Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Belletristik > Verzweifelte Sehnsucht
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Belletristik
Buch Leseprobe Verzweifelte Sehnsucht, Randy C. Moebes
Randy C. Moebes

Verzweifelte Sehnsucht



Bewertung:
(337)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1764
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen

Sobald Pfiffi die Zimmertür öffnet, kommt Ramona auf sie zu gestürmt. „Schön, dass du endlich wieder hier bist. Ich muss dir etwas zeigen.“ Flink greift sie nach Pfiffis Hand und zieht sie zu ihrem Schreibtisch rüber. Sofort schüttelt Pfiffi ihre Hand ab. „Lass mich doch erst einmal auspacken.“
Aufgeregt schüttelt Ramona den Kopf. „Das wird dich interessieren! Das Konzert in Frankfurt hat jemand aufgenommen und ins Netz gestellt.“ Lachend schüttelt Pfiffi den Kopf. „Ich war auf dem Konzert. Das Video schau ich mir ein anderes Mal an.“
„Ja aber du hast bestimmt nicht mitbekommen, was danach los war.“ Eilig sucht Ramona die betreffende Stelle und dann stellt sie es an.
Es sind viele Menschen zu sehen, die sich in einen Gang drängen. Sogleich erkennt Pfiffi die Tür zu den Garderoben. Offenbar sind auch Leute von dem Radiosender anwesend und einer teilt ihnen eben mit, dass sich die Jungs von CF soeben von den Gewinnern der Freikarten verabschieden. In diesem Moment geht die Tür auf und die vier Mädchen kommen raus. Sofort hält die Radiomoderatorin ihnen das Mikro hin und will wissen, wie es ihnen gefallen hat. Nadines Freundin sagt kurz, dass sie es sehr gut fand.
„Wir hier draußen hörten, dass Alex eine Freundin hat. Stimmt das?“ Wieder hält sie das Mikro zu den Mädchen. Nadine nickt nur.
„Könnt ihr uns sagen, wer seine Freundin ist? Wie sie heißt?“ Leicht verlegen antwortet Nadine. „Sie ist recht lustig und macht Späße, genau wie die Jungs auch.“ Die Moderatorin reißt die Augen auf. „Soll das heißen, dass sie hier ist?“ Vorlaut mischt sich Carolin ein: „Ja, und sie ist nicht lustig, sondern verdammt spießig.“ Damit drängt Carolin davon, auch Nadine und ihre Freundin nutzen die Gelegenheit und verschwinden.
Die Moderatorin teilt den Fans noch mit, dass sie versuchen wird, mit den Jungs zu sprechen, um an weitere Informationen zu kommen.
Ramona stellt das Video aus. „Gestern haben sie im Radio gesagt, dass sie mit ihrem Manager Steve Jackson gesprochen haben, er wollte sich jedoch nicht dazu äußern und Alex sei nicht zu sprechen, da er Frankfurt bereits verlassen hat.“ Neugierig schaut sie Pfiffi an. „Wo wart ihr denn gestern?“ Pfiffi muss grinsen. „Na in Frankfurt. Bin erst heute Morgen von dort los. Alex hat mich noch zum Bahnhof gebracht.“ Sie nimmt ihren Rucksack und geht zum Schreibtisch. Dort packt sie ihren Laptop und die Bücher aus.
Ramona ist aufgesprungen und läuft ihr hinterher. „Erzähl schon. Was hat Carolin gesagt, als sie dich und Alex gesehen hat?“ Pfiffi lässt sich gähnend aufs Bett fallen. „Ich bin verdammt müde.“ Nervös tritt Ramona von einem Fuß auf den anderen. „Carolin erzählt überall rum, dass man mit den Jungs überhaupt nicht reden kann, sie machen nur Witze und kichern rum.“
Mit einem ernsten Gesicht nickt Pfiffi. „Ja, aber sie haben nur korrekt ihre Fragen beantwortet.“ Vollkommen verständnislos sieht Ramona sie an. Pfiffi grinst übers ganze Gesicht. „Na, was würdest du sagen, wenn dich jemand fragt, ob du die Schuhe von deinem Hamster trägst?“ Ramona reißt die Augen auf. „Solchen Schwachsinn hat sie gefragt?“ Lachend nickt Pfiffi. „Sie hat ihre Fragen auf Englisch gestellt. Ich erzähl dir alles nachher, aber lass mich jetzt ein bisschen schlafen.“
Ramona will schon gehen da fällt ihr noch etwas ein. „Ach, das ist vielleicht wichtig. Vorgestern war ein älterer Mann hier. Er wollte dich unbedingt sprechen. Ich hab ihm gesagt, dass ich nicht weiß, wann du zurückkommst.“
Sofort fährt Pfiffi in die Höhe. „Wie sah er aus?“
Kurz beschreibt Ramona ihn als gutaussehenden und modisch gekleideten Mann in den besten Jahren mir einen ganz ansehnlichen Körper. Sein dunkles Haar war an den Schläfen schon leicht ergraut und seine Augen waren von einem hellen braun. Sofort erkennt Pfiffi ihnen Vater darin. Eindringlich sieht Pfiffi sie an. „Wenn er noch mal kommt, sag ihm ich bin bereits in Amerika und du weißt nicht, wo ich dort bin, geschweige denn, wie man mich erreichen kann. Wimmle ihn einfach irgendwie ab.“ Ramona sieht die Verzweiflung in ihren Augen und nickt nur.
Mit rasendem Herzen legt sich Pfiffi zurück und versucht ein wenig zu schlafen.

Während der nächsten zwei Wochen sitzt Pfiffi nur über ihre Bücher. Wenn sie einen Weg zu erledigen hat und zufällig Carolin begegnet, macht diese gleich einen riesigen Bogen um Pfiffi. Ramona hat zwar einige Male noch gefragt, was in Frankfurt los war, aber Pfiffi erzählte ihr nur belanglose Dinge. Sie will nicht, dass die ganze Uni über Carolin lacht.
Ständig verfolgt Pfiffi die Angst, dass ihr Vater erneut auftauchen könnte, doch krampfhaft versucht sie, alle Gedanken an ihn zu verdrängen.

In den letzten vier Tagen hatte Pfiffi ihre drei Abschlussprüfungen, zwei schriftlich und eine mündlich. Sie muss alle Prüfungen mindestens mit einer 2 bestehen, sonst kann sie nicht nach Kalifornien gehen. Wenn sie alle Prüfungen mit einer 1 besteht, könnte sie sogar ein Stipendium bekommen, doch das wäre zu schön, um wahr zu sein. Die mündliche Prüfung hat sie zwar mit einer 1 bestanden, aber jetzt wartet sie noch auf die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen.
Nervös sitzt Pfiffi vor ihrem Laptop, in der letzten halben Stunde ist sie schon fünfmal auf der Webseite von der Uni gewesen und immer noch stehen die Ergebnisse nicht drin.
Ihre Sachen sind seit gestern gepackt und stehen griffbereit neben der Tür. Vor einem halben Jahr nahm Alex die meisten ihrer Sachen bereits mit, nun ist es nicht mehr viel und allzu viel hat sie noch nie besessen.
In drei Stunden will Alex hier sein und sie abholen. Warum war sie nur so voreilig, vielleicht hat sie es ja doch nicht geschafft?
Ramona stürmt zur Tür rein und winkt mit einem Brief. „Soll ich dir von Prof. Wolf geben“, bringt sie keuchend hervor.
Mit zitternden Händen reißt Pfiffi den Brief auf. Langsam überfliegt sie die wenigen Zeilen.
„Sag schon, was steht drin?“ Ramona macht einen langen Hals und versucht, über Pfiffis Schulter zu schauen. Erstaunt sieht Pfiffi sie an. „Ich soll um 15 Uhr in sein Büro kommen.“ Rasch wirft Ramona ein Blick auf ihre Uhr. „Das ist nicht mal mehr eine Stunde. Was will er denn überhaupt?“ Pfiffi zuckt mit den Schultern. „Es steht nichts weiter drin.“

Pfiffi kommt den Flur entlang und schon von weitem sieht sie Prof. Wolf stehen. Er unterhält sich mit jemandem. Als Pfiffi sich nähert, sieht er sie erfreut an: „Frau Neubert, schön, dass sie hier sind. Kommen sie doch gleich rein.“ Sogleich geleitet er sie in sein Büro.
Freudestrahlend überreicht er ihr den Nachweis über ihre bestandenen Prüfungen. „Herzlichen Glückwunsch! Ich habe bereits alles nach Los Angelos gefaxt und sie werden kommenden Montag mit einem Stipendium dort erwartet.“ Pfiffi reißt die Augen auf, damit hat sie nicht gerechnet. Prof. Wolf lächelt sie freundlich an. „Es läuft dann wie abgesprochen und in zwei Jahren – oder früher – machen sie dann dort ihren Abschluss in Meeresbiologie. Ich erwarte weiterhin sehr gute Arbeit von Ihnen“, schmunzelnd zwinkert Prof. Wolf ihr zu. Vor lauter Aufregung kann Pfiffi nur nicken.

Völlig außer sich stürmt Pfiffi auf ihr Zimmer zu und reißt die Tür auf. „Ramona, stell dir vor …“, weiter kommt sie nicht, denn Alex steht plötzlich vor ihr. Mit einem Freudensprung stürzt sie in seine Arme. „Du bist ja schon hier“, bringt sie mühsam hervor.
„Sind gerade gekommen“, ertönt es von der Seite und erst da bekommt Pfiffi Brian mit. Alex hält die übers ganze Gesicht strahlende Pfiffi fest in seinen Armen.
Ramona ist von ihrem Stuhl aufgesprungen. „Du hast es geschafft! Ich wusste es doch gleich!“
Brian, der an Ramonas Schreibtisch gelehnt hat, kommt langsam auf Pfiffi zu. „Ja, jetzt können wir dich endlich mitnehmen.“ Ehe Pfiffi sich versieht, hat er sie aus Alex’ Armen gezogen und drückt sie fest an sich. Protestierend zieht Alex sie wieder zu sich. „He, sie gehört mir.“ Lachend schlingt Pfiffi die Arme um seinen Hals. „Ich habe sogar ein Stipendium.“
Erstaunt reißt Ramona die Augen auf. „Was? Du hast alles mit einer Eins abgeschlossen?“
Alex nimmt ihr Gesicht in seine Hände. „Du brauchst das nicht. Ich habe gesehen, dass du die letzte Rate bereits überwiesen hast. Du bist jetzt schuldenfrei!“ Sie zieht ihn zu sich ran und küsst ihn stürmisch. „Ja, und ich brauche mir jetzt nicht mal einen Job zu suchen. Weißt du, was das heißt?“ Alex hebt sie hoch und drückt sie freudig an sich. „Ja! Wenn wir auf Tour sind, kommst du jedes Wochenende zu mir.“ Brian sieht ihn von oben bis unten an. „Das könnte dir so gefallen.“
Pfiffi lacht. „Das erste Mal, seit ich zur Schule gekommen bin, habe ich keinen Job. Ich werde Zeit haben und die verbring ich natürlich mit dir.“ Immer noch lachend küsst sie ihn.
Vorsichtig stellt er sie wieder auf ihre Füße und lächelt sie an. „Na, dann lass uns mal deine Sachen einpacken. Heute ist noch ein Konzert in Den Haag und danach geht’s nach Hause.“
Pfiffi stellt sich auf Zehenspitzen und haucht ihm einen Kuss auf den Mund. „Ja, und Montag fang ich mit meinem Studium an.“ Alex reißt die Augen auf. „Montag schon? Ich dachte, wir haben noch ein paar Tage.“ Treuherzig sieht er sie an. Doch bedauernd schüttelt Pfiffi den Kopf.
Lachend kommt Brian zu Alex rüber und klopft ihm auf die Schulter. „Was du bloß hast? Heute ist doch erst Donnerstag. Morgen sitzen wir zwar den ganzen Tag im Flugzeug und Samstag wird Pfiffi ziemlich fertig sein, aber euch bleibt doch noch der Sonntag.“ Alex sieht Brian mit funkelnden Augen an. „Halt die Klappe und bring lieber die Sachen zum Auto.“
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht greift Brian die beiden Taschen. „Oh, was hast du denn da drin?“ Er entscheidet sich, nur eine zu nehmen. Pfiffi zuckt mit den Schultern. „Nur meine Bücher.“ Brian wirft ihr einen ungläubigen Blick zu. „Und wo sind deine Sachen?“
„Na, die sind doch alle in meinen Rucksack“, meint Pfiffi abwinkend. Lachend zieht Alex einen String aus seiner Jackentasche. „Und den Rest hab ich.“ Fragend sieht Pfiffi ihn an und greift nach dem String. „Den hast du in Frankfurt vergessen.“ Schmunzelnd steckt er ihn wieder ein.
Kopfschüttelnd geht Brian mit der Tasche raus. „Der Kerl wird ja immer schlimmer“, hören sie ihn noch murmeln. Lachend nimmt Alex die andere Tasche und folgt ihm. Pfiffi sieht sich noch einmal um.
Fast zwei Jahre war dieses Zimmer ihr zu Hause, doch jetzt geht sie endlich dorthin, wo sie schon immer hin wollte.
Schnell und kurz verabschiedet sie sich von Ramona, greift ihren Rucksack und rennt den beiden hinterher.



Total aufgedreht rutscht Pfiffi auf ihrem Sitz hin und her. Beruhigend nimmt Alex ihre Hand. „Versuch zu schlafen. Wir fliegen noch ein paar Stunden.“ Aufgeregt schüttelt Pfiffi den Kopf. „Ich kann nicht schlafen.“ Zärtlich zieht Alex sie etwas näher zu sich ran. Sofort schmiegt sie sich fest in seine Arme und Alex streichelt sie sanft. Brian dreht sich um und wirft einen warnenden Blick zu Alex. Frech grinst dieser zurück und murmelt: „Dreh dich um!“
Jerry, der neben Brian sitzt, lacht leise vor sich hin. „Lass ihn doch.“
Pfiffi hat alles beobachtet und muss schmunzeln. Die Jungs sind schon etwas ganz Besonderes.
Brian spielt ständig den großen Bruder und will auf Alex aufpassen, dabei ist er gerade einmal fünf Minuten älter und wenn keiner auf ihn achtgibt, macht er mehr Dummheiten als alle zusammen.
Jerry ist eigentlich der Ruhepol der Truppe. Er will immer schlichten und für Ruhe sorgen und wenn einer Mist baut, versucht er das wieder hinzubiegen, mit tatkräftiger Unterstützung von den anderen natürlich.
Bei Robby hat man das Gefühl, für ihn ist alles nur ein Spaß. Ständig albert er rum, nimmt nichts ernst. Ständig ist er auf der Suche nach der großen Liebe, wenn es dann doch wieder schiefgeht, lacht er darüber. Aber Pfiffi ist sich sicher, dass er immer noch an Sofie denkt, er überspielt es nur gut.
Bereits seit einer kleinen Ewigkeit ist Brian Single, genau wie Jerry. Allerdings wollte Jerry nie eine feste Beziehung, Brian schon, doch er würde es nie zugeben. Jerry geht von einem One-Night-Stand zum nächsten und ist damit auch wahrlich glücklich. Hin und wieder zieht Brian mal mit ihm los, aber richtig zufrieden ist er nicht dabei.
Still beobachtet Pfiffi Brian und lässt ihre Gedanken laufen. Soeben hat es sich Brian bequem gemacht und ist kurz davor einzuschlafen. Er sieht Alex extrem ähnlich, was ja bei eineiigen Zwillingen auch kein Wunder ist. Selbst ihr Charakter ist ähnlich. Sie sind beide sehr einfühlsam und sensibel, was sie allerdings keinesfalls zugeben. Auch können sie beide enorm stur sein.
Brian ist im ersten Moment immer etwas brummig, doch wenn man ihn näher kennt, ist er genauso ein Schatz wie Alex.
Pfiffi lässt ihren Blick zu Alex wandern. Er hat sich zurückgelehnt und seine Augen sind geschlossen. Zärtlich streicht sie ihm über den Bauch und sofort erscheint ein Lächeln auf seinem Gesicht. Oh ja, sie liebt ihn und das schon, seit sie ihn das erste Mal sah. Aber ihr ist auch bewusst, dass sie ihn nie für sich ganz allein haben wird. Seine Musik wird immer an erster Stelle stehen und auch Brian wird immer da sein. Die beiden kann man nicht trennen, das würde sie vernichten. Pfiffi will sich auch nicht dazwischen drängen, dazu mag sie die beiden viel zu sehr. Eines ist ihr auch klar geworden, Brian sehnt sich nach einer festen Beziehung, auch wenn er es nicht zugibt.
Vorsichtig schiebt sich Pfiffi aus Alex’ Arme und geht zur Toilette. Alex sieht ihr schmunzelnd hinterher. Rasch wirft er einen Blick auf Brian. Er sitzt ganz ruhig in seiner Ecke und scheint zu schlafen. Alex nutzt die Gelegenheit und folgt Pfiffi.
Leise klopft er an die Toilettentür: „Pfiffi, mach auf.“ Kaum öffnet sie die Tür, schlüpft er auch schon hinein.
Aus zusammengekniffenen Augen beobachtet Jerry ihn, dann schaut er vorsichtig zu Brian rüber. So wie es aussieht, hat er nichts mitbekommen.
Kurze Zeit später kommt Pfiffi den Gang entlang und Jerry empfängt sie lächelnd: „Wie süß, du wirst ja schon wieder rot.“
Brian schreckt hoch. Erstaunt sieht er zu Pfiffi, die sich eben auf ihren Platz sinken lässt. „Wo ist Alex?“ Schmunzelnd schaut sie den Gang entlang. Mit einem verschwörerischen Lächeln kommt Alex angeschlendert, zwinkert ihr vergnügt zu und lässt sich auf seinen Platz fallen. Genüsslich streckt er sich, dann zieht er Pfiffi fest an seine Seite. „Jetzt kannst du bestimmt schlafen“, raunt er ihr liebevoll ins Ohr. Brian sieht von einem zum anderen, verzweifelt schüttelt er den Kopf. „Der Kerl bringt uns noch in Teufelsküche.“
Jerry schmunzelt vor sich hin. „Ach, lass sie doch. Ich finde es nur süß, dass Pfiffi immer noch rot wird, obwohl sie schon lange genug mit ihm zusammen ist.“

Ein sanftes Streicheln weckt Pfiffi. Alex beugt sich zu ihr rüber und haucht ihr einen Kuss auf die Lippen. „Wir landen gleich“, raunt er ihr leise zu.
Verschlafen schaut sie ihn an. „Die ganze Zeit bin ich putzmunter und kurz, bevor wir da sind, werde ich müde und schlafe ein.“
„Wir haben noch über eine Stunde Autofahrt vor uns, da kannst du weiterschlafen.“
Seitdem sie sich in New York von Robby und Jerry getrennt haben und ins nächste Flugzeug gestiegen sind, sitzt Pfiffi zwischen Alex und Brian. Und Brian war streng, er hat genau aufgepasst, dass Alex’ Hände nicht auf Abwege geraten. Mit scharfem Blick beobachtet er, wie Alex Pfiffi weckt. „Jetzt reicht es, setzt dich wieder anständig hin“, weist er Alex zurecht.

Am Flughafen wartet bereits ein Auto auf sie. Alex schiebt Brian auf den Beifahrersitz und setzt sich rasch zu Pfiffi nach hinten.
Aufgeregt sieht sich Pfiffi um. Das ist nun also ihre neue Heimat. Neugierig schaut sie sich die Umgebung an, Alex und Brian geben abwechselnd Erklärungen ab. Auch der Chauffeur weist sie auf Sehenswürdigkeiten hin. Fest zieht Alex sie in seine Arme. „Ich werde dir alles zeigen.“ Brian wirft Alex einen strafenden Blick zu. „Du hast ihr schon viel zu viel gezeigt.“ Alex holt aus und will ihm eine Kopfnuss geben, nur Pfiffis plötzliches Lachen hält ihn zurück.
„Was ist denn los?“ Beide starren sie an und ihr kommen bereits die Tränen vor Lachen. „Ständig habt ihr euch beschwert, dass ihr Deutsch sprechen müsst und nun sind wir hier und ihr sprecht immer noch begeistert Deutsch.“ Lachend zieht Alex sie in seine Arme. „Ach und deswegen lachst du uns aus.“ Treuherzig sieht sie ihn an. „Ich lache euch doch nicht aus. Ich lache euch an.“
„He Pfiffi, schau da vorn. Wir sind gleich da.“ Brian zeigt auf eine Abzweigung in ein Villenviertel. Sobald das Auto abgebogen ist, erblickt Pfiffi einen hohen Zaun und ein Mann in einer dunkelblauen Uniform kommt auf sie zu. Es dauert nur einen kurzen Augenblick, dann können sie weiterfahren.
Sie fahren eine breite von Bäumen gesäumte Straße entlang. Ein Stück vor ihnen macht die Straße eine scharfe Kurve und führt an einem steilen Felsen vorbei, und dann sind die ersten Häuser zu erkennen. Aufmerksam betrachtet Pfiffi die Häuser. Plötzlich zeigt Brian auf ein großes, weißes Haus. „Schau dir das an. Ist das nicht schön? Da wohne ich.“ Grinsend dreht er sich um und meint: „In dem kleinen Haus daneben wohnt Alex.“
„Meinst du das, wo das Auto in der Einfahrt steht?“
Alex und Brian starren mit weit aufgerissen Augen auf das Auto.
„Ich hab Mom zwar gesagt, dass wir heute kommen und dass wir Pfiffi mitbringen, aber sie hat nicht erwähnt, dass sie herkommen will.“ Brian zuckt bedauernd mit den Schultern.
Alex schaut Pfiffi von der Seite an. „Ich glaube, du lernst heute bereits die Familie kennen.“

Pfiffi hat ihr Basecap wieder aufgesetzt und ihren Rucksack über eine Schulter geworfen. So steht sie in der Einfahrt und sieht sich das Haus an. Es ist nicht so groß wie ihr Haus in Deutschland, aber was sie sieht, gefällt ihr.
Alex und Brian haben inzwischen die Sachen ausgeladen und jetzt steht alles in der Einfahrt. Sofort will Pfiffi eine ihrer Taschen greifen, doch Alex hält sie lächelnd zurück. „Nee, nee, die nimmst du nicht. Hier, die kannst du nehmen.“ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht gibt er ihr eine kleine Tasche. In diesem Moment geht die Tür auf und zwei Frauen kommen auf sie zugestürmt. Freudig fallen sie erst Brian und dann Alex um den Hals.
Alex greift Pfiffis Hand. „Mom, Sara, das ist Pfiffi.“
Beide Frauen betrachten Pfiffi musternd. Etwas verlegen reicht Pfiffi ihnen mit einem kurzen „Hallo“ die Hand. Sofort spürt sie den Widerwillen, mit dem Alex’ Mom ihr die Hand reicht. Sara betrachtet sie von oben bis unten. Mit einem „Oh mein Gott“ dreht sie sich um und geht wieder hinein. Alex will ihr schon etwas hinterherrufen, doch Pfiffi legt hastig die Hand auf seinem Arm und schüttelt den Kopf. Brian führt ihre Mom zurück ins Haus, kommt aber gleich wieder raus, um die anderen Taschen zu holen.
Pfiffi steht einen Moment wie angewurzelt da. Mit einer solchen Ablehnung hat sie nicht gerechnet, aber bei ihrem Aussehen ist es auch kein Wunder. Langsam lässt sie ihren Blick an sich hinuntergleiten. Ihre Sachen sind von der langen Reise total verschwitzt.
Alex nimmt ihre Hand. „Komm, lass uns reingehen.“ Zögernd nickt sie und nimmt all ihren Mut zusammen.

Pfiffi steht in einem Flur, von dem eine Treppe nach oben führt. Rechts geht es durch einen Torbogen in die Küche und links, ebenfalls durch einen Torbogen, ins Wohnzimmer.
Lachend nimmt Alex ihre Hand. „Komm, ich zeige dir alles.“ Geschwind zieht er sie in eine große, geräumige Küche. Die Küche gefällt ihr, nur eine gemütliche Sitzecke fehlt, stellt Pfiffi im Stillen fest.
Auch von der Küche aus führt eine schmale Treppe nach oben und durch eine Tür gelangt man auf die Terrasse, die sich um den gesamten hinteren Teil des Hauses erstreckt.
Alex führt sie wieder zurück in den Flur und zeigt ihr dort das Bad, das auch von der Küche und dem Wohnzimmer zu erreichen ist.
Vor einer weiteren Tür bleibt er stehen. „Hier geht es in den Keller, den zeig ich dir ein anderes Mal.“ Schon geht es weiter ins Wohnzimmer.
Es ist sehr geräumig und die Rückseite besteht aus einer gewaltigen Glasfront, in deren Mitte sich eine große, zweiflüglige Tür befindet, die ebenfalls auf die Terrasse hinausführt.
Pfiffi steht in der Terrassentür und schaut zum Pool hinüber. Alex tritt dicht hinter ihr und schlingt die Arme um ihren zierlichen Körper, leise flüstert er ihr ins Ohr: „Wie gefällt es dir bis jetzt? Ich weiß, es ist nicht so groß wie dein Haus in Deutschland, aber oben sind noch drei Gästezimmer und unser Schlafzimmer.“ Lächelnd dreht sich Pfiffi zu ihm. „Solange du bei mir bist, gefällt es mir überall.“ Langsam senkt er seine Lippen auf ihre und will sie küssen, da räuspert sich seine Mom hinter ihm. „Ich habe eine kleine Stärkung vorbereitet. Ihr werdet sicher hungrig sein.“ Sie bleibt mitten im Raum stehen und wartet, bis Alex sich von Pfiffi löst und mit ihr in die Küche kommt. Alex hält noch immer Pfiffis Hand fest und zieht sie förmlich hinter sich her.
Brian sitzt bereits an dem kleinen Tisch und isst. Lächelnd sieht er auf. „Kommt, setzt euch.“ Alex drückt Pfiffi auf einen Stuhl und lässt seinen Blick über den Tisch schweifen. Es befindet sich nur noch ein Gedeck auf dem Tisch. Kurzentschlossen schiebt er es zu Pfiffi und holt sich ein neues.
Pfiffi entgeht nicht der Blick, der zwischen Sara und ihrer Mutter hin und her geht. Sie wollen Pfiffi nicht hier haben und akzeptieren auch nicht, dass sie zu Alex gehört. Angespannt sieht Pfiffi auf ihren Teller und beginnt zu essen. Bereits nach wenigen Bissen lobt sie die Kochkunst von Alex’ Mom, obwohl das Essen nicht nach ihrem Geschmack ist. Alex schenkt ihr dafür ein dankbares Lächeln.
Gleich nach dem Essen verabschiedet sich Brian. Auch Alex ist müde und will sich auf diplomatische Weise von seiner Mom verabschieden. Doch zu seiner Überraschung teilt sie ihm mit, dass sie hier übernachten und das bereits seit drei Tagen. In ihrem Haus gab es einen Wasserrohrbruch und die Renovierungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen.
„Dann habt ihr euch also oben einquartiert?“, fragt Alex nach und sofort nickt seine Mom. „Ja, natürlich. Übrigens hat Brian eure Taschen bereits nach oben gebracht.“ Es klingt wie ein Vorwurf, aber Alex überhört ihn einfach.
Pfiffi ist dabei, den Tisch abzuräumen und geht mit dem Geschirr rüber zu den Schränken und sieht sich nach dem Geschirrspüler um. Sofort reißt Sara ihr das Geschirr aus den Händen. Ohne ein Wort räumt sie den Geschirrspüler ein.
Alex nimmt Pfiffis Hand und an seine Mom gewandt sagt er: „Das war für uns ein langer Tag, wir sind müde und gehen jetzt schlafen.“ Mit einem kurzen „Gute Nacht“ gehen sie zur Treppe. Auf halben Weg sagt Alex zu Pfiffi: „Ich zeige dir noch rasch dein zukünftiges Arbeitszimmer. Brian hat bereits deine Bücher reingebracht und ein Computer und deine anderen Sachen steht auch schon drin.“ Lächelnd folgt sie ihm zu dem Zimmer. Es ist ein mittelgroßer Raum, der nicht wie ein Arbeits- oder Gästezimmer aussieht, sondern eher wie das Zimmer eines Teenagers.
Schmunzelnd sieht sich Pfiffi um. Geradezu zwischen den beiden Fenstern steht ein Schreibtisch mit einem Computer drauf, an der rechten Wand befinden sich ein Bett und ein schmaler Schrank, an der linken Wand steht ein stattliches Regal. Bereits von der Tür aus kann sie die Star-Wars-Figuren und die vielen kleinen Autos sehen. Und vor dem Regal stehen ihre Taschen und zwei Kartons, auch ihr Rucksack ist mit dabei.
Als Alex ihn sieht, geht er hin und nimmt ihn. „Der ist doch hier falsch.“ Grinsend wirft er ihn sich über die Schulter, schlingt einen Arm um Pfiffi und raunt ihr zu. „Der gehört zu dir und du gehörst in mein Schlafzimmer.“ Lachend will er mit Pfiffi das Zimmer verlassen, doch plötzlich erschrickt er, weil seine Mom auf einmal vor ihm steht.
„Wir haben ihre Sachen hier reingebracht, wir hielten das für angemessen.“ Abschätzend sieht sie Pfiffi an. Alex schüttelt den Kopf. „Mom, Pfiffi ist zwanzig und sie lebt jetzt hier mit mir zusammen als meine Partnerin, Frau, Geliebte oder wie immer du es bezeichnen willst.“ Seine Mutter baut sich vor ihm auf. „Junge, das kann doch nicht dein Ernst sein, schau sie dir doch mal an.“ Abwertend zeigt sie auf Pfiffi. „Sie passt doch überhaupt nicht zu dir.“ Alex holt tief Luft. „Wenn du sie dir genauer anschaust, wirst du merken, dass sie sehr gut zu mir passt.“ Er nimmt Pfiffis Hand und geht mit ihr an seine Mutter vorbei in sein Schlafzimmer.
Kaum hat er die Tür geschlossen, zieht er Pfiffi in seine Arme. „Sie ist normalerweise nicht so. Ich weiß gar nicht, was mit ihr los ist.“ Pfiffi löst sich etwas von ihm und schaut ihm in die Augen. „Streite dich nicht mit ihr, nicht meinetwegen.“ Sanft streicht sie ihm über die Wange. „Sie kennt mich noch nicht, gib ihr etwas Zeit. Du konntest mich am Anfang auch nicht leiden.“ Mit krausgezogener Stirn sieht er sie an. „Sei ehrlich, du hättest mir doch am liebsten den Hals umgedreht“, meint sie schmunzelnd. Aufgebracht schüttelt er den Kopf. „Niemals! Ich fand es faszinierend, wie du am Flughafen vorbei gedrängelt bist und mir deine Tasche in den Rücken gerammt hast.“ Lachend zieht er sie wieder in seine Arme.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2021 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs