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Belletristik
Buch Leseprobe Wirf die Braut über Bord!, Rose Snow
Rose Snow

Wirf die Braut über Bord!


Sieben Sommersünden 3

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Leseprobe


 


»Rachel, wo warst du?«, stößt Maya hervor, deren grünes Sommerkleid an ihrem Körper klebt. Ihre braunen Locken haben sich durch die maltesische Hitze wild gekräuselt und verleihen ihrem verzerrten Gesichtsausdruck noch einen Hauch mehr Verzweiflung.


»Ich bin da, das zählt«, schnaufe ich und versuche so ruhig wie möglich einzuatmen. Ich muss meinen Puls unter Kontrolle bringen.


»Du bist da, das zählt?!«, wiederholt Maya lautstark und ihre Stimme hallt durch das kühle Gewölbe, in dem der Check-in durchgeführt wird. Einige der Leute, die in der Schlange stehen, drehen sich zu uns um.


»Ich bin rechtzeitig gekommen«, sage ich und richte mir meine weiße Bluse, nachdem ich wieder in meine Pumps geschlüpft bin.


»Ich habe dir unzählige SMS geschrieben«, zischt Maya. »Warum antwortest du nicht? Rachel, ich bin hier am Durchdrehen!«


In dem Moment taucht Gérard neben ihr auf und legt seinen Arm beruhigend um ihre Schulter. »Rachel, du hast es geschafft«, sagt er lässig, während seine dunklen Augen über meinen Körper wandern. Sofort rast mir ein angenehmer Schauer über den Rücken und ich setze alles daran, wieder Herr über meinen Herzschlag zu werden.


Gérard sieht verboten gut aus mit seinem schwarzen T-Shirt und der dunkelgrauen Hose. Tatsächlich ist es das erste Mal, dass er nicht ausschließlich Schwarz trägt – und es steht ihm wieder mal verdammt gut. Ich atme tief ein und bin es nicht gewohnt, einem Mann derart ausgeliefert zu sein. Selbstverständlich würde ich das auch niemals zugeben. Gleichzeitig versuche ich auch die begehrlichen Blicke zu ignorieren, die ihm die Frauen in der Abfahrtshalle zuwerfen.


»Natürlich habe ich es geschafft«, erwidere ich nur und halte seinem durchdringenden Blick stand.


»Unsere Maya ist mit ihrem Handy Amok gelaufen«, erklärt Gérard mit süffisantem Unterton und zieht seine beste Freundin noch etwas näher an sich.


»Das habe ich gesehen«, bemerke ich knapp und sehe mich in dem Check-in-Bereich um. An einem der Schalter stehen Holger und Katja und winken mir zu. Holger, der zukünftige Ehemann, trägt blaue Jeans und ein helles Hemd und unterhält sich mit seiner Tochter Katja, deren ganze Aufmerksamkeit ihrem iPhone und weniger ihrem Vater gilt.


»Christiano hat Liebeskummer«, erklärt mir Maya seufzend. »Mein Hochzeitsplaner hat Liebeskummer – weißt du, was das bedeutet?« Sie verschränkt die Arme vor der Brust.


»Dass die Liebe nicht mehr als das Zusammenspiel von Hormonen mit einem vorprogrammierten Verfallsdatum ist?«, antworte ich und sehe Maya dabei emotionslos an.


Maya schüttelt vehement den Kopf.


»Nein, natürlich bedeutet es das nicht. Christiano ist gerade in einem Tief, während ich in einem Hoch sein sollte, er sollte jetzt für mich da sein – und nicht umgekehrt. Das ist schließlich meine Hochzeit, Rachel.« Sie macht eine kurze Pause. »All meine Verwandten reisen direkt nach Zakynthos – die Idee mit der Kreuzfahrt war einfach nur idiotisch«, klagt sie. »Zuerst die Sache mit den gestohlenen Ringen, dann hat die Fluglinie den Koffer mit meinem Brautkleid verschlampt, jetzt kreuzt du fast nicht auf und zusätzlich kann das Schiff nicht gleich ablegen … Vielleicht ist es wirklich ein Zeichen und wir sollten einfach direkt nach Griechenland fliegen.«


Ich sehe Maya ernst an und lege ihr meine Hand mitfühlend auf den Oberarm. »Wenn das dein Wunsch ist, organisiere ich gleich die Flüge. Das ist überhaupt kein Problem, in einigen Minuten ist alles erledigt«, sage ich empathisch und lächle sanft, während Gérard die Augen verengt.


»Maya«, mischt er sich ein, »willst du nicht noch kurz zu deinem Zukünftigen gehen und ein Glas Prosecco trinken? Ich denke, etwas Alkohol würde dir jetzt guttun.«


Maya schiebt sich eine braune Strähne hinters Ohr und sieht Gérard ungläubig an. »Alkohol? Bei der Hitze?«, fragt sie.


Er nickt. »Ein Glas kann dir in deinem jetzigen Zustand nicht schaden, Kleines.«


Sie ächzt. »Warum? Ist es so schlimm?«


»Schlimmer«, antwortet Gérard.


Maya nickt verdrossen. »Wahrscheinlich muss ich mich die ganze Kreuzfahrt über betrinken, wenn das hier noch nicht mal der Anfang ist.«


 


»Vergiss es, Batgirl«, raunt mir Gérard ins Ohr, als Maya auf dem Weg zu Holger ist. Dabei rieche ich seinen unwiderstehlichen Duft und mache keine Anstalten, auf meinen Spitznamen zu reagieren. Als hochbezahltem Fotografen sind Gérard meine Arbeit und mein Gerechtigkeitssinn nach wie vor suspekt, aber daran muss er sich eben gewöhnen. Genau wie ich mich an Batgirl gewöhnen musste, das ich mittlerweile auch charmant finde.


»Was soll ich vergessen?«, frage ich.


»Du weißt, wovon ich rede«, sagt er und legt seine Hände auf meine Hüften. Ein Kribbeln jagt durch meinen Körper und mein Brustkorb hebt und senkt sich viel zu schnell.


»Woher soll ich wissen, wovon du sprichst, wenn du es mir nicht sagst? Ich bin nicht unter die Gedankenleser gegangen.«


Sein warmer Atem gleitet meinen Hals entlang. »Rachel.«


Die Art, wie er meinen Namen ausspricht, lässt mich nicht kalt. Ganz im Gegenteil. Und Gérard ist sich seiner Wirkung auf Frauen bewusst. Leider. Denn eigentlich kann ich solche Typen nicht ausstehen.


Ich drehe mich zu ihm um und sehe ihm direkt in die dunklen Augen.


»Gérard«, erwidere ich genauso samtig, wie er meinen Namen ausgesprochen hat.


Sein Mundwinkel zuckt. »Du wirst Maya die Kreuzfahrt nicht ausreden«, sagt er. »Das wird nicht passieren.«


Ich runzle die Stirn. »Ich versuche lediglich, meiner Aufgabe als Trauzeugin gerecht zu werden. Was sich die Braut wünscht, ist mir Befehl – das ist schließlich meine Pflicht«, sage ich nüchtern. »Nicht mehr und nicht weniger.«


Gérard zieht eine Augenbraue hoch. »Die Verspätung der Schiffsabfahrt … geht das auf dein Konto?«


Ich lächle sanft. »Das würdest du mir zutrauen?«


Gérard nickt. »Und noch viel mehr«, erklärt er, während mich seine dunklen Augen fixieren. »Die Kreuzfahrt wird lustig, Rachel.«


Irgendwie klingt das fast nach einer Drohung und ein ungutes Gefühl macht sich in meiner Magengegend breit. Meines Erachtens sind Gefühle unnötig und verschleiern den Blick fürs Wesentliche, aber seit ich Gérard kenne, tendiere ich dazu, sie stärker wahrzunehmen. Und mein Bauch sagt mir, dass ich nicht nur Schiffe im Allgemeinen, sondern auch Kreuzfahrtschiffe im Speziellen hasse. Die Idee, mit irgendwelchen Rentnern von irgendwelchen Animateuren zur Polonaise motiviert zu werden und dabei auf hoher See gefangen zu sein, entspricht nicht meiner Vorstellung von Urlaub. Oder von lustig.


»Es wird lustig?«, wiederhole ich Gérards Worte spöttisch. »Woher hast du das? Aus dem Prospekt?« Ich mache eine bedeutungsvolle Pause. »Wusstest du – und ich spreche hier nicht von den ganz großen Unglücken bedingt durch Feuer oder einem hässlichen Aufprall –, dass in den letzten paar Jahren rund fünfzig Leute über Bord gegangen sind? Der Großteil der toten Passagiere ist auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen und mehr als zwanzig Prozent auf Selbstmord


Gérard legt den Kopf leicht schief. »Was soll mir das sagen, Rachel?«


»Selbstmord«, wiederhole ich bedeutungsschwanger. »Es liegt an dem Schiff.«


»Es liegt an dem Schiff?«, fragt er und beginnt zu schmunzeln. »Dir ist auch jedes Mittel recht, oder? Was zum Teufel ist so schlimm an einer Kreuzfahrt?«


Ich sehe ihn verständnislos an. »Musst du diese Frage wirklich stellen?«


Er lässt seine Hände in die Hosentaschen gleiten. »Ja. Anscheinend muss ich diese Frage stellen.«


»Ein Schiff ist kein adäquates Transportmittel. Es schaukelt bei zu hohem Seegang und der verfügbare Platz ist beschränkt.«


»Du übertreibst«, sagt er und stockt kurz, als eine Durchsage ertönt, dass alle Passagiere an Bord gehen sollen, da das Schiff in zehn Minuten ablegen wird. Die entstandene Verspätung wird durch eine zusätzliche Sicherheitskontrolle erklärt.


Gérard sieht mich eindringlich an. »Sag mal – wo warst du überhaupt? Wolltest du nicht eigentlich nur schnell etwas erledigen?«


»Das habe ich auch«, erkläre ich, während sich die Leute in der Schlange an uns vorbeischieben. Dabei können die Frauen ihre Blicke nicht von Gérard nehmen.


»Du warst vier Stunden weg«, sagt er. »Du hättest das Schiff verpasst, wenn es rechtzeitig abgelegt hätte.«


»In deinem Satz befinden sich ganz schön viele Konjunktive«, erwidere ich gelassen.


Gérard blickt mich skeptisch an. »Du hast gearbeitet.«


Ich stocke kurz. »Wie kommst du darauf?«, frage ich kurz und deute in Richtung Maya, Katja und Holger. »Wir sollten zu ihnen gehen und Maya nicht zu lange allein lassen. Wenn sie Alkohol trinkt, macht sie die unmöglichsten Sachen.«


Ich möchte mich gerade auf den Weg machen und dem Gespräch entkommen, als mich Gérard sanft am Oberarm festhält. Es ist eine fast zärtliche Berührung, in der jedoch ein Hauch Bestimmtheit mitschwingt.


»Du hast gearbeitet. Hast du nicht versprochen, an Bord nicht zu arbeiten?«


»Definiere versprechen«, kontere ich. »Und außerdem sind wir noch gar nicht an Bord.«


Gérard schüttelt nachsichtig den Kopf. »Wo ist dein Laptop?«, fragt er.


»In meinem Koffer, den ihr mitgenommen habt.« Ich sehe ihn unruhig an und streiche mir über meine schwarze Hose. »Ihr habt ihn doch mitgenommen, oder?«


Gérard verschränkt die Arme vor der Brust und ich muss daran denken, in wie vielen Punkten wir total unterschiedlich und eigentlich nicht kompatibel sind. Während er als berühmter Fotograf, der von den Medien geliebt wird, nur arbeitet, wann er will, ist meine Agentur mein Ein und Alles für mich. War sie zumindest bislang immer.


»Wozu benötigst du deinen Laptop? Wir sind im Urlaub. Ich weiß, du kennst dieses Wort nicht, aber zum Urlaub gehört Entspannung, und keine Arbeit.«


»Meine Arbeit entspannt mich, Gérard«, sage ich und löse mich aus seinem Griff. »Sehr sogar.«


»Und wie steht es mit mir? Entspanne ich dich etwa nicht?«, entgegnet er, aber es ist keine Frage, sondern eine Aussage und im nächsten Moment zieht er mich zu sich heran. Ich kann das langsame Heben und Senken seines Brustkorbs spüren, ich spüre seine Hände auf meiner Taille und seinen Blick, der zu meinen Lippen wandert, und dann spüre ich nur noch dieses übermächtige Verlangen, ihn zu küssen. Doch statt meinem Wunsch Folge zu leisten, lächelt er nur ruhig.


»Also – keine Arbeit an Bord, versprochen?«, haucht er.


»Ist das etwa Erpressung? Das ist wohl eher mein Metier«, hauche ich zurück.


»Manchmal vertauschen sich die Rollen«, flüstert er rau. »Wir waren noch nie so lange auf so engem Raum.«


Und nachdem er es ausgesprochen hat, ist dieses seltsame Gefühl wieder da.


Gérard und ich befinden uns erst seit einigen Wochen in einer Art undefinierten Beziehung und ich weiß weder, was wir genau sind, noch, was wir eigentlich sein wollen. Sind wir ein Liebespaar oder nur Freunde mit gewissen Vorzügen?


Bislang war ich dankbar, dass wir es nicht beschreiben mussten, denn irgendwie ist das, was wir haben, auch nicht in eine Schublade zu pressen. Genauso wenig wie die Art, wie wir uns kennengelernt haben und einander nähergekommen sind. Ein Fall meiner Agentur zwang mich, mit Gérard zusammenzuarbeiten – und das, obwohl ich ihn anfangs überhaupt nicht ausstehen konnte. Er ist genau der Typ Mann, wegen dem die schluchzenden Frauen in meinem Büro sitzen und mir ihr Leid klagen.


Er ist unheimlich attraktiv, unheimlich von sich selbst überzeugt und war bislang unheimlich erfolgreich darin, sich nur auf One-Night-Stands einzulassen. In den letzten Monaten haben wir jedoch viele Nächte miteinander verbracht und das Thema »Beziehung« dabei weitgehend umschifft.


 


Aber jetzt, wenn wir gleich an Bord gehen, werden wir unweigerlich das Gespräch führen müssen, das entweder direkt zum Ende oder über Umschweife zum Beginn von etwas Festem und damit geradewegs zum Ende führen wird.


»Hast du Sorge deswegen?«, schiebt sich Gérard in meine Gedanken. »Weil wir plötzlich nicht nur die Nächte, sondern auch viele aufeinanderfolgende Tage miteinander verbringen?«


Ich straffe die Schultern. »Nein, und du?«


»Nein«, sagt er, doch ich höre das Zögern in seiner Stimme.


 Regel Nummer 11: Die Liebe ist nicht mehr als ein flüchtiges Gefühl, ein Hormoncocktail, der dich irgendwann ernüchtert zurücklässt.


Gérard streicht mir liebevoll eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Es ist Mayas Vor-Hochzeitsreise, Rachel. Maya wollte dich unbedingt als Trauzeugin haben, nachdem du sie und Holger nicht auseinanderbringen konntest.«


Ich sehe ihn ausdruckslos an. »Ich war zu der Zeit ihres Auftrages gerade im Urlaub. In der Agentur ging es etwas chaotisch zu, deswegen kam es zu den Vorfällen, die sie beinahe auseinander gebracht haben. Aber«, fahre ich nach einer kurzen Pause fort, »sobald ich wieder da war, habe ich die Sache bereinigt und alles geregelt.«


Gérard nickt. »Das hast du. Trotzdem würde es deinem Karma sicher nicht schaden, wenn du Maya nun den Wunsch erfüllst und frohen Mutes auf das Kreuzfahrtschiff gehst.«


»Frohen Mutes?«, frage ich. »Hast du das auch aus dem Prospekt?«


Gérard grinst. »Nicht nur das«, erwidert er und zieht mich ganz eng an sich, sodass nichts mehr zwischen uns passt. »Da stand auch, dass Geselligkeit an Bord begrüßt wird. Und Körperkontakt.«


Und dann landen seine Lippen endlich auf meinen und wir verschmelzen zu einem langen Kuss, der mich das schaukelnde Schiff und die Selbstmorde einen Moment vergessen lässt.



 


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