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Belletristik
Buch Leseprobe Zwischen Knast und Staatsempfang, Ingeborg Kuhl de Solano
Ingeborg Kuhl de Solano

Zwischen Knast und Staatsempfang


Aus dem spannenden Leben einer Dolmetscherin

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Konsulate spanisch-sprachiger Länder in Frankfurt/Main
Ab Ende der 1950er-Jahre waren, wie bereits mehrfach erwähnt, Spanischkenntnisse in Deutschland plötzlich sehr gefragt. Aufgrund der aufblühenden Wirtschaft holte man ja auch immer mehr Gastarbeiter ins Land, darunter viele Spanier. Auch für deren Belange jeder Art benötigte man allerorts Dolmetscher und Übersetzer, und ich gehörte damals, wie schon einmal gesagt, zu den ersten überhaupt verfügbaren.
Die Hauptansprechstelle für alle Spanier war natürlich ihr Konsulat. Dieses übertrug mir ab dem Beginn dieser Epoche und während aller Folgejahre ständig Aufträge, sowohl für die dringend erforderlichen und zahlreichen Übersetzungen von Dokumenten jeder Art wie auch für eigene offizielle Anlässe.
Zu den Dokumenten der Gastarbeiter gehörten nicht nur ihre Person betreffende, sondern vor allem und immer wieder Unterhaltsbescheinigungen, die eigentlich Armutsbescheinigungen waren. Sie machten erkennbar, wie viele Familienmitglieder ein solcher Mann in seinem Heimatland zu ernähren hatte: seine Frau, einige Kinder, Eltern, Schwiegereltern und sogar Onkel und Tanten. Sie alle hatten dort keine Einkünfte, sei es wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Alter oder mangelnder sozialer Leistungen. Der einzige Verdiener war der Gastarbeiter, der zur Verbesserung seiner ärmlichen Situation nach Deutschland gekommen war und von seinem Lohn so viel wie er konnte nach Hause schickte, denn er selbst musste sich hier ja auch ernähren. Nur wenn er Glück hatte, arbeitete er sich bei uns ein wenig höher. Viele Deutsche konnten diesen Gesamtzusammenhang damals nicht verstehen, kannten auch die spanischen Verhältnisse überhaupt nicht. Sie wussten nicht, wie viele Kinder aus den ärmeren Landesteilen schon in sehr frühem Alter, vielleicht nach der zweiten oder dritten Klasse, gleich wieder aus der Schule genommen wurden, um zu arbeiten und schon zum Familienunterhalt beizutragen. Ich erinnere mich an Situationen, wo man Männern die Briefe aus ihrer Heimat vorlesen und ihre eigenen schreiben musste. Das war schon sehr traurig.
Für diese Dienste hatten das Konsulat und ich damals einen nur kleinen Betrag von 5 DM angesetzt; und ich holte und brachte diese Papiere selbst und fast täglich, tat es auch sehr gerne.
Großen Bedarf an Übersetzern gab es in jener Zeit auch bei anderen spanischen Vertretungen, so zum Beispiel bei der spanischen Handelskammer, dem spanischen Fremdenverkehrsamt und bei der spanischen Luftfahrtlinie Iberia, die damals ihr erstes Büro in Frankfurt/Main eröffnete, denn schließlich begann ja auch gerade der deutsche Tourismus nach Spanien zu boomen.
Bei der Iberia gab es anfangs viel für mich zu tun; zuerst überwiegend Laufendes, dann aber immer mehr bei besonderen Anlässen. So erinnere ich mich an die tage- und oft sogar nächtelangen Gewerkschaftsverhandlungen, die meist in einem großen Hotel stattfanden und zäh und ermüdend waren, was ja eine ihrer Eigenheiten ist.
Das größte Arbeitsfeld waren jedoch die Arbeitsstätten der Gastarbeiter, wo es natürlich um die Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ging bzw. (worauf ich an späterer Stelle noch einmal eingehen werde) hier und da sogar Sprachkurse eingerichtet wurden.
Aufgrund des gleichzeitig zunehmenden deutschen Außenhandels zählten zu meinen Auftraggebern aber auch sehr bald die meisten anderen Konsulate spanischsprachiger Länder, und dies ebenfalls aus vielerlei Anlässen und über die gesamte Zeit meines Berufslebens.
Bei Antrittsbesuchen neuer Konsuln oder der Gepflogenheit entsprechenden Höflichkeitsbesuchen durchreisender Diplomaten dieser Länder bei den Oberbürgermeistern oder deren Vertretern der Stadt, meist mit Eintrag ins Goldene Buch, wurde ich dann ebenfalls immer wieder zum Dolmetschen hinzugezogen – vor allem, wenn sie kein Englisch sprachen. Und gelegentlich bat mich dann auch schon mal dieser oder jener neue Konsul um privaten Deutschunterricht.
Wer sich als Deutscher für die Kultur Spaniens und der spanischsprachigen Länder und die spanische Sprache interessierte, hatte anfangs nur wenig Auswahl, ja eigentlich nur eine: Er konnte die Veranstaltungen und Sprachkurse der Deutsch-Iberoamerikanischen Gesellschaft (DIAG) besuchen, bei der auch ich ab einem Jahr nach ihrer Gründung, nämlich ab 1956, als aktives Mitglied häufig tätig war, unter anderem durch ein Angebot von Spanischkursen für sehr Fortgeschrittene. Präsident dieser Gesellschaft war übrigens damals Hermann Schmitt-Vockenhausen, der seit 1953 Mitglied des Bonner Bundestages (MdB) und später, ab 1969, Vizepräsident des Bundestages war.
Die bei meinen vielseitigen Einsätzen für Konsulate erlangten Kenntnisse und gemachten Erfahrungen kamen mir schließlich sehr zugute, als ich, wie schon einmal erwähnt, im Jahr 1970 selbst eine Beschäftigung als Sekretärin im Honorar-Generalkonsulat von Panama annahm, das für die Länder Hessen und Baden-Württemberg zuständig war. Mein Chef, der Hotelier Egon Steigenberger, der selbst kein Spanisch sprach, räumte mir große Selbstständigkeit ein, und oft half ich auch gerne und bereitwillig den wenigen anderen panamaischen Konsulaten, wo eine ähnliche Situation vorlag. Vor allem aber nahm mich auch immer wieder mal die Bonner Botschaft in Anspruch, sei es telefonisch oder in unserer damaligen Hauptstadt direkt. Dieser „Allround-Job“ setzte zusätzlich gute Englisch- und Französischkenntnisse voraus. Zu den zu erledigenden Aufgaben, für die einem natürlich auch Unterlagen und Vorgaben des Landes zur Verfügung standen, gehörten vor allem folgende:

-    Passwesen, Visa, Sichtvermerke, Beglaubigungen
-    Personenstandswesen und Staatsangehörigkeitsfragen, also standesamtliche Eintragungen von Geburt, Ehe, Scheidung, Tod, Adoption, Vater- und Mutterschaftsanerkennung
-    Auswanderung und Einbürgerung, Ausstellung von Führungszeugnissen und Vollmachten
-    amtliche Übersetzungen
-    Auskünfte über die Bestimmungen in Panama bezüglich Investitionen, Aus- und Einfuhr, Firmengründungen, Devisen und Besteuerung
-    Auskünfte über Arbeits- und Studienaufenthalte
-    Dolmetschertätigkeit bei Staatsbesuchen, besonders für die Botschaftskontakte zu Wirtschaftsinteressenten
-    ständiger Korrespondenzkontakt mit den Behörden Panamas und direkter Kontakt mit in Deutschland lebenden Panamaer, die in ihr Konsulat kamen
-    die Mitorganisation des von Herrn Steigenberger eingeführten jährlichen Panama-Empfangs in den Räumen seines Hotels, zu dem hochrangige Vertreter aller Chargen und Couleur eingeladen wurden, ja großen Wert darauf legten, teilzunehmen.
Das alles war damals für mich eine sehr interessante und vielseitige Tätigkeit; und als ich eines Tages selbst eine große Reise durch Länder Süd- und Mittelamerikas machte, besuchte ich in Panama auch kurz den seinerzeitigen Botschafter in Bonn, Raúl Brostella, denn mit ihm, seiner deutschen Frau und den beiden Kindern verband mich eine schöne Freundschaft. Ich war dort Gast der Familie, die mir ihre Stadt zeigte. Und im Rahmen dessen fuhr ich natürlich auch durch den Panamakanal, dessen ganze Geschichte ich zuvor schon einmal in Form eines kleinen Buches übersetzt hatte.


Konsulate spanisch-sprachiger Länder in Frankfurt/Main Ab Ende der 1950er-Jahre waren, wie bereits mehrfach erwähnt, Spanischkenntnisse in Deutschland plötzlich sehr gefragt. Aufgrund der aufblühenden Wirtschaft holte man ja auch immer mehr Gastarbeiter ins Land, darunter viele Spanier. Auch für deren Belange jeder Art benötigte man allerorts Dolmetscher und Übersetzer, und ich gehörte damals, wie schon einmal gesagt, zu den ersten überhaupt verfügbaren.


 


 


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