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> Fantasy Bücher > Amritamyen - Das gefallene Einhorn
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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Amritamyen - Das gefallene Einhorn, Alice Höller
Alice Höller

Amritamyen - Das gefallene Einhorn



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1. Kapitel


 


Nein! Um Gottes Willen – tu das nicht!, schrie Jonas in Gedanken auf und hätte es am liebsten laut heraus gebrüllt. Du darfst ihn nicht töten – dann hast du sie für immer verloren!


Entsetzt hielt der alte Mann den Atem an. Unfähig sich zu rühren. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.


War Eloras Liebe stark genug, das Schlimmste zu verhindern? Würde sie ihn stoppen können?


Die Szene, die sich Jonas bot, war gefährlicher, als sie auf den ersten Blick erschien. Um die Situation verstehen zu können, muss man alles wissen:


Mein Handeln war viel entscheidender, als im ersten Moment ersichtlich war.


Ich hatte nur diese eine Chance. Ich durfte es nicht vermasseln! Von meiner Entscheidung hing wirklich ALLES ab!


Macht- und hilflos stand Jonas einige Meter von diesem Szenario entfernt. Beten war alles, was der alte Mann in diesem Moment tun konnte. Das tat er auch …


Er schloss die Augen. In diesem Moment war es, als würden die letzten Monate wie in einem Film vor seinen Augen an ihm vorbeiziehen.


Er konnte einfach alles sehen: mein Handeln, meine Gedanken, sogar Eloras Gefühle blieben vor ihm nicht verborgen.


Seine Reise durch meine Geschichte dauerte nur wenige Augenblicke.


 


2. Kapitel


Langsam wurde Jonas bewusst, dass das Jahr 2031 langsam zur Neige ging.


Längst schon gab es wieder das Klassensystem – die ganz Reichen und die ganz Armen. Dazwischen gab es … nichts. Egal, wie hart die Menschen auf beiden Seiten kämpften, niemand konnte gewinnen.


Die Reichen glaubten, dass sie durch die Länderteilung gewonnen hätten, begriffen aber nicht, wie viel sie im Grunde verloren hatten …


Für sie zählten Macht und Besitz. Davon hatten wir, die Reichen, nun wirklich mehr als genug. Aber war das wirklich alles, was zählte?


Jonas Gedanken schweiften von der Realität ab. Es war, als würde er eine Zeitreise machen. Die erst dann enden sollte, als er unbemerkt an jenem Punkt in mein Leben ankam.


Er hatte mich vom ersten Augenblick an mit anderen Augen gesehen.


Hier beginnt sie, meine Geschichte …


 


Es entwickelte sich schleichend, aber unaufhaltsam: Die Aufteilung der Menschen in arm und reich! Auf der ganzen Welt wurden die Menschen so unterteilt und streng voneinander getrennt. Es gab in jedem Land einen möglichst kleinen Bereich für die Armen und einen großen Bereich für die Reichen. Die Tatsache, dass es in allen Ländern wesentlich mehr arme als reiche Menschen


gab, wurde bei der Aufteilung der Lebensbereiche völlig ignoriert! Eng zusammengepfercht in miesen Behausungen mussten die Armen sich arrangieren.


Auf den Gassen, die einst mal Straßen waren, roch es nach Fäkalien und anderem Unrat. Je nachdem, wie der Wind stand, zog ein beißender Gestank in die Nase. Das Problem war, dass es keine Mülldeponie gab.


Mit den Jahren hatte sich ein Grundstück, etwa so groß wie ein Fußballplatz, zur Mülldeponie entwickelt.


Damit der Müll nicht übermächtig wurde, verbrannten die Armen in einem großen Ofen alles, was sich nicht für den Kamin eignete. Die Leute hielten die Straßen so sauber, wie es ihnen nur möglich war.


Bei den Reichen war nicht nur Platz für die modernste Mülldeponie, sondern überhaupt war dort mehr Platz, als sie jemals brauchen würden. Dieser wurde für pompöse Bauwerke, Autobahnen, Paläste, Wellness-Tempel und Freitzeitparks genutzt. Das Angebot für Reiche sollte ja vielfältig sein.


Reich galt, wer vor der Trennung in der jeweiligen Landeswährung entsprechend ein Mindesteinkommen von etwa fünftausend Euro monatlich erzielte. Besser war natürlich, wenn man die zehntausend erreichte. Wer die fünftausend so gerade halten konnte, lief Gefahr, auf


die arme Seite abgeschoben zu werden und kein Geld mehr zu verdienen.


Eine unsichtbare Grenze hielt nun alle Länderhälften voneinander getrennt. Polizisten gab es ausschließlich auf der reichen Seite, um die Bewohner vor den Armen zu schützen. Die Polizei fuhr lediglich in die Armenviertel, um nachzusehen, ob die Menschen dort verbotenen Luxus hatten. Verbrechen wurden auf der armen Seite nie aufgeklärt oder gar im Keim erstickt,


ehe sie begangen werden konnten.


Optisch unterschieden die Hälften sich massiv voneinander. Autos gab es nur für die Reichen.


Den Armen war es strengstens untersagt, auch nur irgendeinen Luxus zu besitzen. Das größte Gut, das sie besitzen durften, war ein Radio. Schließlich sollten sie von den Erfolgen der Reichen erfahren. Sie sollten jeden Tag aufs Neue spüren, wie wertlos sie waren. Dreck, den die Gesellschaft nicht brauchte. Eine Chance, durch harte Arbeit auf die reiche Seite zu wechseln, hatte es niemals gegeben.


Die Häuser drohten einzustürzen, wogegen in der reichen Hälfte die schönsten Hochhäuser und


palastähnliche Villen entstanden. Die Armen waren für die meisten nur lästig. Man war froh über jeden, den es nicht mehr gab. Lediglich um die Drecksarbeiten der Reichen zu erledigen, wurden sie auf die reiche Seite geholt. Sie mussten die Paläste bauen, die Menschen vom Müll befreien und alle anderen niederen Arbeiten verrichten. Dafür wurden sie mit einem Hungerlohn abgespeist, der kaum ihr Überleben sichern konnte.


Auf der armen Seite versuchten alle sich handwerkliche Berufe anzueignen. Jeder dort hoffte auf


eine Möglichkeit, bei den Reichen arbeiten und Geld verdienen zu können. Gegenseitig halfen sie sich beim Erlernen diverser Tätigkeiten, Tricks und Handgriffe.


Während die Reichen für alles bezahlten, florierten auf der anderen Seite die Tauschgeschäfte. Das wenige Geld, das auf die arme Seite floss, wurde gespart.


In der Bücherei ihrer Stadthälfte gab es eine „Schatztruhe“, die vom Bibliothekar verwaltet wurde.


Dort zahlte jeder arme Bürger seinen hart erarbeiteten Lohn ein. Dieses Sparen war wichtig, weil es ihnen Reisen in die anderen Länder zum Kräutertausch ermöglichte.


Medikamente gab es keine und den wenigen Menschen, die dort ihr Medizinstudium vor der Teilung abgeschlossen hatten, waren die Hände gebunden. Man kann nicht heilen oder Krankheiten lindern, ohne Medikamente zu nutzen. Schnell hatten sie verstanden, dass sich alle zusammentun mussten, damit sie Ihr Wissen um ihre landesüblichen Heilpflanzen


austauschen konnten. Es gab regelmäßige Treffen, auf denen die ländertypischen Pflanzen und die Art ihrer Anwendung gegenseitig getauscht wurden. Auf diesen Tauschbörsen traf Jonas, der Bibliothekar, sich auch mit Meister Yiuang. Ein asiatischer Großmeister der Kampfkunst und bewandert in Kräuterkunde und energetischen Dingen.


Die Bibliothek war nicht nur wegen des dort deponierten Geldes ein wahrer Schatz, sondern auch


weil diese unendlich viel Wissen bereithielt. Es sollte sich für die Armen – aber auch für mich - als Glück herausstellen, dass die Länder beschlossen hatten, die „alten“ Bücher nicht zu verbrennen. Vielen war es egal, was mit den augenscheinlich wertlosen Büchern geschah.


Wir hatten ja keine Ahnung, auf wie viel kostbares Wissen wir lapidar verzichteten. Dankbar nahmen die Armen die Bücher entgegen. Sie hatten den Reichtum sofort erkannt. Um die Reichen nicht im letzten Moment noch umzustimmen, hielten sie ihre Freude verborgen.


Schnell stellte sich heraus, dass auch in unterhaltsamen Büchern gute Informationen zu finden waren. Über die Bücher verbreitete sich ein Wissen, das sogar schon einige Leben im Armenviertel gerettet hatte.



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