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Arakkur


Das Seelenband

von Pascal Wokan

fantasy
ISBN13-Nummer:
B076MKCKYM
Ausstattung:
400 Seiten eBook
Preis:
3.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Kontakt zum Autor oder Verlag:
pascalwokan@gmx.de
Leseprobe

Regen fiel vom Himmel.

König Alrael stand auf den hohen Wällen der Stadt und beobachtete das feindliche Heer, das im Morgengrauen von Süden her erschienen war und nun damit begann, einen Ring um seine Heimat zu schließen.

Amerys, die Hauptstadt Illindars.

Wenn er seinen Blick von Westen nach Osten wandern ließ, dann konnte er das Ende der weißen Steinmauern nicht ausmachen. Hunderttausende Menschen mussten in dieser Stadt leben, und doch erschien die Armee des Feindes im Vergleich dazu wie ein Riese. Hässlich, brutal, gewalttätig und unbesiegbar – das wären die Worte, die Alrael aussprechen würde, wenn es ihm nicht gerade die Sprache verschlagen hätte.

»Ich würd‘ mal sagen, wir sind am Arsch!«, brummte Sylon. Er fummelte nervös an der schwulstigen Narbe in seinem Gesicht herum.

Da hat er nicht ganz Unrecht. Ich hätte es wahrscheinlich etwas sachlicher ausgedrückt, aber …

»Wir sind sowas von am Arsch, kleiner König!«

Alrael kniff die Augen zusammen. Es war schwer, etwas in der Ferne zu erkennen. Der Regen prasselte seit zwei Umläufen unablässig auf das Land hinab. Mittlerweile waren es richtige Sturzbäche, die niedergingen und den matschigen Boden immer mehr aufweichten. Auch hier, oberhalb der Stadtmauern, machte das Wetter nicht vor ihnen halt. Alraels Gewandung war vollkommen durchnässt und klebte unangenehm auf seiner Haut, wodurch er erbärmlich fror.

Er sah hinauf zum ersten Mond und erkannte dort schwarze, dunkle Wolken, die ihn größtenteils verdeckten; ab und an gingen Blitze nieder und tauchten die Umgebung in grelles Licht. Alrael konnte sich nicht ganz entscheiden, was er eher bevorzugte: Den dichten Regenfall und damit die Unwissenheit, um die Situation, in der sie sich wiederfanden. Oder aber die kurzen Momente der Erkenntnis, wenn das gesamte Ausmaß des feindlichen Heeres erkennbar war.

»Und du wolltest wirklich, dass wir mit unseren zweitausend Mann diese Drecksäcke überraschen?«, fragte Sylon. »Willst du mich verscheißern? Da sind wir ja weniger wert als ein mit Pisse gefüllter Eimer. Also ein Eimer mit einem Loch, in dem Pisse und so weiter drinnen ist. Du weißt schon, die läuft dann da raus und …«

Alrael wandte sich dem Hünen zu und hob eine Augenbraue, woraufhin dieser verstummte und ihn frech angrinste.

Ich weiß ganz genau, dass du dich nur verstellst! Tu doch nicht so!

»Mein lieber Sylon, wir halten an dem Plan fest«, sagte Alrael. »So leid es mir tut, das zu sagen. Aber wir werden es vermutlich etwas anders koordinieren müssen.«

»Ha, koordinieren willst du das? Leck mich doch an meinem haarigen Arsch! Ich koordiniere dir auch gleich mal was!« Sylon verschränkte seine muskulösen Arme vor der Brust.

Alrael hob die Hand. »Gemach, mein aufbrausender Freund! Sag mir lieber, was ist mit meinen anderen Beratern? Ich sehe nur dich hier, wo ist der Rest meiner bunten Truppe?«

»Nun.« Sylon fuhr sich mit der großen Pranke durch den dichten, schwarzen Bart. »Malrin hat‘s scheinbar bei der Schlacht um Lynsan erwischt. Die feindliche Armee ist von Deregon aus wie ein hungriger Schwarm aus Fluggeißeln über das südliche Herzogtum hinweggefegt. Lynsan wurde vollkommen aufgerieben, es gibt kein verdammtes Lebenszeichen mehr. Herzog Lotharien und General Malrin fressen jetzt vermutlich Erde, diese hirnlosen Drecksäcke!«

Bei Sylon sind es irgendwie alles Drecksäcke. Seltsamer Mann …

»Dein oberster Diener Vyron springt panisch irgendwo im Palast herum, der ist für nichts mehr zu gebrauchen. Dein fettes Weib Ilonora treibt‘s wahrscheinlich grad mit irgendeinem Diener, die ist aber sowieso dumm wie ein Horntier. Herzog Ramor hat‘s ja bekanntlich ebenfalls kürzlich bei deiner überaus gelungenen Rettungsaktion erwischt. Ist irgendwie schade drum, denn der Fettsack war mir sympathisch. Der Archivar Linthius steckt mit seiner langen Nase in den staubigen Wälzern. Weißt schon, in den königlichen Archiven. Den hab‘ ich seit mehreren Umläufen nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich hat der Drecksack seinen knochigen Arsch in die Hände genommen und ist heimlich nachts aus der Stadt geschlichen. Ein jämmerlicher Feigling, wie er ist. Also bleibt nur noch der Schönste von uns.« Er klopfte sich auf die Brust und grinste dabei breit. »Der treue, überaus schöne Friedensstifter und sein zweitausend Mann starkes Heer aus versoffenen Halunken. Klar soweit?«

Alrael bewunderte den Hünen insgeheim für seine Offenheit. Er brachte die Tatsachen immer genau auf einen Punkt, was es einem erschwerte, ihn nicht zu mögen. Und trotzdem wusste Alrael, dass er sich irgendwann seiner entledigen musste.

Töte ihn einfach!

Da war sie wieder, die Stimme. Zu manchen Begebenheiten hatte er gelernt, sich von ihr leiten zu lassen. Sie besaß Wissen… unendliches Wissen. Und sie wusste mehr über seine geheimen Gaben, die Macht eines Karu; eines Gratwanderers. Mit Freuden erinnerte sich Alrael an die beiden Erlebnisse, in denen er diese Macht genutzt hatte, um sich zu bereichern. Die Erregung und die Kraft, die seinen Körper durchdrungen hatte.

»Da wäre noch etwas«, bemerkte Sylon. »Muss das einfach mal loswerden.«

»Was genau meinst du?«

»Das war eine ganz schöne Sauerei, die du da letztens in den Kerkern angerichtet hast. Ich meine, musste das sein, dass du den Gefangenen wie Vieh abschlachtest? Die Leute im Palast fangen langsam an zu reden.«

Mit einem mulmigen Gefühl erinnerte sich Alrael an den Vorlianer, den er erst verhört und anschließend das Herz aus der Brust gerissen hatte. Es war notwendig gewesen, denn die Atemseele des Mannes hatte ihm Kraft gespendet. Noch immer spürte er den Lebenshauch, wie er in seinem Körper pulsierte. Er war sich sicher, dass dies die Mittel sein würden, um diesen Krieg zu entscheiden. Gleichzeitig wusste er aber auch, dass niemand für seine Handlungen Verständnis haben würde. Einfältig und unfähig, wie sie alle waren.

Ich brauche mehr … vielleicht bin ich dann in der Lage, gleiche Dinge wie Elhan zu verrichten?

»Lass sie reden, es war notwendig«, antwortete Alrael schließlich.

Sylon sah ihn flüchtig von der Seite aus an. »Na, wenn du meinst. Ist schließlich nicht mein verdammtes Königreich. Was machen wir jetzt aber eigentlich mit Landamar und der großen Schlucht? Nachdem Ramor verreckt ist und sich meine Männer dort ausgetobt haben, scheint mir die Situation doch etwas ungewiss, oder kleiner König?«

»Landamar und Arakkur müssen warten - meine Sorge gilt jetzt erstmal meinem eigenen Kopf.«

»Wenn wir aber nichts unternehmen, dann wird Vorlia weitere Soldaten durch die tiefen Stollen bis ins südliche Deregon schmuggeln. Vielleicht haben sie das mittlerweile gar nicht mehr nötig und sie ziehen bereits über die westlichen Gebirge.«

»Mein guter Mann, das ist nun einstweilen nicht unser Problem. Es liegt an den Herzögen jenseits der Schlucht, für die Sicherheit des Königreichs zu garantieren. Ich bin mir sicher, dass Herzog Sathus von Valentar, der neue Herzog von Norfall und Herzogin Ateria von Kallyen die Situation in den Griff bekommen. Nicht zu vergessen Cathien, die einiges Talent dafür besitzt, andere von ihren Absichten zu überzeugen.«

»Und dann? Ich meine …«

Sylon wurde durch den aufgeregten Ruf eines Soldaten unterbrochen. »Sie greifen an! Mein König, das feindliche Heer greift an!«

Alrael kniff die Augen zusammen und versuchte, etwas in dem dichten Regenfall zu erkennen. Er konnte kaum einige Schritte weit schauen. Trotzdem konnte er ein dunkles Schemen ausmachen, das geschwind über den oberen Wall eilte. Kurze Zeit später blieb der Soldat schwer atmend vor ihnen stehen und salutierte schneidig.

»Sprich!«

»Mein König, wir haben soeben Meldung erhalten, dass der Feind gegen das Südtor vorrückt. Am Westtor haben sie ebenfalls Stellung bezogen. Noch warten sie dort auf irgendetwas. Wir vermuten aber, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie sich auf das Westtor zubewegen. Hauptmann Larik erwartet Eure weiteren Befehle.«

»Was gibt es da zu befehlen?«, fragte Alrael. »Sag diesem Hohlkopf, dass er die Bögen bereithalten soll und so weiter! Jetzt geh mir aus den Augen!«

»Aber mein König, der Regen erlaubt es uns nicht, die Schlacke vorzubereiten. Und die angezündeten Pfeile werden auch nicht lange …«

Der Soldat schloss den Mund, als er Alraels Blick bemerkte. Erneut salutierte er und verschwand dann im dichten Schleier des Regens. Alrael wandte sich wieder dem feindlichen Heer zu. Ganz schwach erkannte er in der Ferne die schwarze Linie, die sich im Gleichschritt auf das Südtor zubewegte. Mit Furcht erinnerte er sich an die Erlebnisse im vorherigen Zyklus, als er schon einmal so einem Feind gegenüber gestanden hatte. Zwar waren es versklavte Menschen aus den Ländereien Andurals gewesen. Dennoch erinnerte er sich noch ganz genau an das viele Blut, die Unsicherheit und den tosenden Lärm der Schlacht.

»Du kackst dir jetzt aber nicht grad in die Hosen, oder?«, brummte Sylon.

Alrael knirschte mit den Zähnen, versuchte dann aber, sich etwas zu entspannen. Sylon schien ein Talent zu haben, ihm am Gesicht abzulesen, was in ihm vorging. »Mein lieber, großer Mann, das ist nicht das erste Mal, dass ich einer Schlacht gegenüber stehe. Ich frage mich nur, warum ich immer auf der offensichtlichen Verliererseite stehe. Wäre doch mal was, wenn die Startsituation etwas ausgeglichener ist. Oder was denkst du?«

»Weiß nicht, ich werde sowieso bald krepieren.« Sylon zuckte mit den Achseln. »Hätte schon in den Stollen der großen Schlucht draufgehen sollen, wenn da nicht Elhan gewesen wäre.«

Elhan! Ihn könnten wir jetzt gebrauchen. Was er wohl gerade treibt?

»Elhan ist aber nicht hier, wir sind also auf uns selbst gestellt. Da wir bislang keine Nachrichten aus den Herzogtümern jenseits der Schlucht bekommen haben, werden wir wohl noch eine Weile auf Unterstützung warten müssen.«

»Keine Nachricht von Cathien? Die müssten doch langsam ihren Arsch da drüben hochkriegen und sich endlich zusammenraufen. Was treiben die denn da?«

»Ich habe keine Ahnung, es macht aber keinen Unterschied.«

»Nur mal so interessehalber, kleiner König: Lynsan ist durch Verrat gefallen und scheinbar sind Mauern für diese Drecksäcke kein Hindernis. Was machen wir dagegen?«

Alrael schwieg einen Augenblick und dachte darüber nach. Dann drehte er sich um und sah in Richtung der hohen Türme der Stadt. Trotz des verhangenen Himmels und des dichten Regens, stachen die nadelförmigen Türme wie erhobene Finger in den Himmel hinauf. Ein ganz schwaches Leuchten ging von ihnen aus. Er hatte diese Tatsache das erste Mal bemerkt, nachdem er Zohn‘ris besiegt hatte, seinen ehemaligen Spion, der sich als Verräter des Feindes entpuppt hatte. Nun war das Leuchten stetig stärker geworden, bis es für ihn unübersehbar wurde. Was auch immer an diesen Bauwerken dran war. Alrael vermutete, dass sich ihre Geheimnisse bald lüften würden. Es kam nicht von ungefähr, dass die Türme seit Tausenden von Zyklen noch immer im Zentrum der Stadt standen – unberührt, als Mahnmal vergangener Zeitalter.

»Ich bin mir nicht sicher, mein lieber Sylon. Ich glaube aber, dass wir nicht ganz so alleine sind, wie es scheint. Was auch immer passieren mag, wir werden es bald feststellen.«

Sylon nickte einmal und wandte sich dann ab.

Alrael sah ihm stirnrunzelnd hinterher. »Was hast du vor?«

»Na was wohl? Diesen Drecksäcken den Arsch aufreißen! Einer muss schließlich diesen elenden Haufen anführen und ich bin mir sicher, dass dieser Larik alles andere als ein fähiger Hauptmann ist!«

Der breite Hüne entfernte sich und war nach kurzen Augenblicken von der Dunkelheit der Nacht verschlungen. In einiger Entfernung erkannte Alrael Soldaten Illindars, die mit ihren Bögen schussbereit auf den Mauern standen. Er spürte die Angst und Anspannung, die von ihnen ausging. Sie standen allzu steif da, niemand streckte sich oder tippelte von einem Bein auf das andere. Überdies schwiegen sie und warfen sich nervöse Blicke zu; kein Geflüster war zu hören, kein Plaudern. Sie waren bereit und doch waren sie unerfahren. Zu lange war es her, seit sie zuletzt einem Feind von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden hatten. Es gab ab und an Grenzeinsätze, sobald eine Gruppe Plünderer durch das Land zog oder ein Herzog in die Schranken verwiesen werden musste. Nichts davon war jedoch vergleichbar mit dem, was sie nun in den folgenden Umläufen erwarten würde.

Die Schlucht-Pläne von Herzog Ramor scheinen wirklich ausführlich gewesen zu sein. Der feindliche Heerführer hat es tatsächlich geschafft eine derartige Armee unbemerkt aus den fernen Landen bis nach Deregon zu führen. Dieser Plan muss schon seit langer Zeit herangereift sein. Ich würde das beeindruckend finden, wenn es nicht der Grund dafür wäre, dass ich bald meinen Kopf verliere.

Du weißt, was zu tun ist.

Ja, das weiß ich. Wird es ausreichen, um dem Feind gegenüberzutreten?

Keine Zweifel, keine Reue. Tu es und du wirst siegen.

Alrael wusste, dass er mittlerweile nicht mehr ganz bei klarem Verstand war. Er führte Selbstgespräche mit einer Stimme, die ihm Macht versprach und dabei auch noch Wort hielt. War es vielleicht die Stimme eines Gottes? Gar eines dunklen, bösen Wesens? Oder wurde er langsam paranoid? Vielleicht hörten Elhan und Cathien ebenfalls eine Stimme? Er wusste es nicht, letztendlich war es aber für ihn unerheblich. Es war ein Mittel zum Zweck, nicht mehr und nicht weniger.

»Herr, der Feind beginnt den Ansturm auf die Stadt«, bemerkte ein Soldat. »Sie sind fast am Südtor angekommen.«

Alrael sah zur Seite und betrachtete den unscheinbaren jungen Mann, der gerade einmal sechzehn Zyklen gesehen zu haben schien.

»Gut, beginnt mit dem Beschuss!«, befahl er.

Ein lauter Befehl wurde gegeben und man hörte nur noch das Loslassen von unzähligen Bogensehnen, die Pfeile in die Nacht hinaus sandten. Alrael sah nicht, ob sie ihre Ziele trafen. Einzig das laute Geschrei der feindlichen Soldaten war das Anzeichen dafür, dass einige Pfeile ihre Opfer forderten. Jetzt sah er auch den feindlichen Ansturm, der sich nur einige hundert Schritt von ihm entfernt auf das Tor zubewegte. Es waren vorlianische Soldaten mit grau melierten Rüstungen und schwarzen Gewändern. Er konnte es nicht ganz erkennen, glaubte aber, die Spirale des Morgoris darauf zu erkennen: Das ursprüngliche Symbol des Gottes der Vergänglichkeit. Mit Staunen bemerkte er, dass sie weder von einem Rammbock begleitet wurden, noch in irgendeiner Weise vergleichbare Belagerungsmaschinen nutzten. Es waren nur Fußtruppen, die entschlossen – geradezu siegessicher – auf das Tor zuliefen und dadurch schutzlos dem Pfeilhagel der Verteidiger ausgeliefert waren.

Immer mehr Pfeile gingen auf sie nieder, immer mehr Feinde fielen ihnen zum Opfer. Ihre lauten Schreie durchbrachen das stete Niederprasseln des Regens. Als sie schließlich am Tor ankamen, traten zehn schwarz gewandete Gestalten aus ihrer Mitte hervor. Alrael wusste genau, um was für Menschen es sich bei ihnen handelte: Reto, mächtige, bösartige Menschen, die über beeindruckende Fähigkeiten verfügten. Sie stahlen anderen die Atemseele und bereicherten sich daran. Gemeinsam hoben die Reto je eine Hand. Neben ihnen fielen Vorlianer im Sekundentakt. Trotzdem hielten sie ihre Schilde schützend über sie erhoben.

Ein kurzer Augenblick verging, dann geschah etwas Merkwürdiges: Die Reto lösten sich in schwarze Nebelschwaden auf, gleichzeitig ertönte ein lautes Krachen am Tor. Es klang wie ein gewaltiger Hammer, der auf einen Amboss einschlug. Nur einen Moment später ging eine Welle des Erstaunens durch die Reihen der feindlichen Soldaten. Sie standen schweigend da und starrten in Richtung des Tores, ungeachtet des Pfeilbeschusses, der weiterhin niederging.

Alrael hob die Hand und gab damit das Zeichen, den Beschuss einzustellen. Der Befehl wurde weitergegeben und man hörte nur noch das leidende Stöhnen der Verwundeten und das ewige Prasseln des Regens. Geschwind schritt er den Wall entlang, in Richtung des Südtores und blieb erstaunt stehen, als er den Grund für das Schweigen des Feindes erkannte. Sein Eindruck hatte ihn nicht getäuscht, Amerys schien einige Geheimnisse zu hüten, die nun immer mehr ans Licht rückten. Wer auch immer die Erbauer der Stadt gewesen sein mussten, Alrael vermutete, dass sie Hand in Hand mit dem Orden der Erwachten zusammengearbeitet hatten. Die feindlichen Reto hingen an den Flügeln des gewaltigen, hohen Tores – zumindest das, was von ihnen übrig war. Ihre Körper waren vollkommen zerplatzt, Sand, Blut und Staub rieselte aus den schwarzen Gewändern hervor und vermischte sich am Boden mit dem aufgewühlten Matsch.

Das war Glück, nichts weiter. Es wird uns trotzdem nicht retten können.

Klappentext

Vor den Toren von Amerys tobt eine grausame Schlacht um die Zukunft des gesamten Landes. Alle Hoffnung scheint verloren, nachdem Elhan, der letzte der Avar, verschwunden ist. Nun liegt es an Alrael, Cathien und Draia den drohenden Untergang abzuwenden und einen uralten Krieg zwischen Leben und Tod zu entscheiden. Die alles entscheidende Schlacht beginnt …

Rezension

″Arakkur – das Seelenband“ bietet einem wieder ein spannendes und genussvolles Leseerlebnis, welches einen nicht nur fesselt, sondern auch innerlich ergreift und man das Buch nur schwer wieder weg legen kann. Es ist interessant wie diese Reihe wieder und wieder aufs Neue packt und mit sich in eine einzigartige Welt zieht. Meiner Meinung nach übertrifft dieser Teil nochmal meine Erwartungen, und das obwohl der Maßstab durch die ersten beiden Teile schon sehr hoch war. Ich gebe dem letzten Teil der Reihe 5 von 5 Sternen.