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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Beim ersten Sonnenstrahl, Inka Loreen Minden
Inka Loreen Minden

Beim ersten Sonnenstrahl


Gargoyle Romance

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Der Abgrund drehte sich, ihm wurde schwindlig. Hektisch versuchte er nach dem Fensterrahmen zu fassen – sein Griff ging ins Leere.


Plötzlich riss ihn jemand zurück ins Zimmer. Er fiel nach hinten, landete aber nicht hart, sondern lag auf jemandem! Davids Herz raste, als er auf die Hand starrte, die sich gegen seine Brust presste. Die Finger waren lang und schlank, bloß anstatt Fingernägeln besaßen sie kurze Klauen. Der Arm war nackt und nur spärlich behaart.


David lag da wie erstarrt. Er fühlte die Hitze der anderen Gestalt an seinem Rücken, vernahm die keuchenden Atemzüge der Kreatur in seinem Haar. Das Wesen musste seinen Herzschlag spüren, ebenso wie sich David einbildete, dass dessen Herz gegen seinen Nacken ratterte.


Er war nicht verrückt!


»Bitte hab keine Angst«, wisperte die Gestalt an seinem Ohr.


»Ich habe keine Angst«, erwiderte David erleichtert, obwohl seine Stimme zitterte. Er konnte es kaum glauben. Endlich, nach so vielen Jahren, würde er seinen Schutzengel sehen.


Zögerlich berührte er die Hand, die sich an seine Brust drückte. Die Haut war warm und fühlte sich nicht anders an als bei ihm. Der Unterarm war fest, schlank und sehnig. Eine beinahe gewöhnliche Männerhand, wären die Krallen nicht gewesen, die allerdings keinen bedrohlichen Eindruck auf ihn machten. Der Gargoyle hatte sie eingezogen, um ihn nicht zu verletzten. Wie dicke, verhornte Fingernägel sahen sie aus.


David drehte den Kopf zur Seite. Er war zu gespannt, wer ihn hielt. Er fürchtete sich, doch die Neugier überwog.


»Nein!« Die Stimme klang panisch und ein leichtes Grollen schwang darin mit. »Dreh dich nicht um!«


»Warum?« Hastig ergriff er das Handgelenk des Wesens, weil er spürte, dass es sich von ihm lösen wollte. Aber solange David auf ihm lag, würde ihm das nicht gelingen, oder? Wie stark war ein Gargoyle?


»Ich will dich nicht erschrecken«, wisperte das Wesen.


»Das werde ich nicht.« David hatte in seiner Fantasie die hässlichsten und bösartigsten Figuren erschaffen. Konnte die Realität da mithalten? Außerdem hatte er den Gargoyle bereits zwei Mal gesehen. An dem Tag, als seine Eltern starben, und in der Kirche. Er wirkte keineswegs furchteinflößend – im Gegenteil. Bei der Erinnerung an sein erschrockenes Gesicht spürte David eine seltsame Wärme in sich aufsteigen.


»Du darfst mich nicht sehen. Wir dürfen uns den Menschen nicht zeigen.«


»Wieso kommst du dann seit Jahren zu mir?«


Die Kreatur entzog ihm die Hand, aber David drehte sich schnell auf dem warmen Körper herum und starrte in ein Paar aufgerissener Augen, die ihn an eine Katze erinnerten.


Der Gargoyle schlug sich die Hände vors Gesicht. »Sieh mich nicht an!«


»Wieso denn nicht?« David spürte seine Verzweiflung, spürte das Beben seines Körpers.


»Ich bin hässlich.«


Diesmal ergriff David beide Handgelenke und drückte die Arme des Geschöpfes neben dessen Kopf. Er schaffte es ohne Gegenwehr. Kurze dunkle Haare kamen zum Vorschein, spitz zulaufende Ohren und … ein sehr menschliches, ebenmäßiges Gesicht, das beinahe schön zu nennen war, bis auf das raubtierhafte Gebiss. Die Kreatur glich nicht im Entferntesten dem Gargoyle mit der grausigen Fratze.


Der Mann drehte den Kopf zur Seite, die Lider zusammengekniffen. Er atmete schwer. David spürte seinen harten Bauch durch sein Hemd und die Hitze, die er verströmte. Wie wunderschön er war. Und so lebendig.


Für David war das keine Bestie. Fasziniert schaute er auf die Oberarmmuskeln dieses Geschöpfes. Deren Kraft war nicht zu übersehen. Für den Gargoyle wäre es leicht, David von sich zu schubsen. Dennoch tat er es nicht, sondern blieb weiterhin liegen.


Langsam löste David seinen Griff und bemerkte jetzt die mächtigen, ledernen Schwingen, auf denen der Gargoyle lag. David hatte sie auf dem dunklen Boden erst nicht erkannt. Behutsam ließ er die Fingerspitzen darüber gleiten. Sie fühlten sich glatt und warm an. Wie die Haut einer Schlange.


Keuchend stieß der Gargoyle die Luft aus, hielt aber die Augen weiterhin geschlossen. Sein Kinn zitterte.


David streichelte ihm über die Wange. Er spürte keine Bartstoppeln. Auch auf der Brust wuchs kein Haar.


Plötzlich fletschte der Gargoyle die Zähne und warf David von sich. Mit dem Rücken wurde er in die Matratze seines Betts gepresst. Wie unglaublich stark er war!


Was passierte jetzt? Würde er ihn angreifen?


Der Gargoyle sprang auf und drückte den Rücken gegen die Zimmertür, das Gesicht wie vor Schmerz verzerrt, wobei die Eckzähne im schwachen Licht aufblitzten. »Hast du genug von dem Monster begafft?«, knurrte er.


»Du bist doch kein Monster«, erwiderte David leise und setzte sich auf, obwohl er all die Jahre selbst von ihm als Ungeheuer gesprochen hatte. Sein Puls klopfte hart in den Schläfen. Träumte er das alles wirklich nicht? »Du bist … ein Wunder.«


Die spitzen Ohren der Gestalt zuckten. Der schmerzhafte Ausdruck verschwand und wich einer ungläubigen Miene. Seine Stimme wurde sanfter. »Verspotte mich nicht.«


»Keineswegs.« Langsam rutschte er vom Bett und ging auf das Wesen zu, das sich gegen seine Tür presste.


Es war einen Kopf größer als David und trug nur einen zerschlissenen Lendenschurz, der knapp die Hälfte der muskulösen Oberschenkel bedeckte. Statt Zehennägel besaß die Gestalt auch Klauen. Das Erstaunlichste waren die großen, lederartigen Schwingen, die das Geschöpf zitternd um sich schlang. Diese Schwingen hatte er für einen Mantel gehalten. Wieso fürchtete sich solch ein starkes Wesen vor ihm? Oder war es ebenso aufgeregt wie er?


»Ich habe gesehen, wie du mich gestern angestarrt hast, bevor ich …« Der Gargoyle biss sich auf die Unterlippe, was irgendwie süß aussah. »Da dachte ich, du fürchtest dich vor mir.«


David blieb knapp vor ihm stehen. »Da wusste ich noch nicht, dass du ein Gargoyle bist und keine bösen Absichten hegst.«


Die katzenhaften Augen wurden groß. »Ich würde dir nie schaden!«


Magisch wurde David von ihm angezogen. Er musste näher, wollte wieder diese glatte Haut spüren. »Warum hast du mich gerettet, warum besuchst du mich? Ich habe so viele Fragen an dich.«


Der Gargoyle ließ den Kopf sinken und erwiderte leise: »Gestern habe ich gewusst, dass du mir folgst. Ich wollte dich sehen, dich nah bei mir haben, mich dir offenbaren – aber dann verließ mich der Mut. Wie so viele Male zuvor. Ich hatte Angst, du würdest dich zu Tode fürchten. Nie werde ich den Ausdruck in deinen Augen vergessen, als du mich zum ersten Mal sahst.«


Vorsichtig machte David einen weiteren Schritt auf ihn zu. Beinahe berührten sie sich. »Warst du deswegen so oft in meinem Haus? Um dich zu zeigen?«


»Um dich zu sehen«, flüsterte er.


»Warum hast du so viele Jahre gewartet, mit mir zu sprechen? Wenn ich nicht …« David holte tief Luft und lächelte. »Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.«


»Uns Gargoyles ist es verboten, sich euch Menschen zu zeigen.«


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