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Zeit für eine Reise?


von Felipe Micoud

belletristik
ISBN13-Nummer:
9783000410628
Ausstattung:
152 Seiten, Paperback
Preis:
8.95 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Kontakt zum Autor oder Verlag:
hallo@felipe-micoud.de
Leseprobe
Einmal alles bitte.

 

Gedanken machen doch alles möglich, oder? Wenn ich mir also vorstellen kann, dass ich unglücklich bin, dann geht das auch andersrum. Dafür brauche ich keine wissenschaftliche Begründung oder einen Beweis, das entscheiden wir jetzt gemeinsam. Was in einem Buch steht, ist wahr, und was wahr ist, das stimmt auch. So oder so ähnlich.

 

Wie oft man sich bestimmte Dinge wünscht, seine Gedanken auf einmal in eine ganz andere Richtung schweifen lässt, oder der König der Welt ist, das ist doch genau das, was das Leben ausmacht. Ein bisschen verrückt sein und sich Dinge vorstellen, die nicht mal annähernd wirklich sind.

 

Ich bin nachts schon hundertmal der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft gewesen. Sechzigtausend Zuschauer im Stadion, 100 Millionen zuhause an den Rundfunkgeräten. Oder ich rette irgendjemanden vor irgendwas. (Mir ist bewusst, dass das etwas undefiniert klingt.)

 

Manchmal, wenn es mir schlecht geht, träume ich mich weg. Weg in eine Welt in der alles so ist, wie ich es mir vorstelle. Dabei vergesse ich aber nicht, wo ich herkomme, sondern versuche, ein paar Dinge in meine echte Welt mitzunehmen. Und ja, das geht. Und wenn es nur die Energie ist, die mich durchflutet hat. Wenn das Rad in mir anfängt sich zu drehen und diese ganze alte Maschine nochmal richtig hochläuft, um allen zu zeigen, wie viel Energie noch drin steckt.

 

Ich verspüre gerade unglaubliche Lust, laufen zu gehen. Einfach eine kleine Runde. Nur ich und die etwa 50.000 Zuschauer am Wegesrand, die meinen Namen rufen. Kommst du mit? Dann rufen sie auch deinen.

 

Ich glaube, das Kapitel könnten wir auch Endorphin-Überschuss in Folge von Selbstbeweihräucherung nennen. Vielleicht findest du das grenzwertig, aber gerade finde ich mich ziemlich geil. Ja geil, ich könnte ein anständigeres Wort benutzen, aber darauf habe ich keine Lust. (Beim Korrigieren klingt das doch sehr nach Beweihräucherung.)

 

Der geile Typ erzählt dir also noch ein bisschen was von der Welt, von der er nichts versteht. Zu dem was ich gerade geschrieben habe, fällt mir noch ein bisschen mehr ein. Nämlich zu dem Wort „Selbstbeweihräucherung“. (Ich hatte bis eben nicht mal Ahnung, wie man das schreibt – gute Voraussetzungen.)

 

Eigentlich kommt jetzt ein ziemlich sensibles Thema, aber ich bin noch berauscht vom Laufen, also ist kein sensibler Einstieg vorgesehen.

 

Liebst du dich? Ich meine das ernst. Wir hatten die Frage oben schon, aber ich will das nochmal aufgreifen, weil das unendlich wichtig ist. Ich glaube, nur wenn man sich selbst liebt, kann man auch andere, das Leben, oder sonst was lieben. Ja, wieder ein kluger Spruch. Aber hör doch erst mal zu, bevor du wieder rummotzt. Wenn du dich nicht liebst oder glaubst, es nicht zu tun, dann solltest du was ändern. (Spätestens jetzt merkt man, dass ich kein Therapeut bin. Ich dränge dir meine Meinung auf und das mit voller Absicht). Nein, ehrlich, wenn du dich nicht liebst, dann kann das auch niemand anders und dann findest du keinen Sinn im Leben, in dir oder in irgendwas anderem. Also, wenn du das nicht oder noch nicht tust, sollten wir daran arbeiten. Weil jeder etwas Einzigartiges hat und jeder sich lieben sollte. Nicht weil du einen 43cm Bizeps, einen IQ von 120 oder ein dickes Bankkonto hast. Sondern weil in dir etwas ist, was nur du hast.

 

Manchmal (irgendwie fangen die Kapitel oft mit „manchmal“ an) schaue ich mir andere Menschen auf der Straße an und frage mich, was mich von denen unterscheidet. („Denen“ ist hier nicht abfällig zu verstehen.) Mir fallen direkt tausend Dinge ein und das nicht nur bei einer Person, sondern bei allen. Dass wir also einzigartig sind, ist kein Denkmuster, sondern eine Tatsache. Gut, einzigartig doof oder einzigartig asozial ist auch einzigartig. Aber es geht mir darum, das zu finden, was in dir glüht, was dich zu etwas Besonderem macht. Und ja, da ist etwas. Ich finde das schlimm, wenn Menschen sagen, dass sie nichts Besonderes hätten, sondern einfach nur Standardware seien. In allen Fällen findet man etwas, etwas, das sie von anderen unterscheidet.

 

Was findest du bei dir? Geh mit Motivation ran. Davon sollten wir nach dem letzten Kapitel noch was haben. Also Augen zu und nachdenken. (Am liebsten hätte ich in meinem Rausch etwas geschrieben wie: „Ich stehe neben dir und lege dir eine Hand auf die Schulter.“ Aber dann wäre das letzte Fünkchen Realität aus diesem Buch verschwunden und wir haben noch ein paar Seiten. Nachher denkst du, wir sind beste Freunde und läufst nur noch mit dem Buch unter dem Arm durch die Gegend.)

 

Eigentlich wollte ich heute was anderes machen, aber irgendwie läuft das ganz gut hier mit uns und vielleicht hast du noch Lust auf ein paar Seiten.

 

Ich bin zwar stark schizophreniegefährdet, aber das macht auch nichts mehr.

 

Normalerweise stehen in Büchern doch immer Hunderte von klugen Zitaten. Bis auf die selbstgebastelten von mir sind wir noch recht jungfräulich. Außerdem ist das wundervoll, um noch ein paar Seiten voll zu kriegen. Ich habe mal ein paar ausgesucht, zu denen ich meinen Senf dazugeben will.

 

„Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.“[1] (Erasmus von Rotterdam)

 

Ich dachte immer, der gute Erasmus (Sprachmuster von „Der Fänger im Roggen“. Musst du unbedingt lesen.) wäre ein ziemlicher Spießer gewesen. So täuscht man sich. Er hat Recht und genau darüber haben wir doch eben gesprochen. Dass man auch über die Stränge schlagen, mal ein wenig rumspinnen sollte. Finde ich ziemlich gut, das Zitat. Weiter gehts:

 

„Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.“[2] (Nicolas Chamfort)

 

Ich habe gleich mal nachgeguckt, wer das Schlaues ist. Ein französischer Schriftsteller der Aufklärung. (Also so wie ich, nur halt nicht ganz so wichtig.) Bei Wikipedia steht ein interessanter Satz: „Seine Mutter überließ ihn gleich nach seiner Geburt dem Lebensmittelhändler François Nicolas und seiner Frau (...).“[3] Also der muss definitiv Ahnung vom Leben haben. Und in der Tat, das Zitat finde ich gut. Auch das hatten wir schon. Also sind wir auf einem ganz guten Weg, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. So, eins noch, dann müssen wir mal eine Pause machen, weil ich mal dringend unter die Dusche muss.