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Belletristik
Buch Leseprobe Vom Glück verfolgt, Anouk Ferez
Anouk Ferez

Vom Glück verfolgt



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Schwarzer Montag

 


Eigentlich sind Montage echt schlimm. Besonders solch ein Montagmorgen. Eigentlich ist alles schlimm, wenn man Lucy Flemming heißt.


Ach ja, das bin übrigens ich. Gestatten, der größte Pechvogel unter der Sonne! Hm, es kann wohl nicht jeder ein Sonntagskind sein, so wie Lilly.


Der Unterschied zwischen mir und meiner älteren Schwester wird besonders deutlich, wenn ich genau neben ihr sitze, so wie jetzt gerade. Kaum zu glauben, dass ich  mit diesem engelsgleichen Wesen so eng verwandt bin. Ob man sie damals vertauscht hat?


Selbst wenn sie sich einen ganzen Toast quer reinstopft, ist Lilly bildhübsch. Klar, ihre Haare haben ja auch die gleiche goldene Farbe wie der dicke Tropfen Honig, der gerade ihre Hand heruntertropft und brav auf der Serviette landet – und nicht auf ihrem neuen, pinken Oberteil. (Solche Pannen unterlaufen nämlich ausschließlich mir. Logisch, ich habe ja auch das Pech gepachtet!) Bei Lillys himbeerfarbenen Traum von einem Top handelt es sich übrigens um haargenau das Shirt, auf das ich schon seit Wochen scharf bin – und das es leider nicht in meiner Größe gab. Natürlich nicht.


Die blöde Trulla von Verkäuferin sagte, ich sei eben viel zu klein und dünn für mein Alter. Mit dreizehn sei man heutzutage schließlich längst in der Pubertät und runde sich an gewissen Stellen. Wie selbstherrlich die ihren gewaltigen Bug zu mir herüber geschwenkt hat! Sicher braucht sie für den tonnenweise Stahlverstärkung. Das Leben ist echt gemein: Warum sind die Ressourcen so ungleich verteilt?


Abends habe ich noch lange wachgelegen und mich gefragt, warum die Natur mich bisher ausgespart hat. Und ob mit mir wirklich alles in Ordnung ist. Hm, vielleicht liegt es auch daran, dass ich genau genommen noch zwölf bin. Bis zu meinem 13. Geburtstag sind es noch ein paar Tage. Bis dahin kann sich ja noch so einiges tun.


„Die Hoffnung stirbt eben zuletzt“, sagt Lilly immer. In diesem Fall gebe ich ihr recht.


 


Wenigstens ist der heutige Montag nicht gar so übel wie sonst. Zumindest fängt er gut an. Mama tut uns nämlich einen riesengroßen Gefallen: Sie ist bereits bei der Arbeit.


Meine Mutter ist Tierärztin und hat eine gut laufende Praxis in der Stadt. Dass sie morgens oft früh raus muss (naja, genau genommen ist 6.00 Uhr noch mitten in der Nacht) stört niemanden, nicht mal sie selbst. Fast habe ich den Verdacht, sie fühlt sich unter den Katzen, Kötern und Nagern wohler als  an unserem Familientisch.


Wir Mädels haben heute später Unterricht. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich mir ruhig noch eine Stulle schmieren kann. Wer weiß, vielleicht passt mir so ein cooles pinkes Top dann wirklich irgendwann. Ob man Fett beschwören kann, sich an genau den richtigen Stellen anzusetzen? Ich werde nachher Stine fragen. Hm. Oder doch besser Cora? Die kennt sich bestens mit derlei Fragen aus, seitdem sie die „Mädels Madness“ abonniert.


Momentan muss ich leider das Beste aus dem machen, was ich habe. Prüfend blicke ich an mir herab: Das Shirt, das ich mir vorhin übergeworfen habe, ist gar nicht mal so übel. Orange mit weißen Streifen, das bringt meine grauen Augen zum Leuchten. Die sehen dann fast blau aus, wie Lillys. Okay, okay, die Betonung liegt auf „fast“.


 


Mein Fräulein Schwester wird bald sechzehn und schminkt sich täglich – obwohl sie das nicht nötig hätte. Wenn ich mal so alt bin, wäre ich schon froh, so hübsch zu sein wie Lilly, wenn sie einen ihrer vermeintlich schlechten Tage hat. (Ich sage „vermeintlich“, weil es in Lillys Leben eigentlich nur Glückssträhnen gibt, die sich nahtlos aneinanderreihen!)


Ich wäre schon vollkommen zufrieden damit, so auszusehen wie sie, wenn sie gerade über „Twilight“ geflennt hat und glaubt, sie gleiche einem Meerschweinchen mit Bindehautentzündung. Was natürlich nicht stimmt. Mädchen wie Lilly sehen nicht verheult, sondern „zu Tränen gerührt“ aus.


 


Ja, so schön wie sie möchte ich mal sein. Ich hab nämlich echt keinen Bock mehr, mich immer mit meiner „schönen Seele“ trösten zu lassen. Jungs sind in der Regel keine Psychoanalytiker, die sehen so etwas nicht!


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