. Bei einigen hatten sich bestimmte Bereiche des Gehirns so weiterentwickelt, dass sie nur mit Gedankenkraft Dinge bewegen oder zukünftige Ereignisse vorhersehen konnten. Im Grunde genommen konnte so ein Mutant alle möglichen Fähigkeiten entwickeln. Das führte zu einem immer größer werdenden Misstrauen in der Bevölkerung. Man wusste ja nie, wen man vor sich hatte – Mensch oder Mutant – und ob derjenige nicht gerade die eigenen Gedanken manipulierte.


Diese Ängste wurden geschürt, indem die Polizei in regelmäßigen Abständen angeblich gefährliche Mutanten verhaftete. Die Regierung unterteilte uns in drei Gruppen: Mutanten der Klasse EINS, die nur rein psychische Kräfte besaßen – zu denen durfte ich mich zählen –, Mutanten der Klasse ZWEI, die bloß physische Kräfte besaßen, und Mutanten der Klasse DREI, die sowohl körperliche als auch mentale Kräfte entwickelt hatten. Diese wurden am meisten gefürchtet, weshalb sie verpflichtet waren, sich bei einer eigens für sie ins Leben gerufenen Einrichtung – der MUTAHELP – zu melden, um sich registrieren zu lassen. Was natürlich die Wenigsten taten.


Die Regierung ließ längst alle Neugeborenen auf eventuelle genetische Abweichungen testen. Bekäme ich jemals ein Kind – wozu es natürlich erst eines Mannes bedurfte, eines Mannes wie ihn –, würde ich es wohl in einer Höhle zur Welt bringen müssen …


 


»Süße, kannst du Bier aus dem Keller holen?«, fragte mich Sam einige Zeit später. Das Geschäft lief heute gut, weshalb der Vorrat an Flaschen, die unter der Bar standen, knapp wurde. Natürlich würde ich in den Keller gehen, darum brauchte mich Sam nicht zu bitten. Er hatte eine seltene Knochenkrankheit und daher eine steife Hüfte, was ihm das Treppensteigen sehr erschwerte. Ein kurzer Blick in sein stoppelbärtiges Gesicht, um dessen blassblaue Augen sich unzählige Fältchen zeigten, sagte mir, dass ihn sein Bein heute besonders schmerzte. Sam hatte die Kiefer aufeinandergepresst und die Brauen nach unten gezogen.


»Klar«, antwortete ich.


Dankbar lächelnd drehte er sich um und wandte mir seinen kahlen Hinterkopf zu, auf dem nur noch geschätzte zwanzig graue Härchen wuchsen.


Mein Herz verkrampfte sich, als ich ihn mir genauer anschaute, denn ich kann die Aura sehen, die jeden Menschen wie ein Leuchten umgibt. Sams Leuchten wurde von Jahr zu Jahr schwächer. Das war kein gutes Zeichen. Nichtsdestotrotz tat ich ihm immer gerne einen Gefallen, denn schließlich hatte ich es ihm zu verdanken, dass ich mein Geld nicht mit Betteln oder Schlimmerem verdienen musste. Dabei dachte ich an die armen Mädchen, die bei Einbruch der Dunkelheit an den Straßenlaternen standen, in der Hoffnung, irgendein reicher Kerl käme vorbei und würde eines Tages vielleicht mehr von ihnen wollen als nur ihren Körper.


Also ging ich an meinem »Tiger« vorbei, mit der Absicht, ihm einen unauffälligen Blick zuwerfen zu können. Ich konnte mich an ihm nicht sattsehen, auch wenn er gerade keinen ganz so appetitlichen Eindruck machte und der Bart störte. Ich mochte keine kratzigen Bärte, aber ich wusste ja, wie er darunter aussah. Nur deshalb war er für mich das Paradebeispiel eines Verführers: geheimnisvoll, gefährlich und atemberaubend männlich. Mein Puls raste, als ich neben ihm über die abgenutzte Holztreppe in den Keller verschwand.


Dort unten war es angenehm kühl, daher liebte ich diesen Ort. Die drückende Hitze der Kneipe und die schlechte Luft machten mir zu schaffen. Ich setzte mich auf die unterste Stufe, schloss die Augen und sog den Geruch von trockenem Holz, süßlichen Rattenködern und Alkohol in mich auf. Das erinnerte mich daran, Sam noch beim Reparieren des Kellerregals zu helfen. Das kleine Erdbeben letzte Woche hatte es umgeworfen. Es waren jedoch nur einige Flaschen zu Bruch gegangen. Immer häufiger bebte es und das machte mir Angst. Es war, als würde Mutter Erde ihre alte Haut mitsamt ihren »Parasiten« abstreifen wollen.


Plötzlich fiel oben die Tür zu, die ich immer offen ließ, wenn ich in den Keller ging, und das Stimmengewirr der Männer verstummte abrupt.


»Na, Zuckerpuppe, brauchst du Hilfe?«


Mein Herz setzte einen Schlag aus, nur um danach mit doppelter Wucht weiterzuhämmern. Ich sprang auf und wirbelte herum. Im gelben Licht der Glühbirne erkannte ich die zwei Halbstarken.


»Verzieht euch nach oben, ihr habt hier nichts verloren!«, entgegnete ich mit lauter Stimme. Mir wurde mulmig in der Magengegend. Diese zwei aufdringlichen Typen machten mich langsam wütend.


Ich versuchte mich zwischen den beiden durchzudrängen, um nach oben zu kommen, allerdings hatten sie sich nebeneinander auf eine der schmalen Stufen gestellt und ließen mich nicht vorbei.


»Doch, wir haben dich hier verloren, Sweety.« Der Braunhaarige mit dem leicht pickligen Gesicht grinste anzüglich und stieß mich gegen das Holzgeländer, das mir unangenehm in den Rücken drückte. Sein Atem stank nach Bier und Zigaretten, weshalb sich mein Magen noch mehr verkrampfte.


Da wurde oben die Tür aufgerissen. Hoffentlich würde Sam nichts passieren, dachte ich, denn gegen diese Jungs hätte er nicht viele Chancen. Dazu war er schon zu alt und krank. Es war jedoch nicht Sam – es war mein Tiger.


Vor Überraschung erstarrte ich.


»Ab nach Hause mit euch, Zeit ins Bett zu gehen«, sagte er ruhig, aber bestimmt, mit seiner sinnlichen Stimme, die Hände lässig in die Hüften gestemmt.


Mein Herz raste. Nicht nur, weil mir die Teens unheimliche Angst einjagten, sondern vor allem, weil mein Tiger einfach umwerfend aussah, wie er da oben auf den Stufen stand. Schmale Hüften, breite Schultern, durchtrainierte Arme – er vereinte alle Eigenschaften eines Traummannes. Zudem wirkte er auf seine Weise stark und irgendwie unverwundbar. Das lag wohl daran, dass ich ihn so unwiderstehlich fand.


Allerdings war er nur rein äußerlich ruhig. In seinem Inneren tobte ein Orkan und dessen Ausläufer wirbelten bis in meinen Kopf. Tiger war geladen wie ein Starkstromgenerator.


Die Jungs drehten sich zu ihm um und ich stieg die letzten zwei Stufen hinab, um mich aus der Schusslinie zu bringen. Ärger lag in der Luft.


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