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Esoterik Bücher
Buch Leseprobe Geschichten vom Tod, Raimund Eich
Raimund Eich

Geschichten vom Tod


und was danach passiert ist

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Ich freue mich auf den Tod


 


 Ich freue mich auf den Tod!, hörte ich auf der Parkbank neben mir jemand vor sich hin sagen, der mich mit dieser ungewöhnlichen Bemerkung völlig aus meinen Gedanken riss, die bereits seit Tagen um die bevorstehende Sitzung in der Konzernzentrale kreisten. Der Vorstand hatte mich als leitenden Angestellten dorthin zitiert, in meiner Funktion als Niederlassungsleiter eines kleineren Betriebes, etwa einhundert Kilometer vom Stammsitz in Mannheim entfernt. Schwerpunkt derartiger Kappensitzungen, wie ich sie insgeheim zu nennen pflegte, weil sie für mich zumindest überwiegend aus einer Ansammlung von karrieregeilen Alleswissern mit Nichtskönnerqualitäten zusammensetzte, die keinerlei Ahnung vom harten Tagesgeschäft hatten und sich ausschließlich auf Zahlen konzentrierten. Auf betriebswirtschaftliche Zahlen wohlgemerkt, wobei sie auf negative oder rote Zahlen, die ihrem Status, ihrem Einfluss und letztlich auch ihren horrenden Gehältern zum Nachteil gereichen könnten, wie der Teufel auf Weihwasser zu reagieren pflegten. Und diesbezüglich stand mir ein schwerer Gang nach Canossa bevor, der mich schon seit Tagen nicht mehr zur Ruhe kommen ließ.


     Seit fast drei Jahren war ich für die relativ kleine Niederlassung im überschaubaren Saarland zuständig. Wir produzierten dort Zulieferungsteile für die Fertigungstechnik. Der alte Leiter, der mich nach dem Studium als seinen Assistenten eingestellt hatte, setzte vor seinem Ausscheiden alle Hebel in Bewegung, damit ich seine Nachfolge übernehmen konnte. Wir waren ein bestens eingespieltes Team, das größten Wert auf Qualität, Liefertreue und Kundenservice legte und damit auch einen guten Ruf bei unseren Kunden hatte. Ich war im Grunde genommen glücklich mit meiner Position in der zweiten Reihe, der mir einerseits viel abverlangte, mich aber letzten Endes nicht zu sehr mit der Last der Verantwortung erdrückte, die der Nummer eins in erster Linie zufiel. Ich tat mich offen gestanden schon immer schwer damit und hatte insofern auch keinerlei Karriereambitionen. Der Alte glaubte jedoch, dass es nach ihm keiner besser machen könne als ich, und er wollte mir damit wohl auch einen Schub nach vorne geben. Hätte ich etwa nein sagen und mich davor drücken sollen? Nein, denn dazu wäre ich viel zu stolz gewesen. Auch das in mich gesetzte Vertrauen tat mir gut und stärkte mein Selbstbewusstsein, zumindest für eine ganze Weile, bis leider auch auf Vorstandsebene personelle Veränderungen meine bis dahin halbwegs heile Arbeitswelt ins Wanken brachten, denn von nun an wurde der Unternehmenserfolg ausschließlich an Zahlen gemessen, an schwarzen Zahlen selbstverständlich. Folglich galt es für alle Unternehmen in unserer Gruppe, an allen Ecken und Enden zu sparen, an Personal, an Betriebsausstattung, an Werkzeugen, an Materialien und an vielem mehr.


     Für eine begrenzte Zeit lassen sich damit zwar Wunschzahlen generieren, aber dann schlagen die Zeiger in die andere Richtung aus. Unzufriedene Mitarbeiter, schlechte Qualität, verärgerte Kunden und letztlich ausbleibende Aufträge sind die unausweichliche Folge. Aber dann sind die Herren des Vorstandes mit ihren Fünfjahresverträgen längst schon über alle Berge zu neuen Ufern aufgebrochen, um dort in gleicher Weise Unheil anzurichten.


     Ich wusste das und versuchte daher soweit als möglich, meinen Mitarbeitern und unseren ursprünglichen Qualitätsansprüchen auch weiterhin gerecht zu werden. Mit anderen Worten, ich ließ mich nach wie vor mit guten Argumenten von notwendig erscheinenden Investitionen in die Entwicklung, Produktion oder Qualitätssicherung überzeugen mit der Folge, dass mein Betrieb peu a peu auf der betrieblichen Erfolgsleiter nach unten rutschte. Und dafür musste ich mich heute vor dem versammelten Vorstandskollegium rechtfertigen, was mir wohl kaum gelingen würde. Die zu erwartenden Folgen für unseren Betrieb und auch für mich quälten mich derart, dass ich am liebsten davongelaufen wäre. Aber wohin? Und so saß ich nun da, irgendwo in einer großen Parkanlage auf einer Holzbank, und versuchte die verbleibende Zeit bis zum Termin in etwa zwei Stunden, totzuschlagen, weil ich vor lauter Angst, zu spät zu kommen, viel zu früh angereist war. Ein herrlicher Frühsommertag mit angenehmen Temperaturen und einem strahlend blauen Himmel, vor dem nur ab und an eine schneeweiße Schäfchenwolke träge dahinsegelte. Ein schattiges Plätzchen im Grünen mit hohen Büschen und noch höheren Bäumen, deren dichtes Laub den Straßenlärm angenehm dämpfte. Vor mir weitläufige Wiesen. Der Sommerwind malte Wellen ins halbhohe Gras. Fast ein grünes Meer, in dem Blumeninseln zu schwimmen schienen. Diese traumhaft schöne Kulisse passte so gar nicht zu der albtraumhaften Begegnung mit dem Vorstand, die mir heute noch bevorstand.


     Und jetzt hörte ich auf der Parkbank nebenan jemand sagen: Ich freue mich auf den Tod! Wer mochte das sein? Ein Verrückter, oder gar ein Selbstmörder? Verstohlen warf ich einen Blick zur Seite. Dort saß ein alter Mann in zerschlissen und ungewaschen aussehenden Kleidern, das Gesicht halb von einem altmodischen Pepitahut mit Schottenmuster und einem grauen Vollbart verdeckt. Passend dazu eine hässliche Nickelbrille, die wohl schon ausgeleiert war und ihm bei jeder Kopfbewegung auf die Nasenspitze herunterrutschte. Seine Hände zitterten, als er wohl etwas aus seiner Jackentasche zu nehmen versuchte. Er schien mich überhaupt nicht wahrzunehmen und führte offenbar Selbstgespräche, von denen ich allerdings nur Ich freue mich auf den Tod mitbekommen hatte.


     Irgendwie hatte ich Mitleid mit dem alten Mann, stand auf, packte meine Aktentasche und setzte mich neben ihn.


     „Suchen Sie etwas? Kann ich Ihnen vielleicht irgendwie behilflich sein?“, fragte ich. ...


 


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