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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Blackout und Magie: Auserwählt, Arthur Gustav Steyn
Arthur Gustav Steyn

Blackout und Magie: Auserwählt


Galduron Saga 1

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1. Ein altes Amulett Nordog stand erheblich unter Druck. Die Karten sagten eine düstere Zukunft voraus. Der alte Gnom strich sich durch seinen langen Bart und blickte mit sorgenvoller Miene auf die Karten, die vor ihm auf dem Tisch ausgebreitet waren. Das würde schwierig werden – von Anfang bis Ende. Das Blatt offenbarte Anzeichen für Zwist, Zerstörung, Hass und Trauer. Zur Vorbereitung auf das große Ritual hatte Nordog seine abgegriffenen Schicksalskarten aus dem hintersten Schrank der über tausend Jahre alten Eiche geholt. Das letzte der zwölf Amulette fehlte. Unter allen Umständen musste es gefunden werden. Die Karten sollten Hinweise dafür liefern, ob die Suche erfolgreich sein würde. Die Auskunft war alles andere als hoffnungsvoll. Er atmete hörbar ein und aus, nahm die nächste Karte vom Stapel und legte sie verdeckt auf den vorgesehenen Platz. Diese Position stellte den Gegenpol dar: Hindernisse und Gegenspieler. Langsam drehte er die Karte um. Seit er die Karten benutzte – das tat er immerhin seit einhundertfünfzig Jahren – hatte er sich nach und nach angewöhnt, eine gewisse Dramatik beim Legen zu zelebrieren. Stimmiges Kerzenlicht, Weihrauch, langsames Umdrehen der Blätter. So vermochte er, sich intensiver auf die Magie einzulassen. Sein Unterbewusstsein sprach in weitaus klareren Botschaften zu ihm. So wie es eben immer und überall mit der Magie war. Der Wille und das Unterbewusstsein spielten die größte Rolle dabei. Die Kunst des Magiers bestand darin, rohe mystische Kräfte bewusst zu fokussieren und für sich zu nutzen. Die Karte starrte ihn mit all ihrer Häme und Verachtung an. Er spürte kalten Schweiß auf der Stirn. Zog es auf einmal in der alten Eiche? Die Kerzen flackerten. Die rote Gestalt mit den Hörnern und den schrägen gelben Augen schien ihre Fratze zu einem breiten Grinsen zu dehnen. Der Teufel! »Bei allen Heiligen ...«, murmelte Nordog, um sich zu beruhigen. Nun gut, so furchtbar war das gar nicht. In gewisser Weise war es ja vollkommen logisch, dass eine Teufelsfratze auftauchte. Das große Ritual wurde alle fünfhundert Jahre zelebriert, um die dämonischen Kräfte aus der Welt zu bannen. Oder besser gesagt, um den größten Teil in der Hölle zu bannen, damit die Zauberwelt Galduron und genauso die Erde von ihnen verschont blieben. Ein paar niederträchtige Dämonen und Mitstreiter der dunklen Seite schafften es immer wieder, hier wie dort Zwietracht und Bosheit zu säen, aber durch das große Ritual verschob sich die Waagschale eben ein wenig mehr hin zur rechtschaffenen Seite. Kurz hob er seinen dunkelblauen Hut mit den aufgestickten Gestirnen, um sich den Schweiß von der kahlen Schädeldecke zu streichen. Gerade wollte er die Karte für die neutralen Kräfte vom Stapel nehmen, als es an der Tür klopfte. »Meister Nordog, seid Ihr da?«, hörte er Grimmels helle Stimme von draußen. »Jaja, komm nur herein«, erwiderte er, stand von seinem Hocker auf, streckte den alten Rücken durch und ächzte. Die Tür ging auf, Grimmel trat ein. Nordog beschloss, Karten Karten sein zu lassen und sich um andere wichtige Dinge zu kümmern. »Torgrim Bodomir Funkelstein! Wie schön, dich zu sehen. Mein lieber Grimmel, wie lange ist es her?« »Zu lange, Meister, zu lange«, antwortete Grimmel ebenso erfreut. Sie ergriffen gegenseitig Hand und Unterarm in vertrauter Geste. »Setz dich, Grimmel. Möchtest du etwas Tee?« Nordog schlurfte zum alten Ofen, wobei sein langer blauer Umhang am Boden schleifte. »Grog wäre mir lieber«, antwortete Grimmel. Dabei grinste er über das ganze graubärtige Gesicht. »Immer noch der Alte, was?«, erwiderte Nordog. Lächelnd nahm er zwei Tonkrüge aus dem Schrank, der mit dem Inneren der Eiche verwachsen war. »Wenn du in mein Alter kommst, dann wirst du die Kraft eines guten, heißen Tees zu schätzen wissen«, fügte er schmunzelnd hinzu. »Solange kann ich ja noch Grog trinken«, gluckste Grimmel, nahm die grüne Mütze vom Kopf und legte sie neben sich auf die Bank. Seine Halbglatze war zwar noch nicht vollständig bis zum Hinterkopf gewandert, aber eine weite Strecke war nicht mehr zu bewältigen. Nordog setzte sich Grimmel gegenüber und schob ihm den grauen Krug mit dem duftenden, heißen Grog zu. Sie stießen an, jeder nahm einen großen Schluck. »Du weißt, warum ich dich hergebeten habe?«, fragte Nordog seinen erfahrensten Schüler. »Nun ja, es wird wohl irgendwas mit dem großen Ritual zu tun haben. Seit Monaten sieht man dich kaum noch in der Akademie, weil du mit den Vorbereitungen beschäftigt bist«, antwortete Grimmel. »Sehr richtig, das große Ritual, so wie in der großen Prophezeiung beschrieben. Du weißt auch, was es mit den Amuletten auf sich hat?« »Aber Meister, natürlich weiß ich das.« Grimmels Stimme klang etwas verwundert. »Jeder Zauberer und Adept in ganz Galduron kennt die Legende der zwölf Amulette.« »Jaja, schon gut«, entgegnete Nordog, »ich will nur sichergehen, dass du alles Wesentliche verstanden hast.« Er warf seinem Schüler einen ernsten Blick zu. Der zog die Augenbrauen hoch. »Also gut«, sagte er. »Nach der Legende wurden die zwölf Amulette vom Zwergenvater Ivaldi persönlich geschmiedet. Je drei der Amulette sind einem der Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde zugeordnet. Zusammen beschützen die zwölf Amulette unser Reich Galduron. Der Zauber muss alle fünfhundert Jahre erneuert werden. Das geschieht im großen Ritual.« Nordog nickte. »Richtig. Und wann steht die nächste Zeremonie an?« »Sehr bald«, antwortete Grimmel. »Genau gesagt: in zwei Wochen, zum nächsten Neumond!«, entgegnete Nordog mit erhobener Stimme. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, schlug er mit der Faust auf den Tisch. Grimmel zuckte zusammen. Er wusste, dass sein Schüler ein derartiges Verhalten von ihm nicht gewohnt war. »Ja, Meister, zum nächsten Neumond. Das weiß ich.« Offensichtlich verlegen nahm Grimmel einen Schluck aus seinem Krug. Nordog atmete tief ein und schaute wieder freundlicher. »Tut mir leid, Grimmel, du kannst nichts dafür. Es ist nur …« »Was denn?« Nordog stand auf und begann, in dem kleinen Raum hin und her zu wandern. »Wie du weißt, befinden sich die Amulette in der Obhut auserwählter Hüter. Nach jedem Ritual nehmen sie ihre Amulette wieder an sich.« »Ja«, bestätigte Grimmel. »Nun, ich habe natürlich in den letzten Monaten alle Hüter kontaktiert und eingeladen. Ein paar sind sogar schon eingetroffen.« Er blieb stehen und sah Grimmel wieder ernst an. »Alle haben bestätigt, alle – bis auf einen«, fügte er hinzu. Grimmel runzelte die Stirn. »Alle, bis auf einen?« »So ist es.« Nordog seufzte. »Einer der Menschenmagier. Keiner der Boten konnte ihn finden. Deshalb holte ich ein paar Erkundigungen über ihn ein. Vor dreißig Jahren hat sich seine Spur bereits verloren.« Wieder wanderte er umher. »Lange Zeit und unbekannt, liegt ein Stein in Kindes Hand«, murmelte er dabei vor sich hin. »Was?«, fragte Grimmel. »Das ist ein Vers aus der großen Prophezeiung, den ich nie verstanden habe. Vielleicht liefert er einen Hinweis auf den Verbleib des zwölften Amulettes. Verstehst du?« »Was könnte es bedeuten?«, fragte Grimmel mit gerunzelter Stirn. »Nun, dass das Amulett sich nicht mehr bei dem Menschenmagier befindet, sondern ... bei einem Kind.« Nordog machte eine Pause, strich sich wieder über seinen langen weißen Bart, wanderte wieder hin und her. »Allerdings muss es nicht unbedingt ein Kind sein. Prophezeiungen sind immer sehr, naja, bildhaft.« »Wenn das große Ritual misslingt, dann wird die teuflische Seite mehr Macht erlangen, nicht wahr?«, fragte Grimmel besorgt. »So ist es, so ist es«, murmelte Nordog mit finsterem Gesicht. »Großer Sturm den Vollmond fegt, auf Erden sich nichts mehr bewegt. Irdisch wandern leicht gemacht, die Erde heimsucht dunkle Macht.« »Noch was aus der Prophezeiung?«, fragte Grimmel und trank vorsichtshalber einen großen Schluck Grog. »Jaja, das sind die nächsten Verse.« Nordog seufzte. »Ich hoffe, es hilft uns weiter. Wir wissen, dass sich das zwölfte Amulett bei einem Menschenmagier befand, also höchstwahrscheinlich auf der Erde. In der Prophezeiung werden der Vollmond und ein Sturm erwähnt. Auf dem Mond kann es eigentlich keinen Sturm geben. Vielleicht ist damit ein großes kosmisches Ereignis gemeint. Immerhin heißt es, dass sich auf der Erde nichts mehr bewegt und eine dunkle Macht sie heimsucht. Jaja … hm …« Nordog fing den Blick seines Schülers auf. Der fragte sich wohl gerade, ob dies alles irgendeinen Sinn ergab. In diesem Moment kam Nordog eine Idee. Abrupt blieb er stehen und hob den Kopf. »Grimmel!«, sagte er. »Wann warst du das letzte Mal auf der Erde?« »Vor etwa zweihundert Jahren.« »Genau. Und warum seitdem nicht mehr?«, fragte Nordog aufgeregt. »Weil, naja, weil es schwieriger geworden ist. Seit die Menschen über die ganze Erde Eisen- und Kupferdrähte spannen und Energie durchschicken, wird es für uns dort immer unangenehmer. Es zehrt uns aus«, erwiderte Grimmel. »Warum das so ist, weiß ich nicht.« »Weil die Energie, die in den Drähten gefangen ist, Wellen durch die Luft sendet, die unsere magische Energie hemmen. Wir können unter diesen Bedingungen nicht lange existieren. Wie ich erfahren habe, schicken die Menschen seit einigen Jahren absichtlich immer mehr dieser Wellen durch die Luft«, erklärte Nordog. »Aber warum tun sie das?«, fragte Grimmel. »Verstehe einer die Menschen und ihren sturen Glauben an den Fortschritt«, erwiderte Nordog. »Aber hör doch, was die Prophezeiung sagt: Irdisch wandern leicht gemacht. Vielleicht bedeutet dies, dass wir wieder zur Erde reisen können. So wie früher!« »Meint Ihr?«, fragte Grimmel zweifelnd. »Wir müssen es zumindest versuchen. Morgen ist Vollmond. Vielleicht können wir dann wieder auf die Erde gelangen.« Intensiv starrte er seinen Schüler an. »Was ist?«, fragte Grimmel. Ihm war offensichtlich unbehaglich. »Du musst zur Erde und das Amulett finden!« »Ich? Aber …« Grimmel schluckte. Nordog packte ihn fest an den Schultern. »Mein lieber Junge, du bist unsere einzige Chance. Beschaffe das Amulett, sonst wird in Galduron schon bald das Chaos herrschen – und nicht nur hier. Schon morgen wirst du aufbrechen.« Grimmel vermochte nichts anderes, als in das ernste Gesicht seines Meisters zu starren. Dessen Blick duldete keine Widerworte. Doch er ahnte nicht im Geringsten, in welches Abenteuer er gestoßen wurde. 2. Eine ungeplante Reise Oliver dachte darüber nach, wann der beste Zeitpunkt wäre, es seiner Frau zu sagen. Beim Abendessen, jawohl, oder besser nach der Mahlzeit. Hieß es nicht, Menschen wären mit vollem Magen milder gestimmt? Allerdings war Sofia im vierten Monat schwanger. Änderte das etwas? Vermutlich. Bei seiner Frau war alles ungewöhnlich, erst recht seit der Schwangerschaft. Sämtliche Gedanken drehten sich um das Baby. Er hegte einen Verdacht. Sofia schien ihm vorzuwerfen, dass in seiner Welt noch ein paar andere Dinge eine Rolle spielten. Aber he! In seinem Körper wuchs kein neues Leben heran. Konnte man ihm verdenken, dass er nicht die ganze Zeit daran dachte? Immerhin wurde er zum ersten Mal Vater, hatte es noch nie geübt. Er zog seinen Werksausweis über den Scanner, verließ das Automobilwerk durch die Drehtür und schritt den gewohnten Weg zum Parkplatz entlang. Im Hintergrund leuchtete die Sonne tief über den Wohnblöcken des Ingolstädter Nordens. Natürlich hatte er Verständnis für Sofia und wollte ihr alles so gut wie möglich recht machen. Sein Chef hatte dafür leider kein Verständnis. Für den zählte nur die Firma – oder besser gesagt die eigene Karriere. Vor zwei Stunden hatte ihn Herr Dr. Pfeiffer, Leiter der Qualitätssicherung und Olivers Vorgesetzter, in sein Büro zitiert und ihm den Fehlerbericht der Unterlieferanten unter die Nase gehalten. Oliver hatte ihn erstellt. Beim Absenden der E-Mail war ihm schon unwohl gewesen, er kannte seinen Chef lange genug. Wenn der eine negative Nachricht bekam, war zuallererst der Überbringer schuld. Oliver hatte ein Donnerwetter erwartet. Es war gar nicht so heftig ausgefallen wie befürchtet, womöglich deshalb, weil er wieder klein beigegeben hatte. Elender Feigling, schalt er sich im Stillen. Aber was sollte er machen? Gegen einen Dr. Pfeiffer kam er nicht an, wenn der beschloss, ihn auf einen Feuerwehreinsatz zu schicken. Gleich morgen früh musste Oliver nach Ulm fahren, um mit dem Lieferanten der Sitzheizung nochmal alle Prozesse durchzugehen. Deren Fehlerrate hatte sich wieder verschlechtert und Oliver war nun mal der zuständige Qualitätsauditor. Normalerweise hatte er nichts gegen solche Dienstreisen, solange sie ihn nicht ins Ausland führten. Nach Ulm brauchte er zwei Stunden mit dem Auto. Er könnte um neun Uhr dort sein und zum Abendessen wäre er wieder zu Hause. Ja, so würde er es Sofia verkaufen. Das Problem bei dieser Geschichte war, dass er Sofia versprochen hatte, sich morgen Nachmittag freizunehmen, um mit ihr Babysachen einzukaufen. Zwar fragte er sich, warum das fünf Monate vor der Geburt unbedingt erledigt werden musste. Aber wenn Sofia sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte man es ihr kaum ausreden, zumindest Oliver gelang es nicht. Es war wie bei seinem Chef. Vor dem war er ja auch wieder eingeknickt. An Dr. Pfeiffers Worte erinnerte er sich gut: »Vergessen Sie getrost Ihren freien Nachmittag. Meinen Sie, nach dem letzten Skandal können wir uns auch noch eine Schlagzeile wegen einem Qualitätsproblem leisten?« »Natürlich nicht«, hatte Oliver erwidert, »natürlich nicht.« Er würde in den sauren Apfel beißen und Sofia auf das Wochenende vertrösten. Seufzend stieg er in sein Dienstfahrzeug. Beim Losfahren verfluchte er sich wieder einmal dafür, dass er ein solch elender Hasenfuß war. 3. Leider kein Einkaufsnachmittag Sofia hatte sich mit dem Abendessen wieder einmal selbst übertroffen. Sie war echt eine ausgezeichnete Köchin. Heute gab es ihre wunderbaren Hühnerspieße in Tomatensoße. Oliver liebte dieses Gericht. »Habe ich extra für dich gemacht«, flötete Sofia, als sie sich an den Tisch setzten. »Danke«, erwiderte Oliver kleinlaut und schnitt mit seinem Messer in das zarte Fleisch. Jetzt würde es ihm umso schwerer fallen, ihr von seiner anstehenden Dienstreise zu erzählen. Mit trockenem Mund kaute er auf einem Bissen herum und vermied es, ihr in die Augen zu sehen. »Schaaatz?« Oje, dachte er, während er das Fleischstückchen seine Kehle hinunterzwang. Wenn Sie in diesem Tonfall anfing, dann lag etwas im Argen. Er schluckte. »Ja?« Jetzt sah er ihr ins Gesicht. Sie kniff die Augen zusammen. Das war nicht gut. Als Nächstes verschränkte sie die Arme vor der Brust. O weh! »Was ist mir dir?«, fragte sie in forderndem Tonfall. »Was soll denn sein?« »Ich weiß, dass etwas ist. Das merke ich sofort.« Sie nahm ihr Besteck und begann ihrerseits, an dem Hühnerspieß herumzusäbeln. Oliver brachte nur ein Räuspern zustande. »Hast du wieder so viel Stress bei der Arbeit? Du Armer, unser Shoppingausflug morgen wird dir guttun.« Eigentlich finde ich sowas furchtbar anstrengend, anstrengender als im Büro zu sein, dachte Oliver. »Äh, ja, wegen morgen Nachmittag …«, wagte er einen Versuch. »Am besten fahren wir zuerst in die Innenstadt zu H&M, die haben wieder ganz tolle Angebote. Das hat Sandra mir erzählt«, unterbrach sie ihn und strahlte über das ganze Gesicht. »Ähm, ja, verstehe.« »Und dann noch zu Ikea. Ich will mir diese Wickelkommode ansehen. Neues Geschirr brauchen wir auch.« »Was ist schlecht an unserem Geschirr?« »Nichts, aber wir brauchen Babygeschirr – und eine Wiege.« Sie kaute lautstark auf ihrem Fleisch, während sie sprach. Er legte das Besteck weg und stieß einen tiefen Seufzer aus. »Was ist?« Sofia fixierte ihn wie die Schlange die Maus. »Schatz, ich kann morgen nicht mit dir zum Einkaufen fahren.« »Warum nicht?« Sie sprach leise und gedehnt, es klang wie eine Drohung. »Weil ich morgen früh nach Ulm zu einem Lieferanten fahren muss.« »Und das sagst du mir erst jetzt?« Ihre Augen funkelten. »Ich habe es gerade erst erfahren. Dr. Pfeiffer ...« »Dr. Pfeiffer, Dr. Pfeiffer, ich höre immer nur: Dr. Pfeiffer!« Oje, jetzt geht’s los, dachte er und schwieg. »Deinem Dr. Pfeiffer ist unser Baby wohl scheißegal.« Allerdings, bestätigte er im Stillen, erwiderte aber nichts. Sofia sollte erst mal Luft ablassen. Seit der Schwangerschaft waren ihre Stimmungsschwankungen deutlich ausgeprägter als sonst. Sie fächelte sich selbst mit der Hand Luft zu, stand auf und sagte: »Ich glaube, mir ist schlecht.« Dann verschwand sie in der Küche. Kurz danach kam sie mit einem Glas Wasser zurück und betrachtete Oliver einen Augenblick lang. Ihre gefährliche Zornfalte zwischen den Augen war deutlich zu sehen. Sie stellte das Glas Wasser etwas lauter als notwendig auf dem Tisch ab und wedelte mit ihrem Zeigefinger. »Weißt du was? Du könntest dir ruhig mal ein paar Eier wachsen lassen! Ich meine, ein paar größere. Zum Babymachen haben sie ja noch gereicht, aber gegen deinen Chef kannst du dich wohl nicht durchsetzen.« »Wie bitte?«, entgegnete Oliver. Das ging jetzt aber entschieden zu weit. »Schatz, das ist mein Chef.« Wütend starrte er sie an. Was dachte sie sich eigentlich? Mit einem tiefen Seufzer setzte sie sich wieder auf ihren Stuhl. »Okay, tut mir leid«, murmelte sie. Offensichtlich begriff sie, dass sie zu weit gegangen war. »Ich meine ja nur … Wir reden schon seit letzter Woche von diesem Nachmittag.« »Ja, ich weiß. Aber es gibt einen Notfall und ich soll mit den Verantwortlichen die Qualitätsprobleme wieder in Ordnung bringen. Es ist dringend«, verteidigte er sich. Sofia schob sich einen Bissen in den Mund. »Jaja, bei den Lieferanten funktioniert etwas nicht und James Bond muss mal wieder ran. Die alte Leier«, nuschelte sie. Darauf erwiderte er nichts. War ihm ganz recht, dass sie ihm den James-Bond-Vergleich immer noch abnahm. Auch wenn er sich nicht sicher war, ob sie es diesmal ironisch meinte. In Wahrheit hatte er einen knochentrockenen Job. Ihn störte das nicht. Er liebte Ordnung und Struktur. Und er begeisterte sich für Checklisten. Und Pläne. Und überhaupt alles, was zu mehr Ordnung und Struktur führte. Vermutlich mochte sie die James-BondGeschichte, weil sie sich dann einreden konnte, dass sie einen aufregenden Mann hatte. »Morgen bin ich zum Abendessen wieder da.« Sofia schwieg. »Wir holen das am Wochenende nach. Versprochen.« Wieder ließ sie einen lauten Seufzer hören. »Okay, morgen ist eh schönes Wetter, da kann ich auch im Garten arbeiten.« Sie schien sich schneller als erwartet damit abgefunden zu haben. »Josef hat angeboten, mir mit dem Grünschnitt zu helfen«, schob sie hinterher. »Josef?« Er spürte einen Anflug von Eifersucht in sich aufkeimen. »Ja, Josef. Du weißt doch, er hat einen Traktor mit Anhänger und er kann den Grünschnitt hinter seinem Hof einfach abladen.« Mit betonter Lässigkeit schnitt Sofia weiter an ihrem Essen herum, während Oliver ihr missmutig zusah. Er mochte den Typen nicht. Der Mittfünfziger wohnte auf einem kleinen Bauernhof in der Nähe. Schon bei ihrer ersten Begegnung war Josef ihm seltsam vorgekommen. Der Kerl wirkte auf irgendeine Weise, na ja, nicht vertrauenerweckend. Oliver wusste zwar nicht, woher dieses Misstrauen rührte, denn Josef war stets freundlich und hilfsbereit. Trotzdem hatte er immer dieses komische Gefühl, wenn sie miteinander sprachen. Dass Josef seiner Frau zur Hand ging, wenn er nicht da war – also das war ihm gar nicht recht. Gerade jetzt, nachdem Oliver sie mit ihren Einkaufsplänen enttäuscht hatte. Sie würde Josef dankbar sein und er wäre der Buhmann. Grandios gelaufen, danke Herr Dr. Pfeiffer! Oliver ließ die Angelegenheit einstweilen auf sich beruhen, er hatte es nicht auf einen Streit abgesehen. An diesem Abend ging er zeitig zu Bett, denn er beabsichtigte, am nächsten Morgen früh loszufahren. 4. Sieben Sachen Der Kompass hing an einer dünnen silbernen Kette. Er sah aus wie ein platter Vogel. Unablässig drehte sich der Piepmatz im Kreis, erst ein paar Mal in die eine Richtung, dann wieder in die andere. Natürlich handelte es sich nicht um einen Kompass im klassischen Sinn, Grimmel nannte ihn für sich nur so. Nordog hatte einen Zauber auf den Anhänger gewirkt und ihn danach Grimmel gegeben. »Damit wirst du auf der Erde imstande sein, das Amulett zu finden«, hatte sein Meister erklärt. »Der Vogel wird immer in die richtige Richtung weisen.« Hoffentlich funktionierte das. In Galduron drehte sich der Vogel ständig im Kreis. Grimmel seufzte und steckte den Kompass in seine lederne Umhängetasche. Was brauchte er für sein Vorhaben? Im Grunde nichts außer Reisekleidung, Wanderstab, Umhängetasche mit üblichem Inhalt, Geldbeutel am Gürtel und – Vogelkompass. Bei seinen bisherigen Reisen zur Erde hatte er immer leicht Verpflegung und einen Unterschlupf zum Schlafen gefunden. Warum sollte das diesmal anders sein? Er wusste zwar nicht, wo genau er auftauchen würde, aber Nordog hatte versprochen, dafür Sorge zu tragen, dass Grimmel möglichst in der Nähe des Amuletts manifestierte. Und auf Nordogs Wort war immer Verlass. Grimmel hatte keine Ahnung, wie sein Meister das anzustellen gedachte, aber er vertraute ihm. Also hängte er sich die Tasche über die Schulter, verschloss die Tür seiner Baumhütte und nahm den Abstieg von der großen Esche in Angriff. Vor über hundert Jahren hatte er auf der untersten Astgabelung seine Hütte gezimmert und er würde auch die nächsten hundert Jahre dort wohnen. Die ausladende Krone des großen Baumes beschützte die mehr als vierzig Gnome, die in seinen Zweigen ihre Behausungen gebaut hatten. Einige lebten allein, andere in kleinen Familien. Er litt ein wenig unter Höhenangst. Deshalb wollte er keinesfalls weiter oben wohnen. Hier unten war es sicher genug und es wurde ihm fast nie schwindelig. Als er auf den untersten gezimmerten Stufen den Baum hinabschritt, war es früher Morgen und dämmrig. Niemand begegnete ihm. Nur die Öllampen und ein paar Irrlichter am Geländer beleuchteten seinen Weg. Am Ende der Treppe grüßte er den Wachposten. Dann schlug er den Weg in Richtung Großer Buckel ein. So nannten sie den kleinen Berg in der Nähe. Dort oben auf einer Lichtung, inmitten eines Kreises aus hohen Felsblöcken würde Nordog das Portal aktivieren, durch das Grimmel auf die Erde gelangte. Für den Weg brauchte er etwa eine halbe Stunde. Bis auf eine kleine Fee, die ihn ein Stück begleitete und etwas Licht spendete, traf er niemanden. Wie fast alle Feen war sie froh gelaunt und voller Neugier. Sie fragte Grimmel Löcher in den Bauch, wohin er ginge und warum. Aber er erzählte ihr nicht allzu viel. Letztendlich befand er sich auf einer gefährlichen Mission, um die Welt vor Unheil zu bewahren. Diese fröhlichen kleinen Wesen nahmen sich immer alles gleich so zu Herzen. Außerdem plauderten sie alles aus. Das Letzte, was er und Nordog jetzt brauchen konnten, war eine beunruhigte Bevölkerung. Als er in den Steinkreis trat, war Nordog schon dabei, das Portal zu öffnen. Sein Meister stand mit erhobenen Händen vor der großen Steinplatte in der Mitte. Er hatte einen monotonen Singsang angestimmt, dabei wankte sein Körper leicht hin und her. Obwohl Nordog ihm den Rücken zuwandte, war Grimmel sicher, dass der Meister seine Anwesenheit spürte. Er verhielt sich still und wartete geduldig am Rand des Steinkreises. Es dauerte nicht lange, da bildete sich über der Platte, etwa in Brusthöhe eines Gnoms, eine kleine leuchtende Kugel, die sich rasch ausdehnte. Mit einem Zischen verwandelte sich die Kugel in ein schimmerndes, durchsichtiges Oval in der Größe einer Tür. Sein Innerstes sah aus wie der Sternenhimmel, umspült von einem gräulich weißen Wabern an den Rändern. Dieses Portal öffnete eine Tür zum unendlichen Universum. Jetzt drehte sich Nordog zu ihm um und musterte ihn eingehend. Sein Blick war freundlich, sein Lächeln aufmunternd. »Viel Glück, mein Freund«, sagte er und hielt Grimmel für einen kurzen Moment an den Ellbogen. »Ich bin sicher, dass du es schaffst«, fügte er hinzu. Grimmel atmete tief durch. »Ja, Meister, sicher.« Nach einer Weile fragte er: »Wo werde ich landen?« »An einem heiligen Ort«, antwortete Nordog. »Genau weiß ich es nicht. Ich habe alle guten Geister angerufen, damit du in der Nähe des Amuletts manifestieren kannst.« Nachdenklich sah Grimmel seinen Meister an. Nordog war alt geworden, strahlte aber noch immer viel Kraft und Zuversicht aus. Genauso hatte er ihn vor langer, langer Zeit kennengelernt. Unter dem blauen Zauberhut existierten fast keine Haare mehr, dafür waren die weißen Augenbrauen buschiger und der Bart länger geworden. Grimmel vertraute Nordog. Wer, wenn nicht sein Meister, konnte wissen, was zu tun war. Dann gab er sich einen Ruck, nickte kurz und schwenkte seinen Blick auf das wabernde Portal. Entschlossen schritt er darauf zu – und lief hinein. Sofort umfing ihn gleißendes Licht. Er schloss die Augen, fühlte sich für einen Moment federleicht, geradeso, als würde er vom Boden abheben. Und dann – fühlte er gar nichts mehr. 5. Einen Tag mehr »So, das wars«, sagte Josef, nachdem er die letzte Ladung Zweige auf seinen Anhänger geworfen hatte. »Danke vielmals«, erwiderte Sofia und lächelte. »Nichts zu danken. Schließlich sind wir Nachbarn.« Die Hände in die Hüften gestemmt stand er neben seinem Traktor und grinste von einem Ohr zum anderen. Für sein Alter sieht er recht stattlich aus, fand Sofia. Doch dann strich sie sich über ihren noch kaum vorhandenen Babybauch und dachte schnell wieder an Oliver. »Wie gesagt, wenn du Hilfe brauchst, lass es mich wissen.« Geschickt schwang er sich in seinen Traktor, nahm hinter dem Lenkrad Platz und winkte zum Abschied. »Ja, sicher. Komm gut heim, Josef!«, rief Sofia hinterher und winkte ebenfalls. Sie sah dem Traktor mit dem Anhänger voll Grünschnitt nach, bis er hinter der Kurve verschwand. Dann schlenderte sie zurück zum Haus. Sie hatten dieses Haus außerhalb von Ingolstadt vor etwa einem Jahr gekauft. Bis zum Einzug hatte es etwas gedauert, weil ein paar Reparaturen zu erledigen waren, aber vor acht Monaten war es so weit gewesen. In der Küche bereitete sie sich eine Tasse Tee. Dabei warf sie einen Blick auf die Uhr. Kurz nach fünf und keine Spur von Oliver! Er hätte wenigstens Bescheid sagen können, dass er später kommt. Dann hätte sie das Abendessen besser geplant. Rasch richtete sie sich ein Brot mit Käse für den schnellen Hunger. Danach versuchte sie, ihn auf dem Handy zu erreichen. Er hob nicht ab. Enttäuscht setzte sie sich auf die Couch und starrte auf das Display ihres Smartphones. Währenddessen diskutierte Oliver mit dem Produktionsleiter über die Einstellungen an der Spritzgussmaschine. Damit befassten sie sich schon seit geschlagenen zwei Stunden. Allmählich verlor er die Geduld. Weder Geschäftsführer noch Produktionsleiter zeigten Einsicht. Die Rückverfolgbarkeit ihrer Rohteile war nicht durchgängig. Eigentlich war das in den Verträgen klar geregelt, aber wie immer kam es auf die Interpretation an. Über die Fehler bei der Verdrahtung hatten sie noch gar nicht gesprochen. Schließlich wurde es Oliver zu bunt. Er rief Dr. Pfeiffer an und empfahl ihm, für die aktuelle Serie auf den Ersatzlieferanten zurückzugreifen, bis die Leute hier zur Besinnung kamen. »Negativ, Herr Krugmann, das können Sie getrost vergessen«, tönte es aus seinem Handy. »Die sind um zwanzig Prozent teurer. Von oben habe ich die Direktive, die Materialkosten bis ins nächste Quartal um drei Prozent zu senken.« »Ja, aber die Leute hier sind uneinsichtig«, entgegnete Oliver. »Hören Sie zu, Krugmann, die können das, die wollen nur nicht. Machen Sie denen klar, dass die ihre Maschinen so zu fahren haben, wie wir das vorgeben. Drohen Sie in letzter Konsequenz von mir aus mit Lieferstopp und Blacklist, natürlich erst, wenn das übliche Prozessgequatsche nichts hilft. Aber bringen Sie, Herrgott noch mal, die Penner auf Spur!« Oliver schwante Übles. Die Uhr zeigte kurz vor sechs, er sollte bereits zu Hause sein. »Das kann hier noch lange dauern. Wir sind noch nicht mal alle Teile durch«, unternahm er einen vorsichtigen Versuch. »Dann machen Sie eben so lange wie nötig und bleiben morgen auch noch dort. Halloo-oh! Muss ich Ihnen das extra erklären? Sie wissen doch, wie der Hase läuft. Und ich weiß, dass Sie das hinbekommen. So! Jetzt verabschiede ich mich, muss noch mal hoch zum Vorstand. Viel Glück!« »Dr. Pfeiffer …!« Aber sein Chef hatte schon aufgelegt. So ein Mist! Wütend steckte er sein Smartphone wieder ein. Sollte er einfach nach Hause fahren? Nein, das traute er sich nicht. Dann würde er ein ernstes Problem riskieren. Oliver liebte seinen Job mit all den technischen Details. Qualität, Prozess, Checklisten und so weiter … Aber sein Chef war ein Arschloch. Früher hätte es ihm allerdings gar nichts ausgemacht, einen Tag länger zu bleiben, Sofia auch nicht. Die Schwangerschaft änderte alles. Frustriert atmete er ein und aus. Okay, es half nichts. Er würde sich in Ulm ein Hotel suchen und seiner Frau Bescheid geben. Bevor er sich verabschiedete, besprach er noch mit dem Produktionsleiter, wie er morgen weiterzumachen gedachte. Als Oliver den Parkplatz erreichte, war die Sonne bereits untergegangen. Es war Ende Oktober, ein leichter Wind wehte gelbes Laub über den Asphalt. Im Auto suchte er in seinem Smartphone nach einem Hotel und reservierte ein Zimmer für eine Nacht. Dann fuhr er los. Über die Freisprecheinrichtung rief er Sofia an. Sie meldete sich sofort: »Hallo, wo bist du?« »Noch in Ulm.« »Wieso das?« Jetzt klang sie verärgert. »Weil es hier noch viele Probleme gibt. Ich wollte schon längst zu Hause sein, aber wir kriegen es einfach nicht hin. Deshalb muss ich morgen auch noch bleiben.« Sie sagte nichts. Er hörte nur ihr missbilligendes Schnaufen. »Schatz, bist du noch da?«, fragte er. »Ja«, antwortete sie mit einer Stimme wie ein Eiskübel. »Hör zu, es tut mir wirklich leid …«, begann er. Dann drangen lautes Knacksen und Störgeräusche an sein Ohr. Das hielt für mehr als zehn Sekunden an. Irritiert drehte er die Lautstärke runter. »Sofia, hörst du mich?« »Oliver, Oooliver?« Ihre Stimme drang verzerrt aus dem Lautsprecher. Kurz danach wurde die Verbindung unterbrochen. »Verdammt!«, fluchte er und drückte auf die Wahlwiederholung, aber sein Handy hatte die Verbindung zum Netz verloren. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als mit schlechtem Gewissen weiterzufahren. Als er auf eine Landstraße ohne Beleuchtung bog, erregte etwas am Himmel seine Aufmerksamkeit. Das Firmament war nicht vollständig dunkel. Hinter den Ästen schimmerte es grünlich. Er passierte die Bäume und hatte nun einen freien Blick. Vor Staunen kniff er die Augen zusammen. Grüne, sich bewegende Schlieren schillerten überall am Himmel. Waren das etwa Nordlichter? Im Süden von Deutschland? So etwas gab es doch normalerweise nur im nördlichen Skandinavien. Eindrucksvolles Naturschauspiel, dachte Oliver. Während er fuhr, verrenkte er ein paar Mal seinen Hals, um einen besseren Blick auf die Nordlichter zu haben. Dass dieses grüne Leuchten nicht nur hinreißend anzusehen war, sondern auch großes Unheil bedeutete, wusste Oliver zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 6. Ein Abendessen im Dunkeln Oliver parkte den Dienstwagen direkt vor seinem Hotel. Bevor er die Lobby betrat, betrachtete er nochmals die grünen Nordlichter, die jetzt noch heller leuchteten. Beim Einchecken funktionierte das Lesen seiner Kreditkarte nicht. Es schien an der Verbindung des Terminals zu liegen. »Kein Problem,« erklärte die nette Dame an der Rezeption, »Sie können auch beim Auschecken bezahlen.« Glücklicherweise hatte sie ein Notfallzahnputzset für ihn. Oliver war nicht auf eine Übernachtung eingestellt. Außer seinem Anzug, dem Mantel und der Laptop-Tasche hatte er nichts dabei. Er brachte den Laptop aufs Zimmer, das recht ordentlich und sauber wirkte. Dann machte er sich zu Fuß auf den Weg in die Altstadt, um sich ein nettes Restaurant zu suchen. Nach ein paar Straßen war er bereits mitten in der Altstadt. Allerdings gab es gar nicht so viele alte Häuser, sondern mehr moderne Architektur. Dazwischen immer wieder ein einzelnes historisches Gebäude. Das interessierte ihn. Er fragte einen älteren Herrn, der ebenfalls den Himmel betrachtete: »Warum stehen in der Altstadt nur so wenige alte Gebäude zwischen all den modernen Bauten?« »Im zweiten Weltkrieg wurden achtzig Prozent der historischen Altstadt zerstört. Wie durch ein Wunder wurde das Ulmer Münster allerdings kaum beschädigt. Der Turm des Münsters ist der höchste Kirchturm der Welt mit über hundertsechzig Metern«, erklärte der Herr mit einem Anflug von Stolz. Oliver staunte nicht schlecht. Es waren einige Leute auf den Straßen, nicht wenige betrachteten die Nordlichter. Er umrundete das imposante Münster. In einer Seitengasse fand er schließlich ein italienisches Restaurant, betrat die Gaststube und setzte sich an einen kleinen Tisch hinten an der Wand. Das Lokal war gut besucht, er musste lange auf das Essen warten. Sein Handy hatte immer noch kein Netz, also konnte er auch keine Zeitung lesen. Ihm war ohnedies nicht nach Ablenkung zumute, weil ihn wegen Sofia sein schlechtes Gewissen plagte. Außerdem ärgerte er sich über seinen Chef. Die Lasagne schmeckte dann nicht besonders. Und auf einmal – konnte er seinen Teller nicht mehr sehen. Gerade als er sich eine weitere Gabel mit dicken Nudeln und roter Soße in den Mund schieben wollte, wurde es stockdunkel. Vermutlich ein Stromausfall! Die meisten Gäste murrten, ein paar feixten und lachten. Schon gingen Gläser zu Bruch. Fluchend suchte Oliver in der Dunkelheit nach seinem Smartphone, fand es auch sofort, doch es ließ sich nicht einschalten. Vor ein paar Minuten hatte es noch funktioniert. Anderen Gästen schien es genauso zu ergehen. Reihum wurde über die unzuverlässigen Geräte geschimpft. »Geht dein Handy auch nicht?«, fragte die Dame am Nachbartisch ihren Begleiter. Waren etwa alle Geräte gleichzeitig ausgefallen? Oliver konnte es nicht glauben. Das gab es doch normalerweise nicht. Als Nächstes meldete sich der Wirt zu Wort. »Verehrte Damen und Herren, bitte bewahren Sie Ruhe! Sicher haben wir bald wieder Strom. Bleiben Sie sitzen, damit nicht noch jemand stolpert und sich verletzt. Wir suchen bereits nach Taschenlampen und Kerzen.« Oliver bemühte sich ernsthaft, seine Lasagne weiter zu essen, verlor aber bald die Lust. Angeblich gab es ja diese Dinner, wo man in vollkommener Dunkelheit aß. Das fand er gar nicht prickelnd. Und für so was bezahlten Leute einen Haufen Geld! Verrückt! Der Strom kam nicht wieder. Irgendwann erschien der Wirt mit einer Taschenlampe und stellte Kerzen auf die Tische. Damit wurde die Stimmung gleich besser. So konnte Oliver seine Mahlzeit doch noch beenden. Das nächste Problem ergab sich beim Kassieren. Einige Leute hatten zu wenig Bargeld dabei, die Bezahlung mit Karte funktionierte immer noch nicht. Das kabellose Lesegerät hatte zwar einen Akku, aber es gab keinen Mucks von sich. Auch Oliver hatte zu wenig Bargeld. Er unterschrieb eine Rechnung, hinterließ einer gestressten Kellnerin seine Kontaktdaten und versprach, den Betrag zu überweisen. Auf seinem Weg zurück ins Hotel lag die Stadt fast völlig im Dunkeln. Die einzigen Lichtquellen waren der Vollmond und das grünliche Leuchten, das jetzt stärker zur Geltung kam. Oder war es intensiver geworden? Das vermochte er nicht zu beurteilen. Vermutlich wirkte es nur so, weil es wegen des Stromausfalls kein anderes Licht gab. Eine unheimliche Stimmung lag über der Stadt. Leute schlichen aneinander vorbei, schienen es eilig zu haben. Auch Oliver wollte nur noch in sein Hotel. Lief er in die richtige Richtung? Sein Smartphone konnte er nicht fragen. Er versuchte, sich an die Häuser zu erinnern, aber im Dunkeln sahen sie anders aus. Hatte er sich bereits verlaufen? 7. Wasserspeier am Turm Die oberste Aussichtsplattform des Ulmer Münsters befand sich einhundertdreiundvierzig Meter über dem Pflaster des Münsterplatzes. In dieser Nacht ohne Strom und Beleuchtung wäre es ein gewaltiger Zufall gewesen, wenn einer der Fußgänger im richtigen Moment nach oben zum Turm des Münsters geschaut hätte. Dann wäre ihm ein kurzer weißer Blitz aufgefallen. Doch kein Mensch bemerkte irgendetwas. Kein Mensch, aber für die Wasserspeier auf der Aussichtsplattform rund um den Hauptturm war es kaum zu übersehen. Grimmel lag für einen Moment benommen am Boden, kam dann aber schnell zu sich, setzte sich auf und schüttelte den Kopf. »Brrrrr, wie lange hat das nur gedauert?«, grummelte er vor sich hin. »Ewig ist es her, seit ich ein Portal benutzt habe. Es schmerzt in allen Knochen, auauauauau.« Er rückte die grüne Mütze zurecht, strich sich den Bart glatt und betastete seinen Körper. Als er feststellte, dass alles am richtigen Platz war, stützte er sich auf seinen Wanderstab und erhob sich. Sobald er aufrecht stand, stolperte er sofort wieder zwei Schritte zurück und drückte sich voller Entsetzen an die Wand hinter ihm. Ihm brach der kalte Schweiß aus. Ausgerechnet in solcher Höhe war er gelandet! Zwar wurde die Aussichtsplattform am Rand von Gitterstäben begrenzt, doch bei seiner chronischen Höhenangst war das nicht vollends überzeugend. Sein Herz raste und er versuchte, sich mit langsamen Atemstößen zu beruhigen. Nachdem der erste Schock überwunden war, schob er sich behutsam mit dem Rücken an der Wand seitwärts. Kurz schloss er die Augen, doch damit fühlte er sich nicht sicherer. Irgendwo musste doch eine Treppe nach unten führen – beim Großen Einhorn! »Schau an, schau an, wenn das nicht ein Gnom ist, der sich vor Angst in die Hosen scheißt«, ertönte eine tiefe Stimme über ihm. Er guckte um sich, entdeckte aber niemanden. »Ich glaube, der hat sich sogar schon in die Hosen geschissen«, sagte ein anderer Unsichtbarer. Es klang wie das Klackern von Steinen. Lautes Gelächter von mehreren Seiten folgte. Grimmel spürte Wut in sich aufsteigen. »Wer spricht da?«, rief er in die Nacht hinein. Erneut ertönte dieses dröhnende mehrstimmige Lachen über ihm. Es hörte sich an wie eine Menge Geröll, die einen Berg hinunterpoltert. »Kommt raus! Zeigt euch, wenn ihr euch traut!« Seine Höhenangst wich langsam der Wut in seinem Bauch. Er hasste es, seinen Gegner nicht zu kennen. »Siehst du uns etwa nicht? Also wir sehen dich, kleiner Gnom.« Das war die erste Stimme. Er spähte in alle Richtungen, entdeckte aber immer noch niemanden. Rechts und links von ihm führte die Plattform um den Turm herum, vor ihm war nur das Gitter, dahinter der grünliche Nachthimmel, über ihm die Turmspitze mit allerlei Verzierungen. Hatte sich da oben etwas bewegt? Er war sich nicht sicher. Angestrengt musterte er die Turmspitze und die kleinen Statuen ringsum. Der Wasserspeier in Form eines Widders direkt über ihm drehte in diesem Moment den Kopf in seine Richtung und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. »Määäähh!«, rief er. Zutiefst erschrocken wich Grimmel einen Schritt zurück. Wieder erscholl Gelächter. Dann nahm er um den Turm herum mehrere Bewegungen wahr. Einige Wasserspeier streckten sich. Der Widder drückte seine Hinterbeine gegen den Turm. Auf seinem Gesicht lag ein angestrengter Ausdruck. Mit einem lauten Knacks löste sich seine Verankerung. Er sprang hinab und landete direkt vor Grimmels Füßen. Damit nicht genug! Links von ihm tauchte eine Fledermaus auf, rechts ein Drache. Die Steinwesen überragten Grimmel etwa um das Dreifache. Er staunte, wie geschmeidig sie sich im Mondschein bewegten. »Was machst du auf unserem Turm, Zwerglein?«, fauchte der Drache. Gelächter. »Ich bin kein Zwerg. Ich gehöre zum stolzen Volk der Gnome und bin ein mächtiger Zauberer. Also legt euch nicht mit mir an!« Er stellte sich mit seinem Wanderstab möglichst aufrecht in Pose und drohte mit dem Zeigefinger. »Sieh an, ein Zauberer. Mit Zauberei haben wir aber so gar nichts am Hut, was?«, zischelte die Fledermaus den anderen zu. Die quittierten ihre Bemerkung mit einem kurzen Lachen, das schnell erstickte. Grimmel fand die steinernen Kreaturen zwar höchst seltsam, aber sein Instinkt sagte ihm, dass von ihnen keine Gefahr ausging, zumindest dann nicht, wenn man sie nicht verärgerte. »Was treibt Ihr hier oben?«, fragte er. »Wir? Wir bewachen das Münster«, entgegnete der Widder. »Du meinst, wir schauen zu«, sagte die Fledermaus zum Widder. »Viele Jahre lang haben wir nur zugeschaut«, schnaubte der Drache. Dabei sah er etwas unglücklich aus. »Wie meint ihr das?«, fragte Grimmel. »Wir konnten uns nicht bewegen«, antwortete die Fledermaus traurig. »Früher konnten wir herumspringen und fliegen, wenn die Nacht hereinbrach. Doch dann versteinerten wir immer mehr.« »Aber ihr seid doch aus Stein«, bemerkte Grimmel. »Ja, trotzdem konnten wir uns bewegen. Mit der Zeit wurde das immer schwieriger, tat furchtbar weh.« »Furchtbar«, bestätigte der Drache und versteckte den Kopf unter einem Flügel. »Aber heute, heute da geht’s wieder«, sprach der Widder triumphierend und stellte sich auf die Hinterbeine. »Seht her!«, rief er. Flugs sprang er auf dem Kirchturm von einer Kante zur anderen, dass es eine Freude war. Die Fledermaus lachte dazu, flog in die Luft, setzte sich auf das Absperrgitter, das hörbar unter ihrem Gewicht ächzte. Hatte das etwas mit der Prophezeiung zu tun? Grimmel bekam so ein Gefühl. Die Zauberwesen waren lange Zeit von der Erde verbannt gewesen. Sollte es ihnen jetzt wieder möglich sein, sich zu manifestieren? Ihm selbst fehlte nichts. Er fühlte sich pudelwohl, bis auf seine Höhenangst, aber die hatte er erst einmal unter Kontrolle. Da fiel ihm der Kompass ein. Er kramte in seiner Umhängetasche und holte den kleinen silbernen Vogel hervor. An der Kette ließ er ihn baumeln, wartete einen Moment – und wahrhaftig! Er drehte sich nicht mehr im Kreis, sondern zeigte in eine konkrete Richtung, von einem kurzen Pendeln einmal abgesehen. »Was ist das?«, fragte der Drache neugierig. Grimmel bemerkte einen gierigen Blick in seinen Augen. Schnell packte er das Instrument wieder in die Tasche. »Nichts, gar nichts. Es ist so, dass ich auf der Suche nach etwas bin.« »Und was suchst du?« »Ein Amulett, ein sehr altes Amulett.« »Habt ihr so etwas gesehen?«, fragte der Drache seine Kameraden. »Nein, nein«, meckerte der Widder. Die Fledermaus schüttelte den Kopf. Ich glaube, ich habe ihnen schon fast zu viel verraten. Was bin ich nur für ein Dummerchen, dachte Grimmel bei sich. »Wisst ihr, wie ich von diesem Turm herunterkomme?«, fragte er laut. »Du kannst fliegen«, gluckste der Drache vergnügt. »Oder springen!«, meinte der Widder und hüpfte im Kreis. »Oder du nimmst die Treppe«, fügte die Fledermaus hinzu. »Treppe? Wo ist die Treppe?« »Auf der anderen Seite.« Der Drache deutete mit dem Kopf nach links. »Vielen Dank für die Auskunft«, sagte er, winkte kurz und schob sich vorsichtig an der Wand entlang nach rechts. »Pass auf, dass du nicht runterfällst!«, rief ihm die Fledermaus hinterher. Dann machten sie weitere kindische Bemerkungen, begleitet von donnerndem Lachen. Er ignorierte es und schob sich weiter auf die andere Seite. Dort gab es tatsächlich eine Tür. Sie stand offen, dahinter führte eine schmale Wendeltreppe mit bestimmt hunderten Stufen den Turm hinunter. Nach endlosen Windungen betrat er endlich das riesige Kirchenschiff. Allerdings erkannte er fast nichts in der Dunkelheit. Er sprach einen kleinen Lichtzauber, mit dem er ein paar Leuchtbälle durch die drei Kirchenschiffe fliegen ließ und bewunderte die Architektur. Die Menschen waren schon großartige Baumeister, das musste man ihnen lassen. Das Haupttor war verschlossen, aber er fand einen Nebeneingang, durch den er auf den Münsterplatz hinausschlüpfte. Draußen versuchte er erst einmal, sich zu orientieren. Seltsam fand er, dass nirgends ein Licht leuchtete. Nur der Himmel tauchte alles in ein grünliches Schimmern. Die Häuser sahen eigenartig aus, ganz anders, als er sie von seinem letzten Erdenbesuch in Erinnerung hatte, irgendwie – eckiger. Na ja, Häuser waren fast immer eckig, außer man wohnte in einem Baum so wie die meisten Gnome. Aber manche der Erdenhäuser sahen regelrecht aus wie Würfel, ohne die sonst üblichen spitzen Dächer. Auch das Material, aus dem sie bestanden, erschien ihm sonderbar. Er holte seinen Kompass heraus, der Vogel wackelte, zeigte aber eine ungefähre Richtung an. Also gut. Marschieren wir mal los. Dann werden wir schon sehen, wohin es uns führt. Nicht wahr, Piepmatz? Grimmel amüsierte sich über seinen eigenen stummen Witz und lief los. Schon bald merkte er, dass mit dem Kompass nicht leicht zu navigieren war. Der Vogel schaukelte während des Gehens an der Kette und drehte sich in alle möglichen Richtungen. Grimmel kam nicht umhin, ihn immer wieder neu auszupendeln und die angegebene Richtung zu prüfen. Dazu blieb er jedes Mal stehen. Schließlich steckte er den Kompass ein und marschierte in die Richtung, in welche der Vogel zuletzt gezeigt hatte. Etwas verärgert war er schon! Schon bald stand er vor einem großen Haus mit einer Fassade aus Glas. Hinter den Scheiben standen bekleidete Menschenpuppen. Sie sahen seltsam aus in ihren unnatürlichen Posen. Er runzelte die Stirn und zog den Vogel wieder aus der Tasche. Eindeutig. Der Kompass zeigte genau auf dieses Glashaus. Nun gut, dann würde er nach einem Eingang suchen. 8. Ein dunkles Hotel Endlich erblickte Oliver das Hotel auf der anderen Seite der Straße. Erleichtert seufzte er auf und beschleunigte seine Schritte. Ziemlich lange war er in den Gassen von Ulm herumgeirrt. Als er zum zweiten Mal an demselben Spielplatz vorbeigekommen war, hatte er sich ein Herz gefasst und den nächstbesten Passanten angesprochen. Der junge Mann hatte zunächst etwas scheu reagiert, aber dann bereitwillig über den Weg zum Hotel Auskunft gegeben. In der Hotellobby brannten ein paar Kerzen. Die Rezeptionistin erkannte ihn sofort wieder. Sie war sehr freundlich und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten wegen des Stromausfalls. Dann begleitete sie Oliver mit einer Kerze zu seinem Zimmer. Zum Glück hatte das Hotel nicht auf die elektronischen Kartenschlüssel umgestellt. Es wurden noch altmodische mechanische Schlüssel verwendet. Die junge Frau wünschte Oliver eine gute Nacht. Leider könne sie ihm keine Kerze dalassen, weil sie nur eine begrenzte Anzahl im Haus hätten. Aber sie gab ihm eine Flasche Wasser extra. Im Zimmer konnte sich Oliver zumindest grundlegend orientieren. Das Licht von draußen genügte, um das Bett und die Möbel in ihren Umrissen zu erkennen. Der Wasserhahn spuckte kein Wasser aus, sondern röchelte nur. Also putzte Oliver sich die Zähne mit dem Wasser aus der Flasche. Als er die Toilettenspülung betätigte, fragte er sich, ob dies das letzte Mal war. Das typische Geräusch, wenn sich der Spülkasten wieder füllt, blieb aus. Sicher funktionierte die Spülung mit elektrischen Pumpen und sein Zimmer befand sich immerhin im dritten Stock. Bevor er sich ins Bett legte, schloss er sein Handy aus Gewohnheit an das Aufladegerät an, obwohl ihm das im gleichen Augenblick sinnlos vorkam. Wenn er nur Sofia anrufen könnte! Wie lange würde der Strom ausfallen? Er erinnerte sich nicht, jemals einen so langen Stromausfall erlebt zu haben. Es dauerte schon circa zwei Stunden. Er versuchte einzuschlafen, denn schließlich plante er, am nächsten Morgen wieder zeitig beim Lieferanten auf der Matte zu stehen. Und sein Wecker funktionierte nicht! Aufgewühlt wie er war, lag er noch lange wach und dachte nach: über seinen Job, den tyrannischen Chef, Sofia, das Baby, den Stromausfall … Seine Gedanken drehten sich immer wieder im Kreis. Zu diesem Zeitpunkt konnte er nicht ermessen, in welch ungemein komfortabler nächtlicher Ruhestätte er sich befand, verglichen mit dem, was ihm bevorstand.


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