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Verliebt, verlobt, verkatert


von Caroline Messingfeld

belletristik
ISBN13-Nummer:
B01MD0WX6E
Ausstattung:
230 Seiten
Preis:
0.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Forever by Ullstein
Rezension
Klappentext

Eigentlich dachte Kater Snowbell, sein Werk wäre getan: Frauchen Joline ist mit ihrem Freund Ben überglücklich und es herrscht Frieden in der Villa Katzenglück. Doch der Schein trügt, denn Jolines beste Freundinnen Jana und Melissa sind auch auf der Suche nach der großen Liebe. Die beiden nerven den Perserkater gewaltig mit ihren amourösen Abenteuern. Und dann kriegen sich Joline und Ben richtig in die Haare, Snowbell wird entführt und muss um sein Leben bangen. Doch Snowbell wäre nicht Snowbell, wenn er nicht auch dieses Chaos wieder in die Pfote bekäme. Immer unterstützt von seiner leicht versnobten Katzenpartnerin Bluebell macht er sich daran, die Harmonie in der Villa Katzenglück wieder herzustellen …

Leseprobe

Scherben bringen Glück

 

Nachdem Jana ihr kompliziertes Liebesleben ausgebreitet und uns aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht hatte, fühlte sie sich wieder stark genug, ihre Handtasche zu schnappen und in ihre eigenen vier Wände zurückzukehren. Puh. Ich atmete auf. Endlich war wieder Ruhe in der Villa Katzenglück eingekehrt. Jana war ein liebes Geschöpf, aber sie strapazierte meine Nerven. Vielleicht war ich altmodisch, aber ich hatte ein großes Bedürfnis nach Harmonie in meinem Hause.

 

Meine Lieblingsmenschen Joline und Ben demonstrierten partnerschaftliche Arbeitsteilung und kümmerten sich gemeinsam um das Mittagessen. Ich liebte es, an ihrer Seite zu sein, und beobachtete sie aufmerksam. Mein Frauchen saß am Küchentisch und raspelte eine riesige Salatgurke in feine Scheibchen. Von mir aus hätte sie sich diese Arbeit sparen können. Das Grünzeug schmeckte widerlich und gehörte in die Tonne, na gut: in den Komposter. Dann konnte sich die liederliche Mäusebande gesund ernähren. Die Sahne für den Salat war pure Verschwendung. Man hätte sie anders nutzen können – zum Beispiel als kleines Leckerchen für einen treuen Freund.

Ben hatte sich die wichtigste Aufgabe unter den Nagel gerissen. Er sollte Nudeln kochen und war für das Gulasch verantwortlich, das es heute zu Mittag geben sollte. Bluebell sprang auf die breite Arbeitsplatte aus grauem Marmor und machte sich nützlich, in dem sie das angebratene Fleisch einer kleinen Kostprobe unterzog. Eigentlich war Betteln in der Küche unerwünscht, aber Bluebell wusste genau, wie sie ihren Willen durchsetzen konnte. Ben war ein schwacher Charakter. Er konnte ihren glitzernden bernsteinfarbenen Augen, die ihn hemmungslos anhimmelten, nicht widerstehen und steckte ihr immer wieder einen kleinen Happen zu. »Bitte schön, meine Kleine.«

»Diese unverschämte Bettelprinzessin bringt mich auf die Palme.«

Mein Frauchen sah von ihrem Salat auf und machte ein finsteres Gesicht. »Hat sie überhaupt Danke gesagt?«

»Nein. Sie ist genauso wie du.«

»Hahaha. Deine Witze waren schon mal besser.«

Mein Frauchen stand auf und gab Bluebell einen Klaps auf den Popo. »Benimm dich, meine Schöne. Du bist so stolz auf deine vornehme Abstammung und vergisst deine guten Manieren. Nimm dir ein Beispiel an Snowbell. Er würde niemals vom Tisch naschen.«

Genau. Endlich wurden meine Qualitäten in diesem Hause angemessen gewürdigt. Selbstbewusst warf ich den Kopf in den Nacken. Meine Katzenmama hatte mich vorzüglich erzogen. Ich war ein vorbildlicher Kater. In jeder Hinsicht.

»Ja, weil er zu doof ist und sich an die Spielregeln hält.«

Bluebell kicherte hämisch und ließ sich auf den Fußboden plumpsen. »Deshalb geht er immer leer aus.«

»Das hab ich gehört.«

»Hihi. Du hast keine Ahnung von Psychologie.«

»Pschücho – was?«

»Menschenführung. Alle tanzen nach meiner Pfeife. Ben macht, was ich will, und Joline hab ich bald soweit.«

Selbstbewusst trippelte sie auf ihren Samtpfoten aus der Küche. »Hunde brauchen ein Herrchen. Katzen haben Personal.«

Empört schnappte ich nach Luft. Meine Lebensgefährtin war ein raffiniertes Biest, das man nur mit Vorsicht genießen konnte. Wenigstens war ich gegen ihre fiesen Manipulationen immun. Rache war süß. Ich kannte ihre Schwächen und wusste, wie ich sie auf die Palme bringen konnte. Hastig lief ich ihr nach und warf einen anzüglichen Blick auf ihr wohlgerundetes Hinterteil.

»Hast du zugelegt? Wenn Katzen zu dick werden, sollten sie Mausgleichssport treiben.«

»Dir juckt wohl das Fell. Ich habe eine perfekte Figur.« Zornig fuhr sie herum und zischte mich böse an. »Du hörst gleich die Mäuschen unter dem Komposter singen.«

»Versuchs doch.« Provozierend tänzelte ich um sie herum, um sie aus der Fassung zu bringen. »Du traust dich ja nicht.«

Bluebell atmete tief durch und startete einen Angriff, aber ich wich ihr geschickt aus. Dann wagte ich einen Konter und jagte sie in einem atemberaubenden Tempo durch die Küche ins Wohnzimmer. Anja Herzog, unsere Putzfee auf dem heißen Ofen , die im letzten Jahr in unser Leben gebraust kam,  hatte am vergangenen Samstag ganze Arbeit geleistet. Das Parkett war höllisch glatt, wie frisch gebohnert. Unsere Krallen fanden keinen Halt. Mit einem lauten Kreischen schlitterten wir mitten in die zerbrechliche Dekoration, die Joline vor dem Panorama-Fenster aufgebaut hatte, das einen traumhaften Blick in unseren weitläufigen Garten bot. Das Klirren war ohrenbetäubend. Vor Entsetzen versteckten wir uns hinter dem breiten schwarzen Ledersofa, um der kommenden Strafpredigt zu entkommen. Wenn Scherben Glück brachten, mussten wir uns für die nächsten Wochen keine Sorgen mehr machen.