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> Belletristik > Vom Angelkahn zur Motoryacht
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Belletristik
Buch Leseprobe Vom Angelkahn zur Motoryacht, Claus Beese
Claus Beese

Vom Angelkahn zur Motoryacht


Aufstieg und Elend eines Freizeitskippers

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...»Mama! Meinst du denn, wir können Papa alleine zum Angeln da raus lassen?«, fragte mein Nachwuchs sorgenvoll, und deutete damit an, dass sie meinen Plan durchschaut hatte. »Da er nirgends anzulegen braucht, müssen wir ja nicht an Bord sein. Und wenn er zurück kommt, sehen wir das und können ihm beim Anlegen im Hafen helfen«, sinnierte meine Bestfrau. »Jaaa, wenn er zurück kommt...«, antwortete mein Leichtmatrose gedehnt. »Stell dir vor, da kommt plötzlich Seenebel und er sieht nix mehr! Wie soll er dann wissen, in welche Richtung er fahren muss? Und dann fährt er und fährt er und fährt er...! Oder ein großer Dorsch zieht ihn in die Fahrrinne und es kommt so eine von den großen Autofähren...?« »Oder es kommt ganz plötzlich Sturm auf? Bei so richtig hohen Wellen kann das Schiff umkippen«, griff meine Bestfrau das Thema nun auch auf. »Kentern heißt das in der Seemannssprache, Mama! Und wenn Papa gerade einen Fisch herausziehen will, und es kommt ein riesiger Hai...?« Die beiden saßen mit nachdenklichen Minen auf ihren Plätzen und grübelten über die tausend Tode, die ich sterben konnte. Richtig rührend, fand ich. Dann sprangen beide wie auf Kommando in die Höhe und verschwanden in den Kajüten. »He! Wo wollt ihr hin?«, rief ich überrascht. »Na, unsere Sachen packen! Wir machen uns einen schönen Tag am Strand«, tönte es im Chor leicht dumpf aus den Tiefen des Schiffes. Ein leichter Anfall von Nachdenklichkeit überkam mich und ich war mir nicht sicher, wie ich den ganzen Vorgang bewerten sollte. Noch bevor ich zu einem Ergebnis kam, sausten meine beiden bepackt mit Taschen und Sonnenschirm an mir vorbei. »Tschühüß! Und fang ordentlich was!« »Petri heil heißt das, Mama! Und als erstes möchte ich ein großes Eis!« Mit diesen Worten entschwanden beide aus meinem Blickfeld und mir wurde in diesem Augenblick bewusst, dass ich mich gelegentlich nach einer neuen Crew umsehen sollte. Nach einer, die etwas weniger naseweis war, absolut nichts gegen Fische hatte und eine angeborene Resistenz gegen Seekrankheit besaß. »Pah! Weiber!«, schimpfte mein Wikingervorfahr mit vor Zorn gesträubten Bartenden. »Früher haben wir so etwas auf dem Sklavenmarkt verkauft. Je weiter weg, um so besser!« Ich fing an zu bedauern, dass sich seither die Gepflogenheiten geändert hatten. Aber egal, ich hatte freie Bahn und genug Diesel im Tank um notfalls bis zur dänischen Insel Langeland und zurück zu schippern, falls es hier keine Dorsche mehr geben sollte. Schon war das Belegschild wieder auf rot gedreht, der Motor gestartet und die Vorleinen losgeworfen. Vermutlich hätte es die ganze Sache sehr erleichtert, wenn ich zum gleichen Zeitpunkt an Bord gewesen wäre, denn der Zug der Heckleinen ließ DODI sofort nach achtern wegtreiben. Mit dem Mut der Verzweiflung nahm ich Anlauf und sprang mit einem wahren Panthersatz ... mitten hinein ins Laboer Hafenbecken. Ich holte mein Boot schnell ein, denn noch hingen die hinteren Festmacher an den Dalben und außer, dass mein Boot inzwischen quer in der Box lag und der halbe Hafen laut lachend meine Anstrengungen an Bord zu gelangen zur Kenntnis nahm, war ja, Neptun sei Dank, nichts passiert. Ich beachtete das verschämte Gesicht meines Wikingerahnen nicht, richtete das Boot neu aus und belegte die Achterleinen mittschiffs. Im Nu hatte ich die nassen Klamotten gegen trockene Sachen getauscht, klemmte mich erneut hinter das Ruder und manövrierte das Boot aus dem Hafen. Ich nahm schnurstracks Kurs auf den Leuchtturm, der draußen vor der Förde mitten im Meer auf einem Betonsockel stand und als Ansteuerung für die Kieler Förde diente. In einigem Abstand zu dem Bauwerk stellte ich den Motor ab und ließ DODI treiben. Ich kramte meine kurze Pilkrute heraus, hängte einen 80er Pilker in den Wirbel und ab ging es. Mit taumelnden Bewegungen sank der Köder zum Meeresgrund und ich begann das Spiel mit dem Heben und Senken der Rute, das den Dorschen vorgaukeln sollte, es hier mit einem sehr, sehr, sehr kranken Fischlein zu tun zu haben, mit dem man leichtes Spiel haben würde. Die Zeit verging, und ich pilkte und pilkte und merkte nicht, wie DODI immer weiter vom Leuchtturm abgetrieben wurde. Entweder gab es hier keine Fische, oder sie mochten meinen Köder nicht. Ich wechselte nun schon zum wiederholten Mal den Ködertyp, und als ich gerade mit dem neuen Modell zum Wurf ausholen wollte, geschah es. »Raaaaum!«, brüllte der Segler, der sich beinahe lautlos angeschlichen hatte und dem ich vor den Bug getrieben war. Meine Güte, war das Meer nicht groß genug? Hatte der Blödmann kein Ruder, dass er den Kurs nicht selber bestimmen konnte, den sein Windei fuhr?....


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