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Belletristik
Buch Leseprobe Versuchung auf Hawaii, Claire Donovan
Claire Donovan

Versuchung auf Hawaii



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Kapitel 1


DAS BEACH KING


Brooklyn


 


Vier Gläser Champagner haben mich anscheinend etwas unachtsam gemacht. Ich lehne mich weit über den gleichen Rücksitz, auf dem ich noch vor wenigen Minuten in einen Bikini gewechselt bin, schnappe mir meine Schuhe, die sich im Schatten der Sitzbank versteckt hatten, und stopfe sie schnell in meine Tasche. Während der Fahrer mein Gepäck auf einen Wagen hievt, suche ich nach etwas Trinkgeld.


„Das geht alles aufs Haus, Rotschopf,” versichert er mir und grinst mich immer noch an. „Befehl von oben.”


„Kann der Fahrer in den hinteren Teil der Limo gucken, wenn die Trennwand oben ist?” frage ich.


„Das hängt vom Modell ab. Meine Limo hat im hinteren Bereich Kameras, durch die ich alles beobachten kann.” Er geht zum Fahrersitz zurück und zeigt auf einen Bildschirm, auf dem der leere Rücksitz, wo ich mich eben erst ausgezogen hatte, zu sehen ist. „Keine Sorge, Rotschopf. Ich bin ein Limo-Fahrer. Was da hinten passiert, bleibt auch da hinten,” sagt er lachend und fährt langsam los. Ich fühle mich nackt, obwohl ich mit einer Strandtunika bedeckt bin.


Dann folge ich dem Hotelpagen, der den Trolley mit meinem Gepäck vor sich herschiebt. Durch die Palmen, die den Hoteleingang säumen, kann ich eine farbenfrohe Hütte mit einem Schild, das für Surfstunden wirbt, erkennen. Wie kann man auf Hawaii sein und nicht lernen, wie man surft? Ich war zwar ein paar Mal am Loch Arbour Beach in New Jersey surfen, hatte aber immer Angst, dass plötzlich ein Gauner in einem Leichensack neben mir auftauchen würde.


„Aloha und willkommen auf Hawaii,” begrüßt mich die Empfangsdame fröhlich und legt mir einen Kranz wohlduftender tropischer Blumen um den Hals.


„Wow, was für eine nette Begrüßung,” sage ich und schnuppere an den Blumen, „Wo ich herkomme, in New Jersey, bedeutet aloha eher Auf Nimmerwiedersehen.”


„Du bist aber nicht mehr in New Jersey und aloha hat eine noch viel tiefere Bedeutung. Es ist eine Art zu leben, das Hier und Jetzt zu genießen und mit anderen zu teilen,” sagt sie mit einem warmen Lächeln. Auf ihrem Namensschild steht ‘Kala’.


„Das gefällt mir. Haben Sie eine Reservierung für Brooklyn Taylor?”


„Bist du wegen der Hochzeit hier, Brooklyn?” fragt mich Kala, während sie in ihrem Computer sucht. „Ja, bist du. Mr. Seabrook hat eine Notiz hinterlassen, es ist für alles gesorgt. Dein Zimmer befindet sich auf der obersten Etage und hat einen sehr schönen Ausblick aufs Meer, es ist aber noch nicht bereit. Ich werde Koa damit beauftragen, dir dein Gepäck hochzubringen, sobald es fertig ist. Ich wünsche dir einen angenehmen Aufenthalt, Brooklyn.”


Ich laufe durch den warmen Sand in Richtung Pool, entschließe mich aber kurzerhand, einen kleinen Abstecher zur Surfhütte zu machen. Sie sieht aus, als ob sie direkt einem schrägen Comicbuch entsprungen ist, mit Pfeilen an einem Holzpfosten, die in alle Himmelsrichtungen deuten und Entfernungen in Meilen anzeigen. Einer von ihnen zeigt sogar in Richtung New Jersey - 4,848 Meilen.


Hinter dem Tresen der Hütte sitzt ein Kerl auf einem wackeligen Hocker und lehnt gegen die Strohwand. Auf Kundschaft wartend, scheint er eingenickt zu sein. Mir gefällt seine türkisfarbene Badehose. Ein Cowboyhut aus Stroh bedeckt seine Augen, seine schwarzen Flip-Flops mit roten ‘Surf Pro’-Fußriemen sind auf dem Tresen zur Schau gestellt.


Ich kann zwar seine Augen nicht sehen, aber der Rest sieht richtig gut aus. Ihn mir genau anzugucken, schadet ja niemanden. Seine großen Hände hat er hinter seinem Kopf verschränkt, er ist ungefähr 1,85 groß und sehr muskulös. Ein kratzig aussehender, ‘heute-morgen-bin-ich-nicht-mehr-zum-rasieren-gekommen’-Stoppelbart ist auf seinem ausgeprägten Kiefer zu erkennen. Eigentlich möchte ich ihn ja lieber nicht aufwecken, er sieht in seiner verrutschten Badehose und seinem zerknitterten T-Shirt so friedlich aus. Aber schließlich arbeitet er ja hier, wenn man denn das so nennen kann.


„Entschuldigung,” sage ich, während ich laut auf den Tresen klopfe.


Mit einem Ruck springt der Cowboy hoch und kippt nach vorn, wobei sich die Krempe von seinem Hut gerade hoch genug hebt, dass ich für einen kurzen Moment in seine erschrockenen blauen Augen sehen kann, bevor er von seinem wackeligen Hocker direkt in den tiefen Sand hinter dem Tresen plumpst. Ich fühle mich schrecklich. Schnelle eile ich zu ihm, um nach ihm zu sehen, als sich meine Flip-Flops im Sand verfangen. Im hohen Bogen fliege ich direkt in seine Arme. Nase an Nase liegen wir auf dem Boden, unsere Lippen berühren sich fast. Als ich aufschaue, starrt er mich verwundert an. Alles scheint plötzlich stillzustehen: Zeit, Geräusche… das Gefühl meiner Hand auf seinem Schritt… OMG!


„Immer schön langsam, du kleiner Wildfang,” sagt er und setzt seinen Hut, etwas schief, wieder auf.


„Das tut mir echt so leid!” entschuldige ich mich verlegen. Mir juckt es regelrecht in den Fingern, seinen Hut zurechtzurücken. Ich widerstehe der Versuchung aber, da ich mit Sicherheit bei der Gelegenheit auch sein dickes, zerzaustes, dunkelblondes Haar erforschen würde.


„Surf Shack-Regel Nummer eins,” sagt er mit ernster Miene. „Berühre deinen Surflehrer niemals unterhalb der Gürtellinie.”


„Das habe ich doch nicht absichtlich gemacht!” protestiere ich. „Ich wollte doch nur helfen.”


„Helfen? Für mich siehst du eher nach Ärger als Hilfe aus. Hast du etwa getrunken? Ich glaube schon.”


„Ich bin wegen einer Surfstunde hergekommen,” sage ich, entsetzt über die Tatsache, mich verteidigen zu müssen. „Woher sollte ich denn wissen, dass du einfach so umkippen würdest?” Ich habe keine Ahnung, ob er es ernst meint oder sich über mich lustig macht. Als ich an mir herunterblicke, um den Sand von meinen Armen zu wischen, muss ich feststellen, dass sich mein Bikinioberteil gelockert und meine Brüste entblößt hat. Verlegen kreuze ich schnell meine Arme vor meiner Brust, doch es ist zu spät. Ich spüre, wie mein Herz bis zum Hals klopft. Mir mein Bikinioberteil auf dem Rücksitz der Limousine zuzubinden, war wohl nicht die beste Idee. Sein schockierter Gesichtsausdruck macht deutlich, dass er alles gesehen hat, trotzdem tut er so, als ob es das Normalste der Welt wäre, dass ich einfach so mein Oberteil verliere und oben ohne vor ihm stehe.


„Regel Nummer zwei, Kunden ziehen sich in der Umkleidekabine, hinter der Hütte um. FKK ist nicht erlaubt.”


„Machst du dich etwa über mich lustig?”


„Tue ich das?” fragt er lächelnd. „Kommen wir zu Surf Shack-Regel Nummer drei: absolut kein Alkohol. Es tut mir leid, aber so sind die Regeln, auch wenn die Kundin verdammt heiß ist. Betrunken, nackt und wunderschön hinzufallen, ist kein Grund zur Gnade.”


Ich bin sprachlos und stehe mit offenem Mund einfach nur da. Als ich ihm endlich die Meinung sagen will, höre ich einen anerkennenden Pfiff und ein zweiter Kerl, mit einem dunklen Wuschelkopf, grinst mich von der anderen Seite des Tresens an. Genau wie der arrogante Mistkerl auch, trägt er ein ‘Surf Shack’ T-Shirt.


„Wow, du gehst aber schnell ran, Adam,” pfeift der neue Surf Shack Kerl.


„Dean-O, kümmere dich um deinen eigenen Mist. Mach dich weiter.”


„Ich arbeite auch hier, weißt du noch, Kumpel?” antwortet Dean-O und starrt mich weiter an.


„Könntet ihr bitte woanders hingucken?” frage ich und versuche mich, so gut es geht, zu bedecken. Ich weiß nicht, in welche Richtung ich mich am besten drehen soll. Von zwei Kerlen in dieser engen und kleinen Hütte umzingelt zu sein, hätte ich mir vor gut zwei Minuten kaum vorstellen können.


Ich suche nach meiner Strandtunika, doch muss feststellen, dass Dean-O sie in seiner Hand hält und, wie ein Stierkämpfer seinen Umhang, hin und her schwenkt. Ich spüre, wie ich rot anlaufe, meine normalerweise eher unauffälligen Sommersprossen stechen mit Sicherheit schon richtig hervor.


„Könntest du mir helfen, mein Oberteil zuzumachen?” frage ich den Cowboy namens Adam.


„Bleib einfach ganz locker,” flüstert der und stellt sich schützend, wie ein sich schnell schließender Vorhang, vor Dean-O, der vor dem Tresen auf und ab schleicht.


„Tu einfach so, als ob ich nicht da bin, Süße,” sagt Dean-O, „Das ist eine weitere Surf Shack-Regel: Alle Angestellten müssen alle Gerätereparaturen überprüfen. Ich kann dir dein Höschen gerne wieder zurechtrücken, darin bin ich Experte.”


„Für Leute mit so vielen Regeln nehmt ihr das Ganze aber ziemlich gelassen,” bemerke ich trocken, während Adam meine Schlaufen binnen drei Sekunden wieder zusammengebunden hat. Es ist mit Sicherheit nicht das erste Mal, dass er das Oberteil eines Mädchens zusammengeschnürt hat. „Und, danke, Dean-O, aber ich werde deinen ‘Surf Shack Höschen-Service’ so schnell nicht in Anspruch nehmen.”


„Vielleicht nicht, aber Dean-O hat schon Recht,” sagt Adam. „Die Kontrolle der Reparaturen ist Surf Shack-Regel Nummer vier.”


„Was habt ihr zwei überhaupt hinterm Tresen gemacht?” fragt Dean-O. „Es sah sehr interessant aus, was ich da so beobachtet habe.”


„Ich bin hergekommen, um mich nach Surfunterricht zu erkundigen, doch er ist vom Stuhl gefallen und dann...” Mein Erklärungsversuch wird für Dean-O auch keinen Unterschied machen. „Ihr gebt doch Stunden? Oder schikaniert ihr eure Kunden nur mit euren lästigen Regeln?”


„Wir bieten Stunden an,” antwortet Adam. „Aber nicht an Unruhestifter, die getrunken haben. Du solltest lieber ausnüchtern und vielleicht heute Nachmittag nochmal vorbeikommen?”


„Hör auf damit! Ich hatte nur zwei oder drei Gläser Champagner!”


„Und es ist noch nicht einmal Mittag,” kontert Adam trocken. „Wie viele Gläser Champagner hast du denn heute Morgen getrunken, Dean-O?”


„Noch nicht einmal zwei,” antwortet der.


„Und ich noch nicht einmal eins,” sagt Adam und verzieht dabei keine Miene. Jetzt weiß ich, dass er mich nur aufzieht und trotzdem kotzt es mich an.


„Komisch, dabei warst du derjenige, der während der Arbeit geschlafen hat. Ich könnte wetten, du hast einen Kater...” beschuldige ich ihn, woraufhin er seine Augenbrauen nach unten zieht und finster dreinblickt. Das habe ich nicht so gemeint, wirklich nicht und fange wieder an, mich zu entschuldigen, bis mir auffällt, dass er mich gar nicht ansieht. Seine stechenden, blauen Augen fixieren irgendetwas am Horizont.


„Ist es echt schon wieder soweit?” fragt er.


„Jap,” Dean-O lacht leise. „Eigentlich bin ich hergekommen, um dich zu warnen. Und da kommt sie schon.”


Dean-O nickt mit seinem Kopf in Richtung einer üppigen Frau, die, in einem geblümten Badeanzug mit Rüschen und einer passenden rosafarbenen Badekappe, langsam auf uns zu geschlendert kommt. Adam lächelt mich verschmitzt an. „Mrs. Ratliff. In den letzten zwei Wochen war sie jeden Tag hier,” sagt er. Sein Lächeln gefällt mir. Seine geraden Zähne sehen im Kontrast zu der gebräunten Haut seines markanten Gesichts sehr weiß aus.


„Hallo Adam, Liebling!” schreit die üppige Frau und ignoriert Dean-O und mich dabei völlig. „Ich bin doch nicht etwa zu spät, oder?”


„Nein Jeannie, du bist immer genau pünktlich. Ich werde die Schnorchelausrüstung holen.”


Ich beobachte Adam, wie er in einer großen Kiste voll mit Taucherbrillen, Schnorcheln und Flossen stöbert. Ich kann nicht anders, als jede einzelne seiner Bewegungen mit meinem Blick zu verfolgen, einfach nur, weil ich ihn gerne anschaue. Warum, weiß ich eigentlich nicht. Er bewegt sich so geschmeidig. Ich spüre Mrs. Ratliffs Blick in meinem Rücken, drehe mich zu ihr um und lächle ihr zu. Sie mustert mich von oben bis unten und rümpft anschließend verächtlich ihre Nase. Als Adam zurückkommt, nimmt sie ihn schnell am Arm und führt ihn von uns weg, in Richtung des verlockenden Meeres.


Zum Abschied winkt mir Adam lässig und eher bedeutungslos zu. Doch am Wasser angekommen, dreht er sich noch einmal zu mir um und ich spüre, dass da zwischen uns was ist. Ich kann es fühlen und ich weiß, dass er es auch fühlt. Ich ärgere mich schwarz, dass unsere erste Begegnung so abgelaufen ist. Ich habe ihm noch nicht einmal meinen Namen gesagt. Aber egal, sicher ist es besser so. Ich bin ja schließlich nicht auf Hawaii, um mich zu verlieben.


„Jetzt sind wir unter uns Süße, nur du, ich und deine mittlerweile wieder schön verpackten Mädels,” sagt Dean-O. „Dann wollen wir mal mit deiner Lektion beginnen.”


„Aber ich bin doch zu betrunken,” sage ich sarkastisch, reiße ihm meine Strandtunika aus der Hand und spaziere durch den warmen Sand zum Hotel zurück. „Es würde mir nicht einmal im Traum einfallen, Regel Nummer drei zu brechen.”


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