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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Azalea, Kevin Winterberg
Kevin Winterberg

Azalea



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Prolog

„Ihre Tochter ist tot.“

Als wenn dies nicht schon die absolut schlimmsten vier Wörter für ein junges Elternpaar wären. Worte, die sich gnadenlos ins Hirn brennen, auf Lebzeiten stetig Schmerzschübe ins Herz pumpen und jegliches temporäre Glück zu zerstören vermögen. Nein, sie sind noch unerträglicher, wenn sie von einem betagten, schon längst emotional abgestumpften Polizeichef locker und trocken, lauwarm einem direkt ins Gesicht genuschelt werden. Ohne Frage, jeder noch so einfühlsame und sympathische Mensch würde, wenn er oder sie dazu auserkoren, eine dermaßen schreckliche Nachricht zu überbringen, in den Augen der Empfänger das größte Arschloch auf Lebzeiten sein und diesen Titel als Brandzeichen direkt auf der Stirn tragen, aber dieser besagte Polizist ließ nun wirklich nichts anbrennen und versuchte nicht einmal, leichtes Mitgefühl zu heucheln. „Sie wurde in einem Straßengraben nahe der B9 gefunden. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits tot. Unsere Gerichtsmediziner haben die Vermutung, dass Ihre Tochter hoch alkoholisiert Auto gefahren ist und so den Unfall geradezu provoziert hat.“ Bevor der Polizeichef seinen Monolog fortführte, machte er eine kleine, dramatische Pause, die von der Zeit her locker einen Schluck aus einer imaginären Kaffeetasse hätte bedeuten können. „Meine Kollegen werden sich um Sie kümmern, eine

psychologische Begleitperson ist auch auf dem Weg. Ich muss leider weg.

Weitere Pflichten rufen.“ Die verdutzten Blicke von Herr und Frau Mozart verdeutlichten, dass sie der Situation bisher keinen Glauben geschenkt hatten, als wären sie in einem schlechten Traum gefangen.

Einem verdammt schlechten Traum. „Ach ja, mein Beileid“, fügte der nette Polizist im Vorbeigehen noch hinzu und verschwand reifenquietschend in die Dunkelheit.



Auszug aus dem 3. Kapitel

„Oh Gott, was ist denn das?“ Melissa hob ihr Haupt dem Himmel entgegen, sofern man die trübe Atmosphäre „Himmel“ nennen konnte, um die majestätisch wabernde und gigantische Wasserblase sehen zu können. Sie schwebte völlig freiin der Luft, schimmernd blau reflektierte die spannungsvolle Oberfläche die Umgebung samt Melissa und ihrem Begleiter. Ihr Atem stockte, so etwas Bezauberndes hatte sie noch nie gesehen, nicht einmal zu Lebzeiten. „Ist sie nicht wunderschön?“, antwortete Nico. „Es ist natürlich kein Zufall, dass ich dich hierhergeführt habe; ich wollte dir unbedingt diese wasserähnliche Blase zeigen. Also, das „Leben“ hier ist schon sehr geheimnisvoll und abstrus, aber dieses Objekt dort oben ist wohl mit Abstand das beeindruckendste und spannendste.

Mh, wie soll ich dir das verdeutlichen? Also, wir gehen davon aus, dass es der Ursprung dieser Welt ist. Vergleichbar mit der Sonne und der Erde. Gäbe es die Sonne nicht, hätte sich niemals Leben auf der Erde entwickelt bzw. wäre die Sonne versunken, hätte dies die Folge gehabt, dass alles Leben auf der Welt vernichtet worden wäre. Nun, ich weiß, es klingt bescheuert und ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich dieser Vorstellung, dass unser Leben nach dem Tod erst durch diese Blase ermöglicht wurde, Glauben schenken kann, aber ... Naja, so ist „Glauben“ nun mal.



Alles Unerklärbare wird so erklärbar und begreifbarer. Das lässt uns weniger unwissend dastehen. Mögen viele Menschenirgendwie nicht, ‚unwissend zu sein‘, obwohl sie genau wissen, dass sie im Prinzip nichts wissen.“ Melissa schaute ihn nur noch mit großen, fragenden Augen an. „Oh, Entschuldigung, falls ich dich jetzt zunehmend mehr verwirrt habe.“

„Nein, ist schon okay, aber scheinbar teilst du nicht so hundertprozentig die Theorien der Blase, die du gerade erörtert hast. Was glaubst du denn, was es ist?“, fragte Melissa wissbegierig.

„Ehrlich gesagt, auch das weiß ich nicht so recht. Im Grunde ist es mir aber auch gleichgültig. Wenn diese Blase für unser Leben verantwortlich ist und auch diese Landschaft hier geformt hat, ist dies höchst respektabel und interessant. Wenn es hingegen nur einem bedeutungsloser, aber absolut schöner Himmelskörper darstellt, reicht mir auch. Das mag für viele Anhänger der zuerst genannten Theorie enttäuschend sein, weil sie mehr erwartet hätten, eben weil sie sich einer Täuschung hingaben und ihnen bewusst wird, dass sie Fehler machen und nicht allwissend sind, aber das ist dann ihr Problem. Ein Problem, das man hätte vermeiden können, weil man sich schon sehr oft in vergleichbaren Situationen getäuscht, komischerweise aber nicht daraus gelernt hat. Naja, es gibt aber noch viel mehr über die Blase zu wissen.“ „Ja?“ durchfuhr Melissa ihn. „Schau, als Zeitmesser fungiert sie zum Beispiel. Technische Geräte haben wir schließlich nicht mehr und auch keine Sonne. Demnach besitzen wir nichts Vergleichbares, was der Funktion einer Uhr nahe käme. Da hier aber viele nicht auf so etwas verzichten wollen, haben kluge Leute erkannt, dass die Wasserblase auch als Uhr fungiert.“

„Wie soll das denn funktionieren?“ „Nun, Melissa, die Blase steigt immer periodisch von Bodennähe in die Luft hinauf und wieder zurück. Dieser Vorgang kommt uns wie gefühlte zwei Tage Erdzeit vor. Daher haben wir beschlossen, dass ein Weg der Kugel ungefähr 48 Stunden beträgt. Ich gebe es zu, die Zeitrechnung ist etwas kompliziert und schwammig, aber du gewöhnst dich schnell daran. Oder aber du kommst komplett ohne aus.“ Kurzzeitig lag Schweigen über dem Ort.

Melissa lief zu der Blase und stellte sich exakt unter sie. Ihr Blick musterte erst diese und suchte anschließend das Gesicht von Nico. „Du sagtest, die Blase kommt in Bodennähe. Heißt das, sie ist von hier erreichbar? Kann ich sie dann auch berühren?“ Nicos Augen rissen panisch auf, unmittelbar beruhigte er sich wieder und verdeutlichte in einem ruhigen Ton: „Ja, kannst du. Wenn du sterben willst ...“ Melissa zuckte, reagiertedarauf völlig empört: „Was?“ Nico aufklärend: „Das erklär ich dir später, aber was du unbedingt befolgen musst:

Du darfst diese Blase niemals, absolut niemals berühren. Obwohl es sehr verführerisch bleibt, wirst du jedoch vermutlich nie die Chance bekommen, denn wenn sich die Blase dem Boden nähert, werden hier Wachleute positioniert und für Ruhe und Sicherheit sorgen. Aber selbst wenn nicht, denke bitte an meine Worte, falls du in die Versuchung gerätst, sie anfassen zu wollen.“ Er schaute Melissa respekteinflößend an und began sich von der Blase Richtung Rückweg wieder zu entfernen. Verwirrt tapste sie ihm hinterher und lugte ein letztes Mal über ihre linke Schulter ,den funkelnden Himmelskörper betrachtend.

Eingeschüchtert von der überraschenden Ernsthaftigkeit von Nico fiel es Melissa schwer, ihre nächste, unmittelbar anschließende Frage zu formulieren und letztendlich vorzutragen. Sie bemerkte gigantische Baummassen am Horizont, die wuchtig wie eine Wand wirkten, vergleichbar mit einer natürlichen Grenze. Jedoch etwas Silbernes schimmerte zwischen den vielen Stämmen. Es musste kolossal gewesen sein, immerhin konnte sie es noch von Weitem erkennen, unmöglich aber einer klaren Einschätzung zuordnen. Als sie soeben Nico darauf ansprechen wollte, fiel er ihr ins Wort: „Wir machen uns auf den Rückweg, oder? Für den Moment solltest du nun deine ersten Impressionen verdauen, bevor wir uns einmal die anderen Gebiete anschauen. Ich möchte dir bei unserer Ankunft noch ein paar Leutchen vorstellen. Also, falls du das möchtest. Ich verstehe durchaus, wenn du dir vielleicht erst eine kurze Auszeit gönnen magst.“ Nico schaute Melissa verständnisvoll in ihre braunen Augen. Melissa nickte einvernehmlich und verdeutlichte, dass es ihr nichts ausmachen würde.



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