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Esoterik Bücher
Buch Leseprobe ZUR SEELE TAUCHEN, Raimund Eich
Raimund Eich

ZUR SEELE TAUCHEN



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One Way Ticket



Irgendwie war ihm die Alte suspekt, die an diesem Morgen ins Reisebüro kam. Sie trug einen altmodischen braunen Stoffmantel, der eigentlich viel zu lang und zu weit für ihre zerbrechliche Figur war. Mit ihren ausgetretenen Schuhen schlurfte sie über den teuren Marmorboden langsam auf ihn zu. Unter den Sohlen hörte man es knirschen, vermutlich hatte sich jede Menge Streusalz vom Bürgersteig dort festgesetzt, mit dem sie jetzt den ganzen Boden zu ramponieren drohte. In der Linken trug sie eine Einkaufstasche und an der rechten Hand führte sie einen betagten Zwergpudel an der Leine, der ein rotes Ledermäntelchen trug, das ihn wohl vor Schnee und Kälte schützen sollte. Sein ursprünglich schwarzes Fell war schon ziemlich ergraut und die Pupillen in den Augen kaum noch zu erkennen. Wahrscheinlich litt er an grauem Star.
  Er musterte das merkwürdige Gespann mit wachsendem Unbehagen. Ob ihr der Mantel früher mal gepasst hat und sie im Laufe der Jahre immer dünner geworden ist?, schoss es ihm durch den Kopf. Vielleicht hat sie ihn ja auch in einem der Secondhand-Läden irgendwo in der Stadt erstanden oder von der Kleiderhilfe. Zum Teufel, warum machst du dir darüber überhaupt Gedanken, sagte er sich, versuch lieber, die Alte so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Nein, diese Kundin passte überhaupt nicht zum Image seines Reisebüros, das weltweite exclusive Reisen und Abenteuerurlaube für gut betuchte Kunden anbot und sich damit von den Einheitsangeboten der meisten anderen Anbieter deutlich abhob. Er hatte sich vor Jahren mit dieser Geschäftsidee selbstständig gemacht, weil er es einfach satthatte, Otto Normalverbrauchern tagein tagaus denselben Mist anzubieten, Urlaub in Bayern, an der Nordsee oder auf Mallorca, aus Standardkatalogen von Standardanbietern. Nein, das war einfach nicht sein Ding. Und weil er es ganz gut verstand, für sich und seine Freunde individuelle und maßgeschneiderte Trips in der ganzen Welt zu arrangieren, war eines Tages die Idee entstanden, sich damit beruflich auf eigene Füße zu stellen. Ob eine Trekkingtour im Himalaja, eine Autosafari durch die Wüste oder einen Robinson-Aufenthalt auf einer unbewohnten Malediveninsel, bei ihm gab es einfach alles. ´Kein Reisewunsch bleibt unerfüllt´, so lautete sein Motto. Er organisierte für seine Kunden die komplette Reise von A bis Z und nahm auf Wunsch auch selbst als Reisebegleiter teil, wobei ihm seine Bergführeraus-bildung und ein Pilotenschein für Motor- und Segelflieger wertvolle Dienste erwiesen. Da man sich mit einem derart exclusiven Angebot nur dort über Wasser halten kann, wo genügend Kunden daran Interesse zeigen und auch über das notwendige „Kleingeld“ dafür verfügen, war er vor fast zehn Jahren nach München gezogen und hatte ein Büro in der Innenstadt eröffnet, das erstaunlich gut lief. Aber diese Alte hier passte überhaupt nicht in sein Konzept.
  „Was kann ich denn für Sie tun?“, bemühte er sich trotzdem, höflich zu der alten Dame zu sein. Seine Absicht war es, sie möglichst schnell wieder loszuwerden. Obwohl er sie ganz bewusst nicht dazu aufgefordert hatte, setzte sie sich einfach auf den lederbezogenen Stuhl vor ihm und nahm ihren dunklen Wollschal vom Kopf. Sie hatte dünne, nach hinten gekämmte graue Haare, die im Nacken mit einer Spange zu einem kleinen Knoten zu-sammengesteckt waren. Obwohl ihr Gesicht nur wenige Falten durchzogen, schätzte er sie schon auf deutlich über achtzig Jahre.
  „Moment bitte, mein Herr“, sagte sie und begann in Ihrer Tasche zu wählen. Sie setzte umständlich ihre Brille auf, öffnete einen Briefumschlag, zog drei einhundert Euro Scheine heraus und legte sie auf den Tisch. „Hier“, sagte sie und schob die Scheine zu ihm herüber.
  „Und was soll ich damit?“, fragte er etwas konsterniert.
  „Ich möchte die Traumreise buchen“, antwortete sie.
  „Die Traumreise? Welche Traumreise denn? Ich fürchte, Sie sind hier an der falschen Ad-resse. Hier gleich um die Ecke ist ein Reisebüro, dort können Sie bestimmt für das Geld eine Reise nach Ihrem Geschmack buchen.“
Sie schüttelte energisch ihren Kopf. „Nein, dort war ich ja schon, aber die haben nicht das, was ich suche. Und die beiden Damen dort waren sehr unfreundlich zu mir und haben mich dann zu Ihnen geschickt.“
  „Zu mir? Das ist ja eine Unverschämtheit“, ließ er seinem Unmut freien Lauf.
  „Aber wieso denn?“, fragte sie und schaute ihn ganz erstaunt dabei an. „Die haben mir aber gesagt, dass sie Traumreisen ins Paradies anbieten.“
  „Traumreisen ins Paradies? Ich verstehe nicht recht. Was meinen Sie denn damit?“
  „Na hier“, sagte sie und deutete auf ein überdimensionales Plakat im Schaufenster, das die märchenhafte Kulisse einer Karibikinsel mit schneeweißem Strand und Palmen zeigte. „Da steht es doch ganz groß. `Wir fliegen Sie direkt ins Paradies´, und dorthin möchte ich jetzt gerne...


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