Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Fantasy Bücher > Aequitas
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Aequitas, Christian Mohr
Christian Mohr

Aequitas


Roman

Bewertung:
(1035)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
7663
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen


Die Reise zur Hallig



Es ist Anfang November in der kleinen beschaulichen alten


Hafenstadt Husum, wie es so üblich ist um die Jahreszeit,


sehr vernebelt, regnerisch und es pfeift eine Eiseskälte über


die Nordsee und das Festland. Obwohl das Wetter den Gemütszustand


von Glen Brandt widerspiegeln könnte, war es


mit Sicherheit nicht der Grund für die kurzfristig eingeplante


Reise auf die Hallig. Glen war einfach ausgelaugt, seine


Gedanken schienen sich nicht mehr zu ordnen und er verfiel


immer weiter in eine Depression. Er wollte mit dieser kleinen


Reise wieder Energie tanken, einen Weg finden, die Vergangenheit


irgendwie abzuschütteln oder wenigsten damit leben


zu können.


35 Jahre sollte es dauern, bis Glen seine unzähligen Vermutungen


gegenüber seiner Familie bestätigt bekommen würde,


aber in solch einer Dimension, Brutalität und Verachtung hätte


sogar er sich das nicht vorstellen können.


Glen bewohnte mit seiner Freundin Lusi eine Altbauwohnung


in Husum, diese glänzte nicht gerade mit Wohnkomfort und


durch seine ruhige Lage, war aber der finanziellen Situation


des Paares angepasst. Obwohl das Geld immer sehr knapp


war und der ganz normale Einkauf nicht ohne Taschenrechner


ging, war den beiden immer Liebe und Harmonie wichtig und


zu jederzeit spürbar. Die Reise auf die Hallig war eigentlich


6


finanziell gar nicht machbar, aber Lusi war es ungemein wichtig,


dass Glen mal abschalten sollte und hatte daher einige


Euro beiseitegelegt.


„Na mein Schatz", sagte Lusi, legte ihren Arm um Glen und


versuchte, seinem starren Blick aus dem Fenster zu folgen. Er


zuckte mit der Schulter, drückte ihre Hand und verfolgte weiterhin


die großen Windkraftanlagen, die in weiter Ferne ihre


Arbeit verrichteten. Glen drehte sich um und küsste Lusi auf


die Stirn. „Danke mein, Schatz, dass du immer so für mich


da bist", sagte er und umarmte sie. „Bei allem, was wir erlebt


haben?! Ist das ein Wunder?!", erwiderte Lusi, nahm seine


Hand und führte ihn in Richtung Küche. „Trinken wir noch


einen Tee, bevor du den Bus zum Ableger nimmst?", fragte


Lusi. „Na, klar. Die Zeit habe ich noch", erwiderte Glen, setzte


sich an den wackeligen, kleinen Küchentisch und zündete


sich eine Zigarette an. „Bitte nutze die Zeit und genieße die


Tage auf der Hallig", seufzte Lusi und stellte zwei Becher Tee


auf den Tisch. „Alles, was vorgefallen und passiert ist, dafür


können wir beide nichts", sagte Lusi. „Ich weiß, mein Schatz


und wir schaffen das alles", redete Glen vor sich hin und runzelte


mit der Stirn.


Glen hatte diese Worte schon häufig gesagt, glaubte auch an


diese, aber es war schwer.


„Ich habe dir Prince Zigaretten eingepackt und 50 Euro ins


Portmonee gelegt", sagte Lusi. Glen konnte in ihren Augen


sehen, wie sehr sie ihm eine Freude machen wollte. Er umarmte


sie zärtlich, weil er ganz genau wusste, dass alleine


seine Lieblingszigaretten ein Riesenloch in die Haushalts7


kasse reißen würden. „Ich möchte, dass du dich erholst und


nicht mit Zigarettenstopfen beschäftigst bist", erklärte Lusi


lächelnd.


Glen nahm seinen Rucksack, verabschiedete sich von Lusi


und machte sich langsam auf den Weg zur Busstation. Die


Busfahrt zum Ableger und die Überfahrt mit der Fähre auf die


Hallig war für Glen eine alte Routine. Seine halbe Kindheit


hatte er dort bei seinem Onkel Peter verbracht und kannte die


Hallig wie auch die Bewohner sehr gut. Glen hatte Zimmermann


gelernt und war auch viele Jahre auf dem Bau, bis zu


dem Tag, als sein Rücken nicht mehr konnte. Seinem Onkel


hatte er auf der Hallig erst kurz vor seiner Berufsunfähigkeit


sein 250 Quadratmeter großes Haus aufgebaut, von der


Schwelle bis zur letzten Pfanne. Glen hatte kurz vor seiner


Abreise seinen Onkel über seinen Besuch in Kenntnis gesetzt


und hatte ihn um Stillschweigen und ein kleines Zimmer auf


der Westerwarft gebeten. Es war außerhalb der Saison und


somit auch kein Problem. Gerade die Westerwarft war wegen


der Selbstversorgung auch nicht gerade immer gefragt bei


den Touristen und somit stand seiner geplanten Ruhe wohl


nichts im Wege. Sein Onkel freute sich über Glens Besuch,


obwohl er um die ganzen Schwierigkeiten in der Familie


wusste. Um das Stillschweigen hätte Glen ihn auch nicht bitten


müssen, er hätte es auch von sich aus gemacht, um nicht


auch in den Sog der Familienrache zu gelangen. Peter sagte


immer wieder zu Glen, er sei nicht das schwarze Schaf in der


Familie, sondern er werde immer wieder zu einem gemacht.


8


Bei ihrem letzten Treffen hatte er gesagt: „Du hinterfragst fast


jede Thematik und siehst immer beide Seiten der Medaille.


Leute wie du sind im Allgemeinen nicht gern gesehen, die


der Wahrheit nicht nur zu nahe kommen, sondern auch unparteiisch


bleiben. Du bist eben das Ebenbild deines gehassten


alkoholkranken Vaters, du bist es seit Geburt an und wirst es


auch immer bleiben. Dieses traurige Bild wurde schon vor


etlichen Jahren immer wieder von deiner Mutter und deinem


Bruder in die Familie injiziert. Nach so langer Zeit hast du


es nur erkannt und somit die Konsequenzen gezogen. Liebe,


Aufmerksamkeit und die Geborgenheit sind Dinge, die dein


Bruder erhalten hat, nicht du. Zudem wurdest du auch immer


gefährlicher, deine Charaktereigenschaften und deinen Hang


zur Wahrheitsfindung können notorische Lügner einfach nicht


gebrauchen und so was muss umgehend aus dem alltäglichen


Leben entfernt werden!" Diese Worte gingen Glen runter wie


Öl, aber es waren eben nur Worte und es folgten nie Taten. Es


setzte sich außer Lusi eben keiner für ihn ein, jetzt nicht und


im späteren Dasein auch nicht! Das war für Glen, gerade bei


Onkel Peter, immer sehr schwer nachvollziehbar. In seinen


Augen war Peter ein gestandener Mann, hatte viel Geld und


shohes Ansehen. Er könnte sich behaupten, tat es aber nie.


Hatte Glens Tante Peter doch mehr unter Kontrolle, als man


augenscheinlich erahnen könnte? Oder war Onkel Peter auch


nur ein ahnungsloser Mitläufer, der einen nach dem Mund


redete? Peter hatte Glen noch angeboten, ihn vom Anleger


abzuholen, aber Glen wollte diese kleine Strecke zur Westerwarft


lieber laufen.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs