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Esoterik Bücher
Buch Leseprobe BEWUSST SEIN , Matthias Philipp
Matthias Philipp

BEWUSST SEIN


für eine liebenswerte Welt

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Schritt 1 | Alle Menschen sind gleich viel wert


In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte lautet Artikel 1: «Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.» Ich denke, es ist nicht schwer, sich darauf zu einigen, dass das die einzig richtige Grundlage für unser Miteinander ist. Im Grundgesetz lautet Artikel 1 (1): «Die Würde des Menschen ist unantastbar», und auch wenn ich das deutlich weniger emotional und griffig finde als den UNO-Text, so ist es doch auffällig, dass in beiden Formulierungen der „Würde“ eine besondere Rolle eingeräumt wird. Laut Duden leitet sich das Wort von dem althochdeutschen „Wirdî“ ab und kommt von „Wert“. „Der Wert des Menschen ist unantastbar“ – das bringt einen spannenden Dreh rein. Jeder Mensch ist gleich viel wert. Egal ob wir arm oder reich sind, ob wir diese oder jene Hautfarbe haben, ob wir diesen oder jenen Glaubens sind, sind wir alle – jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten – gleich viel wert. Sicher fällt es Dir leicht, innerlich mit dem Kopf zu nicken und das als selbstverständlich anzusehen. Warum dazu noch groß Worte verlieren? Weil wir anfangen müssen, diesen gleichen Wert nicht nur als Lippenbekenntnis zu leben, sondern auch in Taten zu überführen. Weil wir anfangen müssen, mit unseren Ressentiments aufzuräumen und in unseren Gedanken reinen Tisch zu machen. Zwei Beispiele: (1) Stellen wir uns die Nachrichten eines Jahres als eine große Statistik vor, in der einem Toten ein Wert in Worten gegenübergestellt wird. Wie viele veröffentlichte Worte, wie viele Artikel, wie viele Beiträge und Kommentare sind uns Tote in Deutschland, der EU oder Amerika wert? Wenn in New York, Berlin oder Paris ein Anschlag stattfindet, dann steht unsere Welt still und wir sind als Gesellschaft im Mark erschüttert. Das Fernsehen bringt Sondersendungen, es werden Sonderausgaben gedruckt und Regalmeter an Büchern dazu geschrieben. Wie viele Worte sind uns aber die Toten in anderen Teilen der Welt wert? Wie viel Mitgefühl haben wir für die Angehörigen von Opfern in anderen Teilen der Welt übrig, die einen anderen Lebensstil oder einen anderen Glauben haben? Bei den Anschlägen in der westlichen Welt kamen in den 18 Jahren nach 2001 in Summe 624 Menschen um. Denk an die Anschläge in Paris, das Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, Nizza, Charlie Hebdo oder Barcelona. Auch wenn es zynisch klingt, behandeln wir sie hier mal kurz als Zahlen: Umgerechnet kommen wir auf 34,6 Opfer pro Jahr, die uns immer tief bewegt haben. Wir haben Mahnwachen abgehalten, sind auf die Straße gegangen. Natürlich sieht die Statistik etwas anders aus, wenn wir die Anschläge vom 11. September dazurechnen, denn in der Tragödie der Twin Towers sind 2.989 Menschen gestorben. Addieren wir beide Zahlen auf, dann kommen wir auf 3.613 Opfer. Das ist eine beträchtliche Zahl, die einen doch schlucken lässt. 3.613 Menschen, um die getrauert wurde und wird, die verzweifelte oder gar traumatisierte Familien zurückgelassen haben … Als Reaktion auf die knapp 3.000 Opfer vom 11. September sind wir ausgerückt und haben den Krieg in den Irak und nach Afghanistan gebracht. Die täglichen Meldungen über Anschläge und Opfer im Irak haben uns über die Zeit ja völlig abstumpfen lassen: Was schätzt Du, wie viele irakische Männer, Frauen und Kinder seither gestorben sind? Laut einer Studie der Washington University in Seattle kann man davon ausgehen, dass es mindestens 500.000 Tote seit 2003 gegeben hat. Und diese Zahl sei eher niedrig angesetzt.17 In Afghanistan waren es laut Schätzung des UN-Sonderbeauftragten Tadamichi Yamamoto alleine in den letzten zehn Jahren sage und schreibe 100.000 zivile Opfer.18 Wir sprechen also von einer Summe von niedrig angesetzten 600.000 Opfern in diesen beiden Ländern und 3.613 Opfern in der westlichen Welt. Was denkst Du, wie die oben vorgeschlagene Statistik der Verteilung von Worten in den Medien, also von öffentlicher Anteilnahme, wohl ausgeht? Die Antwort dürfte so eindeutig wie beschämend sein. Ein Leben ist uns also mitnichten gleich viel wert. Bis März 2020 sind im Mittelmeer unfassbare 19.996 verzweifelte Menschen ertrunken, die ihr Leben riskiert haben, um in Europa eine Zukunft zu haben. Die vor Krieg, Gewalt, Diskriminierung, Willkür, undemokratischen Systemen und Hunger fliehen. Der Hindukusch ist gefühlt weit weg, und es fällt uns schwer zu greifen, was dort passiert. Aber die Bootsflüchtlinge ersaufen jämmerlich vor unseren Urlaubsstränden. Jeden Tag. Während wir auf der Luftmatratze dümpeln, uns Gedanken um die richtige After-Sun-Lotion machen und uns fragen, wie viele Haxen wir am abendlichen Buffet in unsere Schmierbäuche stopfen können, verrecken die Menschen zu Hunderten in den Fluten. Der Wert des Menschen ist unantastbar? Ganz sicher nicht. Wir sind weit davon entfernt, das wahr sein zu lassen. „Der Wert eines westlichen, weißen Menschen ist unantastbar“ – da kommen wir wohl der Wahrheit näher. (2) Beobachten wir uns doch mal im Alltag: Ich stelle Dir eine Frage und Du bist ganz ehrlich zu Dir selbst und achtest auf Deinen allerersten Gedanken. Wer ist mehr wert? Ein Italiener oder ein Türke? Na, was war Dein erster Impuls? Der Italiener, richtig? Dafür gibt es ja auch gute Gründe, oder? Die Italiener sind uns doch so nah und wir lieben ihre Küche, ihr Land, ihre Mode und Lebensart. Ganz abgesehen von den italienischen Kulturschätzen, dem Wein, der Toskana und den rassigen italienischen Schönheiten beiderlei Geschlechts. Wir lieben Ornella Muti und Luca Toni. Unseren „Lieblingsitaliener“ um die Ecke und die Scuderia Ferrari. Viele gute Gründe, ganz klar. Aber was unterscheidet Italien und die Türkei und die Menschen beider Länder? Gibt es in der Türkei nicht eine gleichermaßen reiche Kulturgeschichte, lieben wir nicht auch ihr Essen und ihre Strände? Sind die Menschen dort vielleicht bucklig und mit Warzen übersäht? Keineswegs – und trotzdem sind sie uns weniger nah, oder? Stell Dir vor, Du gehst als Captain auf eine Mars-Mission und musst für das Raumschiff die Länder auswählen, aus denen die restlichen Crew-Mitglieder rekrutiert werden. Aus jedem von Dir gewählten Land wird Dir dann jeweils ein gleichermaßen qualifiziertes Teammitglied zugeteilt und Ihr fliegt mit elf Personen. Aus welchen zehn Ländern würdest Du Menschen rekrutieren, um mit ihnen den Rest Deines Lebens auf einem fremden, unwirtlichen Planeten zu verbringen? Wählst Du den Astronauten aus Dänemark oder Polen? Die Astronautin aus den USA oder China? Deinen Piloten aus dem Iran oder Brasilien? Also, seien wir ehrlich: Hinter unserer aufgeklärten Fassade lauern jede Menge Vorurteile, die wir als Erfahrung tarnen. Je nach Kontext bauen wir in Sekundenbruchteilen willkürliche Ressentiments oder Beziehungen auf. Demselben Typen, der mich montags wegen seines schlechten Benehmens in der S-Bahn nervt, kann ich samstags im Fanblock meines Lieblingsbundesligisten nach einem Tor in die Arme fallen. Wieso? Weil er mal fremd ist und sich über sein Benehmen als mir nicht gehörig zeigt und dann durch das „richtige“ Trikot und den Sitz in der „richtigen“ Fankurve plötzlich zum Stammesbruder geworden ist. Wenn nach dem Spiel hinter dem Stadion Hooligans lauern, dann ist uns unser türkischer „Fan-Bruder“ doch plötzlich heilig und wir werden ihn verteidigen gegen Pöbeleien der italienischen Fans vom AC Mailand oder Lazio Rom, richtig? Keine Diskussion, würde ich sagen. Das ist ja dann eine Frage von Verbundenheit und Zivilcourage.  So pendeln wir hin und her und schmieden auf der einen Seite Allianzen, während wir im selben Moment auf der anderen Seite Menschen verdammen. Die Kölner finden die Düsseldorfer doof, die Wiesbadener finden die Mainzer doof, die Hamburger finden die Berliner doof, und munter ziehen wir Gräben zwischen Erdteilen, Hautfarben, Ländern, Regionen, Städten und Stadtteilen, Dörfern und Straßenzügen, zwischen dem vermeintlich richtigen und falschen Fußballverein und gerne und immer wieder auch zwischen den Glaubensrichtungen. Wer arm ist, ist nichts wert, und wer reicher ist als wir, muss mindestens ein Windhund oder besser noch Betrüger sein. So ist einer meiner engsten Freunde Grieche und wohnt in Athen. Wir haben uns bei einem Auslandssemester im Studium kennengelernt und sind Freunde fürs Leben. Seiner Ansicht nach sind Griechen und Türken nicht nur Nachbarn, sondern kulturell allerengste Verwandte. Als er mir das zum ersten Mal so schilderte, habe ich mich wahrscheinlich vor Empörung am Bier verschluckt: Bei dem piept es wohl! Das alte Griechenland ist schließlich die Wiege unserer aufgeklärten Kultur, und dann legt der Vogel sich lieber mit den Türken ins Bett als mit uns wundervollen Mitteleuropäern? Empörend. Kann nur an der Sonne oder am Ouzo liegen ... So weit ist es derzeit also her mit der in Artikel 1 beschworenen „Brüderlichkeit“ und Gleichheit. Wir sind aktuell noch ziemliche Stinkstiefel und müssen lernen, unsere Denkmuster aufzugeben und jedem einzelnen Menschen mit Würde zu begegnen. Ihm den gleichen Wert zuzumessen und für die Menschen einzustehen, auch wenn sie anderen Kulturräumen und Lebensgewohnheiten zugordnet sind. Der erste Schritt wäre es, ehrlich zu uns selbst zu werden und unsere Vorurteile zu sehen und anzuerkennen. Wir können nur an dem arbeiten, was wir uns bewusst machen. Also, packen wir die miesen Gedanken bei den Hörnern und begegnen wir jedem Menschen gleich. Je mehr wir verinnerlichen, uns gut zu verhalten, desto mehr werden unsere Gedanken nachziehen. Die Stimme in Deinem und meinem Kopf ist gerne mal ein Arschloch und produziert in einer Tour niederträchtige Gedanken, die wir auch in der überwiegenden Mehrzahl nie aussprechen würden. Aber wir haben die Möglichkeit und die Pflicht, unsere Gedanken zu verändern: Am besten geht das mit guten Handlungen und damit verbundenen guten Erfahrungen. Steck dem Obdachlosen ab jetzt einfach mehr Geld zu als bisher und lass Dich nicht von Deinen miesen Gedanken aufhalten, die Dich fragen, ob das Geld jetzt der rumänischen Mafia zufließt oder der „Penner gleich eh alles versäuft“. Lass Dich ein auf Gespräche mit Menschen, die Du bisher gemieden hast, und erkenne, dass die Diamanten nicht auf den Bäumen wachsen, sondern wir die Schönheit oftmals mit schwerem Gerät freilegen müssen. Wie oft habe ich im Geschäftsleben einen schlechten ersten Eindruck gehabt und musste diesen serienmäßig revidieren. Die harten Knochen waren oftmals die verlässlichsten und integersten Personen, mit denen am meisten zu bewegen war – auch wenn das zunächst anders schien. Meine Menschenkenntnis hat mich so oft im Stich gelassen, dass ich sukzessive gelernt habe, mich nicht auf sie zu verlassen und ungeachtet des ersten Eindrucks offen zu bleiben. Ein schönes Learning, und so lasse ich es mit der Beurteilung der anderen einfach zunehmend sein. Der andere Mensch „ist“, und ich lasse ihn sein. Mit weniger Urteilen und mehr Akzeptanz könnten wir doch schon mächtig was bewegen in Zukunft, oder? Schritt 1 – Check?


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