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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Acht Sinne - Band 1 der Gefühle, Rose Snow
Rose Snow

Acht Sinne - Band 1 der Gefühle



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Zumindest eins war sicher: Ich war tot.


Dieses Wissen war mir geblieben, sonst nicht viel. Mein Kopf war leer und ich wusste nicht, was als nächstes mit mir passieren würde, ich wusste nur, dass ich noch immer existierte. 


Mit einer kräftigen Kontraktion setzte sich mein Herz in Gang. Die Wucht dieses ersten Schlages drückte schmerzhaft gegen meine Rippen und ich fühlte den Impuls, tief einzuatmen. Mein Oberkörper schnellte nach oben und ich schnappte gierig nach Luft, bevor ich die Augen aufriss. Der Sauerstoff drang tief in meine Lungen und mein Brustkorb hob und senkte sich schnell, als ich versuchte, endlich wieder zu denken. 


 


Wo war ich? 


 


Mein ganzer Körper zitterte, als ich mich umblickte und mein Herz aufgeregt schlagen hörte. Obwohl es ziemlich dunkel war, erkannte ich die Umrisse einer kreisrunden Höhle. Die glatten Wände waren von glitzernden gelben Adern durchzogen und ich tastete mit meinen Fingern vorsichtig über die Kanten des Untergrundes, auf dem ich mich befand. Es musste sich um eine Art Felsquader handeln. Er gab eine angenehme Wärme ab, die wahrscheinlich beruhigend wirken sollte, mich jedoch nicht erreichte.


Mich. Ich. … Wer war ich? 


Meine langen Haare fielen über meine nackte Haut und ich fuhr mir durch die seidigen Strähnen. Die glitzernden Wände spendeten zu wenig Licht, um den genauen Farbton zu bestimmen, ich erkannte nur, dass sie dunkel waren. Aufmerksam wanderte mein Blick weiter über meinen neuen Körper, der sich irgendwie fremd und eigenartig anfühlte. 


Ich war eine Frau mit langen schlanken Beinen und einem flachen Bauch. Vorsichtig tastete ich in mein Gesicht und versuchte mir vorzustellen, wie ich aussah. Meine Nase war schmal, meine Lippen geschwungen und meine Haut fühlte sich glatt und seidig an. 


In meinem Kopf war kein Name zu finden, nichts. Alles war wie weggefegt; ich war als Erwachsene neu geboren und ohne Erinnerung, aber mit dem Wissen, einmal gelebt zu haben. Mit dem Wissen, als Mensch existiert zu haben und dem Wissen, in einer anderen Welt als dieser existiert zu haben. Nichts aus meinem alten Leben war mir nach meinem Tod geblieben, nur das Bild der blauen Augen eines Mannes, die mich voller Angst und Verzweiflung angesehen hatten – kurz bevor ich meine Augen für immer schloss. 


Was war geschehen? 


Ich versuchte, diesen letzten Erinnerungsfetzen an mein früheres Leben festzuhalten, ihn zu verstehen und in Zusammenhang zu bringen. Doch schon beim nächsten Herzschlag entglitt er mir und ließ nichts als Dunkelheit zurück.


Aufgewühlt blieb ich auf dem Felsquader sitzen und begann, meine Gedanken zu ordnen und mich selbst zu beruhigen. Ich konzentrierte mich auf den stetigen Klang meines Herzens und besann mich auf meine eigene Kraft. Es half nichts, jetzt den Kopf zu verlieren. 


Ich war tot. 


Und wenn ich in dieser neuen Welt überleben wollte, wenn ich ein Leben nach dem Tod tatsächlich führen wollte, dann musste ich mich jetzt zusammenreißen.


Ich atmete mehrmals tief durch, bis mein Körper aufhörte zu zittern. Die Ungewissheit lag wie ein dumpfer Schatten über mir und fühlte sich noch immer gewaltig und einschüchternd an, doch sie wurde von einem noch stärkeren Gefühl verdrängt: 


Ich musste wachsam sein.


Rasch schwang ich die nackten Beine über die Kante des Felsquaders und stutzte, als meine rechte Gesichtshälfte wärmer wurde und sich ein goldgelbes Licht in der Höhle ausbreitete. Dieses Licht kam von mir. Ich blieb sitzen und berührte langsam meine Wange, die sich angenehm warm anfühlte. Als meine Fingerspitzen meine Haut betasteten, flutete ein wundervolles Gefühl des Angekommenseins durch mich hindurch; es war eine Welle der sorglosen Zufriedenheit und ich wusste plötzlich, dass ich hier richtig war. 


Wachsamkeitsträgerin, gelbe Trägerin, Sinn der Wachsamkeit, schossen mir die Begriffe durch den Kopf, gefolgt von dem starken Impuls, konzentriert zu bleiben, und dann sprang ich von dem Felsquader hinunter.


 


Der Boden unter meinen Füßen fühlte sich glatt an. Auf einem kleinen Steinhocker fand ich einen schlichten gelben Anzug, in den ich rasch hineinschlüpfte. Er passte wie angegossen und ich nahm die Schriftrolle zur Hand, die unter dem Anzug gelegen hatte. Sie war mit einem gelben Siegel verschlossen und als ich es brach, leuchtete mein Wachsamkeitslicht heller auf.



Herzlich willkommen in der Sinnlichen Welt, Lee.



 Du wurdest als Tochter der Wachsamkeit erweckt. Das bedeutet, dass Du den gelben Sinn in Dir trägst. Als Neuerweckte ist es Deine Aufgabe, den Sternensaal zu finden. Dies ist die erste von drei Prüfungen, die Dich als gelbe Trägerin erwarten, bevor Du die Sinnliche Welt erkunden und Deiner Berufung folgen kannst. Welche Berufung die Deine ist, wird Dir im Sternensaal offenbart werden.



Je länger Du Dich in der Sinnlichen Welt bewegst, desto mehr Wissen wird Dir darüber zuteilwerden. Wir nennen dieses Wissen auch „die geschenkten Erinnerungen“. Versuche nicht, sie zu erzwingen – die geschenkten Erinnerungen folgen ihren eigenen Gesetzen und offenbaren sich den einzelnen Sinnträgern unterschiedlich schnell. 


Konzentriere dich nun auf deine erste Aufgabe, denn Dir bleibt nicht viel Zeit.


Wisse außerdem, dass dem Sieger über alle drei Prüfungen ein magischer Wunsch freisteht.



Viel Glück, Lee, Trägerin der Wachsamkeit – möge Dein wachsamer Geist Dich leiten.


 


Langsam ließ ich das Pergament sinken und versuchte zu verstehen, was mir gerade mitgeteilt worden war. Ich war eine Trägerin der Wachsamkeit, ich befand mich in der Sinnlichen Welt und musste diesen Sternensaal finden, als erste von drei Prüfungen. Konzentriere dich, denn Dir bleibt nicht mehr viel Zeit. Was hatte das zu bedeuten? 


In diesem Augenblick spürte ich ein leichtes Vibrieren unter meinen nackten Füßen und die ganze Höhle erzitterte für einen Moment. Rasch blickte ich mich um. Nur ein Ausgang führte nach draußen, in einen pechschwarzen Tunnel. 


Dir bleibt nicht mehr viel Zeit. 


Angespannt näherte ich mich dem bogenförmigen Durchgang, der von acht identisch aussehenden Steinen umsäumt wurde, die in der Höhlenwand steckten. Bei meinem Näherkommen begannen die Steine rund um den Höhlenausgang, gelb zu glimmen, und ein neuer Begriff drängte in meine Gedanken. Lichtsteine.


Ich berührte einen davon mit den Fingerspitzen. Trotz seiner Helligkeit fühlte er sich angenehm kühl an und ich versuchte, ihn rasch aus der Wand zu lösen, da er sich in der Dunkelheit vor meiner Höhle noch als nützlich erweisen konnte. Doch der Stein war zu fest verankert, also musste ich mich auf das Leuchten meiner rechten Wange verlassen, um den Sternensaal zu finden.


Entschlossen trat ich hinaus in die Finsternis. 


Mein gelbes Wachsamkeitslicht half mir, mich ein wenig zu orientieren. Ich stand in einer Art Korridor, der nach rechts und links in die Dunkelheit verschwand. Ich konnte nur ungefähr eine Armeslänge weit sehen und beschloss, nach rechts zu gehen und der Finsternis durch den schmalen Gang zu folgen. In eine neue Welt, in ein neues Leben, in die Ungewissheit. 


Durch den düsteren Gang zu gehen, einfach einem Impuls folgend, fühlte sich seltsam an, doch ich verspürte keine Angst – nur Wachsamkeit. Mein Geist war klar und ich war entschlossen, Antworten zu finden, als die Erde erneut zu beben begann. Es dauerte genau acht Herzschläge länger als die erste Vibration.


Ein starkes Gefühl der Dringlichkeit erfasste mich und ich beschleunigte meine Schritte, als ich plötzlich ein entferntes Schluchzen hörte. Verzweiflung und Trauer lagen in dem Laut und ich begann automatisch zu laufen, um nachzusehen, woher das Geräusch kam. 


Ich war also nicht allein. 


Natürlich hatte ich nicht angenommen, allein zu sein, aber vielleicht gab es mehrere wie mich, vielleicht war ich nicht als Einzige erweckt worden. Ich lief und lief, doch das Schluchzen war verstummt. 


798 Herzschläge später traf ich auf eine blau erleuchtete Grotte, die beinahe genauso aussah wie meine. Rasch trat ich über die Schwelle und entdeckte im Schein von acht blauen Lichtsteinen einen identischen Felsquader und einen identischen Hocker, auf dem ein Pergament mit einem gebrochenen blauen Siegel lag.


Ich nahm die Schriftrolle zur Hand und überflog die Zeilen:



Herzlich willkommen in der Sinnlichen Welt, Thaya.



 Du wurdest als Tochter der Trauer erweckt. Das bedeutet, dass Du den blauen Sinn in Dir trägst. Als Neuerweckte ist es Deine Aufgabe, den Sternensaal zu finden. Dies ist die erste von drei Prüfungen, die Dich als blaue Trägerin erwarten, bevor Du die Sinnliche Welt erkunden


 


Der Brief wies leichte Spuren von Tränen auf und während ich las, flogen die Gedanken durch meinen Kopf.


Wie viele von uns waren erweckt worden? Wie viele Sinne gab es in dieser neuen Welt? Wenn nicht nur Wachsamkeit, sondern auch Trauer das Wesen eines Trägers bestimmen konnte, waren das Schluchzen und die Tränenspuren zweifelsohne dieser Thaya zuzuordnen. 


Aber wo war sie jetzt? War sie schon auf dem Weg zum Sternensaal, hatte sie ihn vielleicht schon gefunden? 


Ich starrte auf das Stück Pergament in meiner Hand, versuchte, irgendeinen Hinweis auf den Verbleib des Sternensaals herauszulesen, als die Erde unter mir wieder zu beben anfing. Die Vibration rauschte durch meinen Körper, nicht nur die Intervalle wurden kürzer, auch die Erschütterung wurde stärker.


„Willst du das etwa auswendig lernen?“, fragte eine abfällige Stimme hinter mir. Sie war tief, sie war männlich und sie gehörte definitiv nicht zu dieser Thaya.


Ich drehte mich um und ließ die Pergamentrolle langsam zurück auf den Hocker gleiten. Am Eingang lehnte ein attraktiver Typ mit einem Dreitagebart und zerzaustem dunklem Haar. Der Ausdruck in seinem Gesicht war emotionslos und ich konnte leise seinen Herzschlag vernehmen, der ruhig und gleichmäßig klang. 


„Wer bist du?“, fragte ich.


„Wer ich bin?“, wiederholte er abschätzig und die schwarze Zeichnung in seinem Gesicht begann, sanft zu glimmen. Es war ein dunkles Licht, das düster und gefährlich wirkte und dem Typen etwas Geheimnisvolles verlieh. Gesichtszeichnung hallte es durch meinen Kopf, wir haben alle Gesichtszeichnungen und ihre Farben verdeutlichen unseren Sinn.


Der Typ stieß sich lässig von der Wand ab. „Siehst du denn nicht, wer ich bin?“


„Soweit ich sehe, trägst du deinen Namen nicht auf der Stirn geschrieben“, antwortete ich kühl, weil mich seine überhebliche Art abstieß. 


„Aber meinen Sinn wirst du wohl erkennen. Rate mal“, sagte er rau und verschränkte die Arme vor der Brust. „Schwarz ... sexy ...“


„Arrogant“, warf ich ein.


„Arroganz ist keiner der Acht Sinne“, erklärte der schwarze Träger nüchtern und fuhr sich selbstbewusst über seinen Dreitagebart.


Es waren also acht Sinne? Und woher wusste der selbstgefällige Typ davon? Hatten sich ihm seine geschenkten Erinnerungen schneller erschlossen?


 


„Ach“, ein Lächeln umspielte seinen Mund. „Du wusstest also nicht, dass es acht sind? Trauer, Wut, Ekel, Angst, Vertrauen, Erstaunen, Freude und Wachsamkeit.“ Er sprach die Begriffe langsam aus, dann machte er eine kurze Pause und musterte mich geringschätzig. „Wobei Wachsamkeit heute nicht gerade glänzt.“


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