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Belletristik
Buch Leseprobe Weihnachtsgeschichten, 22 Autoren
22 Autoren

Weihnachtsgeschichten



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Sabine Ludwigs: Schneefreuden
Im Sommer wurde im Haus gegenüber ein neues Geschäft eröffnet. Es war ein Trödelladen und der Besitzer hieß Herr Lukas. Herr Lukas war ein uralter Mann mit schlohweißen Haaren. Er hatte ein blaues und ein grünes Auge und mochte es gern, wenn sich Kinder an seinem kleinen Schaufenster die Nasen platt drückten. Und das taten sie häufig, allen voran Mario, denn bei Herrn Lukas gab es immer aufregende und seltsame Dinge zu entdecken. Als die Weihnachtszeit kam, schmückten die Händler in der Straße ihre Schaufenster mit Lichterketten, bunten Päckchen, Tannenbäumen und Spielzeug. Alles strahlte, funkelte und sah prächtig aus. Trotzdem war es das Schaufenster des Trödelladens, vor dem Mario am allerliebsten stehen blieb - denn da dampfte eine Modelleisenbahn durch eine Winterlandschaft. Ein Bahnhof stand neben einem hell erleuchteten Dorf. Es gab einen Weihnachtsmarkt und eine Kirche, vor der ein Christbaum aufgestellt war. Leute scharten sich um den Baum, hielten Notenblätter in der Hand und sangen. Ihre runden Münder waren weit aufgerissen. Mario stellte sich vor, dass sie gerade "O du fröhliche" angestimmt hatten, und manchmal pfiff er die Melodie vor sich hin. Der Zug fuhr mit rauchendem Schlot durch einen verschneiten Wald mit winzigen Rehen, Hasen und Füchsen. Daneben lag ein Rodelhang, auf dem Kinder mit wehenden Haaren und lachenden Gesichtern auf ihren Schlitten bergab sausten. Beinahe meinte Mario, ihr Rufen und Johlen hören zu können. Alles war so lebensecht und liebevoll dargestellt, dass er jeden Tag davor stehen blieb und nicht müde wurde es zu betrachten. Wenn der Alte ihn sah, winkte er ihm hereinzukommen. Dann stieß Mario die Ladentür so heftig auf, dass die kleinen Glöckchen aufgeregt bimmelten.

Norbert Sindelek: Der Weihnachtspinguin
Ich bin der Weihnachtspinguin. Du fragst, wer das sein soll, der Weihnachtspinguin? - Na der Pinguin, der zu Jesu Geburt den Stall besucht hat, gemeinsam mit den Engeln, Hirten und Königen, den Schafen, Kamelen, Hirtenhunden, dem Elefanten und so weiter. Du glaubst mir nicht? Typisch! Jedes Jahr zu Weihnachten versuche ich, die Menschen davon zu überzeugen. Zu Weihnachten können ja bekanntlich die Tiere reden. Wobei wir Tiere eher der Ansicht sind, an diesem Tag könnten die Menschen ausnahmsweise mal verstehen, was wir Tiere reden, aber egal, es nützt mir eh nichts. Jedes Jahr stoße ich auf taube Ohren oder, noch schlimmer, auf mitleidiges Kopfschütteln. So eine Gemeinheit. An den Ochsen und den Esel glaubt jeder, dabei steht von denen auch kein Wort in der Bibel. Aber mit den Pinguinen kann man's ja machen. Dabei waren wir Pinguine immer schon aufmerksame Zeugen von Gottes Wirken. Zum Beispiel damals, als er dem alten Noah auftrug, uns und alle anderen Tiere in seine Arche zu packen und vor der Sintflut zu retten. Nicht, dass das nötig gewesen wäre, wir Pinguine können mindestens genauso gut schwimmen wie jede Arche, aber na ja, Gottes Wege sind unergründlich, wie man sagt. Doch als die Arche dann auf dem Berg Ararat strandete, standen wir erst einmal ratlos da, denn der Ararat liegt bekanntlich in der Türkei, in Kleinasien, wie das früher hieß. Und das ist vom Südpol, wo wir eigentlich hingehören, ziemlich weit weg. Erst recht wenn man ein Vogel ist, der gar nicht fliegen kann. Manchmal frage ich mich, wozu Gott uns überhaupt Flügel gegeben hat, aber na ja, Gottes Wege … ich hab's ja schon gesagt. Auf jeden Fall gab es nach der Sintflut ein paar tausend Jahre lang eine Pinguinkolonie mitten in Kleinasien. Bis wir eines Tages vor ungefähr zweitausend Jahren beschlossen, dass es dort eindeutig zu warm für Pinguine ist. Wir entschieden uns, durch Galiläa ans Rote Meer zu watscheln und dann bis zum Südpol zu schwimmen. Damit uns nicht zu heiß wurde, waren wir nur nachts unterwegs. Und in einer Nacht, in der die Sterne besonders hell schienen und ein ganz außergewöhnlicher Stern am Himmel strahlte, kamen wir an einen Ort, wo für diese späte Stunde ganz schön viel Betrieb war. Schafherden und Kamelkarawanen, Esel und Menschen zogen an uns vorbei.

Patricia Koelle: Der Engel am Ende des Himmels Es gab noch andere Wanderer an diesem tonlosen Dezembertag, doch sie verliefen sich so sandkorngleich auf dem breiten Strand, als wäre ich endlich allein mit meinen Fragen. Die Stille verblüffte mich. Ich kannte dieses versehentliche Stückchen Land zwischen Himmel und Wasser seit Kinderzeiten und hatte mir vorsorglich einen festen Zopf geflochten, denn die Knoten aus meinem Leben waren leichter herauszubekommen als die, welche Nordseeinselwind in langen Haaren hinterlässt. Doch das Meer hatte sich in einer fernen Ebbe zusammengerollt und war nur als grauer Strich zu ahnen, und der Wind, nach dem ich mich gesehnt hatte, streunte andernorts. Die klare Frostluft ruhte schlaff auf dem Sand wie ein verlorenes Tuch. Dafür war der Himmel, dem ich hier im Dezember bisher nur als geballtes graues Stürmen begegnet war, eine blaue Überraschung. Ich löste meinen Zopf wieder. Ich kann Zöpfe nicht leiden; meine Gedanken verstricken sich darin. Gerade jetzt, wo ich mich an einen davon gewöhnen musste, der sich sperrte. Walter war mein Freund gewesen, nicht der Freund, aber einer von jenen, die die Tage anders färben, als sie ohne ihre Gegenwart gewesen wären. Sein Tod war nicht unerwartet. Ich hatte ihn schon bei unserem letzten Treffen als eine geduldige Gegenwart in Walters Augen gesehen. Ja, ich hatte Walter in diesem Wissen sogar einen Abschiedskuss gegeben, den ersten und letzten Kuss, den es zwischen uns gegeben hat, und in dem Kuss war ein Bedauern gewesen und ein Frösteln. Doch ich hatte noch viele Briefe und Telefonate in unsere Zeit gerechnet. Walter pflegte mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu klingeln, um zwei oder drei Uhr, und mir Bruchstücke von Geschichten vorzulesen, die ihn gerade faszinierten. Nach dem ersten Ärger gewöhnte ich mich daran und fiel, wenn er seine Gegenwart in meinem Ohr mit dem Hörerklicken beendete, sofort und besser in den Schlaf, in den ich die Geschichten mitnahm und zu Ende träumte. Kurz vor Weihnachten waren es immer besonders viele Geschichten, als gäbe es in Walter einen Stau, den er noch vor Jahresende auflösen musste.

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