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Belletristik
Buch Leseprobe Windgeflüster, JuScha
JuScha

Windgeflüster


Strandgeschichten und mehr…

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Drunter und drüber
„Laurus, nun komm endlich. Wir müssen los!“
Aufgeregt flattert Mutter Möwe hin und her.
„Da bin ich, Abflug …“
„Sieh nur Frau: Da unten schwimmt Familie Schwan aus Stralsund. Ich dachte, die hat die Vogelgrippe hinweggerafft.“
„Hältst du wohl den Schnabel, Mann!,“ kreischt Mutter Möwe.
„Das habe ich gehört. Wie kann man bloß so gemein sein?“
„Lass den Kopf nicht hängen. Wenn die weiter so kreischen, wird sie bald der Seeadler holen“, versucht Herr Schwan zu trösten.
Alles was schwimmen kann, hat sich auf dem Strelasund zu dem großen Ereignis eingefunden: mit Wimpeln und Lichterketten geschmückte Ausflugsdampfer, große und kleine Segelboote, Fischerbote und sogar das Forschungs-U-Boot „Trieste“, das einen Abstecher in die Ostsee unternommen hat. Die Einweihung der Rügenbrücke, das Jahrhundertereignis am 22. Oktober 2007, stand an. Die besten Aussichtsplätze waren bereits besetzt.
„Kommt hier auf das schwarze Boot, auf den Turm. Das hat keinen flatternden Schnickschnack dran“, ruft der Möwenvater.
Kaum hat sich die Möwenfamilie Dentalis aus Altefähr niedergelassen, schmettert die Musikkapelle Lobeshymnen. Danach erklingt nicht enden wollendes Menschengeschnatter. Mit drei Böllerschüssen wird die Rügenbrücke freigegeben. Einer Flutwelle gleich schwappt von beiden Seiten ein Strom Zweibeiner über diese. Alle Schiffshörner geben ihren Senf dazu.
Das gesamte Federvieh flattert erschreckt auf. Klein Laurus verliert das Gleichgewicht und purzelt rücklings in die offene Luke des U-Bootes, direkt an einem Matrosen vorbei. Nach dem Ruf: „Möwe an Bord!“, beginnt die wilde Jagd.
„Laurus, komm sofort her“, kreischen die Möweneltern. Die junge Möwe versucht, sich im Ruderflug zu fangen. Wie gerne würde er gehorchen, aber er muss den greifenden und klatschenden Händen ausweichen. Im Gleitflug saust er durch das U-Boot an Kojen vorbei. Dem Kochlöffel des Smutjes kann er im Rüttelflug ausweichen. „Denkste! Wohin nun? Ach, da hinten ist noch eine Öffnung. Hindurch … Wasser!“
Laurus setzt zum Sturzflug an und knallt gegen den Panzerglasboden des Forschungsschiffes.
„Hilfe, ich sinke!“, ist sein letzter Aufschrei, bevor er die Besinnung verliert.
Nach unbestimmter Zeit hört er: „Tiefe 3.000 Meter.“
Laurus rührt sich nicht. Nur die Augen schweifen auf Erkundung. Er bemerkt zwei Menschen, die ins Wasser starren. Plötzlich fühlt sich der Vogel beobachtet und entdeckt unter sich ein riesiges Ungeheuer.
„Hilfe!“ Die Möwe vergisst die Tarnung und versucht hochzufliegen, aber es gelingt nicht.
„Na, da ist ja unser kleiner gefiederter Freund wieder. Ganz ruhig. Du hast dir einen Flügel angebrochen, aber das heilt wieder.“
„Aber, da, da, da …“, kreischt die Möwe und versucht, die Füße vom Glasboden hochzubekommen.
 „Keine Bange, der Pottwal ist zwar ein Riese in der Tiefsee des Atlantiks, aber im U-Boot sind wir in Sicherheit.“ Mit den Worten wird der Vogel vorsichtig emporgehoben. In den warmen Händen fühlt er sich fast wie in seinem heimatlichen Nest. Das Geschnatter wirkt beruhigend. Er beäugt seine Retter.
Der junge Mann, der mich hält, sieht aus wie eine Möwe im Sturm. Alle Haare stehen zu Berge. Der andere hat viel Gefieder im Gesicht. Sein Schopf ist so weiß wie mein Federkleid.
„Professor, haben wir hier eine Weißkopfmöwe?“
„Ja, Patric, lateinisch Laurus occidentalis‘.“
„Wollen wir unsere Möwe Laurus taufen?“
„Ja, wenn du möchtest“, antwortet der Ältere.
Woher kennen die meinen Namen? Das müssen Naturforscher sein, von denen meine Mama erzählt hat. Auf der Greifswalder Oie, vor der Insel Rügen, wurde sie einmal von solchen eingefangen, bekam einen Ring ums Bein und wurde wieder frei gelassen.
Aber was bedeutet Tiefsee? Wo sind der Himmel und das schöne blaue Meer mit den leckeren kleinen Fischen geblieben? Atlantik, das hört sich so fremd und weit weg an. Wo bin ich nur hingeraten?
Die Brückeneinweihung über den Strelasund nimmt im wahrsten Sinne des Wortes ihren Lauf. Ob Groß oder Klein: Läufer, Nordicwalker, Radfahrer und Fußgänger ziehen über dieses neue Wunderwerk. Und an der Brücke gleitet ein blaues Licht vom Festland zur Insel. Dann erstrahlt der Nachthimmel im Feuerwerk.
Familie Dentalis hat aber für das „Ah“ und „Oh“ der Menschen kein Ohr. Mutter Möwe flattert auf und ab, schreit ständig Laurus‘ Namen und weigert sich strikt, mit nach Hause zu fliegen. „Ich bewege mich hier nicht eher weg, bis dieses verflixte schwarze Ding wieder auftaucht und meinen Jüngsten ausspuckt!“


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