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> Belletristik > Wenn es Nacht wird im Pott
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Belletristik
Buch Leseprobe Wenn es Nacht wird im Pott, Alexandra Döll
Alexandra Döll

Wenn es Nacht wird im Pott



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Nachtvorstellung für Charmin Bear



[...] Als er die Halfmannstraße überquerte, warf er einen Blick auf die andere Straßenseite, um zu kontrollieren, ob ihm die Ratte dort nicht auflauerte, aber es war nichts zu sehen. Wahrscheinlich war das Tier in den Erholungspark Schmidt-Horst gelaufen, an dem er selbst gerade erst vorbeigekommen war. Die Straße machte einen kleinen Knick, bevor es unter der Eisenbahnbrücke durch über die Kleine Emscher ging. Charmin Bear beschleunigte seinen Schritt, um möglichst schnell den Teil vor und hinter der Eisenbahnbrücke hinter sich zu bringen, denn dort hatte ihm ja die Zombie-Rose aufgelauert. Er hatte die Rückertstraße fast erreicht, als hinter einem Baum eine Gestalt hervorkam. Charmin Bear erschrak fast zu Tode, als im fahlen Mondlicht ein etwa 1.60 großes Skelett auf ihn zukam. Er blieb wie angewurzelt stehen. Das Blut pulsierte wie wild in seinem Kopf, sein Mund wurde trocken. Er wurde noch panischer, als er das Schild las, das sich das Skelett mit einer Wäscheleine um den Hals gebunden hatte: Achtung – ernsthaftes Skelett! Charmin Bear wollte den Mund öffnen, um etwas zu sagen, aber er bekam keinen Ton heraus. Andere Leute hätten wahrscheinlich auch nicht anders reagiert, wenn sie sich nachts einem Skelett gegenüber gesehen hätten, das zudem noch als ernsthaft deklariert war.

Das ernsthafte Skelett quatschte ihn einfach frontal an und erklärte ihm total ernsthaft, dass es sich gerne eine Scheibe von ihm abschneiden würde. Zum Glück ahnte Charmin Bear instinktiv das subtile Wortspiel, das hinter der Aussage steckte – normalerweise bedeutete der Spruch „Da kannst du dir mal ne Scheibe von abschneiden“ ja, dass man sich eine bestimmte Person als gutes Beispiel nehmen sollte, aber Charmin Bear befürchtete, dass das ernsthafte Skelett genau das nicht meinte, sondern andere ernsthafte Absichten hegte. Der eher sanftmütig veranlagte Charmin Bear stieß das Skelett in Panik einfach mit einem unartikulierten Laut zur Seite und lief so schnell er konnte Richtung Eisenbahnbrücke. Das ernsthafte Skelett landete unsanft im Gras einer kleinen Rasenfläche, die sich auf der Ecke Rückertstraße/Ober-marxloher Straße befand. Es kam mühselig wieder auf die Knochen und rieb sich den Steiß. Wenigstens konnte es keinen Bluterguss mehr bekommen, das war das einzig Tröstliche. Es jammerte, weil es sich den Steiß geprellt hatte. Seine Kumpels kamen hinter dem Eckhaus auf der Rückertstraße hervor und meckerten, weil das ernsthafte Skelett es nicht geschafft hatte, Charmin Bear, an dem ja nun aufgrund seiner Größe von 1.90 und seinem Lebendgewicht von 130 Kilo jede Menge Fleisch dran gewesen wäre, in ihr Gruselhäuschen zu locken, denn dort hätte der arme Charmin Bear dann als leckeres Spanferkel auf dem höllischen Grill für das ernsthafte Skelett und andere Untote herhalten müssen...

Charmin Bear versuchte währenddessen, sich ein wenig zu beruhigen. Er hatte es ja fast geschafft – noch gut 200 Meter, dann würde er zuhause sein, konnte seine Haustür verrammeln, eine Tablette nehmen und endlich schlafen. Er drehte sich noch einmal um. Das ernsthafte Skelett folgte ihm nicht und auch die Zombie-Rose, die er in Höhe der Eisenbahnbrücke gesehen hatte, war nirgends zu sehen. Sein Blick richtete sich augenblicklich wieder nach vorne, als er von einem grellen Lichtkegel erfasst wurde. Ein Paar eckige, sportlich aussehende Scheinwerfer hielten genau auf ihn zu. Er erstarrte. Das Auto schien ihn ummähen zu wollen, aber wo sollte er hin? Er hätte höchstens in die Emscher springen können, da er sich gerade auf der Brücke befand, aber erstens war er kein guter Schwimmer, zweitens wusste er noch nicht einmal, wie tief der Fluss an dieser Stelle war und drittens hatte er keine Lust, wie ein Iltis zu stinken, wenn er in den am Grund befindlichen Schlamm eintauchte. Er war wie paralysiert, als die Scheinwerfer immer näher kamen. Im Schein einer Straßenlaterne konnte er erkennen, dass es sich bei dem Wagen um ein rotes Mégane Coupé Cabrio handelte. So ein Auto hatte seine ehemalige Sekretärin Aileen Fischer gefahren. Obwohl sie seit acht Monaten nicht mehr im Unternehmen war, hatten einige ihrer ehemaligen Mitsekretärinnen immer noch regen Kontakt zu ihr. Am Kaffeeautomaten hatte er vor einigen Tagen mitbekommen, dass Frau Fischer mit ihrem Cabrio einen Totalschaden gebaut hatte – zum Glück nur Blech- und kein Personenschaden. Was in aller Welt machte dieses Auto hier?! Nun gut, es konnte ja auch noch andere Mégane Coupé Cabrios in der Farbe geben und er glaubte nicht, dass Frau Fischer nachts mit einem herumfahren würde, um ihn umzunieten. Das letzte Mal hatten sie sich vor acht Monaten gesehen und es war nicht gerade eine erfreuliche Begegnung gewesen, aber das hatte er sich selbst und seinem Verhalten zuzuschreiben. Der Wagen hielt mit kreischenden Reifen, keinen Meter von seinen Beinen entfernt. Er hatte sich angstvoll gegen das Brückengeländer gedrückt in der Erwartung, dass der Wagen ihn gleich zerquetschen würde wie eine lästige Wanze. Er zitterte. Der Motor des Cabrios lief ruhig, das Licht der Scheinwerfer blendete ihn. Der Fahrer oder die Fahrerin stieg nicht aus. In der Dunkelheit konnte er noch nicht einmal eine Gestalt hinter dem Lenkrad ausmachen. Er versuchte, energisch zu klingen, als er rief: „Jetzt lassen Sie das sein! Das ist versuchte Körperverletzung...“Ihm gefror das Blut in den Adern. Er hörte ein leises, boshaftes Kichern, das eindeutig nicht aus dem Inneren des Fahrzeugs zu kommen schien – das Cabrio selbst schien zu kichern. Sein Blick fiel auf das Kennzeichen. Er fing an zu hyperventilieren, als er es gelesen hatte.

T-OD 2007


Aus dem Cabrio stieg immer noch keiner aus. Er fragte sich, wer dort hinter dem Steuer saß. Der Wagen kicherte wieder.

„Wer bist du?“ flüsterte Charmin Bear heiser.Der Wagen selbst antwortete. „Ich bin das Geister-Cabrio, hähähä!“Das Auto lachte blechern – war ja auch kein Wunder, zumal Autos die Angewohnheit hatten, zu einem Großteil aus Blech zu bestehen. „Was machst du hier?“ stammelte er.Das Cabrio antwortete nicht; alles, was er hörte, war das ruhige gleichmäßige Geräusch eines kraftvollen, 113 PS starken Benzinmotors. Er spürte die Wärme des laufenden Motors an seinen Beinen, die durch den Kühlergrill nach außen drang. Er kauerte sich verängstigt zusammen. Fast flehend sagte er: „Was willst du hier? - Sprich!“Das blutrote Cabrio kicherte wieder, bevor es antwortete.„Dich erschrecken, verstehst du mich?“Nun schlug Charmin Bears Furcht in Wut um, zumal es sich dabei nicht wirklich um einen Spaß handelte. Als Berufsjurist wusste er, dass hier die Tatbestände der Nötigung, Verkehrsgefährdung, Belästigung und versuchten Körperverletzung erfüllt waren. Außer in der Serie „Knight Rider“ mit David Hasselhoff hatte er auch noch nie erlebt, dass ein Auto sprach. Er ging auf die Fahrertür zu. Dem Bürschchen würde er helfen! Fast erwartete er, dass das Cabrio jetzt auf ihn los gehen würde, aber es blieb ruhig an seinem Platz. Mit einem Ruck riss er die Fahrertür auf. Das Cabrio war wirklich leer. Seine Furcht kehrte augenblicklich zurück. Also hatte das Auto die Wahrheit gesprochen! Als er sich vorsichtig ins Wageninnere beugte, stellte er fest, dass die Chipkarte steckte, mit der man den Motor starten bzw. abstellen konnte. Er wollte auf den großen Start/Stop-Knopf drücken und die Karte einfach abziehen, um diesem makaberen Cabrio den Saft abzudrehen, doch dazu kam es nicht. [...]

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