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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe AO, Pascal Wokan
Pascal Wokan

AO


Wächter des Friedens

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Cyrion atmete schwer, als er in das nahe Geäst hineinrannte und über einen umgestürzten Baum sprang. Der Stamm des Baumes war in der Mitte gesplittert und von kalkweißer Farbe. Die Blätter leuchteten dunkelrot und sahen aus, als würden sie bluten.
»Warum kannst du nicht einmal deine Finger bei dir behalten, Belenia!«, beschwerte er sich zwischen zwei Atemzügen und warf der jungen Frau neben sich einen vernichtenden Blick zu. Genau wie er, trug sie braune lederartige Gewandung, die mit vielen kleinen Taschen und Schlaufen versehen war. Auf Hüfthöhe ging die Gewandung in einen geschlitzten Rock über, der über die Knie reichte und das obere Ende ihrer schwarzen Stiefel verdeckte. An ihrer Hüfte baumelten mehrere Dolche. Die dunkelbraune Kapuze, die sie als Bewahrerin des dritten Ranges auswies, hatte sie über den Kopf gestülpt, weshalb ihre schwarzen Haare und ihr schmales Gesicht nicht zu sehen waren. Der gleichfarbige, lange Mantel bauschte sich im Wind auf. An der rechten Schulter baumelte ein zerrissener Riemen – vermutlich hatte sie die dazugehörende Tasche während der Flucht verloren.
»Was willst du von mir hören, Cyrion?«, fragte sie, ohne ihn anzusehen. »Es ist von unschätzbarem Wert für uns, deshalb musste ich es einfach mitnehmen.«
Sie ist so unfassbar eigensinnig!
Cyrion verhedderte sich mit seinem Mantel an einem Busch, der ebenfalls blutrote Blätter besaß und unterdrückte einen unflätigen Fluch. Belenia rannte unbeirrt weiter und bewies wieder einmal eine Geschicklichkeit, um die er sie beneidete.
»Ich hasse diese sture Frau!«, knurrte er. Insgeheim wusste er jedoch, dass es nicht stimmte. Belenia war eine sehr gute Freundin, mit der er in den vergangenen Monaten, seitdem er als Bewahrer des Lichts auserwählt worden war, viel durchgemacht hatte. Es gab aber eine Sache, die ihre gemeinsamen Missionen jedes Mal in Gefahr brachte: Ihre Vergangenheit. Sie hatte einst auf der Straße gelebt und stets gehandelt, bevor sie nachdachte. Er wusste, dass sie im Grunde genommen nur gute Absichten verfolgte, dieses Mal hatte sie den Bogen aber bei weitem überspannt.
Cyrion befreite seinen Mantel vom Geäst und wagte einen raschen Blick zurück. Beinahe zeitgleich zischte ein Speer an ihm vorbei und bohrte sich mit der Spitze in den Stamm eines nahestehenden Baumes.
Das war knapp …
In der Ferne, weit hinter dem dichten, roten Laub des Waldes, erkannte er ein imposantes Bauwerk. Es war quadratisch, stufenförmig angelegt, von nachtschwarzer Farbe und erinnerte an eine hoch aufgerichtete Pyramide. Er konnte es auf diese Entfernung nicht richtig erkennen, glaubte aber verdrehte und verschlungene Muster an den Außenseiten zu erkennen, die ihm bekannt vorkamen.
Es gibt eine Verbindung zwischen diesem Gebäude und dem Sanktuarium. Das ist unverkennbar …
Ein zweiter Speer flog an ihm vorbei und bohrte sich zwei Meter von ihm entfernt in die feuchte Erde. Bewege dich endlich!
Cyrion rannte los und versuchte, zu Belenia aufzuschließen. Glücklicherweise ließ sie sich etwas zurückfallen, damit sie wieder auf gleicher Höhe rennen konnten. »Hat es sich wenigstens gelohnt?«, fragte er.
»Was für eine dumme Frage«, erwiderte sie.
Er wartete, dass noch irgendeine Antwort folgte, allerdings kam keine. »Also?«, keuchte er und duckte sich gerade rechtzeitig, um nicht mit dem Kopf gegen einen tiefhängenden Ast zu stoßen.
»Natürlich hat es sich gelohnt!«, zischte sie und warf ihm einen Blick zu, der ihm zu verstehen gab, dass er gefälligst die Klappe halten sollte. Er konnte sich aber nicht zurückhalten, denn es war bereits das dritte Mal, dass sie eine Mission in Todesangst beenden mussten.
»Es tut mir leid, wenn ich noch einmal nachfrage, Belenia. Ist der Gegenstand, den du aus ihrem Heiligtum gestohlen hast, wirklich von Bedeutung?«
»Wir sprechen doch die gleiche Sprache, oder?«
»In der Tat.«
»Und warum stellst du dann immer wieder die gleichen dummen Fragen?«
»Ich …«
Erneut flog ein Speer nur haarscharf an ihm vorbei und verlor sich im dichten Geäst. Von hinten vernahm er nun auch die lauten Schreie und das Geheul ihrer Verfolger.
»Konzentriere dich, Cyrion! Wir sprechen darüber, wenn wir beim Tor angekommen sind.«
»Aber …«
Ihre Augen loderten wie Feuer. »Nein!«
Sie sprangen über mehrere Risse hinweg, die wie klaffende Wunden in der Erde aussahen, und kletterten über einen umgestürzten Baum, der die einzige Möglichkeit darstellte, um den größten der vier Risse zu überwinden.
Es bringt nichts, ich werde zu diesem Zeitpunkt nichts aus ihr herausbekommen.
»Vashael befindet sich am Tor?«, fragte er.
Belenia nickte stumm. Nur wenige Augenblicke später blieb sie auf einmal stehen und murmelte einen unterdrückten Fluch. Direkt vor ihnen klaffte der Boden auf und trennte sie von dem Pfad, der sich durch den roten Wald schlängelte. Dieses Mal gab es jedoch keine Möglichkeit, um die andere Seite zu erreichen. Blickte er hinab, dann sah er nichts als bodenlose Tiefe. Sah er zur Seite, dann fraß sich der Riss quer durch den gesamten Wald.
Das kann doch nicht wahr sein!
Für diese Mission hatten sie ein Tor gewählt, das sie in ein Land gebracht hatte, welches am Rande des Untergangs schwebte. In Luindar, seiner Heimat, wurde das gesamte Land vom großen Abgrund umschlossen. Nur durch die Sphäre des Lichts im Ordenshaus der Bewahrer des Lichts konnte das Sanktuarium betreten werden, das wiederum unzählige Tore beheimatete und damit Zugang zu allen Ländern dieser Welt bot. Voraussetzung dafür war, dass die entsprechenden Länder über ein Tor verfügten. Dieses Land hingegen – sie nannten es Qifar – stand kurz davor, auseinanderzufallen. Überall zogen gewaltige Risse durch den Boden, wodurch das Land wie eine zerklüftete Ebene aussah. Es war wesentlich kleiner als Luindar, aber nicht von geringerer Bedeutung für ihre heilige Bürde als Bewahrer des Lichts.
»Diese Abgründe waren vor ein paar Stunden noch nicht so breit«, murmelte Belenia.
»Da kann ich dir nur zustimmen. Es sieht aus, als würde Qifar bald im namenlosen Abgrund verschwinden.«
Belenia sah sich schnell um. »Es gibt keine andere Möglichkeit, wir müssen einen Umweg gehen und eine schmalere Stelle zum Überqueren finden.«
»Das halte ich für keine gute Idee«, hielt er dagegen. »Wir sollten uns zu dieser Zeit bereits zurückmelden.« Er suchte ihren Blick. »Das hätten wir auch bereits, wenn du die Einwohner dieses Landes nicht bestohlen hättest!«
Sie zuckte mit den Schultern. »Ich habe den Gegenstand nur ausgeliehen.«
»Meine Meisterin Anri wird außer sich sein. Beim letzten Mal hat sie mehrere Tage lang nicht mit mir geredet. Und wer wird wieder dafür gerade stehen müssen? Richtig, ich werde das sein!«
Sie grinste frech. »Und danach werdet ihr euch wieder vor Freude in den Armen liegen.«
Er konnte es nicht verhindern, dass sich auf sein Gesicht ebenfalls ein Grinsen stahl. »Das stimmt natürlich auch wieder. Trotzdem, mir gefällt das alles nicht.«
»Also, kleiner Lord, was schlägst du vor?«
Ich werde sie umbringen …
Er blickte noch einmal zurück und atmete dabei tief durch. »Ich habe eine Idee.«
Belenia verschränkte die Arme vor der Brust und musterte ihn aufmerksam. »Jetzt bin ich aber mal gespannt. Wie willst du die andere Seite erreichen?«
»Ich sagte nicht, dass ich eine Idee habe, um die andere Seite zu erreichen. Ich sagte nur, dass ich eine Idee habe.«
Sie zog eine Augenbraue hoch. »Und wofür?«
Er wies mit seinem ausgestreckten Arm zurück. »Für diese äußerst vorzügliche Gesellschaft hier.«
In diesem Moment brachen mehrere Verfolger durch das Unterholz des Waldes und fächerten blitzschnell aus. Sie waren halbnackt, trugen bunte Leinenröcke und hatten sich Gesicht und Körper mit weißer Farbe bemalt. Auf dem Kopf trugen sie federartige Hüte, die bei einigen zu Helmen geformt waren und einen Teil des Gesichts bedeckten. Auf ihrer Brust baumelten perlenartige Ketten und auch ihre Arme waren mit Ketten und Federn bestückt. Einige hielten Speere in den Händen, andere hingegen waren mit Bögen und Keulen bewaffnet. Obwohl das Volk von Qifar längst nicht so fortschrittlich wie Luindar war, barg es ein tiefes Geheimnis, das Cyrion und Belenia versucht hatten zu ergründen.
»Und was jetzt?«, raunte ihm Belenia zu.
»Jetzt werden wir unser Ao beschwören.«
»Diese Idee könnte von mir kommen.«
»Du stimmst mir zu? Anri hat doch ganz deutlich gesagt, dass wir unser Ao nicht im Beisein von diesen Einwohnern nutzen sollen und …«
»Weder Anri, noch Dorien oder Marida sind hier«, unterbrach sie ihn. »Klar soweit?«
Ein Verfolger trat nach vorne und schwenkte drohend den Speer. Er war hochgewachsen, dürr und wirkte wie der Anführer der Gruppe. Insgesamt bestand diese aus mindestens einem Dutzend Quifarern – ein gutes Zeichen, denn anfangs waren es drei Dutzend gewesen, die sie aus dem Heiligtum gejagt hatten. Somit hatte sich glücklicherweise die Zahl ihrer Verfolger verringert.
Der hochgewachsene Einwohner baute sich vor ihnen auf und sagte einige Wörter in seiner kehligen Sprache, doch es war ihnen nicht möglich den Sinn zu erfassen. Dies erzürnte ihn noch mehr, woraufhin die anderen anfingen zu kreischen.
Cyrion tauschte einen schnellen Seitenblick mit Belenia, den sie grimmig erwiderte. Es gab keine andere Möglichkeit, sie mussten es tun. Er schloss die Augen, beruhigte seinen Atem und griff in sich hinein. Mit seinem fokussierten Willen stellte er sich vor, wie sein Ao – das heilige Licht eines Bewahrers – aus ihm brach. Nur wenige Sekunden später vernahm er ein lautes Summen, wie von tausend Bienen. Es steigerte sich immer mehr, bis es einem leisen Zischen wich.
Als Cyrion seine Augen öffnete, schwebte eine faustgroße, schimmernde Kugel neben ihm auf Brusthöhe und pulsierte in hörbarem Takt. Einige leuchtende Fäden umgaben das Ao und erinnerten an einen Lichtkranz. Er konnte die Macht darin spüren, denn es war ihm möglich, verschiedene Angriffs- und Verteidigungstechniken zu nutzen, um einen etwaigen Kampf für sich zu entscheiden.
Ein Raunen ging durch die Verfolger und sie rissen erstaunt ihre Augen auf. Der Anführer zeigte furchtsam darauf und ließ sich mit bebendem Mund auf dem Boden nieder. Er brabbelte immer wieder unverständliche Worte und hielt den Blick gesenkt.
Cyrion verspürte den Drang, sein Ao zu einem Spiegel zu formen, einer mächtigen Verteidigungsform, die ihn vor Angriffen schützen konnte, hielt jedoch inne. Dies war nicht die Reaktion, die er erwartet hatte. Weitere Verfolger kamen dem Beispiel des Anführers nach, bis zuletzt alle halbnackten Menschen vor ihnen kniete. Einige zitterten, andere murmelten immer wieder die gleichen Wörter.
»Bei Sirus Stern!«, raunte Cyrion und ließ sein Ao ein wenig heller erstrahlen, woraufhin sich die Einwohner von Qifar noch mehr zusammenkauerten.
»Erstaunlich«, sagte Belenia neben ihm und ging langsam auf den Anführer zu. Sie blieb vor ihm stehen und legte den Kopf schief. »Wie es aussieht, haben diese Menschen hier noch niemals ein Ao gesehen.«
»Offensichtlich«, pflichtete ihr Cyrion bei, trat ebenfalls an den Anführer heran und bedeutete ihm, sich zu erheben. Nur widerwillig kam dieser der Aufforderung nach und hielt dabei weiterhin den Blick gesenkt.
»Weißt du was ein Ao ist?«, fragte er, während sein Ao ihn langsam umkreiste. Er konnte sehen wie der Anführer zitterte. Aus einer Eingebung ließ er sein Ao näher zu dem Anführer schweben, woraufhin dieser die Augen weit aufriss und aussah, als würde er jeden Moment vor Schreck zusammenbrechen.
Fürchten sie sich etwa vor meinem Ao? Ist es wirklich Angst, die er verspürt? Das wäre unglaublich, aber auch bedenklich …
»Wir sollten gehen«, bemerkte Belenia und stapfte ohne weitere Worte den Abgrund in westlicher Richtung entlang.
Dieses Land ist wirklich seltsam …
Cyrion nickte dem Anführer zu, atmete tief durch und folgte seiner Gefährtin. Schon bald wurden sie vom dichten Laub des Waldes verschluckt und die fremden Menschen waren nicht mehr zu sehen. Ungefähr eine halbe Stunde später verließen sie den seltsamen, roten Wald und erkannten in geschätzten fünfzig Metern Entfernung ein Tor, das sich gefährlich nahe am Abgrund erhob. Das Tor war drei Meter breit, halbmondförmig und aus nachtschwarzem Material gefertigt, das entfernt an Stein erinnerte, allerdings zu glatt und fugenlos war. Es wirkte wie aus einem einzigen Guss und zeigte verschiedene gewundene Muster an der Außenseite, die sich quer daran entlang zogen. Manchmal erinnerten sie Cyrion an gezackte Ranken, die sich ihren Weg nach oben bahnten. So schnell wie der Gedanken gekommen war, verschwand er auch wieder. In der Mitte des Tores schimmerte eine goldene Oberfläche, auf der ab und an ein Wellenmuster entlang lief. Obwohl er sich an diesen Anblick gewöhnt hatte, wirkte es noch immer befremdlich auf ihn. Es war kaum zu glauben, dass ihn dieses merkwürdige Gebilde über tausende Kilometer hinweg befördern konnte – und das innerhalb eines Blinzelns.
Direkt neben dem Tor verharrte Vashael, der dritte Gefährte ihrer Mission, und tippelte nervös auf der Stelle. Er trug ebenfalls die lederartigen Gewänder und die braune Kapuze seit sie in den dritten Rang des Ordens erhoben worden waren. Seit ihrer ersten Begegnung hatte sich Vashael, der ehemalige Thronfolger des Kaiserreiches Luindar, erheblich verändert. Er war zwar weiterhin ein rundlicher, untersetzter Mann und wirkte nervös, wenn er mit einer Situation überfordert war, mittlerweile wurden diese Eigenschaften aber von seinen Fähigkeiten im Umgang mit dem Ao überdeckt. Es gab niemanden sonst im Orden, der eine derartige Willenskraft und Zielstrebigkeit aufbringen konnte wie er. Manch einer behauptete, dass er mittlerweile sogar den Bewahrern der ersten beiden Ränge überlegen war.
Cyrion hob die Hand zum Gruß und freute sich, seinen Freund wohlauf zu sehen. Belenia winkte ebenfalls, schien aber in sich gekehrt zu sein.
Er bemerkte, dass sein Ao immer noch neben ihm schwebte und mit einem flüchtigen Gedanken entließ er es in goldenen Lichtstaub. Dadurch vereinigte es sich wieder mit seinem Körper und würde erneut erscheinen, wenn er es heraufbeschwor. Kurze Zeit später erreichten sie das Tor und blieben vor der schimmernden Oberfläche stehen. Normalerweise waren diese Tore nur an geheimen Orten auffindbar. In Qifar lag allerdings ein anderer Fall vor, denn es stand einsam und verloren in der Wildnis nahe des Abgrunds, der das Land von anderen Ländern dieser Welt abschnitt.
Vashael sah aus, als könnte er sich nicht entscheiden, ob er sie in den Arm nehmen oder die Hand zum Gruß ausstrecken sollte. Bevor er irgendeine peinliche Reaktion verursachte, nahm Cyrion ihn kurzerhand in den Arm und klopfte ihm freundschaftlich auf den Rücken. »Alles in Ordnung bei dir?«, fragte er.
Vashael lächelte. »Natürlich! Ich war zwischendurch in Luindar und habe deine Bitte weitergegeben, noch einige Tage hier verweilen zu dürfen. Dabei fällt mir ein«, er betrachtete sie aufmerksam, »warum wolltet ihr noch hierbleiben?«
Cyrion tauschte einen flüchtigen Seitenblick mit Belenia. Sie schüttelte den Kopf, doch er wollte seinen Freund nicht anlügen. »Wir waren im Heiligtum von Qifar«, sagte er.
»Ihr wart was?«, fragte Vashael erstaunt. »Meisterin Anri und Meisterin Marida haben klar und deutlich gesagt, dass wir jegliche Kontakte mit den Einwohnern dieses Landes vermeiden sollten! Das war eine Anweisungen, ein heiliger Befehl und …«
»Ja, das ist mir durchaus bewusst«, unterbrach Cyrion ihn. »Ich habe mich von Belenia dazu hinreißen lassen.«
Vashael wischte sich nervös die langen, braunen Haare aus dem Gesicht. »Und warum wart ihr dort?«
»Später«, sagte Belenia und wollte an ihm vorbeigehen. Cyrion ließ es jedoch nicht zu und stellte sich ihr in den Weg.
»Zeig es uns«, forderte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
Sie funkelte ihn wütend an. »Nicht jetzt. Wir müssen hier verschwinden.«
»Weshalb?«
»Weil dieses Land bald auseinanderbrechen und in den Abgründen verschwinden wird.«
»Ich möchte wissen, warum ich mein Leben riskiert und dich in das Heiligtum begleitet habe. Du hast etwas gestohlen und die hier ansässigen Menschen gegen uns aufgebracht. Ich verlange zu wissen, worum es sich dabei handelt!«
»Ich habe dir gesagt, dass ich alleine gehen will.«
»Das kommt nicht in Frage, wir sind Gefährten und deshalb lassen wir niemanden im Stich.«
»Ohne dich wäre ich nicht entdeckt worden.«
Ist das ihr Ernst?
Einen Moment lang war Cyrion sprachlos. Bevor er etwas antworten konnte, legte ihm Vashael eine Hand zur Beruhigung auf die Schulter.
Er hat recht, sie wird zu diesem Zeitpunkt keine Antwort geben. Dafür ist sie zu stur.
Obwohl er Belenia zur Rede stellen wollte, hielt er sich zurück und ging ihr aus dem Weg. Sie nickte dankbar und schritt auf das Tor zu.
Zwei Sekunden später wurde sie von der schimmernden Oberfläche in Empfang genommen und war verschwunden.
»Du sag mal, Vashael …«
»Ja?«
»Hatten wir überhaupt die Erlaubnis noch zwei weitere Tage hier zu verbringen?«
Er sah ertappt auf. »Nun … ähm … also es ist so. Naja, du weißt schon.«
Cyrion ließ den Kopf hängen. »Also nicht. Das bedeutet, dass uns jetzt ein Donnerwetter erwartet. Vor allem mich.«
Vashael zuckte entschuldigend die Schultern.
»Ist schon in Ordnung, du hast es gut gemeint. Wir sollten aber versuchen zumindest nicht jedes Mal die Regeln des Ordens zu brechen. Irgendwann möchte ich schließlich den nächsten Rang erreichen und die grüne Robe tragen. Ich habe es satt, wie ein Neuankömmling behandelt zu werden.«
»Das ist auch mein Wunsch. Es ist nur so, dass Varian genauso gehandelt hätte. Er hätte entschieden, dass die Zukunft des Ordens über den Anweisungen eines Meisters stünde.«
Cyrion warf seinem Freund einen eindringlichen Blick zu. Varians Tod war eine Sache, die ihm schwer auf dem Herzen lag. Er verspürte Schuld, weil sich der einstige Bewahrer für ihn geopfert hatte, damit er das Ordenshaus erreichen konnte, um die Bewahrer vor den Plänen des Kaisers zu warnen.
Mit einem Lächeln bedeutete er Vashael vorzutreten. Nur wenige Sekunden später war dieser im Tor verschwunden. Einen letztes Mal blickte Cyrion zurück zu dem Meer aus weiß und rot. Dahinter erkannte er die schwarze Pyramide, die einige tiefe Geheimnisse barg und vielleicht Antworten auf längst vergessene Fragen bot. Mit einem schweren Seufzer betrat er schließlich die Sphäre des Lichts.


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