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Belletristik
Buch Leseprobe Wenn Wunder wahr werden, Bianca Birkorth
Bianca Birkorth

Wenn Wunder wahr werden



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Es vergingen viele Wochen, bevor ich meine Mutter endlich zur Rede stellen konnte. Oft hatte ich um ein Treffen gebeten und immer wieder irgendwelche Ausreden zu hören bekommen. Doch dann, ich wusste, mein Vater würde nicht zu Hause sein, ging ich ohne Ankündigung zu ihr. Sie sah nicht begeistert aus, als sie mir die Tür öffnete, aber sie ließ mich herein, ging mit mir in die Küche und stellte mir eine Tasse Kaffee hin. Eine Weile schwiegen wir, dann fragte ich ohne Umschweife: »Warum hast du Papa nicht die Wahrheit gesagt? Auch mir hättest du alles erzählen können.« Da fing sie an zu weinen. »Mandy, ich habe eine große Schuld auf mich geladen.« Sie atmete schwer und ich ahnte, dass sie mir mehr zu erzählen hatte, als ich erwartete.
Ich wappnete mich und sie fuhr fort: »Damals auf dem Schiff, auf dem dein Vater und ich anfingen, habe ich einen der Offiziere kennengelernt und mich prompt in ihn verliebt. Ich wusste damals noch nicht, dass er mit jeder Frau auf dem Schiff ein Verhältnis gehabt hat. Schnell war ich dann aber wieder auf dem Boden der Tatsachen. Dieser Mensch war ein Blender und ich wusste nicht, was mich geritten hatte, warum ich auf ihn hereingefallen war. Von ihm bin ich damals schwanger geworden. Das habe ich ihm aber nicht erzählt. Und deinem Vater auch nicht. Ich konnte ihm doch meinen Seitensprung nicht beichten. Ich wollte unsere Ehe nicht zerstören, obwohl ich das durch mein Verhältnis schon getan hatte. Dein Vater war so glücklich, als er erfuhr, dass ich schwanger bin, und er ahnte nicht, dass es nicht sein Kind ist. Doch dann erlitt ich diese Totgeburt und hielt das für die Strafe für mein Fremdgehen. Ich war so verzweifelt, wusste nicht, was ich machen sollte. Der erste Gedanke war, deinem Vater alles zu gestehen und ihn um Verzeihung zu bitten. Dann hatte ich aber so große Angst, dass er mich verlässt, dass ich es doch für mich behielt. Und dann traf ich Marina. Den Teil der Geschichte kennst du ja. Ich nahm dich also zu uns und wir waren alle glücklich. Mein Glück hielt aber nicht lange an, eigentlich war nur dein Vater wirklich glücklich.« »Weißt du eigentlich, dass Vati zeugungsunfähig ist?«, platzte ich heraus.
Meine Mutter sah mich erstaunt an. »Woher willst du das wissen?« »Er hat es mir gebeichtet. Er wusste damals von deinem Verhältnis, hat aber auch gemerkt, dass es für dich nur eine Liebelei war und nicht die große Liebe. Deshalb hat er auch nichts gesagt, als du schwanger wurdest.
Schließlich wünschte er sich auch sehnlichst ein Kind, konnte aber keines zeugen. Oder zumindest nur sehr schwer. Und er stellte sich einfach vor, dass es auch ein Wunder und ich von ihm sein könnte. Alles kam so, wie er es sich gewünscht hatte. Du warst schwanger und er bekam ein Kind.« Meine Mutter sah mich erstaunt an. »Warum hat er mir das nie gesagt?« »Ich denke aus Angst, dass du ihn verlassen würdest.« So, nun hatte ich wirklich alles verraten. Ich hätte mir in den Hintern beißen können. Ich hatte meinem Vater doch versprochen, nichts zu erzählen, und nun saß ich hier und quatschte alles aus. Doch nun war es gesagt, und letztlich war es vielleicht auch gut so, nun musste sich meine Mutter der Wahrheit stellen. Wie es den Anschein machte, hatte sie nun auch einiges zu verdauen.
Ich spürte dennoch Angst, ich wollte keinen von beiden verlieren.
Da meine Mutter nichts mehr sagte, verabschiedete ich mich und rief, kaum dass ich aus der Wohnung raus war, meinen Vater an. Ich verabredete mich mit ihm bei mir zu Hause und musste dann auch nicht lange warten. Ich ließ ihn kaum die Schuhe ausziehen, da sprudelte auch schon die ganze Geschichte aus mir heraus. »Es tut mir so leid, dass ich den Mund nicht halten konnte.« Er schob mich auf einen Stuhl in der Küche und sagte: »Kind, das ist nicht schlimm. Wenn das Herz voll ist, läuft der Mund über!« Ich lächelte ihn an, sagte aber dennoch: »Bitte sei nicht böse.« Er lächelte nun auch. »Nein, mein Kind, ich bin dir nicht böse. Irgendwann muss man sich den Tatsachen mal stellen. Nun ist endlich alles heraus und wir werden sehen, wie es weitergeht.« Kurz darauf verabschiedete er sich. Ich war sehr nervös bei dem Gedanken daran, was nun passieren würde und wartete ungeduldig darauf, dass Sandy nach Hause kam und ich mit ihr reden konnte.
Am Abend, als ich ihr alles erzählt hatte, schüttelte Sandy erst einmal nur den Kopf. Dann fragte sie: »Meinst du, deine Eltern lassen sich jetzt scheiden?« »Hoffentlich nicht«, entgegnete ich erschrocken. »Das ist doch alles schon so lange her.« »Na ja, man kann nie wissen«, kam es seufzend von ihr.
»Aber jeder hatte doch auch Gründe, so zu handeln, ob wir das jetzt nachvollziehen können oder nicht. Und mein Vater ahnte, dass ich nicht sein Kind sein kann und hat es trotzdem akzeptiert. Er wollte immer ein Kind, und meine Mutter hat ihm eins geschenkt.« »Na ja, eigentlich unsere Mutter«, unterbrach mich Sandy. Beide sahen wir uns an und lächelten. Manchmal vergaß ich noch, dass wir Schwestern waren.
»Ich mag deinen Vater«, sagte Sandy nach einer Weile.
»Aber deine Mutter … sie ist immer etwas kühl.« »Ja, wem sagst du das. Aber keiner kann aus seiner Haut.
Es ist halt ihre Art. Und vermutlich sind es auch die Umstände, die haben sie sicher hart gemacht. Sie sagte mir aber, dass sie mich sehr lieb hat. Leider kann sie es nicht so zeigen. Sie müssen unbedingt miteinander reden«, schloss ich und Sandy nickte.
Eine Weile schwiegen wir, dann sagte meine Schwester: »Du, mal was anderes. Ich möchte mich nun endlich um die Erbschaft kümmern und zunächst mal nach Kroatien in das Ferienhaus fahren. Würdest du mich begleiten?« Ich wusste ja, dass das alles noch auf uns zukommen würde, aber ich hatte gar nicht mehr daran gedacht. Nun brauchte ich einen Moment, fand die Idee, hier mal für ein paar Tage rauszukommen, dann aber sehr verlockend.
Sandy wollte eigentlich mit dem Zug fahren, weil sie sich eine so lange Autofahrt, mit all den Gedanken, die sie derzeit beschäftigten, nicht zutraute. Nun aber würden wir uns abwechseln können und beschlossen, am folgenden Wochenende aufzubrechen.
Als ich am nächsten Tag meine Eltern anrief, um ihnen Bescheid zu sagen, war ich doch sehr überrascht, als mein Vater mich bat, ihn und meine Mutter mitzunehmen.
Ich besprach das mit Sandy, die sofort einverstanden war und so war es abgemacht. Ich traute mich nicht, nachzufragen, ob die beiden schon geredet hatten, hielt es aber für ein gutes Zeichen, dass sie gemeinsam verreisen wollten. Wir einigten uns darauf, wenigstens für eine Woche dort zu bleiben, denn wir konnten alle etwas Urlaub gebrauchen.
Auf der ersten Strecke wechselten mein Vater und ich uns beim Fahren ab. In Österreich suchten wir uns ein Zimmer, bevor wir am nächsten Tag weiterfuhren. Es  war doch ganz schön anstrengend. Auch meine Mutter fuhr dann schließlich ein Stück.
Die Landschaft in Kroatien war dann einfach herrlich.
Mir kam sofort der Gedanke: Hier könnte ich auch leben.
Und schließlich standen wir vor dem Haus, das tatsächlich uns gehörte. Alle Läden waren geschlossen. So gingen wir in den Ort und fragten nach der Familie, die das Haus betreute.
Ein Feriengast, wie wir annahmen, der unsere Sprache beherrschte, half uns weiter. Bald hatten wir das Ehepaar ausfindig gemacht – nette, schon ältere Herrschaften.
Sie begrüßten uns freundlich. Per Mail hatten wir bereits Kontakt gehabt und nun übergaben sie uns den Schlüssel fürs Haus. Wir fragten auch, wo man hier etwas Gutes essen gehen konnte und sie wiesen hinter sich auf eine Gastwirtschaft, die sie betrieben.
»Kommt«, sagte mein Vater, »wo wir schon mal davorstehen, lasst uns gleich etwas essen.« Er sah sehr erschöpft aus. Den schrecklichen Unfall auf dem Schiff hatte er offenbar noch lange nicht überwunden.
Außerdem war die Fahrt für uns alle sehr anstrengend und wir hatten Hunger. So ließen wir uns von den Wirtsleuten in die Gaststätte führen und die Karte reichen, die wir aber nicht lesen konnten. Etwas verzweifelt suchten wir mithilfe unserer Handys nach Übersetzungen, bis wie zufällig der Mann, der uns vorhin schon geholfen hatte, im Gastraum stand. Ich winkte ihm zu und als er freundlich die Hand hob und lächelte, fragte ich: »Bitte, könnten Sie uns noch einmal behilflich sein?« Er kam an den Tisch, sah uns mit den Karten und lachte.
»Ich könnte Ihnen das gern übersetzen, aber das geht auch einfacher.« Er winkte den Wirt zu uns und bat diesen um eine deutsche Karte. Aus Versehen hatte er uns die Karte für die Einheimischen gegeben. Nun waren wir alle entspannt und lachten.
Der Wirt brachte mit den neuen Karten als Entschädigung gleich noch eine Flasche Wein, den wir dann mit Wasser verdünnt tranken. Außer mein Vater, der ein Bier bestellen wollte. Der Wirt grinste, als Vati mit dem Finger auf die Stelle in der Karte tippte, auf der das Bier stand.
»Molim pivo«, sagte der Wirt lächelnd. Vati nickte.
»Was immer das auch bedeutet«, sagte er halb lachend, als der Wirt gegangen war. Keine fünf Minuten später hatte mein Vater ein großes Glas mit Bier vor sich stehen.
»Das muss ich mir merken. Molim pivo. – Ein Bier bitte!« Nun mussten wir alle lachen.
»Die ersten Worte Kroatisch«, meinte meine Mutter, »die wirst du nie mehr vergessen.« »Stimmt«, sagte mein Vater.
Unser Essen kam und wir genossen es in aller Ruhe. Es schmeckte hervorragend.
Unvermittelt sah Sandy mich an und meinte: »Du, ich werde hierbleiben.« »Was meinst du?«, fragte ich verwirrt.
»Wie ich gesagt hab, ich werde einige Zeit hierbleiben.« Dann sagte sie nichts mehr. Und auch ich schwieg, denn ich wusste nicht recht, woher diese Idee so plötzlich kam und was ich hätte erwidern sollen.
Nach dem Essen sahen wir uns das Haus an und alles, was drum herum war. Es war ein Paradies.
»Lasst uns doch einfach mal zwei Wochen Urlaub machen «, platzte es aus mir heraus. Meine Eltern waren sofort einverstanden.
Als wir kurz allein waren, sprach Sandy ihren Gedanken von vorher abermals aus. Ich dachte darüber nach. Das Geld wäre kein Problem. Doch ich wollte wieder zur Uni. Schließlich hatten wir uns eingeschrieben. Sandy aber meinte nur: »Wir verschieben unser Studium für ein Jahr. Was denkst du, Schwesterherz?« Ich spürte, wie ernst es ihr war. Und ein bisschen Abstand würde uns allen guttun. So stimmte ich also zu.
Sandy musste erst einmal wieder richtig klarkommen.
Oft war sie abwesend und ich sah immer wieder, dass sie still vor sich hin weinte. Sie tat mir sehr leid, aber mit ihrem Schicksal musste sie erst einmal allein fertig werden. Ich konnte ihr nicht wirklich helfen, das war mir bewusst. Zumal das Ganze auch für mich nicht leicht war. Gerne hätte ich etwas mehr von unseren Eltern erfahren, aber ich getraute mich nicht, sie zu fragen. Wir brauchten Ruhe, alle beide. Also ließ ich ihr alle Zeit der Welt. Uns drängte ja auch keiner. Ob wir in vier oder fünf Jahren fertig studiert hätten, interessierte im Grunde niemanden.


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