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Elihu


Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit

von Wolfgang Wallner-F.

esoterik_buecher
ISBN10-Nummer:
3902159138
ISBN13-Nummer:
9783902159274
Ausstattung:
Broschiert
Preis:
14.00 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
jbl-literaturverlag
Kontakt zum Autor oder Verlag:
ferdinand.niehammer [at] inode.at
Leseprobe
Der Gelbe Fluss hatte seine Quelle an dem Platz, an dem die Sonne aufging und er erreichte das Meer in Richtung Sonnenuntergang. Am linken Ufer des Gelben Flusses lebte das Denken, am rechten wohnte das Fühlen. Mit der Mittagssonne im Rücken sah Denken über den Gelben Fluss. Dort erkannte es erstmals im Gras einen dunklen, wunderschönen, aber unförmigen Schatten, der sich scheinbar wohlig am Ufer entlang ausbreitete. Denken wollte unbedingt wissen, was dort war. Noch nie hatte es etwas gesehen, das ihn in ähnlicher Weise interessierte. Denken war sehr gescheit und wusste natürlich alles über die Naturgesetze und so vermutete es zunächst, dass dieser Schatten vom ihm selbst erzeugt wurde. Diese Vermutung erwies sich auch als richtig, denn wenn es sich bewegte, bewegte sich der Schatten. Seltsam war allerdings, dass es bei Bewegungen des Schattens eine Unruhe in sich feststellte, die nur durch einen Reflex zu beenden war. Denken musste unbedingt erfahren, was es mit diesem Schatten auf sich hatte und es rief über den Fluss: „Guten Tag, schöner Schatten. Wer bist Du?“ Doch es kam keine Antwort. Der Gelbe Fluss hörte diese Frage. Er, der schon ewig dort sein Bett hatte, schon viel länger, als es Denken und Fühlen gab, hatte schon lange auf diesen Kontaktversuch gewartet. Es konnte einfach nicht richtig sein, dass auf seiner linken Seite sich etwas derart Helles befand, das durch ihn gehindert wurde, sich mit dem Dunklen auf seiner rechten Seite zu verbinden. Früher war er sich keines seiner beiden Ufer bewusst gewesen. Es war eigentlich so gewesen, dass er überhaupt keine Ufer besessen hatte. Erst als Denken und Fühlen auftauchten, musste er ein Bett benützen. Er ahnte, dass Denken und Fühlen Ablagerungen seiner Selbst und nur durch seine Anwesenheit entstanden waren: „Fühlen kann nicht sprechen“, raunte er Denken zu. „Was ist Fühlen?“ fragte Denken. „Fühlen ist etwas, das nicht denken kann. Wenn es denken könnte, bestünde die Gefahr, das es vernichtet wird.“ „Wie kann etwas existieren, das nicht denken kann?“ wollte Denken wissen. „Ich habe dir schon gesagt, dass Fühlen, so wie es ist, nur ohne denken sein kann. Es ist ganz einfach da, eigentlich genau so, wie du da bist“, antwortete der Gelbe Fluss. „Es ist doch nicht möglich, dass ich ganz einfach nur da bin. Ich muss doch einen Anfang gehabt haben. Wie lange bist du schon da?“ wollte Denken wissen. „Ich habe keine Ahnung. Erst seit du und Fühlen hier seid, kann ich die Zeit messen. Je mehr ihr beide zunehmt, umso mehr Zeit ist vergangen. Ich war auch vorher da, nur kann ich darüber keine Aussage machen. Ihr beide seid eigentlich nur meine Ausscheidungen, aber ohne euch hätte ich keine Ufer und niemand, auch du nicht, könnte mich wahrnehmen. Genau genommen existiere also auch ich nur deswegen, da es euch gibt.“ „Ich muss unbedingt Fühlen kennen lernen. Alle Erscheinungen an deinen Ufern muss ich ergründen. Wenn ich nicht wissen kann, bin ich tot.“ „Ich kann dir nur sagen, dass der Schatten unstillbare Sehnsucht nach dir hat. Liebevoll sendet er mir täglich diese Nachricht und ich verstehe nicht, dass du Fühlen erst jetzt entdeckt hast. Alle Naturgesetze sind ohne Urgrund, wenn es dir am Fühlen mangelt. Die Sonne, die mit dir leuchtet, verbrennt alles ohne den Schatten“, sagte der Fluss. „Ich will Fühlen aber nicht töten. Du sagtest doch, dass durch denken das Fühlen sterben kann. Wenn ich Fühlen tötete, hättest du auf einer Seite kein Ufer und würdest dich so lange dorthin ausbreiten, bis auch ich kein Ufer mehr wäre. Dann gäbe es auch mich nicht mehr. Andererseits bin ich so begierig, Fühlen zu kennen. Seit dem ich weiß, dass es Fühlen gibt, denke ich, ohne Fühlen kann ich nie mehr wissen. Selbst auf die Gefahr hin, Fühlen zu töten, muss ich wissen“, antwortete Denken, „kannst du uns nicht helfen, zusammen zu kommen?“ „Ich werde es versuchen. Doch bedenke immer, dass auch du durch das Fühlen sterben kannst“, gab der Fluss zu denken und trat aus seinen Ufern. Er schwemmte die Helligkeit des Denkens und die Dunkelheit des Fühlens mit sich. Einige Zeit und einige Wegstrecke war in der Mitte des Flusses eine scharfe Begrenzung der beiden Lichtzustände zu sehen, doch die Grenze verwischte sich immer mehr, bis beide in der Farbe des Gelben Flusses verschmolzen. Denken bemerkte das Fühlen und Fühlen konnte erstmals etwas über sich mitteilen. Beide achteten einander, fühlten und wussten, dass sie ohne den anderen nicht auskommen könnten, doch ahnten auch, dass keiner von beiden Macht über den anderen ausüben sollte. Nur im Gleichgewicht, mit gleicher Bedeutung, war ein Zusammensein möglich. Wenn Denken versucht hätte, seine Macht zu zeigen, würde Fühlen immer stärker und bald Denken überfluten. Umgekehrt hütete sich Fühlen, zu stark zu werden, um Denken nicht herauszufordern, seine Kraft zu zeigen. Nur wenn sich beide in Wissen und Liebe umschmeichelten, war ihre Existenz sicher. Und nur dann hatte der Gelbe Fluss die Kraft, sämtliche Hindernisse zu überwinden. Als Fühlen und Denken nunmehr ganz in dem Gelben Fluss aufgingen und es eigentlich nur mehr den Fluss gab, erreichten sie den Sonnenuntergang und das Meer nahm sie erwartungsvoll und liebevoll auf. Der Gelbe Fluss wusste, dass es eigentlich immer so gewesen war.
Klappentext
Der Name Elihu ist hebräisch, im Alten Testament (Hiob oder Ijob) angeführt und bedeutet „ER ist mein Gott“. Das Buch erzählt über den Fund von Disketten auf einer Müllhalde, in deren Dateien Fragmente einer Wanderung und Belehrung eines Menschen durch Zeiten und Religionen in ungeordneter Reihenfolge gespeichert waren. Anhand dieser Wanderung erfährt Elihu die „Verlagerung“ Gottes vom Außen ins Innen: Ein Komapatient (Martin) durchschreitet, angeleitet von „Wesen“, seine wichtigsten, bisherigen Leben und erfährt dabei die eigene Wesenheit und damit seine Aufgabe. Da die Aufzeichnungen Elihus unvollständig und teilweise beschädigt waren, tragen Ergänzungen aus verschiedenen Wissensgebieten durch den Autor zur Verständlichkeit bei. Das Buch „Elihu“ eröffnet dem Leser überraschende, aber auch völlig neue Einblicke in alte Weisheiten und ermöglicht dadurch neue Denkweisen zu einem neuen Weltbild. Zum Beispiel wird der Leser darauf aufmerksam gemacht, dass der Engel „im Osten“ vor dem Paradies Wache hält und was es damit auf sich haben könnte. Auch wird die Frage behandelt, mit welcher Begründung Gott zu Ijob sagen kann: „Und wenn ich das gesamte Universum eines Menschen vernichte, verursacht das nicht einmal ein Kräuseln auf der Oberfläche der Schöpfung!“ Warum unterscheidet hier Gott (oder der Schriftsteller des alten Testamentes) zwischen dem Universum und der Schöpfung? Dies alles wird literarisch, auch unter Verwendung taoistischer Stilmittel verständlich und empathisch dargebracht. Im Buch verschwinden die Grenzen zwischen Elihu dem Autor aber auch dem Leser wegen der logischen Auswirkungen der geschilderten Ereignisse immer mehr, so dass am Ende nicht mehr eindeutig die Person Elihus festzumachen ist. Wer ist Elihu? Vielleicht sogar der Leser selbst?
Rezension
Elihu – Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit von Wolfgang Wallner F. ist ein ungewöhnliches, vielschichtiges und sehr einfühlsam geschriebenes Buch, das sich lichtvoll aus dem Durchschnitt der Neuerscheinungen heraushebt. Berührend und mit viel Herzenswärme geschrieben entfaltet sich die Rahmenhandlung: Martin erleidet auf der Fahrt zur Arbeit einen schweren Autounfall und liegt seit dem im Koma. Die Ärzte können seiner Gattin Jemima nur wenig Hoffnung auf Genesung machen. Martin, in jenem kaum fassbaren Zustand zwischen Leben und Tod schwebend, tritt indessen mit seinem Bewusstsein eine seltsame Reise an, die ihn zurückführt in vergangene Erdenleben, ihm wohl auch den prophetischen Vorblick auf künftige Existenzen eröffnet. Elihu – ER ist mein Gott – wie er sich nun nennen muss, begegnet dabei in immer neuen Konstellationen seiner Gattin Jemima, mit der ihn eine Zeit und Raum übergreifende Liebe verbindet. Tiefe Fragen über den Urgrund der menschlichen Existenz drängen sich Elihu auf. Wie darf er sich als abgesondertes individuelles Einzelwesen begreifen und doch zugleich untrennbar mit dem Ganzen der Welt verbunden sein? Geschickt streut der Autor immer wieder Zwischenbemerkungen und Erläuterungen ein, die um diese Fragen kreisen. Das sind niemals bloß gelehrte Abhandlungen, sondern man spürt mit jeder Zeile das eigenständige, ganz persönliche Ringen des Autors. Diese Passagen sind nicht immer leicht zu lesen - aber das ist gut so. Sie laden zum meditativen Verweilen ein, zum eigenständigen Weiterdenken dessen, was hier oft nur kurz angeschlagen wird. Wolfgang Wallner F. baut die Brücke zwischen religiösen Anschauungen und dem Weltbild der modernen Physik, die, von vielen immer noch unbemerkt, der klassisch materialistischen Weltsicht, die nur die gegenständliche Realität gelten lässt, längst den Boden entzogen und den Weg zu einer viel geistigeren Auffassung der Wirklichkeit gebahnt hat. Hier wie dort verschwimmen die absoluten Grenzen zwischen dem Teil und dem Ganzen, und ehe man sich versieht, ist man selbst Teil des Geschehens oder besser, eins mit ihm, und immer mehr stellt sich die Frage: wer ist Elihu wirklich? Martin, der Autor, oder vielleicht doch der Leser selbst? So wie diese Frage in der Schwebe bleiben darf, so auch das Ende der Rahmenhandlung selbst. Tatsächlich findet die Geschichte keinen eindeutigen Schluss, sondern es werden dem Leser zwei Möglichkeiten angeboten – und das ist ein besonders tief berührender Zug dieses mehr als lesenswerten Buches: In der einen Variante überlebt Martin, weil seine Gattin unerschütterlich an ihren Hoffnungen auf Genesung festhält. Im andern Fall stirbt Martin, weil auch die Hoffnung in Jemima erstorben ist. Die Begegnung mit einem alten Mann, den sie vor dem Krankenhaus trifft, macht den feinen Unterschied. Einmal stärkt diese Begegnung Jemimas Vertrauen in die Zukunft, das andere Mal nicht. Leben wir nicht alle, ohne dass es uns bewusst wird, beständig in einem reichen Feld von Möglichkeiten? Und hängt es nicht immer an einem seidenen Faden, welche sich davon als unser Schicksal verwirklicht? Am Ende des Buches finden sich noch einige bemerkenswerte Gedanken zur Gegenwartskunst. Kunst, so führt der Autor aus, muss heute die Schattenseiten des Daseins und des menschlichen Wesens ins klare Licht des Bewusstseins rücken – und das geschieht auch heute zur Genüge -, doch sie muss auch die unerschöpflich lichtvollen Seiten hervorkehren und dem Menschen das Vertrauen in die in ihm veranlagte Göttlichkeit zurückgeben, die ihrer Verwirklichung harrt – und davon findet man herzlich wenig in der Gegenwartsliteratur. Wolfgang Wallner bleibt dieser Gesinnung jederzeit getreu – und das macht Elihu zu einer wahrhaft lichtvollen Erzählung, zu einem Buch, dem ich viele, viele begeisterte Leser wünsche. Dr. Wolfgang Peter Quantenchemiker, verantwortlicher Medieninhaber der Internetpräsenz des Forums für Anthroposophie, Waldorfpädagogik und Goetheanistische Naturwissenschaft http://www.anthroposophie.net und Leiter des Theaters Odyssee, http://www.odysseetheater.com