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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Angriff aus dem Himmel, Michael Rusch
Michael Rusch

Angriff aus dem Himmel


Die Legende von Wasgo, Band 3

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„Sind alle Schleusen geschlossen?‚, fragte der Kommandant der Xylosia


aufgeregt.


„Alle bis auf die Hauptschleuse!‚, antwortete der technische Offizier.


„Dann schließen Sie auch diese Schleuse endlich!‚, forderte der Kommandant,


„wir haben keine Zeit mehr! Hier fliegt bald alles in die Luft!


Wollen Sie denn warten, bis wir auch drauf gehen?‚


Auch wenn der Kommandant seine Nervosität und Angst kaum in den


Griff bekam, hatte er sich doch unter Kontrolle. Dadurch machte er auf


seine Besatzungsmitglieder, die zur Zeit auf der Brücke mit ihm zusammenarbeiten


mussten, einen relativ gefassten Eindruck. Nur wenn er Ruhe,


Stärke und Sicherheit ausstrahlte, konnte er die Führung auf diesem


riesigen Raumschiff in solch einer prekären Situation behaupten. Der


Starke wird überleben, der Schwache untergehen. Er musste sich das nur


immer wieder klarmachen.


„Ja, aber – aber der Präsident! Der Präsident! Um Himmels Willen! Der


Präsident ist doch noch nicht hier! Der Befehl, den wir erhielten, besagt


ausdrücklich, dass wir auf ihn warten sollen! Wir sollen ihn doch mitnehmen!‚,


sprudelte es aus dem technischen Offizier heraus.


„Wo bleibt dieser eingebildete lahme Fatzke denn bloß wieder, verflucht


noch mal?‚, knurrte der Kommandant so, dass ihn niemand hören


konnte.


Natürlich wollte er rechtzeitig starten, aber solange das Oberhaupt aller


Xyloten nicht an Bord war, durfte er unter keinen Umständen den Befehl


zum Start geben. Das wäre offener Aufruhr gewesen. Immerhin war der


Präsident dafür verantwortlich, dass die Xyloten ein neues Zuhause bekamen.


Nach außen hin zumindest war er dafür verantwortlich, vermutlich bildete


er sich das auch ein. In Wahrheit war es allerdings eher so, dass der


Kommandant einen xylotähnlichen Planeten hatte ausfindig machen


müssen. Ab und zu erkundigte sich der Präsident bei ihm nach den Fortschritten.


Endlich wollte der Staatsmann einen Erfolg sehen, um den Xyloten einen Planeten präsentieren zu können, auf dem sie leben konnten.


Ein solcher Erfolg musste ihm für alle Zeiten einen Platz in den Geschichtsbüchern


sichern.


Weil die Zeit knapp und immer knapper wurde, wurden die Nachfragen


des Präsidenten jedes Mal ungeduldiger und aggressiver. Er steckte


letztendlich für die Entdeckung des Blauen Planeten die Lorbeeren ein,


obwohl der Kommandant die ganze Arbeit machen musste. Argumente,


überhaupt irgendwelche Details interessierten den Präsidenten dabei


nicht im geringsten. Diese verdammten Untergebenen, nie funktionierten


sie!


Nein, Gerechtigkeit gab es bei den Xyloten schon lange nicht mehr.


Der Kommandant schaute auf den Lageplan des Weltraumhafens. Alle


Raumschiffe waren schon gestartet, nur die Xylosia hatte noch festgemacht.


Was machte der Präsident denn überhaupt so lange in seinem Hauptquartier?


Der hätte doch längst schon an Bord sein sollen. Es herrschte


der Ausnahmezustand und der Präsident hatte über alle Raumschiffe die


Befehlsgewalt. Und jetzt trank er vermutlich in aller Seelenruhe Sekt mit


den Interessenvertretern der einfachen Xyloten, um sie in Sicherheit zu


wiegen.


Sie wollten einen Planeten suchen und ansteuern, der so ähnlich wie ihr


eigener Planet Xylot beschaffen war. Der Präsident musste jetzt endlich


kommen, sonst war vielleicht alles zu spät!


Viele Jahrtausende hatte sie der Planet Xylot beherbergt. Schlimm genug


war es schon, dass dieser Planet aufhören musste zu existieren. Noch


schlimmer aber war, dass die Xyloten selbst für dieses Unglück verantwortlich


waren. Aufgrund dessen, was allgemein als technischer Fortschritt


bezeichnet wurde.


Dieser Fortschritt, an den alle glaubten wie an einen Gott, hatte den Xyloten


viele, viele Jahre ein schönes Leben beschert, aber leider wurden in


den letzten hundert Jahren zu viele Fehler gemacht. Manchmal aus


Leichtsinn, manchmal aus Unwissenheit, aber manchmal auch aus purer


Profitgier.


Was ging es die Chefs der riesigen Konzerne an, wenn einmal etwas


schiefging? Wen kümmerte es schon, wenn es einmal ein Atomleck gab


oder ein Chemiewerk in die Luft flog? Hauptsache war doch, dass am


Ende der Profit stimmte. Einige wenige Xyloten wurden immer reicher


und sehr viele parallel dazu immer ärmer. Die Schere zwischen Arm und


Reich wurde immer größer und Milliarden von Xyloten lebten am Existenzminimum, in völliger Armut. Die es auf Xylot doch eigentlich gar


nicht gab, wenn man dem Präsidenten und seinen Freunden aus den großen


Konzernen glaubte. Ins Arbeitsleben neu einzusteigen, war für so einen


armen Xyloten so gut wie unmöglich.


Und jetzt? Jetzt war alles in die Wege geleitet, dass die Verantwortlichen


für die bevorstehende Katastrophe sich noch rechtzeitig retteten und


die armen und arbeitenden Xyloten auf dem Planeten verbleiben mussten,


dem sicheren Untergang geweiht. Als wenn die Reichen auch noch


den nächsten Planeten zerstören wollten.


Wie konnte es nur soweit kommen, dass der einst so wunderschöne


Planet vergiftet und verseucht wurde? Eigentlich, das war dem Kommandanten


der Xylot vollkommen klar, konnte das jeder wissen, der die


Augen offen hielt. Der sich nicht von Sonntagsreden irgendwelcher Politiker,


Shows und den ständigen Feierlichkeiten blenden ließ. Immer mehr


Gase wurden entwickelt und produziert, die in Xylots Atmosphäre gelangten


und diese nach und nach zerstörten. Es entstand ein Ozonloch


und allmählich wurde die Ozonschicht so stark beschädigt, dass aus dem


Weltall ungehindert die ultraviolette Strahlung eindringen konnte.


Atomkraftwerke wurden gebaut, in denen es Unfälle mit katastrophalen


Folgen gab. Radioaktive Strahlung verseuchte große Teile des Planeten.


Sehr viele Tote waren zu beklagen und Xylot wurde Hunderte von Kilometern


um diese Unfallgebiete unbewohnbar.


Die Sonntagsreden, Shows und Feierlichkeiten wurden unbeeindruckt


fortgesetzt. Wer warnen wollte, wurde ausgelacht.


Ein weiteres Problem entstand, als die Energiequellen des Planeten zu


versiegen begannen. Energieexperten und Wissenschaftler wurden beauftragt,


nach neuen Energiequellen zu suchen. Ihr Einfallsreichtum kannte


keine Grenzen. Die Forschung schlug verschiedene Richtungen ein. Die


beiden wichtigsten dabei waren die Nutzung der natürlichen und erneuerbaren


Energieressourcen und die Entwicklung des Frackings. Fracking


bedeutete, dass in das Innere des Planeten Xylot chemische Stoffe über


Bohrungen mit hohem Druck in die Tiefe gepumpt wurden. So entstanden


je nach Beschaffenheit der Gebiete entweder Gase oder Öl. Der gesamte


Energiebedarf der xylotischen Wirtschaft war auf die Gase und das


Öl des Planeten sowie auf die Atomkraft ausgerichtet.


Beim Fracking entstanden aber giftige Nebenprodukte, die das Grundwasser


verseuchten. Als selbst die Wirtschaft und auch die Politiker, die


daran ja verdienten, das nicht mehr ignorieren konnten, war es längst zu


spät.


So wurde ein gigantisches Rettungsprogramm entwickelt. Konsequent


verfolgten alle Verantwortliche das Ziel, die besorgniserregende Entwicklung


um jeden Preis zu vertuschen. Kein Uneingeweihter durfte etwas


davon erfahren, das Leben hatte so weiterzugehen wie bisher. Vorsichtshalber


ging man härter gegen alle vor, die der Regierung nicht glauben


wollten; die wurden nun nicht mehr ausgelacht, sondern eingesperrt und


manche kamen auf mysteriöse Weise ums Leben. Gleichzeitig jedoch rief


die Regierung Xylots ein umfangreiches Weltraumprogramm zur Erforschung


anderer Planeten ins Leben; finanziert wurde das unter anderem


dadurch, dass man die Sozialhilfen weiter kürzte und allen, die arbeiteten,


eine hohe Umweltsteuer auferlegte.


Das Fernsehen brachte Sendungen, in denen den Xyloten Urlaubsreisen


bis in die hintersten Ecken des Weltraums schmackhaft gemacht wurden,


um das eigentliche Ziel des Weltraumprogramms nur ja zu verschleiern.


In aller Stille suchte man nach einem Planeten, auf dem die Xyloten leben


konnten. Außerdem mussten riesige Raumschiffe entwickelt und gebaut


werden, die die Bevölkerung des Planeten zu einem xylotähnlichen Planeten


bringen sollten. Wenn nur die Zeit nicht so knapp geworden wäre



Als sich das Klima auf Xylot veränderte, als die Temperaturen stetig anstiegen,


fanden viele Xyloten das gut, denn dadurch sparten sie im Winter


Heizkosten – und die waren doch gerade so entsetzlich gestiegen! Die


Vegetation veränderte sich. Der Planet wurde zunächst fruchtbarer, reiche


Ernten wurden eingebracht. Pflanzen, die nur am Äquator beheimatet


waren, wuchsen allmählich auch in den Regionen, in denen die Temperaturen


vor der Erwärmung des Planeten sehr viel niedriger lagen.


Aber dann setzten immer mehr und immer verheerendere Stürme ein.


Die Polkappen schmolzen, viele Inseln des Planeten wurden dabei überschwemmt,


und nach und nach verschwanden sie ganz in den Meeren


und Ozeanen. Die Kontinente wurden kleiner, weil die Küsten im Wasser


versanken. Unzählige Opfer waren dabei zu beklagen gewesen.


Die nie gekannten Orkane und Taifune waren so stark, dass sie großen


Schaden anrichteten, Tausende Xyloten mussten bei jedem Sturm ihr Leben


lassen, Gebäude wurden zerstört und Wälder verwüstet. Die Ozeane


fraßen das Land förmlich auf. Die Regierung rief große Spendenaktionen


ins Leben, um den Ärmsten der Armen Hilfe zukommen und Aufstände


erst gar nicht entstehen zu lassen, organisierte zugleich Protestaktionen


gegen sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge, die angeblich die Überflutungen nur als Vorwand für ihr Sozialschmarotzertum sahen, und betrieb ihr


Rettungsprogramm mit Hochdruck weiter.


Der letzte starke Sturm verursachte den schlimmsten Schaden. In zwei


Atomkraftwerken kam es zu einer Havarie. In dem einen gab es eine gewaltige


Explosion, bei der mehr radioaktive Strahlung freigesetzt wurde


als je zuvor.


Meerwasser hatte das Werk überflutet, es kam zu einem Kurzschluss in


der Stromversorgung des Atommeilers und dadurch zur Explosion, weil


die Temperatur im Meiler um ein Vielfaches anstieg und die zulässige


Höchsttemperatur bei Weitem überschritt.


Ähnlich war die Situation im zweiten Kraftwerk. Zunächst konnte die


Explosion mit knapper Not verhindert werden, aber die Kühlung des


Meilers war auch hier ausgefallen und die Temperatur stieg stetig an.


Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann auch dieses Kraftwerk explodierte.


Wenn das geschah, musste Xylot unweigerlich zerstört werden,


denn in der Nähe des Kraftwerks lagerten noch aus früheren Zeiten etliche


Atombomben.


Diese sollten schon längst entschärft und fortgebracht worden sein, aber


niemand von den verantwortlichen Managern hatte sich darum gekümmert,


denn diese Maßnahmen hätten ja Geld gekostet. So wendete man


wieder das gewohnte Rezept an: Vertuschen! Vertuschen, koste es, was es


wolle! Und diesmal befolgte man diese Taktik so konsequent, dass selbst


der Präsident aus allen Wolken fiel, als er von den Atombomben hörte.


Doch jetzt war es zu spät, sie unschädlich zu machen, alle helfenden


Hände wurden am Atommeiler benötigt, um die Temperatur nicht steigen


zu lassen.


Außerdem rechneten ihm seine Wirtschaftsexperten vor, was die Entsorgung


der Atombomben unter diesem großen Zeitdruck kosten würde,


und von diesen astronomisch hohen Zahlen wurde dem Präsidenten dabei


geradezu schwindlig.


Plötzlich heulten überall im Raumschiff, aber auch auf Xylot die


Alarmsirenen los. Ein nervtötender Lärm entstand. Das war das Zeichen


dafür, dass der Planet in wenigen Minuten sein Ende finden sollte. Der


Planet, der den Xyloten viele Jahre ein zu Hause gewesen war, musste


sterben! Unglaublich!


Für über zweitausend Xyloten hatte der Kommandant der Xylosia die


Verantwortung, sie musste er retten. Auf den Präsidenten konnte er jetzt


keine Rücksicht mehr nehmen. Immerhin hätte der rechtzeitig auf dem


Raumschiff eintreffen können.


„Hauptschleuse schließen!‚, befahl er.


„Aber der Präsident ...‚, weiter kam der technische Offizier nicht.


Der Kommandant unterbrach ihn schroff: „Wollen Sie, dass uns alle der


Teufel holt?‚


„Aber das ist doch Aufruhr! Meuterei! Revolution! Da landen wir alle


vor dem Kriegsgericht ...‚


„Tun Sie in drei Teufels Namen gefälligst, was ich ihnen befehle!‚


Kurz darauf meldete der technische Offizier, dass alle Schleusen, einschließlich


der Hauptschleuse, geschlossen waren.


„Sofort starten!‚, befahl der Kommandant.


Seufzend gab der technische Offizier die zum Start notwendigen Befehle.


Schon nach drei Minuten entfernte sich das Raumschiff vom Weltraumhafen


und somit vom Planeten Xylot, der schnell kleiner wurde, bis


er nur noch eine winzige Scheibe war.


„Wie friedlich unser Planet aussieht – und eigentlich war er doch ein


Paradies ...‚, ging es dem Kommandanten durch den Kopf.


Plötzlich schossen aus Xylot grelle Lichtblitze heraus, die sogar das Innere


des riesigen Raumschiffes erhellten. Die kleine Scheibe verwandelte


sich in nur wenigen Augenblicken in eine glühende Feuersbrunst, der


Planet explodierte! Die Xyloten, die ihn nicht mehr rechtzeitig hatten verlassen


können, hatten soeben den Tod gefunden. Es waren mehrere Milliarden.


Glühende Fragmente des Planeten wurden durch das Weltall geschleudert,


und wo sich noch vor wenigen Sekunden der Planet Xylot befunden


hatte, gab es nur noch gähnende, schwarze Leere. In der Kommandozentrale


des Raumschiffes herrschte zunächst Totenstille.


„Der Präsident ...‚, stammelte der technische Offizier. Der Kommandant


weinte leise vor sich hin. Jemand anderes schluchzte laut auf.


Ein paar Augenblicke später herrschte auf der Brücke wie im gesamten


Raumschiff erneut eine eisige Stille.


Erst nach einigen Minuten verscheuchte der Steuermann die bedrückende


Stimmung, indem er sagte: „Dank der Götter und Dank unseres


Kommandanten sind wir gerettet.‚


Der technische Offizier war immer noch fassungslos. „Aber der Präsident


ist tot, er hat es nicht mehr geschafft! Und wenn das Kriegsgericht…‚,


die pure Angst ließ den technischen Offizier diese Sätze aussprechen.


Nun übernahm der Kommandant das Wort: „Das ist sehr bedauerlich,


aber wir müssen jetzt nach vorne sehen! Wir haben einen Planeten entdeckt,


auf dem wir wahrscheinlich siedeln können. Wir nehmen Kurs auf


15die Galaxis Dorsa. Dort gibt es einen xylotähnlichen Planeten mit einer


Atmosphäre, die der unseren fast bis auf das kleinste Gasteilchen gleicht.


Das Gleiche trifft auf seine Gravitation zu. Dort werden wir sicherlich leben


können, wenn dieser Planet noch nicht von anderen Bewohnern in


Anspruch genommen wird!‚


Großer Jubel brach auf der Brücke des Raumschiffes aus. Plötzlich hatte


jeder eine Menge Fragen, die er dem Kommandanten stellen wollte. Doch


der verschaffte sich mit nur einer Handbewegung Ruhe.


„Ich werde den zuständigen Wissenschaftlern Anweisungen geben, alle


auf dem Raumschiff befindliche Xyloten über den Blauen Planeten, den


wir gefunden haben, Informationen zukommen zu lassen. Das Beste wird


sein, wir organisieren eine Vortragsreihe für die nächsten Tage, an denen


jeder, der will, teilnehmen kann.‚


Nach einer kleinen Pause befahl der Kommandant: „Also auf zum Blauen


Planeten. Steuermann, hier sind die Zielkoordinaten!‚


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