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Belletristik
Buch Leseprobe Volturnus schläft, Bettina Schott
Bettina Schott

Volturnus schläft


Historischer Roman

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Der Kerker des Altensteiger Schlosses war nicht sehr groß, doch er erfüllte seinen Zweck. Der »Höllenturm« konnte über den äußeren Wehrgang, der über das Nordtor führte, erreicht werden. Eine schwere, eisenbeschlagene Eichentür führte in einen schmucklosen leeren Raum, der lediglich eine Holzklappe im Boden besaß. Durch diese wurden die Gefangenen in das darunter liegende Verlies geworfen.
Pfarrer Wiener und Wentzel Hornbacher waren die einzigen Insassen, die sich tief unten im Turm befanden. Der Raum war stockdunkel, und es stank fürchterlich. Die Wände waren kalt und feucht. Selbst im Sommer war der Gefängnisturm ein eisiges Loch, das von der Wärme draußen nichts abbekam. Es gab nichts in dem Schacht, was den Aufenthalt dort angenehmer gemacht hätte, nicht einmal Stroh auf dem Boden. Die Notdurft mussten die Gefangenen in der Zelle verrichten. Das Problem hierbei war, dass der Boden sich zur Mitte hin senkte und die Fäkalien sich dadurch in der Kuhle sammelten. Ein unglaublicher Gestank war die Folge.
Der Pfaffe sprach kein einziges Wort und hockte an der frostigen Mauer. Wentzel Hornbacher saß auf der gegenüberliegenden Seite und quetschte sich seitlich zur Wand, damit seine Füße nicht in den Exkrementen liegen mussten. Auf Dauer war diese Stellung jedoch äußerst unbequem.
Wentzel hatte mehrfach versucht, den Pfarrer anzusprechen und zu provozieren, dieser jedoch blieb davon völlig unbeeindruckt. Stoisch verharrte er auf seinem Platz und starrte ins undurchdringliche Dunkel.
Zu allem Übel stimmte Wentzel nun eine selbst gedichtete Weise an, mit der er den Geistlichen aus der Reserve locken wollte:


»Ein Pfarrherr einst im Kerker saß,
er stank wie faulig-altes Aas,
von einer Hex’ ließ er sich blenden
und zart sich beißen in die Lenden,
weg ist der Schwanz, die Pein gar groß,
ein blutig’s Loch bleibt ihm im Schoß …«


Beim letzten Wort hatte sich Pfarrer Wiener jäh von seinem Platz erhoben und stürzte sich nun blindwütig auf den Flößer. Er zog ihn mit beiden Armen vom Boden hoch, sodass Wentzels Füße in der Luft hingen; er warf ihn mitten in den Raum, direkt in die braune Suppe. Wentzel Hornbacher stieß einen infernalischen Schrei aus, erhob sich und preschte mit dem Kopf voran auf den Pfaffen zu. Mit voller Wucht rammte er ihm seinen Schädel in den dicken Wanst, was den Geistlichen rücklings zu Boden gehen ließ. Das ungleiche Paar wälzte sich stürmisch in der stinkenden Brühe und stieß dabei wutentbrannte Flüche und Beschimpfungen aus. Der körperlich weit unterlegene Flößer hatte trotz seiner schmächtigen Statur eine unbändige Kraft und machte dem ungelenken Pfarrer durch seine Wendigkeit das Leben schwer. Die Dunkelheit tat ihr Übriges. Blindwütig hieben die Kontrahenten aufeinander ein, stießen sich gegenseitig die Köpfe an die Mauer, zerrissen sich die Kleidung und kratzten einander blutig.
Der beleibte Pfarrer gewann die Oberhand und setzte sich mit seinem vollen Gewicht auf die Brust des Gegners. Mit beiden Händen drückte er den Kopf Wentzel Hornbachers zur Seite, direkt in die stinkende Brühe. Der Flößer würgte und keuchte, schlug mit seinen Fäusten blindlings ins Dunkle, bis – ja, bis sich die Luke oben öffnete und ein schwacher Lichtstrahl auf die beiden Streithähne fiel.
Die dunkle Silhouette des Wärters erschien an der Öffnung, seine Stimme hallte den Widersachern entgegen: »Schluss mit der Balgerei! Wentzel Hornbacher, es ist Zeit für deine Verhandlung!«
Pfarrer Wiener ließ von Wentzel Hornbacher ab, sah ihn abfällig an und spuckte ihm mitten ins Gesicht. »Mit dir bin ich noch nicht fertig, Hänfling! Das wird dir teuer zu stehen kommen!« Er packte ihn am Kragen und warf ihn gegen die Wand.
Der dünne Lichtstrahl fiel dem Pfaffen direkt ins dreckverschmierte Gesicht. Die einzige saubere Stelle an ihm waren die gelb funkelnden Augen, die wie glühende Kohlen aus den dunklen Höhlen blitzten.


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