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Belletristik
Buch Leseprobe Vergnügt! Ein Treffen in den Wolken, Isabella Defano
Isabella Defano

Vergnügt! Ein Treffen in den Wolken


Der de Luca Clan (Band 6)

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Erleichtert atmete Matthias auf, als er endlich den Sicherheitsbereich des Flughafens verlassen durfte. Nach dem langen Flug von Frankfurt nach Los Angeles war ihm die amerikanische Einreiseprozedur wie eine Schikane vorgekommen. Die Warteschlangen vor den Schaltern hatten einfach kein Ende nehmen wollen, und seine sowieso schon schlechte Laune war mit der Zeit immer schlechter geworden.


Suchend sah sich Matthias in der Menge um, in der Hoffnung seine Cousine Sophie zu finden. Er war müde, erschöpft und wollte jetzt nur noch etwas essen und ins Bett. Danach würde er sich bestimmt besser fühlen und konnte seinen Urlaub genießen.


Tief atmete Matthias durch, ohne die Suche nach Sophie zu unterbrechen, und zog seinen Koffer dichter an sich heran. Im Grunde konnte er froh sein, dass es überhaupt mit dieser Reise geklappt hatte. Durch die Hochzeit seines Bruders in wenigen Wochen hatte dieser Urlaub eine Weile auf der Kippe gestanden. Schließlich würden die Feier und die Hochzeitsreise ausgerechnet in einer Zeit stattfinden, wo auf der Farm die meiste Arbeit anfiel. Doch anders hatten sie es nicht organisieren können. Seine zukünftige Schwägerin steckte mitten in ihrer Ausbildung in Kindergartenpädagogik und konnte sich keine Fehlzeiten erlauben. Daher sollte Matthias Christian vertreten.


Leicht schüttelte Matthias mit dem Kopf, während er über die letzten Wochen nachdachte. Im Grunde war er trotz seiner Ausbildung in Landwirtschaft und Umwelt gar nicht dazu befähigt, einen so großen Besitz zu führen. Seit er nach seinem Abitur mit dem Studium in Agrarwirtschaft begonnen hatte, war er nur noch selten zu Hause gewesen. Und wenn, dann nur um seine Eltern zu besuchen oder seine kleine Schwester Manuela nach Judenburg zu fahren. Sein Leben hatte sich in Wien abgespielt, in seiner großzügig geschnittenen Vier-Zimmer-Wohnung in Hietzing. Er war zur Uni gegangen, hatte sich mit Freunden getroffen und Partys gefeiert. Jetzt, aus heiterem Himmel eine solche Verantwortung zu übernehmen, machte ihm Angst. Besonders wenn er daran dachte, dass so nun sein weiteres Leben aussehen sollte.


Matthias´ Hände ballten sich zu Fäusten, während er versuchte, seine bedrückenden Gedanken zu verdrängen. Ich muss aufhören, darüber nachzudenken, ging es ihm durch den Kopf und er atmete tief durch. Egal, wie seine Einstellung zu diesem Thema auch war, er hatte es seinem Bruder versprochen. Christian verließ sich auf ihn, und das nicht nur, um während seiner Hochzeitsreise die Führung auf der Farm zu übernehmen. Er sollte in das Familienunternehmen mit einsteigen und seinen Beitrag leisten. Wie er selbst darüber dachte, war nicht wichtig.


 


„Matt!“


Als Matthias seinen Spitznamen hörte, wurde er aus seinen Gedanken gerissen und sah sich suchend um. Es dauerte nicht lange, bis er die junge Frau erblickte, die lächelnd auf ihn zukam. Sophie?, dachte er überrascht und konnte kaum glauben, wie sehr sich seine Cousine in den letzten Monaten verändert hatte. Anders als früher trug sie jetzt einen schwarzen Hosenanzug, schwarze Pumps und hatte ihre langen blonden Haare zu einem festen Dutt zusammengebunden. Auf diese Weise sah sie sehr geschäftsmäßig aus und hatte kaum noch Ähnlichkeiten mit der Frau, die vor fast einem Jahr in die USA aufgebrochen war.


„Tut mir leid, es ging nicht früher“, entschuldigte sich Sophie und umarmte ihren Cousin. „Die Einsatzbesprechung hat doch länger gedauert, als gedacht.“


„Kein Problem“, erwiderte Matthias mit einem schwachen Lächeln. „Ich habe den Sicherheitsbereich erst vor ein paar Minuten verlassen. Ich warte also noch nicht lange.“


„Du Armer“, sagte Sophie mitfühlend und hakte sich bei ihm unter. „Dann lass uns schnell von hier verschwinden. Du bist bestimmt erledigt.“


„Gerne“, stimmte Matthias ihrem Vorschlag zu und ließ sich von seiner Cousine zum Ausgang führen. „Aber bevor wir zu dir fahren, muss ich unbedingt noch etwas essen“, warf er ein, als sein Magen zu knurren begann.


Sophie nickte und ging mit Matthias zu ihrem Wagen, der auf dem Parkplatz stand.


„Irgendwelche besonderen Wünsche?“, wollte sie lächelnd wissen, nachdem sie eingestiegen waren, doch Matthias schüttelte mit dem Kopf.


„Mir ist es egal“, versicherte er und seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Hauptsache, es gibt dort etwas zu essen.“


„Gut“, erwiderte Sophie zufrieden und fuhr los. „Dann fahren wir zu meinem Lieblingsrestaurant in Los Angeles. Dort fahre ich immer hin, wenn ich auswärts essen gehe.“


Matthias nickte nur, denn ihm war es wirklich egal. Er wäre auch mit einem Würstchenstand zufrieden gewesen. Obwohl er sich nicht sicher war, ob es so etwas in Los Angeles überhaupt gab.


 


Als Sophie ihren Wagen zwanzig Minuten später vor einem Restaurant zum Stehen brachte, atmete Matthias erleichtert auf. Endlich, ging es ihm durch den Kopf und er musste ein Stöhnen unterdrücken. Wenn ich gewusst hätte, wie lange die Fahrt dauert, hätte ich mir einen Laden in der Nähe ausgesucht. Aber er behielt seine Meinung für sich, um seine Cousine nicht vor den Kopf zu stoßen. Immerhin hatte sie es nur gut gemeint. Doch so ganz konnte er seine schlechte Laune nicht verbergen. Dafür war sein Hunger inzwischen zu groß.


„Tut mir leid“, entschuldigte sich Sophie, während sie ausstiegen. „Ich hätte wissen müssen, dass die Fahrt um diese Zeit länger dauert.“


Matthias sagte nichts dazu, sondern ging nur mit schnellen Schritten auf das Gebäude zu. Er wollte jetzt endlich etwas essen. Seine letzte Mahlzeit lag schon mehrere Stunden zurück und er spürte bereits ein richtiges Loch in seinem Bauch.


Schweigend folgte ihm seine Cousine, ohne auf die schlechte Stimmung ihres Cousins einzugehen. Matthias konnte jedoch deutlich ihren Blick in seinem Rücken spüren. Er kannte diese Reaktion nur zu gut. Sie wollte, dass er etwas sagte. Aber er schwieg und öffnete die Tür zum Restaurant, wo ihnen fast sofort ein lächelnder Kellner entgegenkam.


„Mrs. de Luca. Es freut mich, Sie zu sehen. Bitte folgen Sie mir. Wir haben für Sie und Ihren Begleiter noch einen Tisch am Fenster frei.“


Überrascht sah Matthias seine Cousine an, diese zuckte aber nur mit den Schultern.


„Ich habe dir doch gesagt, dass ich öfter hier bin“, flüsterte sie ihm leise auf Deutsch zu, während sie dem Kellner folgten.


Kurze Zeit später saßen sie an einem freien Tisch und ihnen wurde als Vorspeise eine Schüssel mit warmer Gemüsesuppe serviert.


Verwundert sah Matthias erst den Kellner und dann seine Cousine an, denn sie hatten noch gar nichts bestellt. Aber als diese ihm nur freundlich zulächelte, zuckte er mit den Schultern und begann zu essen.


„Willst du nichts essen?“, wollte Matthias nach einer Weile wissen, als sein größter Hunger gestillt war. „Du stocherst ja nur in der Suppe herum.“


„Was?“, fragte sie verwirrt und sah ihn an. „Entschuldige, ich war in Gedanken.“


„Ist alles in Ordnung mit dir?“, wollte Matthias besorgt wissen und verfluchte sich selbst, weil er seit ihrem Wiedersehen nur mit seinen eigenen Bedürfnissen beschäftigt gewesen war.


„Es ist nichts“, erwiderte Sophie ausweichend und begann zu essen.


Matthias glaubte ihr kein Wort. Eindringlich betrachtete er sie und überlegte, was vorgefallen sein könnte. Schließlich hielt er die Ungewissheit nicht mehr aus und verschränkte die Arme vor seiner Brust.


„Jetzt sag schon“, forderte er sie mit ernster Miene auf. „Ich dachte, du freust dich darüber, dass ich dich für ein paar Wochen besuchen komme, bevor du nach Deutschland zurückmusst.“


„Natürlich freue ich mich, dich zu sehen“, sagte sie schnell und sah ihn mit einem schwachen Lächeln an. „Ich weiß nur nicht, wie ich es meiner Familie beibringen soll, dass ich nicht mit dir zurückfliegen kann.“


„Wie meinst du das?“, fragte Matthias verwirrt. „Es ist doch alles abgesprochen. Schließlich läuft dein Vertrag mit der Firma aus.“


„Das stimmt“, gab Sophie zögernd zu und sah ihn nachdenklich an. „Doch sie haben mich gebeten, noch etwas länger zu bleiben. Die Eröffnung der Filiale, um die ich mich in den letzten Monaten gekümmert habe, wurde verschoben. Es gibt ein paar Probleme, die noch beseitigt werden müssen. Kurz bevor ich zum Flughafen gefahren bin, hat es mir mein Chef mitgeteilt“, ergänzte sie angespannt und sah ihren Cousin mit ernster Miene an. „Ich habe bis Montag Zeit, es mir zu überlegen.“


„Können sie das so einfach von dir verlangen? Du hast an diesem Projekt doch bestimmt nicht alleine gearbeitet“, erwiderte Matthias verwirrt. „Außerdem ist deine Arbeitserlaubnis in Amerika nur begrenzt.“


„Das ist nicht das Problem“, gab Sophie zögernd zu und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. „Die Erlaubnis gilt für drei Jahre. Ich könnte also bleiben. Aber ich habe meinem Bruder versprochen, in der Wiener Verkaufsfiliale beim Umzug zu helfen. Alexander möchte nämlich, dass jemand von der Familie dabei ist.“


Überrascht sah Matthias seine Cousine an. Von diesem Umzug hörte er heute zum ersten Mal. Aber warum hätten sie es mir auch sagen sollen?, ging es ihm gleich darauf durch den Kopf. Schließlich hatte er mit dem Verkauf der de-Luca-Kollektionen rein gar nichts zu tun.


„Kann sich nicht jemand anderes darum kümmern?“, fragte Matthias nach kurzem Schweigen, als er sah, wie seine Cousine wieder zu grübeln begann. „Unsere Familie ist schließlich sehr groß.“


Sophie schüttelte mit dem Kopf.


„Leider nicht“, gab sie angespannt zu und berührte mit einer Hand ihre Schläfe. „Die Einzigen, die infrage kommen würden, sind meine Brüder. Aber Raphael kann die Vertriebsfiliale in München nicht solange alleine lassen. Und Alexander muss sich um die Leitung der Firma kümmern.“


„Verstehe“, erwiderte Matthias nachdenklich. „Eine blöde Situation.“


„Das kannst du laut sagen“, sagte Sophie traurig und seufzte auf. „Egal, wie ich mich entscheide, einen muss ich enttäuschen. Dabei wäre es mir so wichtig, die Arbeit ordentlich abzuschließen. Ich habe schließlich einen Ruf zu verlieren. Aber ich will auch meinen Bruder nicht im Stich lassen. Immerhin soll ich nächstes Jahr die Leitung des Onlineversands in Wien übernehmen.“


Eindringlich betrachtete Matthias seine Cousine. Eine schwere Entscheidung, ging es ihm durch den Kopf und er wünschte, er könnte ihr helfen. Plötzlich hatte er eine Idee.


„Wann genau sollst du denn in Wien anfangen?“, wandte er sich an Sophie, während sein Herz vor Aufregung schneller schlug. Möglicherweise gab es für ihn doch noch einen Weg, seinen Arbeitsbeginn auf der Farm zu verzögern.


„Gleich nach Christians Hochzeit“, gab sie verwirrt zu. „Alexander dachte, es wäre eine gute Idee. Da ich schon in Österreich bin. Wieso?“


„Na ja“, gab er zögernd zu. „Was hältst du davon, wenn ich dich vertrete? Jedenfalls so lange, bis du mit deiner Arbeit hier fertig bist.“


„Du?“, fragte sie ungläubig. „Aber du verstehst doch gar nichts von Betriebswirtschaft oder dem Verkauf.“


„Muss ich ja auch nicht“, erwiderte er gelassen und beobachtete den Kellner, der mit einem Lächeln auf dem Gesicht den Tisch abräumte. „Du hast selbst gesagt, dass nur jemand aus der Familie anwesend sein soll“, ergänzte er, nachdem sie wieder alleine waren, und sah Sophie eindringlich an. „Und ich muss sowieso noch einmal nach Wien, um meine Wohnung leer zu räumen.“


„Das würdest du wirklich für mich tun?“, fragte Sophie hoffnungsvoll und Matthias nickte.


„Jedoch geht es erst, wenn mein Bruder von seiner Hochzeitsreise zurück ist“, warf er ein. „Außerdem bin ich noch bei einem Freund zum Geburtstag eingeladen. Aber ab Ende August hätte ich Zeit. Natürlich nur, wenn Alexander einverstanden ist.“


„Mein Bruder hat bestimmt nichts dagegen“, erwiderte Sophie erfreut. „Ich werde ihn später gleich anrufen. Vielen Dank. Dafür schulde ich dir etwas.“


„Das tust du nicht“, erwiderte Matthias lachend und griff nach ihrer Hand. „Ich mache es wirklich gerne. Also hör auf zu grübeln und fang endlich an zu essen. Sonst denkt der Besitzer des Restaurants noch, es schmeckt dir heute nicht.“


Lachend sah seine Cousine ihn an und zum ersten Mal, seit seiner Ankunft in Amerika, hatte Matthias das Gefühl, die alte Sophie vor sich zu haben. Jetzt konnte er nur noch hoffen, dass sein Cousin zustimmen und sein eigener Bruder nicht allzu sauer reagieren würde.


 


 


1. Kapitel

 


Vier Wochen später.


 


Ein Lächeln huschte über Matthias´ Gesicht, als er seinen Wagen auf dem Parkplatz seiner Eltern zum Stehen brachte, und er stieg aus. Endlich zu Hause, ging es ihm durch den Kopf und er sah sich zufrieden um. Auch wenn er es nicht gerne zugab, er hatte das zweistöckige weiße Herrenhaus seiner Familie mit dem roten Ziegeldach und dem großen Garten vermisst. Ebenso wie die Ruhe, die die Farm verströmte, und die gute Landluft.


Langsam holte er seine Sachen aus dem Kofferraum, während er über die letzten Wochen nachdachte, und ging zum Haus. Die Stadt war hektisch, laut und immer voller Menschen und Autos gewesen. Teilweise hatte es Stunden gedauert, um von einem Ort zu einem anderen zu gelangen. Kein Wunder also, dass er sich jetzt nach etwas Ruhe sehnte. Und er beneidete Sophie nicht darum, dass sie sich diesem Lärm noch ein paar Monate länger aussetzen musste.


Plötzlich fiel Matthias das Versprechen wieder ein, welches er seiner Cousine gemacht hatte, und er hielt mitten in der Bewegung inne. Konsequent hatte er das Angebot in den letzten Wochen verdrängt, um sich nicht den Urlaub zu ruinieren. Doch jetzt konnte er dieses Gespräch nicht mehr länger vor sich herschieben, sondern musste endlich mit Christian sprechen. Schließlich war alles mit seinem Cousin Alexander abgesprochen. Und sogar den Filialleiter Mario Hebbeler hatte man bereits über seine Ankunft informiert.


„Christian wird ganz schön sauer sein“, sagte Matthias leise vor sich hin, während er weiterging, und stöhnte laut auf.


Dieser hatte nämlich geplant, dass Matthias nach seinem Studium die Leitung des Tierbereiches übernehmen sollte, um selbst mehr Zeit für seine Frau zu haben. Denn durch Christians Arbeit auf der Farm und Jessicas Ausbildung in Kindergartenpädagogik waren beide beruflich ziemlich eingespannt.


Für Matthias war dies am Anfang auch kein Problem gewesen. Er hatte sich gerade von seiner Freundin Valentina getrennt und war froh, Wien verlassen zu können. Aber mit der Zeit waren Zweifel in ihm aufgestiegen, ob er diesen Weg wirklich gehen wollte. Ob er tatsächlich jahrelang hart studiert hatte, nur um sich anschließend um die Aufzucht von Angorakaninchen zu kümmern. Leider konnte er jetzt nicht mehr zurück. Er hatte ein Versprechen gegeben und würde es auch halten. Doch dieser Job in Wien gab ihm wenigstens die Möglichkeit, das alles noch ein bisschen hinauszuzögern.


 


„Mattias!“


Als hinter Matthias eine tiefe Männerstimme ertönte, wurde dieser aus seinen Gedanken gerissen und er drehte sich verwundert um. Sofort verzogen sich seine Lippen zu einem Lächeln. Und er sah seinem Vater dabei zu, wie er mit schnellen Schritten auf ihn zugelaufen kam. Dicht gefolgt von der Berner Sennenhündin Atuna, ohne die er fast nie aus dem Haus ging.


„Hallo Vater“, begrüßte Matthias Carlos de Luca lächelnd, als dieser vor ihm stand, und umarmte ihn kurz. „Du bist aber früh unterwegs. Wo ist den Amira?“


Die zweite Hündin seines Vaters ließ sich diese Spaziergänge normalerweise ebenfalls nicht entgehen, und er hoffte nur, dass ihr nichts fehlte. Denn nachdem Carlos de Luca die Leitung der Farm an seinen Sohn Christian abgegeben hatte, waren die Tiere zum wichtigsten Teil seines Lebens geworden.


„Amira hat vor zwei Tagen ihre Welpen bekommen“, erzählte Carlos de Luca mit einem Leuchten in den Augen und streichelte Atuna über den Kopf. „Drei Hündinnen und fünf Rüden, alle kerngesund. Daher bleibt sie drinnen. Obwohl, wirklich Ruhe hat sie dort im Moment nicht“, ergänzte er nach kurzem Zögern und sah mit ernster Miene zum Haus. „Dafür ist zu viel los.“


„Wieso? Ist irgendetwas Schlimmes passiert, während ich in Amerika war?“, wollte Matthias besorgt wissen und ging mit seinem Vater auf das Herrenhaus zu.


Sofort kamen ihm die Tierschützer in den Sinn, die im letzten Jahr versucht hatten, in die Hallen der Angorakaninchen einzubrechen. Angestachelt durch die Lügen ihres ehemaligen Mitarbeiters in der Presse war es ihr Ziel, die katastrophalen Haltungsbedingungen auf dieser Farm zu dokumentieren. Dies war am Ende so weit gegangen, dass selbst die Verkäufe ihrer Kleidungsstücke deutlich zurückgegangen waren. Bis seine Familie die Idee hatte, ein paar von ihnen in die heiligen Hallen zu lassen, um sich ihr eigenes Bild zu machen. Trotzdem war das Gerede nie ganz verschwunden. Und es gab weiter einige Leute, die diesen Anschuldigungen glaubten und die späteren Berichtigungen für eine Form der Vertuschung hielten.


„Nein“, versicherte Carlos lächelnd und Matthias sah seinen Vater prüfend an. „Jedenfalls nichts, was uns im Moment Probleme macht. Claas hat nur vor ein paar Tagen erwähnt, dass er im nächsten Jahr in den Ruhestand gehen möchte. Tja, und dein Bruder ist wegen der bevorstehenden Hochzeit ziemlich durch den Wind und macht mit seinen Launen alle Mitarbeiter verrückt. Na ja“, ergänzte Matthias´ Vater kopfschüttelnd. „Zum Glück sind es bis dahin nur noch zwei Tage.“


Matthias lachte erleichtert auf und sah seinen Vater mitfühlend an.


„Ja, Christian kann anstrengend sein, wenn er will.“


Doch dann erinnerte er sich an die anderen Worte seines Vaters und blieb mitten in der Bewegung stehen. Ihr Verwalter Claas Philipps wollte in den Ruhestand gehen? Das konnte nicht sein. Neben den beiden Vorarbeitern Finn Katzer und Konrad Riedl war er schließlich einer der Mitarbeiter mit der größten Erfahrung. Und Matthias wusste nur zu gut, welches Vertrauen sein Vater und auch sein Bruder in diesen Mann setzten.


Überrascht sah Matthias seinen Vater an.


„Aber Claas ist doch erst Anfang 60.“


„62, um genau zu sein“, antwortete Carlos de Luca mit ernster Miene. „Aber er möchte mehr Zeit für seine Familie haben. Ich glaube, es macht ihm immer noch zu schaffen, dass er die Schwangerschaft seiner Tochter damals übersehen hat. Und er gibt sich die Schuld daran, dass Liesbeth ihre Töchter verloren hat.“


„Das ist doch verrückt“, erwiderte Matthias kopfschüttelnd. „Liesbeth hat die Schwangerschaft vor allen verheimlicht. Wie hätte er davon wissen sollen. Und dass ihr Exfreund die Kinder gleich nach der Geburt in einem Krankenhaus aussetzen würde, damit hätte niemand rechnen können.“


„Das ist mir klar“, meinte Carlos traurig und sah seinen Sohn an. „Aber Gefühle haben nicht unbedingt etwas mit Logik zu tun.“


Matthias nickte, damit hatte sein Vater wohl recht. Trotzdem konnte er den Verwalter nicht verstehen. Gut, vielleicht hätte ihm und seiner Frau die Schwangerschaft ihrer 15-jährigen Tochter auffallen müssen. Aber alles, was im Anschluss passiert war, war die Schuld von Liesbeths ehemaligem Freund gewesen. Er hatte ihre Erschöpfung nach der Geburt ausgenutzt, um ihr die Kinder wegzunehmen.


Doch die Sache war am Ende gut ausgegangen. Sie hatten sich wiedergefunden, wenn auch erst nach vielen Jahren. Und nun würde eines dieser Mädchen in wenigen Tagen seinen Bruder heiraten.


„Ist Liesbeth mit ihrer Familie schon hier?“, wechselte Matthias das Thema und sah seinen Vater fragend an.


„Noch nicht“, erwiderte Carlos und sie gingen weiter. „Jessica hat erzählt, sie würden morgen Nachmittag ankommen. Auch der Rest der Familie sollte im Verlauf des Tages eintreffen“, ergänzte er mit einem schwachen Lächeln. „Und dann wird es eng im Haus.“


Matthias lächelte zurück und öffnete seinem Vater die Tür.


„Keine Sorge, ich werde einfach mein Zimmer räumen und im neuen Haus übernachten“, versprach er feierlich. „Schließlich soll niemand auf dem Boden schlafen müssen.“


„So weit kommt es noch“, antwortete Carlos de Luca lachend. „Wir werden schon für alle einen Platz zum Schlafen finden. Deine Mutter ist sogar sehr froh über den Trubel. Seit ihr Kinder nur noch zu Besuch nach Hause kommt, ist es still geworden. Außerdem ist dein Haus gar nicht fertig.“


Matthias zuckte nur mit den Schultern.


„Das macht mir nichts aus. Es ist Sommer. Die Wände stehen und das Dach ist bereits drauf. Es wird also für ein paar Nächte gehen.“


„Wenn du meinst“, erwiderte Carlos schulterzuckend und ging auf die Küche zu, in der es bereits nach Kaffee, Speck und gebratenen Eiern duftete. „Es ist deine Entscheidung. Aber jetzt lass uns frühstücken.“


Matthias nickte und folgte seinem Vater in die Küche, wo seine Mutter gerade eine dampfende Kaffeekanne auf den Tisch stellte.


„Mattias“, rief sie überrascht und lief auf ihren Sohn zu.


Und bevor Matthias wusste, wie ihm geschah, hatte Melanie de Luca ihn bereits an ihre Brust gedrückt und konnte nur mit Mühe die Tränen zurückhalten.


„Ich bin so froh, dass du wieder hier bist“, sprach sie mit belegter Stimme weiter, nachdem sie ihn losgelassen hatte. „Wie war es bei deiner Cousine? Habt ihr viel unternehmen können? Ist sie noch draußen?“


Matthias´ Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, während seine Mutter ihn mit Fragen bombardierte, ohne dass er eine Chance zum Antworten hatte.


„Es geht mir gut“, erwiderte er schließlich, als sie Luft holte. „Sophie und ich hatten eine schöne Zeit. Leider war sie beruflich sehr eingespannt, sodass ich oft alleine losgezogen bin. Sie konnte auch nicht mit mir zurückfliegen, sondern musste dortbleiben. Ihr Projekt in Los Angeles hat sich verzögert.“


Mit hochgezogenen Brauen sah Melanie de Luca ihren Sohn an.


„Ich dachte, sie muss in Wien für ihren Bruder ein paar Dinge erledigen? Christin hat jedenfalls so etwas am Telefon erwähnt.“


„Das stimmt schon“, gab Matthias zu und setzte sich mit seinen Eltern an den gedeckten Tisch. „Eigentlich sollte Sophie mit ihrem Auftrag auch längst fertig sein. Doch der Eröffnungstermin hat sich verschoben. Und sie wollte ihre Arbeit ordentlich beenden.“


„Ja, das kann ich verstehen“, antwortete Carlos de Luca lachend und goss sich etwas Kaffee ein. „In dieser Hinsicht kommt sie ganz nach ihrem Vater. Mein kleiner Bruder wollte auch immer, dass alles perfekt ist. Damit hat er unsere Eltern oft in den Wahnsinn getrieben. Wenn ihm beispielsweise ein Punkt in einer Prüfung fehlte, hat er sich anschließend in seinem Zimmer eingeschlossen und wie verrückt gelernt“, berichtete er kopfschüttelnd. „Und als er später begonnen hatte, seine Firma aufzubauen, hat er oft nächtelang kaum geschlafen. Da wundert es mich nicht, dass seine älteste Tochter genauso ist.“


Matthias´ Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und er griff nach einem Stück Toast.


„Das hast du uns bisher noch nie erzählt.“


Carlos zuckte mit den Schultern und trank einen Schluck Kaffee.


„Es hat sich nie ergeben. Außerdem gibt es so einige Geschichten aus meiner Kindheit, die ihr Kinder nicht unbedingt wissen müsst.“


„Was vielleicht auch besser ist“, warf Melanie de Luca ein und sah ihren Mann belustigt an. „Du willst sie schließlich nicht auf dumme Gedanken bringen.“


Carlos erwiderte das Lächeln seiner Frau und Matthias sah seine Eltern neugierig an. Doch sein Vater schüttelte nur mit dem Kopf.


„Deine Mutter hat recht, ich sollte nicht mit den alten Geschichten anfangen. Nur so viel“, ergänzte er vergnügt. „Meine Brüder und ich waren auch einmal jung und haben ein paar sehr verrückte Dinge angestellt. Und das nicht immer zur Freude unserer Eltern.“


Nach dieser Aussage häufte er sich etwas Rührei auf den Teller und sie begannen zu essen.


 


Nachdem Matthias mit dem Frühstück fertig war, verabschiedete er sich von seinen Eltern und machte sich auf die Suche nach Christian. Inzwischen müsste er im Büro sein, ging es ihm durch den Kopf und er schlenderte nachdenklich den Weg entlang. Noch immer hatte er keine Ahnung, wie er seinem Bruder sagen sollte, dass er die Leitung des Tierbereiches vorerst nicht übernehmen konnte. Und er wünschte sich, er hätte mehr Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen.


Als er das einstöckige Gebäude mit rotem Ziegeldach und einer Steinfassade erreichte, wurde ihm klar, dass seine Frist abgelaufen war. Er konnte das Gespräch nicht weiter aufschieben. Schließlich war bereits alles abgesprochen. Außerdem hatte Alexander geplant, mit seiner Frau Ronja und dem gemeinsamen Sohn Michael ebenfalls zur Hochzeit zu kommen. Spätestens dann würde es herauskommen. Und er wollte nicht, dass sein Bruder es auf diese Weise erfuhr.


Noch einmal holte Matthias tief Luft, dann ging er langsam in das Verwaltungsgebäude hinein. Als er die junge dunkelblonde Frau erblickte, die am Schreibtisch im Eingangsbereich saß, blieb er mitten in der Bewegung stehen. Irritiert sah er sie an, und für einen kurzen Moment vergaß er ganz den Grund seines Besuches.


„Sie sind nicht Jenna“, sagte er verwirrt und konnte seine Überraschung nur schwer verbergen.


Auf keinen Fall hatte sein Bruder ihre aktuelle Gutsekretärin Jenna Bade entlassen und auch sein Vater hatte nichts von einer Kündigung erwähnt. Doch was macht diese Frau dann an ihrem Computer?


„Tut mir leid“, erwiderte die blonde Frau entschuldigend, als sie ihn sah und stand auf. „Ich habe Sie gar nicht reinkommen hören. Falls Sie Frau Bade suchen, die ist krank“, ergänzte sie schnell und kam auf ihn zu. „Herr de Luca hat mich daher gebeten, sie kurzfristig zu vertreten.“


„Ist das wahr?“, fragte Matthias überrascht und sah sie nachdenklich an. Wenn er so eine Entscheidung trifft, dann ist er im Moment wirklich nicht mehr zurechnungsfähig, ging es ihm durch den Kopf. Sie ist ja noch ein halbes Kind. „Ist Christian in seinem Büro?“, wollte er etwas ungeduldig wissen. Denn er musste dringend mit ihm sprechen.


Die junge Frau nickte, sah Matthias aber erneut entschuldigend an.


„Herr de Luca möchte aber nicht gestört werden“, sagte sie zögernd und sah in die Richtung des Büros. „Vielleicht kommen Sie später noch einmal wieder.“


Matthias ließ sich davon aber nicht beeindrucken, sondern sah sie nur mit ernster Miene an.


„Für mich hat er Zeit. Ich bin nämlich sein Bruder.“


Und ohne auf das überraschte Gesicht der Frau zu achten, ging er an ihr vorbei.


 


„Hast du unsere Gutsekretärin wirklich durch dieses Kind ersetzt?“, fragte Matthias ohne Begrüßung, als er das Büro seines Bruders betrat, und schloss die Tür.


Überrascht schaute Christian von seinen Papieren hoch und sah seinen Bruder an.


„Matt? Du bist schon da?“ Lächelnd stand er auf, um ihn zu umarmen.


„Ja“, erwiderte Matthias mit ernster Miene. „Seit etwa einer Stunde. Aber was ist mit diesem Kind?“, kehrte er sofort zum Thema zurück. „Wieso kümmert sie sich um das Büro?“


„Kind?“, fragte Christian verwirrt, dann verzogen sich seine Lippen zu einem Lächeln. „Ach so, du meinst Janina. Ich war in einer Notlage. Jenna ist plötzlich krank geworden und es gab sonst niemanden, der einspringen konnte. Außerdem“, ergänzte Christian belustigt, während er sich zurück an seinen Schreibtisch setzte. „Ich würde dir raten, sie nicht als Kind zu bezeichnen. Janina Scheld ist 19, also so alt wie unsere Schwester. Und sie ist Manuelas Freundin. Sie wollen im Herbst zusammen in München studieren.“


„Seltsam“, erwiderte Matthias verwirrt und setzte sich ebenfalls hin. „Ich habe noch nie von dieser Freundin gehört. Dabei hat Manuela in den letzten Jahren die Wochenenden fast immer bei mir verbracht.“


Christian zuckte mit den Schultern.


„Also wenn ich unsere Schwester richtig verstanden habe, ist diese Freundschaft auch noch ziemlich frisch. Janina hat im Internat viel Unsinn angestellt. Scheinbar, um ihre Eltern zu provozieren. Aber es hat wohl nie funktioniert. Erst als sie jetzt schwanger geworden ist, sind sie ausgerastet.“


„Sie ist schwanger?“, fragte Matthias fassungslos und dachte an die junge Frau mit den blauen Augen, die er eher auf 16 geschätzt hätte.


Christian nickte.


„Und da sie das Kind nicht abtreiben, sondern behalten möchte, haben ihre Eltern sie rausgeschmissen.“


Entsetzt sah Matthias seinen Bruder an.


„Was? Wie kann man so etwas tun?“


„Das haben wir uns auch alle gefragt“, antwortete Christian ernst und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Na ja, auf jeden Fall hat Manuela zufällig davon erfahren und versprochen, ihr zu helfen.“


„Und wie genau stellt sie sich das vor?“, wollte Matthias irritiert wissen. „Sie wird in den nächsten Jahren mit ihrem Studium genug beschäftigt sein.“


„Stimmt“, gab Christian zu. „Aber Jessicas Schwester Larissa hat versprochen, Janina zu unterstützen. Sie arbeitet sowieso nur halbtags in der Verkaufsfiliale in München, um noch Zeit für ihre Töchter zu haben. Daher hat sie angeboten, sich nachmittags auch um ihr Baby zu kümmern, wenn es da ist. Und unsere Cousine Emilia lässt Manuela und ihre Freundin, zusammen mit ihr und ihrer Tochter, in Raphaels altem Haus wohnen.“


„Wollten Raphael und Larissa nicht ein eigenes Kind bekommen?“, fragte Matthias immer noch verwirrt. „Das habe ich jedenfalls gehört.“


Christian nickte.


„Stimmt“, gab er zu. „Sie versuchen es. Aber bisher hat es nicht geklappt.“


Verwundert sah Matthias seinen Bruder an. Seltsam, ging es ihm durch den Kopf. Immerhin war Larissa bei den Zwillingen gleich beim ersten Mal schwanger geworden. Doch er sagte nichts weiter dazu. Es ging ihn auch nichts an. Nur hatte er das Gefühl, dass sie sich mit ihren zweijährigen Kindern, der vierjährigen Tochter seiner Cousine Emilia und diesem Baby zu viel vornahm.


„Wie war eigentlich dein Urlaub?“, wechselte Christian das Thema, als Matthias nichts mehr sagte. „Hast du Sophie ins Flugzeug schleifen müssen?“


„Es war schön“, erwiderte Matthias ausweichend, während sich seine Hände zu Fäusten ballten. „Aber ich muss dir etwas sagen.“


„Ist irgendetwas mit Sophie passiert?“, fragte Christian besorgt, als er den ernsten Ausdruck im Gesicht seines Bruders sah, doch Matthias schüttelte mit dem Kopf.


„Nicht direkt“, gab er zu und atmete tief durch. „Sophie ist nicht mitgekommen. Es gab Probleme mit ihrem aktuellen Projekt, daher wird sie noch etwas länger in Amerika bleiben.“


„Aber ...“, begann Christian verwirrt. „Alexander hat doch erzählt, dass sie sich um den Umzug der Wiener Verkaufsfiliale kümmern soll. Die Räumlichkeiten sind dort zu klein geworden.“


„Ich weiß“, gestand Matthias angespannt. „Das hat Sophie mir gesagt. Sie war ziemlich verzweifelt, weil sie nicht wusste, was sie machen soll. An dem Tag, als ich in Los Angeles angekommen bin, hatte sie gerade erfahren, dass sich das Projekt verzögert. Daher musste sie sich entscheiden. Na ja, da habe ich angeboten, ihr zu helfen“, ergänzte er, nach kurzem Zögern.


„Und wie hast du dir das vorgestellt?“, wollte Christian irritiert wissen und sah seinen Bruder fragend an.


Als er den schuldbewussten Ausdruck in Matthias´ Gesicht sah, wurde er wütend.


„Das ist nicht dein Ernst?“


„Ich konnte sie doch nicht hängen lassen“, rechtfertigte sich Matthias und Christian stand auf.


„Aber mich schon?“, fragte er zornig und ging im Zimmer hin und her. „Wir hatten eine Abmachung“, erinnerte ihn Christian. „Du solltest mir Arbeit abnehmen, damit ich mehr Zeit für meine Frau habe. Stattdessen kann ich jetzt zusehen, wie ich alleine zurechtkomme. Und ich dachte, ich könnte mich auf dich verlassen.“


„Es tut mir leid“, entschuldigte sich Matthias. „Sophie hat mir einfach leidgetan.“


„Matthias, darum geht es doch nicht“, sagte Christian aufgebracht. „Ich muss mich auf dich verlassen können, wenn wir zusammen arbeiten wollen. Ich kann schließlich auch nicht alles hinschmeißen und für ein paar Monate verschwinden. Diese Farm ist unser Erbe. Unsere Eltern haben hart gearbeitet, um sie aufzubauen. Und wenn du nicht gewillt bist, deinen Beitrag zu leisten, dann sag es mir ins Gesicht. Aber mach keine Versprechungen, die du nicht halten kannst.“


„Ich habe nie gesagt, dass ich nicht auf der Farm arbeiten möchte“, versuchte Matthias, seinen Bruder zu beschwichtigen. „Es geht doch lediglich um ein paar Wochen. Vielleicht zwei Monate oder drei. Im Grunde nur so lange, bis Sophie aus Amerika zurückkommt. Danach kümmere ich mich um den Zuchtbetrieb.“


„Es sei denn, jemand anderes aus unserer Familie braucht dringend Hilfe“, erwiderte Christian sarkastisch. „Aber egal, ich bin ja nur dein Bruder. Ich werde einfach meine Hochzeitsreise verschieben, bis ich dann an der Reihe bin.“


„Wovon redest du?“, fragte Matthias verwirrt. „Davon war doch nie die Rede. Im Gegenteil, ich habe extra mit Alexander ausgemacht, dass ich erst Ende August nach Wien fahre. Schließlich habe ich versprochen, dich in dieser Zeit zu vertreten.“


„Stimmt“, erwiderte Christian mit ernster Miene und verschränkte die Arme vor seiner Brust. „Aber woher soll ich wissen, dass du dich daran hältst. So wie ich das sehe, änderst du deine Versprechen ziemlich schnell. Außerdem finde ich es äußerst dreist von dir, dass du mich erst jetzt darüber informierst, wo bereits alles abgesprochen ist. Glaubst du nicht, ich hätte ein Recht darauf gehabt, es vorher zu wissen? Dann hätte ich eine andere Lösung finden können. Stattdessen stellst du mich vor vollendete Tatsachen und das nur zwei Tage vor meiner Hochzeit.“


Matthias sah seinen Bruder an und holte tief Luft. Ich habe es ganz schön verbockt, ging es ihm durch den Kopf, denn Christian hatte recht. Er hatte Mist gebaut und dadurch das Vertrauen seines Bruders verloren. Statt mit ihm zu reden, hatte er das Gespräch immer weiter vor sich hergeschoben. Aber im Grunde war er sowieso nie glücklich darüber gewesen, als Leiter des Zuchtbereiches anfangen zu müssen. Für ihn war die Arbeit auf der Farm immer nur zweite Wahl. Und als Sophie ihm die Möglichkeit geboten hatte, etwas anderes zu machen, hatte er sofort zugegriffen.


„Es tut mir leid“, sagte Matthias leise und sah seinen Bruder entschuldigend an. „Ich hätte mit dir reden sollen. Doch als Sophie mir von ihrem Problem erzählte, hörte es sich einfach interessanter an als die Kaninchenzucht.“


„Wieso hast du nichts gesagt?“, wollte Christian verwirrt wissen. „Es war doch dein Vorschlag, dich um die Tiere zu kümmern.“


„Ich weiß“, gab Matthias zu und beschloss, endlich die Wahrheit zu sagen. „Aber nur, weil ich mich für die Feldarbeit noch weniger interessiere.“


„Und wofür interessierst du dich?“, wollte Christian mit ernster Miene wissen.


„Für die Theorie“, gab Matthias zögernd zu. „Ich war noch nie besonders scharf darauf, als Bauer oder Tierzüchter zu arbeiten. Stattdessen würde ich lieber andere Landwirte bei ihrer Arbeit durch Fortbildungen und Schulungen unterstützen.“


Überrascht sah Christian seinen Bruder an.


„Ich hatte keine Ahnung“, erwiderte er nachdenklich und setzte sich wieder auf seinen Stuhl. „Ich dachte immer, du möchtest ins Familienunternehmen einsteigen, so wie ich.“


„Früher hatte ich das vor“, gab Matthias frustriert zu und zuckte mit den Schultern. „Wieso auch nicht, schließlich bin ich hier aufgewachsen und kenne den Betrieb. Na ja, wenigstens in der Theorie. Da habe ich mir die Frage gar nicht gestellt, ob ich mit meinem Studium auch etwas anderes anfangen könnte.“


„Und wann hast du deine Meinung geändert?“


„Vor ein paar Monaten“, gab Matthias zögernd zu. „Ich hatte ein Praktikum im Ländlichen Fortbildungsinstitut. Das hat mir sehr großen Spaß gemacht. Zum ersten Mal hat sich die Arbeit für mich richtig angefühlt. Es war interessant, verschiedene Betriebe und Bauern kennenzulernen. Und mir wurde klar, dass ich gerne auch weiter in diesem Bereich arbeiten möchte. Doch versteh mich nicht falsch“, ergänzte er beschwichtigend, als Christian sich in seinem Stuhl zurücklehnte. „Das sind natürlich nur Träume. Nicht, dass du denkst, ich hätte hinter deinem Rücken …“


Weiter kam Matthias nicht, denn Christian winkte ab und sah seinen Bruder mit ernster Miene an.


„Was genau willst du machen? Wie hast du dir deine Zukunft vorgestellt?“


„Ich kann Alexander jetzt nicht mehr absagen, also muss ich mich um die Verkaufsfiliale in Wien kümmern“, sagte Matthias vorsichtig. „Anschließend komme ich zurück auf die Farm und übernehme den Tierbereich, wie ich es versprochen habe.“


„Nein“, sagte Christian entschieden und Matthias sah ihn verwundert an.


„Aber ...“, begann er zu sprechen, wurde aber sofort von seinem Bruder unterbrochen.


„Matt, ich werde dich nicht dazu zwingen, auf der Farm zu arbeiten. Glaub mir, damit ist keinem von uns geholfen“, sagte Christian mit ernster Miene. „Natürlich wäre es schön gewesen. Aber wenn du dich mehr für den theoretischen Teil interessierst und dieses Wissen weitergeben möchtest, dann musst du diesen Weg einschlagen. Solltest du dann deine Meinung irgendwann ändern, kannst du dich immer noch um die Kaninchenzucht kümmern.“


„Aber du brauchst mich doch“, warf Matthias ein. „Immerhin wolltest du mehr Zeit mit Jessica verbringen.“


„Das werde ich auch“, versprach Christian entschieden. „Claas hat bereits angedeutet, dass er bald in den Ruhestand gehen möchte. Mit dir zusammen wäre es kein Problem gewesen, seine Aufgaben zwischen uns aufzuteilen. Aber so werde ich mich nach einen neuen Verwalter umsehen, der dann auch den Zuchtbereich mit übernimmt. Diese Idee hatte ich schon früher, doch ich wollte Claas diese Zusatzbelastung in seinem Alter nicht mehr antun.“


Schweigend sah Matthias seinen Bruder an. Mit dieser Reaktion hatte er nicht gerechnet. Im Gegenteil, eigentlich war er auf einen heftigen Wutanfall eingestellt gewesen.


„Danke“, sagte Matthias schließlich und seine Lippen verzogen sich zu einem schwachen Lächeln. „Du weißt nicht, wie viel mir dein Einverständnis bedeutet. Seit mir letzte Woche eine Stelle als Projektmanager in Graz angeboten wurde, habe ich darüber nachgegrübelt, wie ich es dir sagen soll. Ich könnte dort nämlich im Januar das Themengebiet Landwirtschaft und Umwelt übernehmen. Ich muss mich nur innerhalb von zwei Wochen entscheiden.“


„Und dieses Angebot wolltest du ausschlagen?“, wollte Christian ungläubig wissen und Matthias zuckte mit den Schultern.


„Es ist auch mein Zuhause und ich hatte nie vor, dich im Stich zu lassen. Und das werde ich auch nicht“, versprach er aufrichtig. „Schließlich werde ich auf der Farm wohnen. Im Notfall kann ich jederzeit einspringen und dir helfen.“


„Einverstanden“, erwiderte Christian lächelnd. „Das hört sich gut an. Aber eins musst du mir versprechen, in Zukunft keine Geheimnisse mehr. Wenn du etwas auf dem Herzen hast, dann rede mit mir. Ich bin dein Bruder, nicht dein Vorgesetzter. Wir sind ein Team. Doch die Zusammenarbeit kann nur funktionieren, wenn wir uns aufeinander verlassen können.“


„Versprochen“, versicherte Matthias und atmete tief durch. „Aber jetzt sollten wir uns um die Übergabe kümmern. Schließlich heiratest du in zwei Tagen und es gibt noch viel zu tun.“


Christian nickte und reichte seinem Bruder eine blaue Mappe. Dann begannen sie damit, die verschiedenen Papiere und Abläufe durchzugehen.


 


 


2. Kapitel

 


Was ist mit dir, Rahel. Bist du am Wochenende mit dabei?“, wollte Leah Schneider lächelnd wissen, während sie sich eine braune Strähne aus dem Gesicht wischte. „Es wird bestimmt toll.“


„Ich kann leider nicht“, erwiderte Rahel traurig und sah ihre Freundin an, mit der sie zusammen eine Ausbildung zur Flugbegleiterin machte. „Meine Eltern wollen unbedingt, dass ich sie nach Österreich begleite. Die Tochter meiner Mutter heiratet doch am Samstag“, erklärte sie frustriert. „Daher musste ich mir morgen freinehmen. Obwohl ich viel lieber zum Unterricht gegangen wäre.“


Überrascht sah die junge Frau Rahel an.


„Du gehst lieber zur Schule als zur Hochzeit deiner Schwester? Bist du verrückt?“


„Sie ist nicht meine Schwester“, stellte Rahel klar. „Ich kenne diese Frau nicht einmal. Meine Mutter hat mit 16 Jahren Zwillinge bekommen und die zur Adoption freigegeben. Tja, und vor etwas über einem Jahr haben die plötzlich angefangen, nach ihrer leiblichen Mutter zu suchen. Seitdem ist in unserer Familie nichts mehr so, wie es einmal war.“


„Oh“, erwiderte Rahels Freundin verwirrt. „Das hast du mir gar nicht erzählt.“


Rahel zuckte mit den Schultern.


„Ich rede auch nicht gerne darüber“, antwortete sie bedrückt. „Wenn es nach mir ginge, würde ich diese Geschichte sogar am liebsten vergessen. Ich meine, warum mussten die nach so vielen Jahren plötzlich auftauchen und alles kaputt machen“, wollte Rahel aufgebracht wissen. „Wir waren eine glückliche Familie. Aber jetzt dreht sich alles nur noch um Jessica und Larissa. Meine Mutter kennt gar kein anderes Thema mehr. Ständig fährt sie nach München oder Österreich, um die beiden zu besuchen. Meine jüngeren Geschwister und ich sind völlig abgemeldet.“


„Das tut mir echt leid für dich“, sagte Leah und sah Rahel mitfühlend an. „Und wieso musst du dann unbedingt mit?“


„Keine Ahnung“, erwiderte Rahel frustriert, während sie zusammen zur Bushaltestelle gingen. „Meine Mutter hofft wohl, ich würde mich von ihren Töchtern einwickeln lassen, wenn ich sie näher kennenlerne. Bei meinen jüngeren Geschwistern hat es nämlich geklappt. Aber die sind erst vierzehn und elf, also noch leicht zu beeinflussen. Ich hingegen weiß es besser und kann auf diese Hochzeit gerne verzichten. Sollen die doch mit ihren Adoptiveltern feiern, statt sich in meine Familie zu drängen.“


Als Rahels Bus kam, stöhnte sie auf.


„Wieso muss er ausgerechnet heute pünktlich sein?“


„Rede doch noch einmal mit deinen Eltern, vielleicht kannst du hierbleiben“, schlug Leah vor, als der Bus anhielt. „Ich würde mich freuen.“


Rahel nickte, obwohl sie nicht daran glaubte, dass ihre Mutter ihre Meinung noch ändern würde, und stieg ein. Kurz winkte sie Leah zu, während sich der Bus in Bewegung setzte, dann ließ sie sich auf einen freien Sitzplatz fallen.


Im Grunde war ihre Situation hoffnungslos, das war ihr völlig klar. Schließlich hatte sie in den letzten Wochen nicht nur einmal mit ihren Eltern darüber gesprochen. Aber ganz egal, mit welcher Begründung sie kam, nichts hatte ihre Mutter überzeugt. Und langsam gingen ihr die Ideen aus.


 


Nachdem der Bus in der Nähe ihres Elternhauses angehalten hatte, machte sich Rahel nur widerwillig auf den Weg. Am liebsten wäre sie umgedreht und zurück zu ihrer Freundin gefahren. Doch ihre Eltern hätten sofort gewusst, wohin sie gegangen war. Schließlich kannten Leah und sie sich schon ewig.


Bereits im Kindergarten waren sie eng befreundet gewesen und hatten früher sogar im selben Hochhaus gewohnt. Immer hatten sie alles zusammen gemacht und daran hatte sich bis heute nichts geändert. Aus diesem Grund war es für sie nie eine Frage gewesen, auch gemeinsam eine Ausbildung zu beginnen. Und zum Glück hatte man sie beide bei der Fluggesellschaft angenommen.


Leider werden wir aber nie zusammen fliegen, ging es Rahel durch den Kopf und sie stieß mit ihrem Schuh gegen einen Stein. Zwar hatte sie es Leah noch nicht gesagt, doch sobald sie ihre Prüfung bestanden hatte, würde sie von hier wegziehen. Bereits vor Wochen hatte sie darüber mit ihrer Vorgesetzten, Frau Kohler, gesprochen, in der Hoffnung, sie könnte später von einem anderen Flughafen aus starten. Und obwohl sie noch keine feste Zusage bekommen hatte, war sie sehr zuversichtlich, dass es klappte.


 


Als Rahel das verklinkerte Einfamilienhaus mit schwarzem Ziegeldach im begehrten Stadtteil Köln-Sürth erreichte, blieb sie schweigend stehen und atmete tief durch. Erst vor drei Jahren hatten ihre Eltern dieses Haus gekauft, doch inzwischen fühlte es sich nicht mehr wie ein Zuhause an. Kein Wunder, ging es ihr durch den Kopf, als sie das Auto ihres Vaters sah, vor dem bereits einige Taschen und Koffer standen. Durch die beiden Töchter ihrer Mutter hatte sich alles verändert. Dabei hatte sie dieses Gebäude einmal wegen seines großzügigen Gartens, der guten Lage und ihrem eigenen Zimmer sehr geliebt.


Noch einmal atmete Rahel tief durch, dann ging sie, ohne dem Gepäck einen weiteren Blick zu gönnen, ins Haus hinein. Sie wollte jetzt nur noch auf ihr Zimmer gehen, um sich auf ihre Prüfung als Flugbegleiterin vorzubereiten. Schließlich war dies ihre einzige Chance, diese Stadt und ihre Familie schon bald zu verlassen.


Doch kaum hatte sie die Haustür geöffnet, hörte sie bereits die Stimme ihrer Mutter aus der Küche und ihre Hände verkrampften sich zu Fäusten.


„Rahel, bis du es? Hast du schon deinen Koffer gepackt?“


Rahel machte sich nicht die Mühe zu antworten, sondern ging, ohne ein Wort zu sagen, die Treppe nach oben. Natürlich hatte sie noch nicht gepackt. Warum hätte ich das auch tun sollen?, dachte sie genervt. Schließlich will ich nicht mitfahren. Doch viel Zeit blieb ihr nicht mehr, um ihre Eltern zu überzeugen. Denn bereits morgen früh sollte es losgehen.


In ihrem Zimmer angekommen, das wie die anderen Kinderzimmer im Dachgeschoss lag, warf sie ihre Jacke aufs Bett und setzte sich an ihren Schreibtisch. Kurz sah sie auf ihr Handy, um zu sehen, ob ihr jemand geschrieben hatte, dann griff sie nach ihrer Umhängetasche. Schweigend holte Rahel ihre Notizen und das Lehrbuch heraus und legte alles vor sich hin. Doch sie konnte sich nicht konzentrieren. Zu viel ging ihr im Kopf herum und schließlich gab sie es auf.


Wütend auf die ganze Situation ließ sie sich aufs Bett fallen und starrte an die Decke. Sofort musste sie wieder an die Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter denken, die kein Ende zu nehmen schienen. Dabei waren all diese Streitigkeiten gar nicht ihre Art. Im Gegenteil, meistens schämte sie sich später dafür und hätte sich am liebsten entschuldigt. Doch sie kam einfach nicht damit klar, dass ihre Mutter plötzlich Geheimnisse vor ihr hatte. Es Dinge in ihrem Leben gab, die sie scheinbar nur mit ihren anderen Töchtern teilen wollte. Und sie konnte nicht verstehen, dass ihre Mutter selbst ihr nie von ihren Zwillingstöchtern erzählt hatte. 


Rahel seufzte auf und lehnte sich im Schneidersitz an die Wand. Am liebsten würde sie die Zeit zurückdrehen, aber das war nicht möglich. Denn selbst nach einem Jahr konnte sie sich noch ganz genau an den Tag erinnern, als sich das heile Bild ihrer Familie radikal veränderte.


Sie waren von ihrem jährlichen Familienurlaub zurückgekehrt, als ihre Mutter eine Nachricht von ihrem Vater auf dem Anrufbeantworter vorfand. Ohne eine Erklärung war sie daraufhin nach Österreich aufgebrochen, obwohl sie noch nicht einmal ausgepackt hatten. Ganze zwei Tage war sie ohne ein Lebenszeichen weg gewesen und Rahel hatte sich furchtbare Sorgen gemacht. Bis sie dann plötzlich wieder da war und ihrer Familie von ihren Zwillingstöchtern erzählte. Töchter, die sie mit 16 bekommen hatte und die anschließend von zwei unterschiedlichen Ehepaaren adoptiert worden waren.


„Ich hätte nie gedacht, dass ich meine Babys eines Tages wiedersehe. Es ist wie ein Wunder. Und die beiden sind mir so ähnlich. Sie haben meine blauen Augen und blonde Haare. Und Larissa ist sogar bereits verheiratet und hat selbst zwei kleine Mädchen. Ich kann es nicht erwarten, die beiden kennenzulernen.“


Wut stieg in Rahel hoch, als sie sich an diesen Tag und die schwärmerischen Worte ihrer Mutter erinnerte.


„Sie sind mir so ähnlich“, äffte sie deren Stimme nach.


Das konnte man von ihr natürlich nicht sagen. Sie und ihre Geschwister hatten die schwarzen Haare und braunen Augen ihres Vaters geerbt. Kein Wunder, dass wir jetzt abgemeldet sind, ging es Rahel durch den Kopf. Wahrscheinlich wünscht sie sich, sie hätte die beiden nie weggegeben.


Tränen stiegen Rahel in die Augen und sie wischte sie mit einer Hand fort. Sie fühlte sich von ihrer Mutter verraten. Bisher war sie immer die Älteste gewesen. Hatte sich um ihre jüngeren Geschwister gekümmert und ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern gehabt. Ja, dachte sie verbittert. Ich war die perfekte Tochter, die nie Ärger gemacht oder für Unruhe gesorgt hat. Dass sich jetzt alles nur noch um die anderen Kinder ihrer Mutter drehte, tat sehr weh. Trotzdem wurde wie selbstverständlich von ihr erwartet, diese neuen Schwestern mit offenen Armen willkommen zu heißen. Dabei waren Jessica und Larissa für Rahel nur Fremde.


Verletzt sah sich Rahel in ihrem Zimmer um. Früher hatten an der Wand über ihrem Bett Bilder von ihrer Familie gehangen, aber inzwischen hatte sie diese abgenommen. Nach dem Geständnis ihrer Mutter und dem seltsamen Verhalten ihres Vaters hatten sie sich nur noch falsch angefühlt. Sie waren gar nicht so eine glückliche Familie, wie sie es immer gedacht hatte. Sonst hätte ihre Mutter ihr niemals eine solche Geschichte verheimlicht. Im Gegenteil, sie wäre zu ihr gekommen, um ihr zu erzählen, warum sie ihre Kinder damals weggegeben hatte. Doch wie ihre jüngeren Geschwister hatte sie von ihren Eltern nur das Nötigste erfahren. Ja, man hatte sie wie ein kleines Kind behandelt.


Um sich abzulenken und um nicht länger über die beiden fremden Frauen nachdenken zu müssen, ging Rahel an ihren Schreibtisch zurück. Bald bin ich sowieso weg, ging es ihr durch den Kopf, während sie sich ein paar Notizen machte. Schließlich gab es nach der Trennung von ihrem Freund nichts mehr, was sie in dieser Stadt noch hielt. Im Gegenteil, ihre Eltern waren bestimmt froh, wenn sie weg war.


 


„Rahel?“


Als Rahel die Stimme ihrer Mutter hörte, legte sie fluchend ihren Stift zur Seite und atmete tief durch. Sie tat so, als hätte sie den Ruf nicht gehört, doch so einfach wollte Liesbeth Biedenfeld es ihr nicht machen. Schritte waren auf der schmalen Holztreppe zu hören, die ins Dachgeschoss führte und bereits nach wenigen Minuten wurde ihre Zimmertür geöffnet.


„Hast du mich nicht gehört?“, wollte ihre Mutter wissen und sah sich suchend um. „Du hast noch gar nicht gepackt?“


„Ich muss lernen“, antwortete Rahel gereizt, ohne sich umzudrehen, und blätterte geräuschvoll eine Seite um. „Die Prüfung ist in zwei Wochen.“


„Das kannst du auch im Auto machen“, erwiderte Liesbeth Biedenfeld freundlich, ohne auf die schlechte Stimmung ihrer Tochter einzugehen. „Schließlich sind wir morgen fast neun Stunden unterwegs. Aber Papa möchte noch heute Abend alles im Wagen verstauen, damit wir gleich in der Früh losfahren können.“


„Und was habe ich damit zu tun?“, wollte Rahel genervt wissen und drehte sich zu ihrer Mutter um. „Ich habe doch gesagt, dass ich nicht mitfahren möchte. Außerdem hat Leah mich gefragt, ob wir am Wochenende zusammen lernen wollen.“


Deutlich frustriert verschränkte Liesbeth Biedenfeld die Arme vor ihrer Brust und sah ihre Tochter eindringlich an.


„Ich dachte, das hätten wir geklärt. Wir fahren alle hin. Schließlich ist es die Hochzeit deiner Schwester.“


„Sie ist nicht meine Schwester“, sagte Rahel leise, doch ihre Mutter hatte es verstanden und stöhnte auf.


„Fang nicht schon wieder damit an“, anwortete sie gereizt. „Ob es dir gefällt oder nicht, Jessica und Larissa sind meine Töchter und gehören somit zur Familie. Wieso machst du es uns also so schwer?“


„Ich habe nicht all die Jahre gelogen und meine Kinder verheimlicht“, antwortete Rahel wütend und stand auf. „Also gib mir nicht die Schuld.“


„Rahel“, erwiderte Liesbeth Biedenfeld angespannt und berührte mit einer Hand ihre Schläfe. „Die Geschichte ist nun schon über ein Jahr her. Langsam ist es genug. Oder glaubst du, für mich war es leicht? Ich hatte all die Jahre keine Ahnung, wo sich meine Kinder befinden. Was hätte ich euch da erzählen sollen?“


„Die Wahrheit“, schlug Rahel immer noch wütend vor und lehnte sich an ihren Schreibtisch zurück. „Stattdessen hast du geschwiegen.“


„Du verstehst es einfach nicht“, sagte Liesbeth Biedenfeld kopfschüttelnd und atmete tief durch. „Das habe ich getan, weil es nichts geändert hätte. Ich habe nie damit gerechnet, meine Kinder noch einmal wiederzusehen. Dass es nun doch passiert ist, ist ein Geschenk. Und ich wünschte, du würdest anfangen, es auch so zu sehen. Und was das Lernen mit Leah betrifft. Ich weiß von der Party am Wochenende. Ihre Mutter hat es mir nämlich erzählt. Und sag nicht, du hättest es nicht gewusst.“


Rahel verschränkte die Arme vor ihrer Brust und fluchte innerlich. Warum muss sie auch ausgerechnet mit Leahs Mutter befreundet sein?, dachte sie frustriert. Doch sie sagte nichts weiter dazu. Es hätte sowieso keinen Sinn.


„Rahel“, ergänzte Liesbeth Biedenfeld ruhig, als ihre Tochter nichts erwiderte, und sah sie eindringlich an. „Ich weiß ja, es ist nicht leicht. Aber ich bin sicher, du wirst Jessica und Larissa mögen, wenn du sie erst besser kennst. Und von mir aus kann Sebastian uns begleiten.“


„Sebastian und ich haben uns schon vor vier Wochen getrennt“, sagte Rahel mit ernster Miene, ohne ihre Mutter aus den Augen zu lassen. „Er wird also kaum mit nach Österreich kommen.“


Überrascht sah Liesbeth Biedenfeld ihre Tochter an.


„Das hast du mir gar nicht erzählt. Was ist denn passiert? Habt ihr euch gestritten? Ihr wart doch immer so ein tolles Paar.“


Rahel zuckte nur mit den Schultern.


„Warum hätte ich dir davon erzählen sollen?“, wollte sie traurig wissen. „Du hast doch auch Geheimnisse vor mir. Außerdem habe ich nicht geglaubt, dass es dich interessiert. Schließlich hat es nichts mit deinen neuen Töchtern zu tun.“


„Ich bin immer noch deine Mutter“, antwortete Liesbeth Biedenfeld bestimmt und sah Rahel eindringlich an. „Du kannst mit mir über alles reden. Das war doch schon immer so. Und daran hat sich nichts geändert.“


„Doch, hat es“, erwiderte Rahel bitter. „Du hast mit den Geheimnissen angefangen. Warum soll ich dir alles erzählen, wenn du nicht genauso ehrlich zu mir bist?“


Liesbeth Biedenfeld atmete tief durch und fuhr sich frustriert durch ihr kurzes dunkelblondes Haar.


„Wir treten auf der Stelle“, sagte sie schließlich und ihre blauen Augen sahen Rahel traurig an. „Du versuchst nicht einmal, mich zu verstehen. Mir war klar, dass es nichts bringen würde, euch mit diesem Schmerz zu belasten. Daher habe ich geschwiegen. Und dafür werde ich mich nicht entschuldigen. Jetzt habe ich die Chance, am Leben meiner Töchter teilzunehmen. So wie ich es mir immer gewünscht habe. Sie können ein Teil meiner Familie sein. Wieso kannst du das nicht akzeptieren?“


„Darum geht es doch gar nicht“, erwiderte Rahel verletzt. „Ich will doch nur die Wahrheit wissen. Wenn du dir das so gewünscht hast, warum hast du deine Kinder dann weggegeben?“, wollte sie nicht zum ersten Mal wissen.


Doch wie immer, wenn Rahel diese Frage stellte, sah ihre Mutter sie auch heute nur schweigend an. Dann wechselte sie das Thema.


„Du solltest jetzt packen. Danach komm runter zum Essen“, sagte Liesbeth Biedenfeld tonlos und verließ das Zimmer.


Schweigend sah Rahel ihrer Mutter hinterher, ohne eine Miene zu verziehen. Erst als die Tür ins Schloss gefallen war, traten ihr die Tränen in die Augen und sie wischte sie mit einer Hand fort. Früher hatten sie sich nie gestritten. Im Gegenteil, sie waren ein richtiges Mutter-Tochter-Gespann gewesen. Aber dieses Geheimnis hatte alles kaputt gemacht. Und es machte sie fertig, dass ihre Mutter mit ihr nicht über die Vergangenheit sprechen wollte.


 


Da Rahel wusste, dass eine weitere Auseinandersetzung nichts bringen würde, begann sie, lustlos ein paar Sachen in ihre Reisetasche zu werfen. Sie musste es einfach positiv sehen. Schließlich konnte sie in Judenburg auch ihre Großeltern einmal wiedersehen. Da ihre Eltern und Geschwister im letzten Jahr zur Farm gefahren waren, war ihre letzte Begegnung schon einige Monate her. Und Claas und Gertrud Philipps waren immerhin die einzigen Großeltern, die sie noch hatte.


Als Rahel eine halbe Stunde später mit ihrer Reisetasche nach unten ging, saß der Rest ihrer Familie bereits am Küchentisch. Aufgeregt redeten ihre Geschwister durcheinander, denn sie freuten sich darauf, ihre Freunde auf der Farm wiederzusehen. Als sie in die Küche kam, erstarb das Gespräch und Rahel setzte sich schweigend auf ihren Platz.


„Kommst du doch noch zum Essen?“, unterbrach Lars Biedenfeld das Schweigen und sah seine Tochter mit ernster Miene an. „Ich hoffe, du bist fertig mit packen.“


„Ja“, erwiderte Rahel knapp und nahm sich eine Scheibe Brot. „Die Tasche steht neben der Treppe.“


Lars Biedenfeld nickte, sah Rahel aber weiter eindringlich an.


„Besonders glücklich siehst du aber nicht aus.“


„Wundert dich das“, antwortete Rahel ohne nachzudenken, und sah zu ihrer Mutter. „Schließlich werde ich praktisch dazu gezwungen, mitzufahren. Dabei muss ich mich auf meine Prüfung vorbereiten und …“


„Es reicht“, unterbrach Lars Biedenfeld seine Tochter wütend. Dann wandte er sich an seine anderen Kinder. „Tito, Becca, geht bitte nach oben und esst in euren Zimmern weiter.“


Kurz sahen die beiden zu ihrer großen Schwester hin, dann nickten sie und verließen mit ihren Tellern die Küche. Kaum waren sie verschwunden, wandte sich Lars Biedenfeld wieder Rahel zu.


„Langsam habe ich genug von deinem Verhalten“, stellte er klar. „Seit über einem Jahr benimmst du dich wie ein kleines Kind. Dabei solltest du es mit deinen 18 Jahren längst besser wissen. Hör also auf, dich so kindisch zu benehmen, und akzeptiere endlich, dass Jessica und Larissa jetzt zur Familie gehören.“


Verletzt sah Rahel ihren Vater an. Bisher hatte sie immer gehofft, dass er auf ihrer Seite war. Schließlich hatte er sich damals dafür stark gemacht, dass sie in Köln bei ihren Freunden bleiben durfte, nachdem ihre Mutter die Bombe hatte platzen lassen. Aber scheinbar hatte sie sich geirrt. Obwohl ihre Mutter auch ihn jahrelang belogen hatte, hielt ihr Vater zu seiner Frau.


Plötzlich hatte sie keinen Appetit mehr und schob ihren Teller zur Seite.


„Larissa und Jessica“, wiederholte sie leise. „Es dreht sich doch sowieso alles nur noch um die beiden. Ich bin euch inzwischen völlig egal.“


„Du weißt, dass das nicht stimmt“, erwiderte ihr Vater ernst. „Natürlich bist du uns nicht egal. Aber du solltest auch verstehen, wie sehr sich deine Mutter über das Wiedersehen mit ihren Töchtern freut.“


Rahel sagte nichts weiter dazu, sondern sprang von ihrem Stuhl auf und lief nach oben. Sie fühlte sich verletzt und einsam. Und das in ihrer eigenen Familie. Niemand versteht mich, ging es ihr durch den Kopf. Nicht einmal ihr Vater, der ihre Gefühle doch eigentlich teilen müsste. Doch wie die anderen hatte er sich für eine Seite entschieden. Wie sie dazu stand, war völlig egal.


Tränen liefen Rahel die Wangen hinunter und sie ließ sich auf ihr Bett fallen. Früher war alles viel besser gewesen. Seit sie denken konnte, war sie mit allen Sorgen und Problemen zu ihrer Mutter gegangen. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie als Kind vom Fahrrad gefallen war, oder Liebeskummer hatte. Ja, selbst aus ihrem Vorhaben, mit ihrem Freund intim zu werden, hatte sie kein Geheimnis gemacht. Umso schlimmer war das Gefühl des Verrats, als die Wahrheit über die Vergangenheit ihrer Mutter ans Licht kam. Jahrelang hatte sie die Existenz ihrer beiden Töchter verschwiegen und so getan, als würde es sie nicht geben. Und egal, wie ihre Eltern dieses Verhalten erklärten, für Rahel machte es keinen Unterschied. Sie hatte das Vertrauen in ihre Mutter verloren.


 


Rahel wusste nicht, wie lange sie weinend auf dem Bett gelegen hatte, als ein leises Klopfen sie aus ihren Gedanken riss. Schnell wischte sie sich mit einer Hand die Tränen aus dem Gesicht und setzte sich auf.


„Was ist?“, fragte sie ernst und kurze Zeit später öffnete sich die Tür und ihre jüngeren Geschwister kamen ins Zimmer.


„Stören wir“, fragte die 14-jährige Becca, deren lange schwarzen Haare zu einem Zopf geflochten waren, und zwei braune Augenpaare sahen Rahel fragend an.


„Wir können auch wieder gehen“, ergänzte der fast zwölf jährige Tito. „Wenn es dir lieber ist.“


Rahel schüttelte mit dem Kopf.


„Kommt rein“, erwiderte sie mit einem schwachen Lächeln. Und sah ihren Geschwistern zu, wie sie die Tür zumachten und sich zu ihr auf das Bett setzten.


Lange sagte niemand etwas, bis Becca das Schweigen unterbrach.


„Mama ist traurig“, sagte sie leise. „Und Papa ist wütend auf dich.“


„Hat er das gesagt?“, wollte Rahel mit ernster Miene wissen und ihre Finger verkrampften sich zu Fäusten.


„Nein“, erwiderte Becca und schüttelte mit dem Kopf. „Aber man hat es gemerkt. Er hat kein Wort gesagt, während er das Auto eingeräumt hat. Und Mama hat sich hingelegt. Dabei geht sie sonst nie so früh ins Bett.“


„Die beiden beruhigen sich schon wieder“, antwortete Rahel, obwohl sie nicht wirklich davon überzeugt war. Es ist halt nicht mehr so wie früher, dachte sie traurig. Seit die Zwillinge aufgetaucht sind, hat sich alles verändert.


„Wieso magst du die Jessica und Larissa eigentlich nicht?“, wollte Tito plötzlich wissen und Rahel sah ihren kleinen Bruder überrascht an. „Sie sind doch ganz nett.“


„Das verstehst du noch nicht“, erwiderte sie ausweichend. Wie auch?, ging es ihr durch den Kopf. Die beiden hatten nie so ein enges Verhältnis zu ihrer Mutter gehabt, sondern immer alles zusammen gemacht. Anders als Rahel, die sich dafür oft schon zu alt gefühlt hatte. „Weißt du, ich bin traurig, weil Mama es uns nicht früher gesagt hat“, versuchte Rahel, ihre Gefühle zu erklären.


Becca zuckte mit den Schultern.


„Sie hat ja nicht gewusst, wo sie sind“, nahm sie ihre Mutter in Schutz.


„Stimmt schon“, gab Rahel ihrer Schwester recht. Die beiden konnten ihre Enttäuschung sowieso nicht verstehen. „Aber ihr beide freut euch schon auf morgen, oder?“, wechselte sie das Thema und ihre jüngeren Geschwister nickten.


„Ja“, antwortete Becca. „Es ist echt toll auf der Farm. Alle sind super nett.“


„Sie haben auch ganz viele Tiere“, ergänzte Tito aufgeregt. „Und letztes Mal durften wir auf einem Trecker mit in den Wald fahren.


Rahel nickte nur und hörte den beiden zu, wie sie von ihrem letzten Besuch auf der Farm schwärmten. Obwohl ihre Mutter an diesem Ort aufgewachsen war und ihre Großeltern bis heute dort arbeiteten, war sie selbst noch nie da gewesen. Ihre Mutter hatte es früher nie gewollt und immer die lange Autofahrt als Grund dafür angegeben. Was sich am Ende aber nur als eine weitere Lüge entpuppt hatte. Denn die Entfernung hatte bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt.


Als unten die Haustür ins Schloss fiel, wurde Rahel aus ihren Gedanken gerissen und sie wandte sich wieder ihren jüngeren Geschwistern zu.


„Ihr solltet jetzt lieber ins Bett gehen“, unterbrach sie die beiden und sah auf ihre Uhr. „Es ist schon spät und wir wollen morgen früh los.“


Tito und Becca nickten und standen auf.


„Gute Nacht“, sagten sie gleichzeitig und umarmten Rahel, dann öffnete Becca die Tür und sie verließen das Zimmer.


 


Schweigend sah Rahel ihren Geschwistern hinterher. Die beiden werden mir fehlen, ging es ihr durch den Kopf. Und das sogar sehr. Denn sobald sie Köln verließ, würde sie Tito und Becca nur noch selten zu Gesicht bekommen. Und dieses Wissen versetzte ihr einen heftigen Stich. Schließlich liebte sie ihre jüngeren Geschwister und ließ sie nur ungern zurück. Doch sie hatte keine andere Wahl. Sie konnte nicht länger in diesem Haus bleiben. Und um sich abzulenken und weil sie sowieso nicht schlafen konnte, ging sie an ihren Schreibtisch zurück, um für ihre Prüfung zu lernen. 


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