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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Acht Sinne - Band 4 der Gefühle, Rose Snow
Rose Snow

Acht Sinne - Band 4 der Gefühle



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Der Abendhimmel leuchtete in einem flammenden Orange, als wir nebeneinander aus dem magischen Portal ins Land der Freude traten. Es war mein erster Besuch hier und ich sog überrascht die klare Luft ein, die nach gar nichts roch. 


„Sind wir … sind wir hier richtig?“, fragte ich Ben und sah mich skeptisch um.


„Yep“, erwiderte er trocken. „Willkommen im Land der Freude.“ Er machte eine einladende Handbewegung.


Vor uns erstreckte sich eine karge Ebene, so weit das Auge reichte. Der Boden bestand aus einem völlig glatten dunkelgrauen Material und der Himmel wurde von der untergehenden Sonne in ein kräftiges Orange getaucht. Doch es gab keine Landschaft. Keine Berge, keine Flüsse, keine Pflanzen, nicht einmal Steine lagen hier herum. Nur eine endlose graue Fläche unter einem endlosen orangefarbenen Himmel.


„Ich hatte es mir irgendwie anders vorgestellt“, gestand ich, während ich Ben folgte, der mit selbstbewussten Schritten scheinbar wahllos in eine Richtung losmarschierte.


„Mit Blumenwiese und Schmetterlingen und so?“, fragte Ben über die Schulter und ich sah, wie sein Mundwinkel zuckte.


„Zumindest mit irgendeiner Form von Landschaft“, erwiderte ich und blickte mich um. Das magische Portal, das aus demselben Material wie der Boden zu bestehen schien, stand noch da. In einem kurzen Anflug von Panik hatte ich befürchtet, dass es verschwunden sein könnte, sobald ich es aus den Augen ließ.


„Entspann dich“, sagte Ben und deutete auf meine Hand. „Du kannst deinen Wächterstab loslassen.“


Mit einem Seufzen nahm ich meine Hand vom Stab. Unwillkürlich hatten sich meine Finger bei jedem Schritt fester darum geschlossen und ich bewunderte Ben, dass er sich in dieser Einöde orientieren konnte. „Woher weißt du, wohin du gehen musst?“, fragte ich und schloss zu ihm auf.


„Es ist egal, wohin wir gehen“, sagte Ben. „Das Land will uns eine Freude machen. Wir werden auf alle Fälle rechtzeitig da sein.“


„Das Land will uns eine Freude machen?“, wiederholte ich zweifelnd. „Scheint nicht allzu gut darin zu sein. Mir macht es bisher keine Freude.“


Ben grinste. „Du musst dir nur etwas wünschen.“


Noch bevor ich ihn fragen konnte, wie er das meinte, lief ein Zittern durch die graue Ebene und ein verwitterter Steinbrunnen schoss aus dem Boden.


„Was ist das – oh“, sagte ich, als mir meine geschenkten Erinnerungen die Lösung präsentierten. „Ein Wunschbrunnen.“


Ben nickte. „Du musst daraus trinken.“


Ich blickte ihn zweifelnd an. „Hast du das schon mal gemacht?“


Er zog eine Augenbraue hoch. „Notgedrungen“, murmelte er.


Ich lächelte und lehnte mich über den gemauerten Brunnenrand. Der Schacht reichte so tief in die Erde, dass ich den Grund nicht sehen konnte. Dennoch stieg mir der Geruch von köstlich klarem Wasser in die Nase und ich zog an der Kette, die über einen Seilzug in die Tiefe führte. Quietschend schoss ein Eimer in die Höhe, der mit dem funkelnden Nass gefüllt war, und stoppte genau vor unserer Nase. Obwohl ich zu Hause etwas getrunken hatte, verspürte ich plötzlich einen unbeschreiblichen Durst und griff nach der Kelle, die auf den Steinen bereitlag.


Ben verschränkte die Arme und lehnte sich lässig gegen den gemauerten Brunnen, als ich die Kelle in das klare Wasser tauchte.


„Erinnerst du dich an das Märchen ‚Brüderchen und Schwesterchen‘ aus der anderen Welt?“, fragte ich unvermittelt und hielt mitten in der Bewegung inne.


„Es wundert mich, dass du keine Reisende geworden bist, mit all deinem unnützen Wissen von früher“, neckte mich Ben und sah mir zärtlich in die Augen.


„In dem Märchen gab es auch verzauberte Brunnen und wer daraus trank, verwandelte sich in ein Tier“, fuhr ich unbeirrt fort. Er griff mit einem trägen Lächeln nach meiner Hand und zog mich an sich.


„Unglaublich, Wächterin“, flüsterte er in mein Haar. „Du hast kein Problem damit, dich auf einen Drachen zu schwingen und unseren Feinden hinterherzujagen, aber wenn es darum geht, sich etwas zu wünschen, machst du einen Rückzieher?“


Ich spürte seinen Atem auf mir und schloss für einen Moment die Augen. Ich hatte tatsächlich Angst, aber nicht vor dem Brunnen, sondern vor meinem Wunsch. Ich wünschte mir nichts mehr, als das Ben die Prüfung heil überstand und das machte mir bewusst, dass es auch die Wahrscheinlichkeit gab, dass die Sache anders ausging. „Du hast recht“, sagte ich und löste mich von ihm. Dann atmete ich tief durch, setzte die Kelle an meine Lippen und trank. Die Flüssigkeit rann durch meine Kehle und spülte sowohl meinen Durst als auch alle Ängste mit einem einzigen Schluck fort. Es fühlte sich fantastisch an, besser als ich jemals vermutet hätte, und ich seufzte froh, als sich die warme Gewissheit über mich senkte, dass alles gut werden würde.


„Du musst das probieren“, drängte ich und hielt Ben die Kelle vor die Nase. „Es ist einfach wundervoll!“ Ein glückliches Lächeln huschte über mein Gesicht und ich verspürte das Bedürfnis zu tanzen.


„Du wirkst wie auf Droge“, sagte Ben, nahm die Kelle in die Hand und schnupperte an dem Wasser. „Sicher, dass ich das vor meiner Prüfung trinken soll?“


Ich konnte keine Antwort geben, denn in diesem Moment spürte ich den Sand unter meinen Fußsohlen, der mich sanft kitzelte. Ich lachte glücklich auf und drehte mich einmal im Kreis, während rund um mich die wundervolle Wüste meiner Heimat entstand. Ich erblickte majestätische Sanddünen, die träge über die weiten Ebenen rollten, und sog den Duft von Sonne und Wind tief in meine Lungen.


„Okay“, sagte Ben, während er sich skeptisch umblickte. „Du wünschst dir also Sand. Zeit, hier auch ein bisschen Ekel reinzubringen.“ Er kippte das Brunnenwasser mit einer schnellen Bewegung hinunter und sofort entspannten sich seine Züge. Ich sah, wie ein Riss durch meine Wüste fuhr und Bens Zehen in weicher schwarzer Erde versanken. Hinter ihm verwandelten sich die Dünen in eine Sumpflandschaft mit brackigem Wasser, krummen Bäumen und flatterndem Getier.


„Schon besser“, grinste er. Und in diesem Moment sah er so unbeschwert und glücklich aus, dass ich ihn einfach nur küssen wollte. Ich strahlte ihn an und griff nach seiner Hand. Seine Finger schlossen sich warm und kräftig um meine und er nickte mit dem Kopf in Richtung der untergehenden Sonne. „Komm, Wächterin. Es ist Zeit.“


Ich drückte seine Hand und wir gingen gemeinsam Schritt für Schritt seiner Prüfung entgegen.


 


Es war ein wunderbares Gefühl, durch den weichen Sand zu gehen und den warmen Wüstenwind auf der Haut zu spüren, während Ben neben mir durch die Landschaft seiner Heimat ging. Kein einziges der fliegenden und krabbelnden Ekeltierchen verirrte sich zu mir hinüber. Zwischen unseren Körpern gab es etwas wie eine unsichtbare Grenze, die seine Wunschlandschaft von meiner trennte. Das Bedürfnis, zu hüpfen und zu singen, hatte mit der Zeit nachgelassen, dennoch war ich ein Mal auf seine Seite hinübergesprungen und hatte fasziniert beobachtet, wie meine Füße in weichem Sand gelandet waren. Er hatte sich daraufhin mit einem schiefen Grinsen Fledi herbeigewünscht, der sich genau vor meinem Gesicht materialisierte, und als ich beim Anblick des Ekelsaugers einen spitzen Schrei ausstieß, hörte ich Ben zum ersten Mal seit langer Zeit wieder aus vollem Herzen lachen.


Das war der Moment gewesen, als die Himmelskuppel vor unseren Augen erschien. Es war ein großes, leuchtend schwarzes Gebäude in Form einer Kugel, die plötzlich einfach mitten in der Landschaft stand, als wäre sie schon immer da gewesen.


Ben und ich wechselten einen kurzen Blick und gingen weiter. Als wir uns der Himmelskuppel näherten, konnte ich nun auch einige Sinnträger erkennen, die sich davor versammelt hatten. Es war das erste Mal, das wir im Freudeland anderen Bewohnern der sinnlichen Welt begegneten, und ich fragte mich, ob wir bisher einfach deshalb niemanden gesehen hatten, weil das Land wusste, dass Ben und ich Zeit für uns gebraucht hatten.


 Ben verlangsamte unwillkürlich seine Schritte und ich drückte seine Hand. Die Wirkung des glücklich machenden Wunschwassers hatte nachgelassen und ich hätte ihm gerne etwas Tröstendes gesagt, hielt mich aber zurück, da ich spürte, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt war. Ben war schließlich kein kleines Kind mehr und ich erinnerte mich noch genau an meine eigenen Gefühle vor meiner Prüfung. Es war eine Situation, die jeder allein meistern musste.


Eine Weile standen wir einfach nur da und sahen den anderen zu. Vor der gigantischen Himmelskuppel reihten sich verschiedene erwünschte Landschaftsinseln nahtlos aneinander. Bis auf Jaron, neben dem ein Brunnen mit flüssiger Schokolade aus dem Boden gewachsen war, kannte ich niemanden. Direkt neben dem Schokobrunnen lagen ein paar Erstaunensträger an einem Sandstrand und schlürften Cocktails, während ein schmales Stückchen Türkisgrünmeer ihre Füße umspülte.


Ben stand ganz ruhig da und ich sah ihn an. Seine Augen wirkten noch dunkler als sonst.


„Langsam und vorsichtig oder schnell und stürmisch?“, fragte ich leise.


„Egal. Hauptsache irgendwie“, gab er zur Antwort und es klang so resignierend, dass ich seinen Kopf zu mir herunterzog und ihn küsste.


In diesem Moment ging die Sonne unter und gleichzeitig öffnete sich ein funkelnder Mondlichttunnel vor uns in der Luft. Das schwarz leuchtende Loch dehnte sich mit einem magischen Knistern immer weiter aus und spuckte schließlich eine Reisende mit langen, hellblonden Haaren aus, die kräftig mit ihren Flügeln schlug, bevor sie elegant in der schwarzen Erde landete. Sie trug einen hautengen schwarzen Anzug und eine feine, schwarze Gesichtszeichnung, die sich verführerisch um ihr katzenhaft geschminktes rechtes Auge schlang. Nachdem ihr Mondlichttunnel verschwunden war, lösten sich ihre Flügel in schwarzem Rauch auf und sie blickte uns aus schmalen Augen an.


„Sorry. Hab euch wohl bei etwas gestört“, hauchte sie mit rauchiger Stimme und ich rückte unwillkürlich von Ben ab, obwohl ich mich am liebsten vor ihn geschoben hätte. Der Blick, mit dem sie ihn betrachtete, gefiel mir überhaupt nicht.





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