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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe 7 - Wie es begann, Rose Snow
Rose Snow

7 - Wie es begann


Der Anfang des Spiels

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Spiel mit mir ein Spiel
, sagte die Gedankenleserin und ließ ihre langen schlanken Finger über die knisternden Karten gleiten.


Der junge Mann zauderte. Mit welchem Einsatz?  


Ruhig nahm sie den Kartenstapel zur Hand und begann zu mischen. Leuchtend goldene Funken sprühten aus dem Spiel hervor, um unheilvoll über die Fingerspitzen der Frau zu tanzen. Den Einsatz bestimmen die Karten.


Die Gedankenleserin lächelte. Dein Ziel ist es bloß, zu gewinnen.


 


Eins


 


„Hast du eine Mütze eingepackt?“


Ich atmete tief ein. „Es ist Juli, Dad.“


„Wir sind in Yukon, Phoebe.“


Er bog mit mir auf den kanadischen Forstweg, der von hohen Kiefern gesäumt wurde. Die dichten Zweige der tiefgrünen Bäume drängten gegen das Auto, als ob sie uns den Durchlass versperren wollten. Meinen Segen hatten sie. Ich hatte absolut keinen Bock auf die nächsten Wochen hier.


„In der Nacht fällt die Temperatur auf acht Grad. Die Kälte ist nicht zu unterschätzen.“


„Und wieso drehen wir dann nicht einfach wieder um und nehmen den nächsten Flieger nach Hause?“


Mein trockener Humor erreichte ihn nicht. Dad umfasste das Lenkrad des Mietwagens fester, eine Falte bildete sich auf seiner Stirn.


„Es ist ein Privileg, eine Einladung zu erhalten. Ich hätte einiges für die Chance getan, die sich dir hier bietet, Phoebe.“


„Ich werde total abkacken, Dad.“


„Wirst du nicht.“


„Ich bin ein Mischling. Und ich habe noch keinen einzigen richtigen Gedanken gelesen. Das Einzige, was bei mir ankommt, sind kurze Bilder.“


„Das ist doch schon ein Anfang.“


Seufzend verschränkte ich die Finger in meinem Schoß. Inzwischen dauerte dieser Zustand schon ein halbes Jahr an. Anfangs hatte ich geglaubt, dass sich meine mentalen Kräfte in absehbarer Zeit weiterentwickeln würden – aber ich stand seit Monaten an derselben Stelle. Daran hatten auch die Übungsstunden mit meinem Vater nichts geändert, der felsenfest behauptete, dass ich nur noch ein bisschen Geduld haben müsse. Ich befürchtete, dass Geduld mich in dieser Sache nicht weiterbringen würde, aber es hatte keinen Sinn, mit ihm darüber zu diskutieren. Er war ein vollblütiger Mentaler und hatte schon als Kind die Gedanken seiner Pflegefamilie aufgeschnappt. Was allerdings auch nicht immer ein Vergnügen gewesen war.


Ein Falke flog zwischen den dunkelgrünen Baumwipfeln in Richtung Wolkendecke. Es dauerte exakt sieben Sekunden, bis er aus meinem Blickfeld verschwunden war. Und weitere fünf, bis mein Vater unser Schweigen schließlich brach.


„Ich habe mit dem Campleiter gesprochen. Er hat mir versichert, dass jeder entsprechend seinem Entwicklungsstand gefördert wird, um eine optimale Entfaltung seiner mentalen Kräfte zu gewährleisten.“


„Danke, Dad.“ Ich setzte ein falsches Lächeln auf. „Wahrscheinlich wird er mich jetzt Tag und Nacht mit irgendwelchen mentalen Übungen quälen, um seinem Versprechen gerecht zu werden. Das wird sicher super.“


Mein Vater seufzte. „Du bist zu sarkastisch für eine Siebzehnjährige.“


„Sarkasmus ist manchmal das Einzige, was Spaß macht.“


Mit einem erneuten Seufzen bog er auf einen grasbewachsenen Parkplatz ein. Die dichten Kiefern lichteten sich und machten widerwillig Platz für etwa fünfzehn Autos, die in Reih und Glied vor einer gewaltigen zweistöckigen Blockhütte standen. Hinter dem länglichen Haus mit der umlaufenden Veranda gab es noch mehr schicke Hütten, die zwischen den hohen Stämmen durchschimmerten.


Beim Anblick des elitären Gedankenleser-Camps, das für die nächsten vier Wochen mein Zuhause sein sollte, legte sich ein schweres Gewicht auf meine Brust. Tatsächlich wäre ich jetzt um einiges lieber in unserem Haus in Minnesota gewesen und hätte mit Mom jeden Tag fünf Kuchen für ihre Konditorei gebacken, als mich vor einem Haufen vollblütiger Gedankenleser vorführen zu lassen. Unauffällig wischte ich meine schwitzenden Finger an der Jeans ab. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich meinen Vater mittels Gedankenkontrolle zum Umkehren bewogen. Aber die beherrschte ich leider genauso wenig wie den Rest.


„Versuch, ein wenig glücklicher auszusehen“, sagte er und lächelte mich an. Auf diese aufmunternde Art, mit der er mich schon mit sechs Jahren dazu motivieren wollte, mein Zimmer aufzuräumen und mich mit dem popelnden Nachbarsjungen zu vertragen.


„Wende den Wagen, dann sehe ich glücklicher aus.“


Er seufzte noch einmal. „Es ist eine unglaubliche Möglichkeit, die sich dir hier bietet, Phoebe. In deinem Alter hätte ich einiges dafür getan.“


„Ich bin nun mal nicht du, Dad.“


Er seufzte. „Nicht viele Mentale bekommen die Chance, sich hier ausbilden zu lassen. Du weißt, was das für deine Zukunft bedeuten kann.“


Ja, ich wusste es. Dad hatte mir in den letzten Tagen oft genug vorgebetet, was für ein Privileg es war, den Sommer hier unter der Leitung von Mr. Flemming verbringen zu dürfen. Und dass mir mit einem positiven Abschluss des Camps der Weg in jede magische Uni meiner Wahl offenstünde. Dass ich das heiß begehrte Empfehlungsschreiben von Mr. Flemming höchstwahrscheinlich gar nicht erst bekommen würde, hatte er geflissentlich ignoriert.


Seufzend stellte mein Vater den Motor ab.


„Ich kann deine Gedanken nicht lesen, Dad“, bemerkte ich, obwohl die Resignation und Sorge deutlich in seinem Gesicht abzulesen waren.


„Ich weiß“, erwiderte er müde. „Aber vielleicht wirst du es hier lernen.“


Schnaubend wich ich der nicht totzukriegenden Hoffnung in seinen blassgrünen Augen aus und betrachtete stattdessen die anderen Eltern, die ihre Sprösslinge auf dem Parkplatz verabschiedeten. Bei ihren erwartungsvollen Mienen hatte ich das spontane Bedürfnis, mich in die Büsche zu übergeben.


Noch während ich das dachte, drehte sich ein dünner, dunkelhaariger junger Typ in meine Richtung. Er stand etwa fünf Meter entfernt neben einer silbernen Limousine, die für meinen Geschmack etwas zu lang war. Genau wie der Kerl selbst. Bei meinem wenig schmeichelhaften Vergleich zogen sich seine Mundwinkel nach oben, woraufhin ich rasch den Kopf abwandte. Bei den ganzen Mentalen hier musste ich auf meine verdammten Gedanken aufpassen.


„Das ist Collin Madison“, erklärte mein Vater. „Seiner Familie gehörte eine riesige Rinderzucht, die sein Großvater in den Achtzigerjahren verkauft hat. Danach haben sie ihr Vermögen an der Börse investiert. Ich habe den Überblick verloren, aber soweit ich weiß, besitzen sie inzwischen einige erfolgreiche Firmen.“


Ich schnaubte leise. „Das klingt, als ob du ihn mir schmackhaft machen wolltest.“


Kopfschüttelnd schnallte mein Vater sich ab. „Glaub mir, ich will dir überhaupt niemanden schmackhaft machen. Im Gegenteil. Halte dich am besten von den ganzen hormongesteuerten jungen Männern fern.“


Widerwillig ließ ich den Gurt aufschnappen. Wenn die Jungs etwas von meiner Familiengeschichte herausfanden, würden sie sich wohl eher von mir fernhalten als umgekehrt.


Obwohl ich den Gedanken nicht laut aussprach, spürte ich, wie sich mein Vater neben mir verkrampfte, bevor er wortlos die Wagentür öffnete und zum Kofferraum ging, um mein Gepäck herauszuholen. Ein wenig schuldbewusst stieg ich ebenfalls aus. Gleichzeitig zog ich meine mentalen Barrieren hoch und verbarg jegliche Empfindung hinter einem geistigen Wall wüsten Schneegestöbers.


Hinter mir war das Geräusch des zuknallenden Kofferraums zu hören, dann legte mir Dad eine Hand auf die Schulter.


„Ich weiß, du findest, das hier ist eine verdammt schlechte Idee“, sprach er mir leise ins Ohr. „Aber denk daran, dass du hier deine Fähigkeiten endlich weiterentwickeln kannst. Außerdem könnte das Camp deine Eintrittskarte für eine magische Universität sein.“


Und für welche? Für die, die dich rausgeschmissen hat?


In meinen gedachten Worten steckte eine Wucht an Ablehnung für das, was sie Dad angetan hatten. Natürlich gab es eine weichgespülte Begründung, warum sie ihm damals nach nur einem Studienjahr nahegelegt hatten, seine Ausbildung an einer anderen Universität – einer für normale Menschen – fortzusetzen. Die Prügelei mit diesem Studenten war jedoch lediglich eine Ausrede gewesen, um meinen Vater loszuwerden. Jemanden mit unserer Familiengeschichte hatte man nicht gern in den eigenen Reihen. Dass sie Dad mit diesem Schritt aus der magischen Gesellschaft praktisch verstoßen hatten, hatte er bis heute nicht verwunden. Wahrscheinlich war es ihm deshalb so ein Anliegen, dass ich an diesem Camp teilnahm. Auch wenn es eine Stange Geld kostete, war es doch auch sein Weg zurück zu seinen Wurzeln.


Mein Vater nahm die Hand von meiner Schulter und blickte sich nervös auf dem Parkplatz um, als fürchtete er, jemand hätte etwas von meinen Gedanken mitbekommen. Außer mir wurden gerade sechs Jugendliche verabschiedet. Die meisten Erwachsenen waren ganz mit ihren Kindern beschäftigt. Nur dieser Collin und ein älterer Mann, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten war, sahen beide zu uns herüber. In Collins silbergrauen Augen funkelte unverhohlenes Interesse, der groß gewachsene Mann an seiner Seite, der wahrscheinlich sein Vater war, betrachtete mich mit leichtem Stirnrunzeln.


Genervt erwiderte ich die Blicke, als die Tür der silbernen Limousine aufschwang und noch ein Typ ausstieg. Er war ebenfalls groß und schlank, aber nicht so dünn wie Collin, und er schien sich auf die Zeit hier ebenso wenig zu freuen wie ich. Eine lautlose Rebellion steckte in jeder seiner Bewegungen. In der Art, wie er die Tür zuwarf, sich die etwas längeren braunen Haare aus der Stirn strich und den verstohlenen Blicken mehrerer Mädchen begegnete, die ihn von oben bis unten musterten.


Sein Anderssein machte ihn mir sympathisch, zumindest war ich jetzt nicht mehr die Einzige, die nicht vor Freude in die Luft sprang, weil ich eine der wenigen Einladungen erhalten hatte.


Und wer ist das?, fragte ich Dad ohne Worte. Der Typ sah wirklich gut aus.


Mein Vater kniff seine Augen leicht zusammen. In Momenten wie diesen war es besonders frustrierend, seine Gedanken nicht lesen zu können. Zumindest hatte ich schon vor dem Erwachen meiner mentalen Kräfte Routine darin bekommen, meine eigenen Gedanken vor ihm zu verbergen. Was sehr hilfreich war, wenn es um Ausreden fürs Zuspätkommen oder schlechte Schulnoten ging. Dabei hatte ich mir antrainiert, an so vieles gleichzeitig zu denken, dass mein Kopf einem wütenden Schneegestöber gleichkam.


Es war nie schön, sich in einem Schneegestöber zu verlieren.


„Ich weiß nicht, wer das ist“, erwiderte mein Vater schließlich. „Die Madisons haben – soweit ich weiß – nur einen Sohn.“


Ich holte meinen Rucksack und meine Gitarre aus dem Auto und betrachtete die drei Männer neben der silbergrauen Limousine. Dieser Collin schien über die Anwesenheit des rebellischen Typen nicht erfreut zu sein, denn er steckte die Hände in die Hosentaschen und wandte ihm den Rücken zu. Der namenlose junge Mann schien seine Anwesenheit hier ebenso wenig zu genießen. Mit einem genervten Blick taxierte er die im Wald verstreuten Luxushütten, bevor er sich seine abgewetzte graue Tasche schnappte und sich mit einem Händedruck von Collins Vater verabschiedete.


„Halt die Ohren steif, Junge“, hörte ich den älteren Mann wohlwollend sagen.


„Werde ich“, antwortete er knapp.


Collin drehte sich zu den beiden herum. In seinem schmalen Gesicht spiegelte sich unverhohlener Spott. „Rührend. Hast du für mich auch noch irgendwelche guten Ratschläge, Dad?“


Sein Vater straffte die Schultern. „Enttäusch uns diesmal nicht.“


„Wow. Positive Bestärkung. Gib es zu, du hast vor der Abfahrt heimlich in einem Elternratgeber geschmökert.“


„Tja. Wer fragt, muss auch mit der Antwort zurechtkommen“, kommentierte der andere Kerl trocken. Seine Haare fielen ihm auf einer Seite ein wenig über die Augen, was ziemlich lässig aussah.


„Danke für diese wertvolle Wortmeldung.“ Collin lächelte freudlos. „Da steigt die Vorfreude auf die Zeit mit dir ins Unermessliche, Flynn.“


„Geht mir nicht anders“, erwiderte dieser Flynn abfällig. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schlug er den Weg zum Haupthaus ein, aus dem gerade ein streng dreinblickender Mann mit kurz geschorenen roten Haaren kam.


„Das ist Mr. Flemming. Er wird dir deine Unterkunft zuweisen“, erklärte mein Vater und griff nach meinem Rollkoffer.


„Ich schaffe das schon“, erwiderte ich schnell. „Die anderen werden auch nicht von ihren Eltern begleitet.“


„Das ist doch kein Grund, Phoebe.“


„Natürlich ist das ein Grund. Frag Mom, wenn du mir nicht glaubst.“


Es wäre schön gewesen, wenn sie uns auch begleitet hätte, aber die Regeln des Camps sahen vor, dass nur magisch Begabte den Aufenthaltsort kennen durften.


Mein Vater seufzte erneut und ließ den Griff meines Koffers los. Wenn ich für jedes Seufzen aus seinem Mund einen Dollar bekommen hätte, hätte ich mir den Ferienjob im Jeansladen sparen können. Seine grünen Augen, die meinen so ähnelten, glitten besorgt über mein Gesicht. Schließlich hob er die Hand und strich mir über die Flechtfrisur, die mich eine halbe Stunde meines Lebens gekostet hatte. Allerdings sah man dem locker geflochtenen kastanienbraunen Zopf, der mir die Haare aus dem Gesicht hielt, die Arbeit, die in ihm steckte, keineswegs an. Ich schwankte immer noch, ob ich das gut oder schlecht fand.


„Wir sehen uns in vier Wochen, Schatz.“


„Es sei denn, ich bringe Mom dazu, vor Ablauf der Zeit den Fluchtwagen zu fahren.“


Resigniert fuhr er sich über die Augen. „Darüber solltest du keine Scherze machen.“


„Was soll passieren, wenn ich es doch tue?“ Ich schulterte meinen Rucksack und senkte dramatisch die Stimme. „Meinst du, dieser Mr. Flemming zieht dann die Einladung des Gremiums zurück?“


Bevor er etwas erwidern konnte, beugte ich mich mit einem traurigen Lächeln nach vorn und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Bye, Dad.“


„Halt die Ohren steif, Kleines.“ Er nahm mich in den Arm. „Ich hab dich lieb.“


Ich dich auch.


Er ließ mich wieder los und machte einen Schritt zurück. „Schreib mir, wie es dir gefällt. Und schick ab und zu ein Foto. Du weißt, dann fühle ich mich besser.“


„Ja, ich weiß, Dad.“


Lächelnd wollte ich mich schon umdrehen, als mir sein Blick auffiel, der über meine Schulter zu jemandem hinter mir ging. Der konzentrierte Ausdruck in seinem Gesicht ließ darauf schließen, dass er gerade fremde Gedanken empfing, die herabsinkenden Mundwinkel, dass es keine positiven waren. Aus reiner Neugier drehte ich mich ebenfalls um. Neben einem glänzenden schwarzen Geländewagen stand eine attraktive blonde Mittvierzigerin in einem dunkelgrauen Hosenanzug. Ihr Business-Outfit wirkte in den kanadischen Wäldern, Hunderte Meilen fernab jeglicher Zivilisation, deplatziert, ebenso wie der seltsame Blick, mit dem sie uns betrachtete. Eine Sekunde lang blitzte das Bild eines alten Zeitungsartikels mit der Überschrift „Ungeklärte Todesfälle“ vor meinem inneren Auge auf, das jedoch sofort wieder verblasste. Alarmiert zog ich die Augenbrauen zusammen. Die Frau schien Dad erkannt zu haben, selbst wenn er selbst nichts mit den Vorfällen vor über vierzig Jahren zu tun hatte.


Das Mädchen, das neben der blonden Frau stand, schien von den verstörenden Gedanken seiner Mutter nichts mitbekommen zu haben. Sie tippte lächelnd etwas in ihr roséfarbenes Handy, das genauso stylish wirkte wie ihre dunkle Sonnenbrille und der weiße Koffer. Ihre hellblonden Haare fielen seidenweich auf ihren grauen Pullover, den sie mit einer hellblauen Jeans kombiniert hatte. Als ihre Mutter etwas zu ihr sagte, reagierte sie nur mit einem genervten Schulterzucken, ohne den Blick von ihrem Handy zu nehmen. Offenbar hielt sich ihr Abschiedsschmerz in Grenzen, worüber ich mir anstelle der Mutter mehr Gedanken gemacht hätte als über eine Vergangenheit, die sie nicht betraf.


„Vorsicht mit deinen Gedanken, Phoebe“, ermahnte mich Dad leise, als sich die Augen der Mutter verengten. „Dein Sarkasmus ist gewöhnungsbedürftig.“


Genervt zog ich erneut das rauschende weiße Schneegestöber in meinen Kopf, als ich mich in Bewegung setzte. Mein Koffer rumpelte über den Boden, die Gitarre schlug bei jedem Schritt schwer gegen meinen Oberschenkel. Auf dem Weg zu Mr. Flemming fing ich den interessierten Blick dieses Collins auf, dessen Kräfte offenbar schon weiter entwickelt waren. Seine stechende Aufmerksamkeit löste eine Welle der Abneigung in mir aus.


Ich würde in diesem Camp verdammt gut aufpassen müssen.




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