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Belletristik
Buch Leseprobe Traumfänger, Tamara Pirschalawa
Tamara Pirschalawa

Traumfänger


Die Vision des Julius Balthasar

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Julius Balthasar erzählt seinen Schülern folgende Geschichte:


Die Katze


Ich saß draußen auf meiner Veranda und dachte über mich und mein Leben nach. Es waren keine guten Gedanken. Mein Leben hätte wirklich anders verlaufen können, aber es war jetzt nicht mehr zu ändern. Ich lebte zurückgezogen und allein - allein mit meiner allgegenwärtigen Melancholie. Das hatte ich mir so ausgesucht. Ich hatte mich mit den Gegebenheiten abgefunden.


Meine düsteren Gedanken wurden unterbrochen, als ich vor meinem Gartenzaun eine flüchtige Bewegung wahrnahm. Nur schemenhaft konnte ich unter einer Laterne eine schwarze Katze erkennen, die zu mir herüberzublicken schien. Sie entfernte sich einige Schritte vom Gartenzaun, blieb dann stehen und drehte mir ihren Kopf zu. Unverwandt starrte sie mich an. Langsam verstand ich. Sie wollte, dass ich ihr folgte. Unsicher erhob ich mich, ein wenig wackelig auf den Beinen. Nur wenige Schritte waren es zum Gartentor. Ich drückte die Klinke herunter und war erstaunt, wie leicht sich das Tor öffnen ließ. Vorsichtig ging ich auf die Katze zu, die daraufhin loslief. Es war schon dunkel geworden, und ich hatte Mühe, die schwarze Katze ausfindig zu machen, die Teil der Dunkelheit geworden war. Doch sie wandte mir hin und wieder ihr Gesicht zu, ihre grünen Augen schienen sich mit dem Mondlicht verbündet zu haben, das sie funkeln ließ. So wurde mir der Weg gewiesen.


Nach geraumer Zeit erreichten wir einen von Bäumen umsäumten Platz. Er wurde von einigen Laternen hell erleuchtet. Die Katze hielt inne, und ich vermied es, mit weiteren Schritten die Stille zu durchbrechen. Eine kleine Allee führte von diesem Ort weg, die am Ende mit dem Horizont verschmolz. Der dunkle Himmel war mit dem grauen Asphalt verwoben, und düstere Wolken ballten sich zu einer bedrohlichen Masse zusammen, die nur auf ein Opfer zu warten schien, auf das sie sich hinabstürzen konnte. Die Szenerie wirkte irreal, als wäre sie nicht von dieser Welt. Wieder starrte die Katze mich unverwandt an, dann drehte sie sich von mir weg und lief die Allee entlang. Ich folgte ihr, und ein sanfter, kühler Wind strich mit seinen von leichten Nebelschwaden umwobenen Fingern zart über meine Haut. Der Mond schien hell am Firmament und ließ die Umrisse der nahe stehenden Häuser erkennen, die wie graue Kreidezeichnungen die Landschaft zierten. Die Bäume in den Vorgärten ragten in den dunklen Himmel, die Baumwipfel schwankten im Wind und veranstalteten einen Tanz mit den Wolken. Welch düstere Schönheit offenbarte sich hier. Eine Fledermaus umkreiste eine Laterne. Fasziniert blieb ich stehen und beobachtete das Treiben dieses Wesens, das einen Pakt mit der Nacht geschlossen hatte. Nach einiger Zeit gesellte sich eine zweite Fledermaus zur ersten. Ihre Schatten, die von der Laterne auf den Boden geworfen wurden, schienen miteinander zu spielen.


Die Katze lief weiter, zu einem kleinen Hain. Ich folgte ihr, denn ich spürte, dass es für mich von Bedeutung sein würde. Ein großer, mächtiger Baum hatte hier die Vorherrschaft. Einige seiner Äste waren verkümmert, doch das schmälerte nicht seine Stärke. Die Bäume, die ihn umgaben, waren kleiner, zarter. Sie würden sich noch gedulden müssen, bis ihre Baumkronen bei Tag die hellblaue und bei Nacht die kühlschwarze Geborgenheit des Himmels verspüren würden. Der große Baum hingegen hatte viele Jahre auf dem Buckel, und sicherlich hatte er in seinem Leben schon viel gesehen und gehört. Seine knorrigen Äste ächzten im Wind, als wollten sie sich über ihr Jahrhunderte andauerndes Dasein beklagen. Die Blätter des Baumes waren indes bemüht, die wehmütigen Laute durch ein sanftes, anmutiges Rauschen zu mildern. Welche Geschichte der hölzerne Riese wohl zu erzählen hatte? Und ob er die jungen Bäume an seiner Seite beneidete, weil ihre Äste nicht verkümmert waren, sondern sich in ihrer vollen Pracht zeigten? Ein leichter Regen setzte ein, und die Silhouette des Baumes schien langsam aufzuweichen. Verschwommen und schemenhaft zeichneten sich auch die Umrisse der Katze weiter vorne auf dem Weg ab. Sie eilte weiter, und während ich mir den Regen aus dem Gesicht wischte, bemühte ich mich, sie nicht aus den Augen zu verlieren.


Wie die nächtliche Reise dieses Mannes weitergeht, wohin sie führt, welchem Zweck sie dient - das erzählt der engagierte Lehrer Julius Balthasar in „Traumfänger - Die Vision des Julius Balthasar".


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