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Esoterik Bücher
Buch Leseprobe Der Narr und der Zauberwald, Blandina Gellrich
Blandina Gellrich

Der Narr und der Zauberwald


eine magische Reise durch das Leben

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Der Zauberwald


Es war einmal vor langer, langer Zeit… Zu jener Zeit gab es hoch oben im Norden die Stadt Malone. In dieser Stadt lebten einige Hundert Menschen. Jede Familie besaß ihr eigenes Haus und mindestens ein Pferd. Pferde waren damals das einzige Fortbewegungsmittel. Die Männer bestellten die Felder und die Frauen kümmerten sich um den Haushalt. Ihre Kinder spielten auf der Straße, was früher noch ungefährlich war. Alle Familien lebten von dem, was sie in der Natur fanden. Milch bekamen sie von den Kühen und Wasser aus dem Fluss, der die Stadt durchquerte. Die Kinder verstanden sich gut untereinander, und die Erwachsenen ebenso. Streit gab es nur selten und wenn dies der Fall war, versuchten die Menschen, ihn selbst zu schlichten. Nur im Notfall wandten sie sich an den Kaiser oder die Kaiserin. Der Kaiser und die Kaiserin regierten über die Stadt. Sie hatten drei Kinder – zwei Jungen und ein Mädchen. Der Kaiser kümmerte sich darum, dass die Bewohner ein sorgenfreies Leben führen konnten. Er erließ die Gesetze, die aufgrund des Zusammenlebens so vieler Menschen erforderlich waren. Außerdem war er dafür verantwortlich, dass das Wasser sauber blieb und niemand die Stadt bedrohte.


Die Kaiserfamilie lebte in einer Burg im Zauberwald, der die Stadt umschloss. Über diesen Wald regierte die Kaiserin. In dem Zauberwald gab es Elfen, Trolle und Feen. Sie sorgten dafür, dass die Sonne schien oder dass es regnete, wenn es für die Felder nötig war. Alles, was die Stadtbewohner an Nahrung brauchten, fanden sie im Wald. Manchmal kamen die Kinder in den Wald und tanzten und spielten mit den Elfen und Trollen. Die Erwachsenen gingen selten in den Wald und die Elfen und Trolle niemals in die Stadt. Zum Schutz der Bewohner legten die Feen einen magischen Zauber über die Stadt und hielten diesen aufrecht, sodass ihnen kein Leid geschah. Die Menschen fühlten sich geborgen und frei von Sorgen. Sie pflegten ein friedliches Miteinander und liebten das Leben. Oft hörte man sie lachen.


Eines Tages schaffte es ein fahrender Händler, durch den Zauberwald in die Stadt zu gelangen. Er transportierte edle Tücher und Schmuck auf seinem Wagen. So schöne Sachen hatten die Menschen noch nie gesehen. „Wir wollen diese Tücher haben“, sprachen die Frauen. „Und wir die Armbanduhren“, meinten die Männer. „Wir möchten solche hübschen Ohrringe“, äußerten die Kinder. Sie boten dem Händler Obst und Getreide zum Tausch an. Doch dafür interessierte er sich nicht. Er wollte auch keine Milch oder Wasser. „Damit kann ich nichts anfangen“, sagte er. „Gebt mir Holz, aber nicht zu wenig. Das kann ich am meisten gebrauchen. Ihr habt doch einen großen Wald. Warum fällt ihr nicht die Bäume? Sicherlich werden noch viele Händler kommen, die gerne etwas gegen eure Bäume tauschen würden. Überlegt es euch. Wenn der Mond wieder voll am Himmel steht, komme ich wieder. Gegen Holz tausche ich gerne. Und denkt daran, nicht nur ich, sondern auch viele andere Händler.“ Daraufhin fuhr er wieder aus der Stadt und ließ die Menschen ratlos zurück. „Wir dürfen die Bäume nicht fällen. Das bringt den Wald und mit ihm die Elfen und Trolle um. Der Wald ist doch unser Schutz. Können wir denn ohne ihn leben?“, meinten einige der Frauen. „Ich möchte aber so ein buntes Tuch haben“, „Und ich so eine schöne Kette“, entgegneten wiederum andere.


Am Abend trafen sich die Erwachsenen auf dem Marktplatz, um zu beratschlagen, was zu tun sei. Sie diskutierten die ganze Nacht hindurch. Schließlich gelangten sie zu einer Entscheidung: „Wir können auch ohne den Wald leben. Alles, was wir brauchen, finden wir auf den Feldern. Und beschützen können wir uns selbst. Die Elfen und Trolle können doch mit uns in der Stadt leben. Lasst uns die Bäume fällen.“ Sie beschlossen, dass am nächsten Morgen fünf von ihnen zum Kaiser gehen sollten, denn sie benötigten seine Erlaubnis.


So machten sich fünf Abgesandte der Stadtbewohner auf den Weg zum Kaiser. Er empfing sie gerne und hörte sich ihr Anliegen in Ruhe an. Danach ließ der Kaiser allen eine üppige Mahlzeit zukommen, denn er brauchte Bedenkzeit. Schließlich bat er die Kaiserin um Rat. „Du darfst es ihnen nicht erlauben“, erwiderte sie. „Der Wald ist unser Schutz. Solange er lebt, kann uns nichts passieren.“ „Ach, Unsinn“, antwortete der Kaiser. „Das sind bloß Märchen. Der Wald ist doch nur für die Elfen und Trolle da und die können auch woanders leben.“ „Nein“, behaarte die Kaiserin. „Wir brauchen die Elfe und Trolle, und sie brauchen uns ebenso. Wenn wir den Wald töten, töten wir uns alle. Das darfst du nicht gestatten, sonst wird es nie wieder Frieden geben.“ Aber der Kaiser hörte nicht auf die Kaiserin. Er erlaubte den Menschen, einen Teil der Bäume zu fällen, jedoch nicht mehr, als sie benötigten.


Die Abgesandten freuten sich schon auf die Tücher und den Schmuck. Fröhlich kehrten sie in die Stadt zurück und berichteten den anderen Bewohnern davon. Gleich am nächsten Tag begannen sie, einige der Bäume zu fällen. Bei jedem Baum, der auf die Erde fiel, zitterte der ganze Wald. Die Trolle und Elfen waren ganz verschreckt und rannten schimpfend umher. Sie mussten aufpassen, wohin sie liefen, damit sie nicht erschlagen wurden.


Nachmittags kam die Kaiserin in den Wald. Sie rief die Elfen und Trolle zu sich: „Hört, was ich zu sagen habe, liebe Elfen und Trolle. Die Menschen brauchen die Bäume, um sie gegen Tücher und Schmuck zu tauschen. Der Kaiser hat ihnen gestattet, dafür so viele Bäume zu fällen, wie sie benötigen. Liebe Elfen und Trolle, wenn ihr wollt, könnt ihr in unserer Burg oder in der Stadt leben. Ihr sollt keine Not leiden.“ „Das dürfen die Menschen nicht tun. Wofür brauchen sie Tücher und Schmuck? Bringen die ihnen Essen, Wasser, gutes Wetter und Schutz? Nein, aber wir tun es, und wir sind auf den Wald angewiesen. Die Menschen sollten dies nicht vergessen. Wenn sie den Wald töten, töten sie uns und damit sich selbst. Wir wollen nicht in der Burg oder in der Stadt leben. Sofern die Menschen nicht aufhören, Bäume zu fällen, verlassen wir die Gegend und suchen uns einen anderen Ort, wo wir geschätzt werden. Geehrte Kaiserin, befehle lieber den Menschen damit aufzuhören.“ „Das kann ich leider nicht“, antwortete die Kaiserin. „Der Kaiser hat es ihnen erlaubt. Ich habe keine Macht über ihn.“ „Dann, liebe Kaiserin, werden wir fortgehen.“ „Das dürft ihr nicht tun“, bettelte die Kaiserin. „Wir brauchen euch doch.“ „Anscheinend nicht“, äußerten die Elfen und Trolle enttäuscht und sprangen schnell zur Seite, denn fast wären sie von einem herabstürzenden Baum erschlagen worden. Entsetzt sahen sie die Kaiserin an und liefen ohne ein weiteres Wort aus dem Wald. Traurig ging die Kaiserin zur Burg zurück. „Die Elfen und Trolle haben den Wald verlassen“, berichtete sie dem Kaiser. „Das ist ein schlechtes Zeichen.“ „Ach was“, entgegnete er. „Wozu haben wir die schon gebraucht?“


Als der Mond voll am Himmel schien, kam der fahrende Händler wieder in die Stadt. Er überließ den Menschen seine komplette Ladung mit Tüchern und Schmuck. Dafür lud er so viele Bäume auf seinen Wagen, wie sein Pferd ziehen konnte. Die Bäume verkaufte er an jemanden, der sie zu Papier verarbeitete. Viele Händler zogen fortan durch die Stadt, denn Bäume waren sehr begehrt. Die Menschen freuten sich über die schönen Dinge, die sie dafür bekamen: Tücher, Schmuck, Töpfe, Süßigkeiten und Kleider. Sie fällten immer mehr Bäume, denn sie wollten noch mehr solcher Sachen besitzen. Der Kaiser schaute einfach zu und unternahm nichts dagegen. Währenddessen wurde die Kaiserin von Tag zu Tag trauriger und lachte nur noch selten.


Eines Tages fiel der letzte Baum mit einem riesigen Krach. Der ganze Erdboden des ehemaligen Waldes und die Stadt bebten, sodass die Wände der Häuser wackelten. Selbst die Mauern der Burg, in der die Kaiserfamilie lebte, erzitterten. Besorgt sah die Kaiserin aus dem Fenster. Plötzlich ging die Sonne unter – mitten am Tag. Überall herrschte rabenschwarze Nacht. Es schien kein Mond und kein einziger Stern stand am Himmelszelt. Man konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Die Menschen erschraken und liefen voller Angst in ihre Häuser.


Am nächsten Tag wollten die Stadtbewohner zur Kaiserin gehen, aber sie fanden den Weg zur Burg nicht und kehrten entmutigt um. „Was sollen wir tun?“, fragte der Kaiser. „Wir hätten den Wald nicht töten dürfen“, meinte die Kaiserin. „Ohne ihn können wir nicht leben. Ich werde die Waldfee rufen. Vielleicht hilft sie uns.“ Die Kaiserin ging in den Burghof. Weiter traute sie sich nicht, denn auch sie konnte draußen nichts sehen. „Waldfee, Herrin des Waldes, ich rufe dich“, flehte sie. „Bitte erscheine und hilf uns.“ Nichts geschah. Noch einmal rief die Kaiserin. Doch wieder passierte nichts. „Waldfee, Herrin des Waldes, ich flehe dich an. Bitte zeig dich und hilf uns!“, rief die Kaiserin ein drittes Mal. Endlich erblickte sie ein helles Licht, das rasch auf den Burghof zukam.


Die Waldfee stand nun direkt vor ihr. „Was willst du?“, fragte die Fee. „Überall ist rabenschwarze Nacht, die nicht enden will“, klagte die Kaiserin. „Was können wir dagegen tun?“ „Nichts“, antwortete die Fee. „Ihr habt den Wald getötet und die Elfen und Trolle, die euch beschützt haben, verjagt. Sie waren euch nicht mehr willkommen. Ihr wolltet ohne sie leben, jetzt tut es auch.“ „Aber so können wir nicht leben“, entgegnete die Kaiserin. „Dann sterbt“, erwiderte die Fee. „Es muss doch Rettung geben“, flehte die Kaiserin. „Weil es dich gibt und die Elfen und Trolle dich geliebt haben, werde ich dir helfen“, sprach die Waldfee. „Aber wisse, dass nur ein Narr euch retten kann. Ein Mensch, der keine Angst hat, neue und unbekannte Wege zu beschreiten. Einundzwanzig Wege muss er bis zum Ende gehen, dann sei er euer Retter.“ „Wann wird er kommen, und wer ist es?“, wollte die Kaiserin wissen. Die Waldfee lachte schallend und verschwand. Traurig und ratlos kehrte die Kaiserin in die Burg zurück. Würden sie je gerettet werden?


 


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