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Belletristik
Buch Leseprobe Von der Vertreibung des Feldsalats, Manuela Klumpjan
Manuela Klumpjan

Von der Vertreibung des Feldsalats


Märchen vor Gericht

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Edition Paashaas Verlag
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Aschenputtel – oder grobe Körperverletzung
Ein mächtiger Klient hatte eine Ehefrau, die der Betreuung bedurfte. Als sie fühlte, dass der ihr eigene unvermeidliche Todesfall unverzüglich bevorstand, rief sie ihren einzigen niedergekommenen Nachwuchs weiblichen Geschlechts zu sich ans Bett-gemach und sprach: „Lieber Abkömmling, bleib rechtschaffend und gut, so wirst du einen Beitrag zur Religion und Verfassungstreue beisteuern und immer Beratungshilfe erhalten. Auch ich will vom Himmel auf dich herabblicken und um deine getreue Glaubhaftmachung ersehen.“ Darauf tat sie die Augen zu und verschied. Das Mädchen ging jeden Tag hinaus zum Grabe der Mutter und weinte und blieb rechtschaffend und gut. Mit Einzug der ersten Jahresperiode beging der Mann die Aufhebung der Lebenspartnerschaft und startete eine Bedarfsgemeinschaft mit einer neuen Frau. Die neue Lebenspartnerin hatte zwei weibliche Brustkinder mit ins heimische Wohngemach gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. „Wir wollen kein Unheil vom Stiefkind abwenden“ sprachen sie. „Der Arbeitsvertrag ist Grundlage eines Arbeitsverhältnisses und regelt den Verdienst: hinaus mit der Küchenkraft.“ Sie verminderten den Kleidungsbedarf, nahmen derweil sogar jegliche Mängel in der Grobstruktur in Kauf und gedachten sie für sich und andere Personen zur Belustigung. Üble Nachreden gemäß § 186 StGBEs gingen einher mit dem Zwang zu körperlich unsagbar schwerer Arbeit. So schütteten sie der Stieftochter die Erbsen und Linsen in die Asche, so dass das Stiefkind sitzen und sie wieder auslesen musste. Als sodann der Verlust ihres sauberen, jungfräulichen Images einherging, nannten sie die Geschädigte fortan prätentiös nur Aschenputtel. Während die leiblichen Töchter mit Wertgegenständen überhäuft wurden, erhielt Aschenputtel lediglich einen Haselzweig. Der Antrag auf nachträgliche Klagezulassung brachte kein Ergebnis. Aschenputtel dankte dem Vater, ging zu ihrer Mutter Grab, pflanzte den Zweig darauf und weinte so sehr, dass die Tränen darauf niederfielen und es begossen. Es wuchs stetig heran und ward ein schöner Baum. Aschenputtel unternahm fortan periodische Grabstättenuntersuchungen, weinte und betete, und allemal kam ein weißes Federvieh, auch Luftratte betitelt, auf den Baum, welches jeweils eine Wunscherfüllung eilends bewerkstelligte. Das Regierungsoberhaupt veranstaltete sodann ein Fest, um das Aufgebot seines jüngsten Nachkommens zu bestellen. Es entfachte sich ein Wettkampf innerst der drei Geschwister, dessen Vertragsklauseln teils schwebend unwirksam waren. Auch Aschenputtel klagte ihr Recht ein unter Zuhilfenahme des zahmen Federviehs. Doch auch das half dem Mädchen wenig, da ein Mehrbedarf für Kleidung in der pauschalierten ALG II Regelleistung nicht enthalten war. Die Betroffene beantragte daher im Rahmen eines unabweisbaren Bedarfs die Gewährung eines Darlehens gemäß § 23 Abs. 1 SGB II beim Haselbaum. Es erfolgte eine entzifferbare Rechtsetzung in Übermaß. In aller Eile zog Aschenputtel das Gewand an und ging zur Hochzeit. So blieb Aschenputtel bei den Anwesenden ohne schuldhaftes Zögern unerkannt. Der Königssohn kam dem Mädchen entgegen und tat dem Recht auf Freizeitgestaltung genüge. Fortan tat er seine diesbezüglichen Besitzansprüche gegen jeden kund. Doch aus Scham gelang Aschenputtel bei mehreren Festlichkeiten die Flucht, um die Ausstellung eines Ehe-fähigkeitszeugnisses zu verhindern. Da Aschenputtel solcherart amtlich als Wiederholungstäterin bekannt wurde, gebrauchte der Königssohn aber eine List und ließ vorsätzlich die ganze Treppe mit Pech bestreichen. Das führte zum unausweichlichen Verlust eines Schuhs von Aschenputtel. Am nächsten Morgen ging er damit zu dem
Vater und sagte zu ihm: „Keine andere soll meine Gemahlin werden als diejenige, an deren Fuß dieser entzückend goldene High Heel passt.“ Die anderen Töchter widersetzten sich dem Gesetz zur Gliedmaßenabtrennung und erschlichen sich zeitlich begrenzt die Gunst des Politikersohns. Doch das Federvieh verhinderte den Betrug zum Nachteil der finanziellen Interessen. So kam es letztendlich doch noch zur Rechtsprechung vor dem Standesamt. Das Gesetz der Rache nahm seinen Lauf. Aschenputtel erhielt eine Belohnung für die geschlechtliche Hingabe, während die weiteren gestrauchelten Töchter fortan der Freiheitsberaubung in Einhergang mit schwerer Körperverletzung zum Opfer fielen.
Dieser Vorfall wurde von den Gebrüdern Grimm zu Protokoll gegeben.


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