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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Acht Sinne - Band 5 der Gefühle, Rose Snow
Rose Snow

Acht Sinne - Band 5 der Gefühle



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KAPITEL 1


 


„Ich hasse dieses Land“, knurrte Ben und stieß das schmiedeeiserne Tor mit den scharfkantigen Zaunspitzen auf.


Seine zerrissene Gesichtszeichnung begann schwarz zu glimmen und ich sah, wie sich seine Muskeln, die sich unter der schwarzen Kutte der Bruderschaft abzeichneten, anspannten.


Mit einer fließenden Bewegung legte er seine Kapuze ab, während sich seine dunklen Augen auf das konzentrierten, was beinahe zu friedlich hinter dem Eingang lag.


 Mir war bewusst, dass Bens Ekel die unterschwellige Furcht, die uns seit der Ankunft am violetten Portal nicht von der Seite gewichen war, übermannt hatte.


Ich atmete auf, als auch mein gelbes Wachsamkeitslicht durch die Dunkelheit schnitt und ich nicht mehr damit beschäftigt war, mir auszumalen, was jetzt alles passieren könnte. Thaya hingegen schien den Sinn der Angst noch immer zu fühlen, denn ihr dünner Körper zitterte lautlos neben mir.


Ich blickte nach vorne. Das zweiflügelige Eisentor wurde von zwei grauen, mannshohen Mauersäulen flankiert, auf denen kopfgroße Lichtkugeln lagen. Ihr kalter violetter Schein erhellte die wolkenverhangene Nacht und gab den Blick auf den weitläufigen Park frei, der hinter dem Eingang und der dichten Hecke ruhte.


„Wir sind gerade erst im Park der Besorgnis angekommen“, sagte Thaya seufzend und ich bewunderte, wie sie sich trotz des fremden Sinnes unter Kontrolle hielt. „Wie kannst du das Land jetzt schon hassen?“


„Er kann es, glaub mir“, sagte ich und hoffte, dass uns unsere heutige Mission endlich zu dem grünen Buch der Macht führen würde. Auch wenn es unwahrscheinlich war.


„Ist das Blut auf den Blättern der Hecke?“, fragte Thaya mit geweiteten Augen und zuckte zurück. Ich betrachtete die verdorrten violetten Blätter, die träge an den Zweigen hingen. Tatsächlich funkelten sie an manchen Stellen leicht rötlich.


„Wir sollten uns davon nicht irritieren lassen“, sagte ich ruhig. „Das violette Land ist sicher für einige furchtbare Überraschungen gut.“


„Das ist es garantiert“, stimmte Ben trocken zu.


„Bevor wir diesen Park betreten habe ich noch eine Frage“, sagte Thaya leise und strich sich über ihre schwarze Kutte. „Sind wir sicher, dass es der richtige Weg ist? Wir hätten doch auch direkt ins Erstaunensland reisen können.“


„Laut Simeon ist es der einzige Weg“, antwortete ich. „Zumindest der einzige, bei dem wir nicht getötet oder gefangen genommen werden. Die Minen der Edelgrünsteine werden gut bewacht.“


„Aber warum müssen wir dafür ausgerechnet durchs Angstland?“, murrte Ben und betrat lustlos die Anlage, deren Grünflächen von verschiedenen Laubbäumen gesäumt wurden, sodass man stellenweise den Eindruck hatte, sich durch einen Wald zu bewegen. Violette, herzförmige Blätter segelten langsam vor uns auf den Boden, so als würden sich ihre Bäume gemächlich entkleiden.


„Laut Kompass müssen wir in die Minen der Edelgrünsteine, die jedoch über hohe Sicherheitsvorkehrungen verfügen und deren Aufenthaltsort sich regelmäßig ändert. Von Simeons Quellen wissen wir, dass sich die Minen aktuell an der Grenze zum Angstland befinden. Von hier aus sollten wir leichteren Zutritt erhalten“, erklärte ich.


„Von Simeons Quellen?“, fragte Ben und zog eine Augenbraue hoch. „Findest du es nicht seltsam, dass er Quellen hat, uns aber nie auf eine Mission begleitet?“ Der missbilligende Unterton in seiner Stimme verriet, dass er dem Magiebegabten noch immer nicht vertraute.


Aber Simeon hatte sich verändert. Er hatte sich weiterentwickelt. Als Mitglied des Kreises der Auserwählten hatte er nicht nur an neuen Erfindungen getüftelt, er hatte auch die Schriftrollen, die uns Casimir und Quirin überlassen hatten, studiert. Ich hatte sogar den Eindruck gewonnen, dass zwischen ihm und Edomir ein stiller Konkurrenzkampf darüber ausgebrochen war, wer mehr Wissen über die Bücher und ihren letzten Aufenthaltsort ansammeln konnte und wer das Team besser unterstützte.


Denn während sich alle anderen auf die Suche nach den Büchern der Macht in die acht Länder begaben und jedem noch so kleinen Hinweis folgten, zogen es Simeon und Edomir vor, in den Räumlichkeiten der Bruderschaft zu verweilen. Und eigentlich war ich mir nicht sicher, ob es so nicht auch besser für alle Beteiligten war.


„Simeon konzentriert sich auf seine Erfindungen – und du musst zugeben, dass er sehr engagiert ist“, beantwortete ich Bens Frage und dachte an die Gegenstände, die Simeon uns übergeben hatte. Thaya hatte eine goldene Münze, Ben ein daumengroßes schwarzes Messer und ich eine weiße Lichtmurmel erhalten. Gut, es war nicht viel und ich wusste auch nicht, ob wir die Dinge benutzen würden - aber tief in seinem Herzen versuchte Simeon, uns zu helfen und von Nutzen zu sein.


Ben sah mich ungläubig an. „Glaubst du wirklich, dass ich mein kleines Messer zu unserem Schutz einsetzen kann?“ Er strich mir sanft über die Schulter. „Es ist für meine Verhältnisse doch wirklich sehr, sehr klein“, sagte er mit rauer Stimme und lächelte. „Aber es ist süß, wie du Simeon in Schutz nimmst.“


„Mache ich gar nicht“, sagte ich, weil ich mich von Ben ertappt fühlte und nicht als süß bezeichnet werden wollte. „Ich bin nur objektiv.“


„Ah, objektiv … So nennt man das heute“, bemerkte Ben amüsiert und drehte sich zu Thaya um. „Verrät uns der Kompass, wo wir hinmüssen?“


Thaya wog das Instrument in ihrer Hand. „Er ändert schon wieder seine Inschrift“, sagte sie, während ich das zweiflügelige Tor hinter uns schloss.


 „Ihr nähert euch eurem Ziel“, las sie vor. Ich atmete tief ein. Das war ein Satz, den wir die letzten Wochen schon oft gehört hatten. 


Als wir den Kompass gefunden hatten, sah er alt und abgenutzt aus. Sein Glas war in der Mitte gesprungen und das Metallgehäuse war dunkel angelaufen; aber seit wir seinen Anweisungen folgten, hatte er begonnen, sich zu regenerieren. Der Glassprung heilte wie von Zauberhand und das Gehäuse des Instruments begann wieder zu glänzen. Und damit nicht genug: Der Kompass veränderte seine schnörkelige Inschrift nach Belieben und gab uns zusätzliche Hinweise. Ich war beeindruckt von der Magie, die ihm innewohnte, aber auch genervt.


Denn der Kompass, der uns die letzten Wochen quer durch die Länder geschickt hatte, hatte uns bislang nicht zu dem grünen Buch der Macht geführt. Wir hatten uns durch tiefe Täler und Kluften, über Berge und durch Wasserfälle gekämpft, nur um insgesamt fünf silberne Schatullen sicherzustellen. Fünf Schatullen, von denen wir keine Ahnung hatten, was man mit ihnen anstellen konnte. Selbst Simeon und Edomir verzweifelten an dem Rätsel. Und der Kompass schickte uns immer weiter.


„Wir müssen da lang“, sagte Thaya und steckte den Kompass in ihre Kutte. Aus irgendeinem Grund reagierte das Instrument am stärksten auf die Trauerträgerin; es war, als hätten sie eine Verbindung zueinander aufgebaut.


Ich betrachtete die zierliche Thaya mit ihren dunkelblauen Augen und den langen Haaren für einen Moment. Seit Gründung des Kreises der Auserwählten kam ich nicht umhin, mich zu fragen, was es mit ihrer Erinnerung aus dem gemeinschaftlichen Trauerritual auf sich hatte. Obwohl sie eine Naturverbundene war, hatten die schwarzen Lianen einer Pflanze nach ihr geschnappt. Ihre Reaktion darauf war mehr als seltsam gewesen, und wenn ich ehrlich war, traute ich Thaya seitdem nicht mehr ganz. Deshalb war ich auch froh, dass die Bruderschaft darauf bestand, immer zumindest drei Auserwählte auf eine Mission zu schicken, aus Gründen der Sicherheit. Die kühle Nachtluft strich über mein Gesicht, während wir durch den Park schritten. Das violette Laub raschelte unter unseren Füßen und ein seltsames Gefühl beschlich mich. Was erwartete uns hier? Der Park der Besorgnis wirkte auf den ersten Moment verlassen und düster, aber nicht besonders furchterregend.


Thaya deutete auf eine schmale Waldallee, die leicht vom Weg abzweigte. „Das hier sollte die richtige Richtung sein“, flüsterte sie und knetete ihre Finger. „Es sieht gar nicht so schlimm aus.“


„Das kommt noch“, meinte Ben und ich schlug ihm auf die Schulter.


„Mach ihr keine Angst“, sagte ich.


„Ich habe seltsamerweise keine Angst“, meinte Thaya. „Ich friere zwar etwas und wäre gerne an einem schöneren Ort, aber wir sind nun mal ein Teil der Bruderschaft geworden. Wir haben keine andere Wahl. Ich will es nur so schnell wie möglich hinter mich bringen.“


„Das wollen wir alle“, erwiderte Ben und ließ seine dunklen Augen über den Waldweg schweifen. Er sah wie immer einfach umwerfend aus mit seinen verstrubbelten Haaren, die ihm wild in die Stirn hingen, und diesem Ausdruck von Widerwillen in seinem Gesicht. Er lächelte mich an. „Also – los geht’s.“ Er machte eine kurze Pause. „Wieder stürmisch und schnell, Wächterin?“, fragte er herausfordernd.


„Lieber langsam und vorsichtig“, antwortete ich und legte meine Hand automatisch auf meinen Wächterstab. Still und wachsam schritten wir die Waldallee entlang, während die einzigen Geräusche vom Rascheln der Blätter unter unseren Füßen rührten. Es war ruhig. Es war eindeutig zu ruhig.


Eine Bewegung am Boden ließ mich zusammenzucken. War da etwas unter dem Laub?


„Da ist etwas!“, schrie Thaya. „Da, am Boden! Es hat meinen Fuß berührt!“


Ich fixierte den Untergrund, der jetzt wieder ganz still vor uns lag.


„Das Land spielt dir wahrscheinlich einen Streich“, meinte Ben beruhigend.


 Ich nickte. „Seid trotzdem vorsichtig“, erwiderte ich. „Wir wissen nicht, was –“


In dem Moment schrie Thaya durchdringend und ich erkannte aus den Augenwinkeln, wie ihr Körper nach unten gezogen wurde.


„Wo ist sie hin?“, rief Ben und stockte, als er das Erdloch erblickte, das an der Stelle klaffte, an der Thaya eben noch gestanden hatte. Ich sah Thayas zarte Finger, die sich am Erdrand festkrallten, und stürzte zu ihr. Die Trauerträgerin baumelte mit schreckgeweiteten Augen über einem schwarzen Abgrund und war so bleich wie der Tod. Ben und ich griffen nach ihren Armen und zogen sie zu uns hinauf.


Thayas Atem ging schnell und heftig.


„Alles okay?“, fragte ich.


„Ich glaube schon“, flüsterte sie mit bebender Stimme.


„Was war das denn?“, fragte ich und sah mich um. War die Bewegung im Laub dafür verantwortlich gewesen?


„Es ist das Land“, erklärte Ben. „Es möchte uns Angst machen. Und es ist dieser beschissene Park, der mit uns spielt.“


Bevor er die Worte zu Ende gesprochen hatte, wurde es schlagartig so hell, dass ich nichts mehr sehen konnte. Ein tiefer, markerschütternder Schrei schallte durch den Park und ließ die Erde erzittern.


„Ben!“, schrie ich, während mir das gleißende Licht in die Augen stach. Ich hob schützend die Arme.


„Ich bin hier, alles okay!“, schrie Ben zurück.


„Thaya?“


„Ich sehe nichts“, rief Thaya. „Ich kann nichts mehr sehen!“


Einen Herzschlag später war die Helligkeit auch schon wieder verschwunden und meine Augen brauchten etwas Zeit, um sich wieder an die Dunkelheit der Nacht zu gewöhnen. Wir standen noch immer an derselben Stelle, doch das Erdloch war verschwunden – dafür huschten violette Schemen durch mein Sichtfeld.


„Seht ihr das auch?“, fragte Thaya und versuchte, mit ihrer Hand nach etwas zu greifen.


„Das sind die Auswirkungen des blendenden Lichts“, sagte ich. „Es ist nicht real. Aber es soll uns wahrscheinlich verwirren.“


„Habe ich schon erwähnt, dass ich dieses Land hasse?“, ätzte Ben und rieb sich über die Augen.


„Kommt, lasst uns weitergehen“, sagte ich und versuchte, meinen Puls zu beruhigen. „Je schneller wir im grünen Land sind, desto besser.“


„Da bin ich mir nicht so sicher“, erwiderte Ben. „Aber wir müssen definitiv raus aus diesem verdammten Park.“


 


Mit forschem Schritt folgten wir einem Weg, der von hohen Laubbäumen gesäumt wurde. Die Blätter fielen sanft auf unsere Schultern und eine unnatürliche Stille schlug uns entgegen. Nicht einmal das Laub unter unseren Füßen raschelte mehr. Ich stockte. Die violetten Schemen verschwanden langsam, doch als ich die Augen zusammenkniff, konnte ich am Ende der Allee die dunklen Umrisse einer Person wahrnehmen.


„Seht ihr das auch?“, fragte ich. Die schattenhafte Gestalt stand mindestens achtzehn Meter entfernt mitten auf unserem Weg.


Ben nickte.


„Den Schatten?“, fragte Thaya zögerlich.


„Es ist kein Schatten“, sagte ich. „Es hat einen Körper.“


Mit einer Geschwindigkeit, der ich mit den Augen nicht folgen konnte, war die dunkle Gestalt auf einmal bei uns und der begleitende Luftzug wirbelte meine Haare in die Höhe.


„Er hat nicht irgendeinen Körper“, sagte der Sinnträger, der vor uns aus dem Nichts aufgetaucht war, mit tiefer Stimme. „Er hat den besten Körper.“ Dabei machte er eine tiefe Verbeugung und ich fragte mich, wieso mir seine Stimme so bekannt vorkam.


Meine Hand lag ruhig auf meinem Wächterstab, während ich den Typen vor uns musterte. Es war ein junger Träger des violetten Sinnes mit blonden Haaren, die wie Gold glänzten. Seine Gesichtszüge waren ebenmäßig, seine Haut war blass und bildete einen starken Kontrast zu seinen blutroten Lippen. Der Sinnträger trug eine enganliegende violette Hose aus einem samtähnlichen Material und kein Oberteil. Sein Oberkörper war außerordentlich gut trainiert und bei jeder seiner Bewegungen spannten sich seine Bauchmuskeln an. Thaya seufzte leise.


„Ich bin Viktor, der Parkwächter“, stellte er sich galant vor. „Willkommen in meinem Park, dem Park der Besorgnis. Er sorgt garantiert für eine schöne Erinnerung in euren adretten Köpfen.“ Ein Lächeln umspielte seinen Mund. „Was wollt ihr zu so später Stunde in meinem Park?“


„In deinem Park?“, fragte ich.


„Nun ja, seit man ihn mir anvertraut hat, ist es mein Park, obwohl er auch lichten Schabernack mit mir treibt. Aber alles, was du hier siehst“, er lächelte sanft, „und alles, was du hier nicht siehst, gehört mir.“


Ich betrachtete Viktor skeptisch, als ich das Krächzen von Vögeln vernahm. Sie kreisten über unseren Köpfen im dunklen Nachthimmel, dessen Wolken sich zurückgezogen hatten und den Blick auf den blauen Mond freigaben. Das Gefieder der Tiere schimmerte im Licht des Mondes bläulich, und obwohl sie nicht besonders groß waren, jagten mir ihre Schreie und der Anblick ihrer hakenförmigen Schnäbel einen Schauer über den Rücken.


„Was sind das für Kreaturen?“, fragte Thaya, die den Kopf in den Nacken gelegt hatte.


„Das sind Angstgeier“, erklärte Viktor zuvorkommend und zog die Luft ein. „Anmutig, nicht wahr?“


„Was wollen sie?“, stieß Thaya aus und schlang ihre zitternden Hände um ihren Körper.


„Sich an unserer Angst nähren“, sagte Ben, der nicht nach oben sah, sondern Viktor abfällig betrachtete. Ich wusste nicht, ob es an dem fehlenden Oberteil oder seiner allgemeinen Skepsis lag, aber Bens dunkle, zerrissene Linien glommen schwarz auf. Und ich konnte es ihm nicht verübeln, denn auch ich wusste nicht, was ich von dem Parkwächter halten sollte.


„Sie nähren sich nicht von Angst“, sagte Viktor und zog einen kleinen silbernen Klappspiegel heraus. „Es sind Aasfresser. Sie ernähren sich von den Leichen.“


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