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Esoterik Bücher
Buch Leseprobe verschlungene wege , arthur pahl
arthur pahl

verschlungene wege


wahre geschichten von pilgern und gottsuchern

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Sankt Ulrich Verlag, Augsburg
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Meine längsten 14 Tage


Als mich vor ein paar Monaten der vierjährige Sohn einer guten alten


Freundin damit nervte, wissen zu wollen, was ich beruflich mache,


wollte ich ihm das möglichst anschaulich schildern. Das sei nicht so


einfach, fing ich an, ja, wie solle man das sagen, druckste ich herum:


Also man fahre mit ganz vielen anderen Menschen in einem schicken


Bus in Länder, wo immer die Sonne scheine, wohne kostenlos in teuren


Hotels, wo es das beste Essen gebe, und am Tage schaue man sich


schöne alte Kirchen an. Na ja, so ungefähr, fügte ich hinzu. „Kriegst


du dafür auch Geld, so wie mein Papa für seine Arbeit?" Nach einiger


Überlegung mußte ich zugeben, ja, ich bekomme dafür auch noch


Geld. Darauf rief Kevin zu seiner Mutter hinüber, „Mama, ich weiß


jetzt, was ich mal werden will."


So oder so ähnlich geht es mir häufig, wenn man mich fragt, was ich


beruflich tue. Zugegeben, ich stehe beim Arbeiten nicht mit Gummistiefeln


im Schlamm, muß mich nicht dauernd bücken oder hinknien


oder am Fließband irgendwelche dumpfen Tätigkeiten verrichten. Ich


bin in gewisser Weise privilegiert. Das ist die funkelnde Vorderseite


der Medaille. Wer aber macht sich schon die Mühe, das Goldstück


auch mal umzudrehen? Meist keiner. Aber glauben Sie mir: Wo viel


Licht ist, gibt es auch reichlich Schatten. Nachdem ich meinen Beruf


in diesem Buch mit so vielen positiven Beispielen dargestellt habe,


muß es sein, daß ich - wenn auch nur einmal - von einer Pilgerreise


erzähle, die mich fast um den Verstand gebracht hätte. Allein durch


die Kraft und die Stärke meines Glaubens, demütig zu sein, konnte ich


die „längsten 14 Tage meines Lebens" überstehen.



ES WAR IM JULI, LETZTEN SOMMER. Ich war am Vorabend


nach Lissabon gekommen und wartete am Mittag des Folgetages am


Flughafen auf eine Pilgergruppe aus Atlanta (Georgia). Wie so häufig


hatte die Maschine ordentlich Verspätung, so daß ich die 28köpfige


Reisegruppe erst gegen 16:30 Uhr in Empfang nehmen konnte. Eine


lange Reise stand uns bevor. Wir wollten gemeinsam volle 14 Tage


von Wallfahrtsort zu Wallfahrtsort pilgern und dabei so berühmte


Städte wie Fatima, Avila, Santo Domingo de Silos, Burgos, Garabandal,


Lourdes und zuletzt noch Paris aus der Nähe kennenlernen. Die


Reisegruppe bestand aus Mitgliedern einer kleinen Gemeinde, die


charismatisch geprägt war, und gewissermaßen die Pfarrgemeinderatsvorsitzende,


eine energische Frau von Mitte sechzig, Joyce Miller,


war mit von der Partie. Ihre graumelierten Haare hatte sie streng


nach hinten gekämmt und mit einem Knoten befestigt. Auf ihrer


spitzen Nase trug sie eine übergroße Brille und dazu ein klassisches


Kostüm. Sie kam mir vor wie eine Gouvernante aus der Zeit um 1900.


Der Beruf der Lehrerin, der Erzieherin, ja auch der Oberschwester


hätte ihr gut zu Gesicht gestanden. Sie war eine Autoritätsperson,


jedenfalls wollte sie unbedingt als solche wahrgenommen werden.


Vom ersten Moment an, als ich sie begrüßte, spürte ich ihre Ausstrahlung.


Als ich ihr die Hand geschüttelt hatte, war mein Eindruck


fertig: „eiskalt", dachte ich mir. Dazu paßten ihre kleinen eisblauen


Augen, die flink hin und her blitzten und denen nichts entging. Die


übrigen Mitglieder dieser Pilgergruppe machten einen gutmütigfreundlichen


und letztlich passiven Eindruck. Ihr Südstaatenakzent,


jener sympathische „southern drawl", verriet dem Kenner sofort ihre


Herkunft. Seit Jahren schon konnte ich feststellen, daß zunehmend


Frauen diese Pilgerreisen prägen und beherrschen. So auch hier.


Mehr als Zwei Drittel der Teilnehmer waren Teilnehmerinnen und


alle jenseits der Sechzig. Ihr ungewöhnlich junger Pfarrer hingegen


begleitete sie. Sein Alter war nur schwer zu schätzen: Menschen mit


einem so markanten Babyface scheinen einfach nicht zu altern. Er


war nicht nur schlank, er wirkte auch sehr sportlich, ja geradezu


muskulös. Ich begrüßte jeden der Teilnehmer wie üblich mit Handschlag


und sagte hier und da ein freundliches Willkommenswort.


Am Ende der Reihe aber bekam ich einen Schreck: Da standen drei


Rollstühle mit kranken oder gebrechlichen Mitreisenden, die von


Flughafenmitarbeitern geschoben wurden. Nachdem unser Gepäck


und die Rollstühle im Bus ihren Platz gefunden hatten, nahmen


wir wie üblich Kurs auf Santarem, um dort eine auf 16:00 Uhr reservierte


Dankesmesse zu halten. Als wir den Flughafen verließen,


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