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Belletristik
Buch Leseprobe The Connection (Teil 2), Amanda Frost
Amanda Frost

The Connection (Teil 2)


Love & Crime

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Romy


 


10 Jahre zuvor


 


Tiefe Bässe hallen durch den gepflegten Garten der Villa. Palmen, die sich sanft im Wind wiegen, sowie duftende Oleanderbüsche erschaffen ein mediterranes Flair. Das silbrige Mondlicht erleuchtet die Nacht und verleiht der Umgebung einen Hauch von Magie. Die Gesichter der elegant gekleideten Besucher sind gen Himmel gerichtet, wo sich mehrere Artisten in schwindelerregender Höhe durch die Lüfte schwingen und den Zuschauern Geräusche des Erstaunens und der Überraschung entlocken.


Ein Lächeln umspielt meine Lippen, als ich das rote paillettenbesetzte Kleid meiner Mutter erblicke. Voller Anmut schwebt sie wie ein glitzernder Vogel hoch oben am Himmel, ehe Papa, der in einem pechschwarzen Overall steckt, sie routiniert an den Handgelenken auffängt. Unterdessen vermitteln die beiden den Eindruck, sich in einer anderen Dimension zu befinden und den Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen.


Tosender Applaus bricht aus und ich bedauere es einmal mehr, dass ich mit meinen vierzehn Jahren noch nicht an den Luftnummern teilnehmen darf. Fliegen zu können ist seit jeher mein größter Wunsch, und was Maman und Papa da oben vollführen, wirkt, als würden sie einen Teil meines Traumes leben.


Immerhin bin ich seit Kurzem festes Mitglied der kleinen Artistentruppe, die regelmäßig in Monsieur Arnauds Garten ihre Kunststücke vorführt. Dabei tanzen wir durch die künstlich errichtete Manege, schlagen Saltos, Flickflacks und bilden Pyramiden. Wie besessen trainiere ich jeden Tag, um eines Tages ebenso erfolgreich zu werden wie meine Eltern.


Ein Raunen, das durch die Menge geht, reißt mich aus meinen Gedanken. Lauter Trommelwirbel setzt ein, der alle anderen Geräusche übertönt. Jetzt folgt eine Trapezeinlage, bei der meine Mutter meterweit von einem Kollegen durch die Luft katapultiert wird, ehe Papa sie wieder auffängt.


Eine extrem gefährliche Nummer, die nur die besten Akrobaten der Welt beherrschen.


Lichter zucken über die Künstler hinweg und verstärken die Dynamik ihrer Bewegungen. Zum Glück weiß ich, dass kaum etwas schiefgehen kann. Obwohl unsere Truppe generell ohne Netz arbeitet, sind alle Personen durch Seile gesichert.


Mittlerweile schwingen die drei Artisten rasend schnell auf ihren Trapezen hin und her. Scheinwerfer tauchen sie unablässig in buntes Licht, was die Spannung erhöht.


Ungeachtet der Tatsache, dass ich diese Darbietung schon gefühlte tausendmal gesehen habe, ist sie jedes Mal aufs Neue überwältigend. Deshalb halte ich den Atem an.


In dieser Sekunde lässt der Akrobat meine Mutter los. Während sie durch die Luft segelt, legt die Musik eine Pause ein, um mit einem Paukenschlag wieder zu starten, sobald mein Vater Maman aufgefangen hat.


Erschrocken bemerke ich, dass Papa ihre Handgelenke nur mit einer Hand zu fassen bekommt. Mein Herzschlag stockt, während ich die Augen nicht mehr von den Ereignissen abwenden kann. Die Zuschauer gehen davon aus, das wäre Teil der Show, und schauen gebannt zu. Ich hingegen weiß, dass hier gerade etwas mächtig schiefläuft.


Mit einer hastigen Bewegung greift mein Vater erneut nach meiner Mutter, doch sie gleitet ihm buchstäblich durch die Finger und stürzt rücklings mit wedelnden Armen ins Leere.


Nun geht ein Aufschrei des Entsetzens durch die Menge.


Zum Glück wird Mamans Fall ruckartig von ihrem Sicherheitsseil gebremst, sodass ihr Sturz einige Meter über dem Boden endet. Schwer atmend und sichtlich schockiert pendelt sie über der Manege, wobei das Publikum erst nach und nach realisiert, wie knapp sie soeben dem Tod entgangen ist.


Während die Blicke aller nach wie vor auf meiner Mutter ruhen, scheint niemand zu bemerken, dass Papa durch die hektischen Bewegungen vom Trapez gerutscht ist und sich nur noch mit einer Hand daran festklammert.


Seine Muskeln spannen sich an, als er mit aller Kraft versucht, sich emporzuziehen, was leider misslingt.


Inzwischen ist sein Kampf wohl auch dem Lichttechniker aufgefallen, denn ein Spot fängt meinen Vater jetzt ein.


Mit einem unguten Gefühl im Magen beobachte ich, wie seine Finger langsam von der Trapezstange abrutschen. Meine Mutter hat sich unterdessen von ihrem Fangseil gelöst und steht nun neben den Zuschauern, den Blick ebenfalls starr in die Höhe gerichtet.


Durch Papas große kräftige Statur geht noch ein letztes Zittern der Kraftanstrengung, dann fassen seine Finger endgültig ins Leere und auch er stürzt in die Tiefe.


Wie in Zeitlupe folge ich mit den Augen seinem Fall. Unaufhaltsam rast er der Erde entgegen. Ich halte den Atem an und warte ungeduldig auf das rettende Zucken des Seils, das seinen Sturz bremst.


Doch das bleibt leider aus.


Mit einem barbarischen Krachen landet mein geliebter Vater auf dem Boden der Manege.


Ich vernehme noch die Geräusche als seine Knochen zersplittern und die erschütterten Aufschreie der Menschen, dann wird es mir schwarz vor Augen.




Kapitel 2


 


Romy


 


Heute


 


Schwungvoll hangle ich mich von Ast zu Ast der massiven Eiche, bis ich eins der Fenster im oberen Stockwerk von Monsieur Arnauds Villa erreiche. Ich bin komplett in Schwarz gekleidet, trage eine Sturmhaube, Handschuhe und spezielle Kletterschuhe. Obwohl ich in monatelanger Feinarbeit herausgefunden habe, wo sich auf dem Grundstück die Überwachungskameras befinden, bin ich die Vorsicht in Person. Die bloße Vorstellung, Maman sich selbst zu überlassen, da ich im Gefängnis landen könnte, jagt mir einen eisigen Schauer über den Rücken. Doch wenngleich mir die pure Angst im Nacken sitzt, werde ich das hier durchziehen.


Es ist nicht mein erster Einbruch, aber in eine derart feudale und abgesicherte Villa bin ich noch nie eingestiegen. Bislang habe ich mich nur an leer stehende Wohnungen oder abgelegene Einfamilienhäuser getraut, was in erster Linie eine Übung war. Aber jetzt ist es an der Zeit, endlich den Mann zu bestrafen, der mir und meiner geliebten Mutter großes Leid zugefügt hat.


Ich beuge mich zu dem Fenster hinab, setze ein Brecheisen am Rahmen an und heble es so vorsichtig auf, dass hinterher keine erkennbaren Spuren zurückbleiben werden. Fast geräuschlos öffnet es sich, woraufhin ich es mühelos nach innen drücken kann. Glücklicherweise ist das Gebäude nicht zusätzlich durch eine Alarmanlage abgesichert, das hätte mir dieses Unterfangen erschwert.


Mit einer fließenden Bewegung springe ich ins Innere und schleiche durch eins der Gästezimmer in Richtung des Wohnraums, in dem sich der Safe befindet. Zum Glück kenne ich die Villa wie meine Westentasche, daher reicht mir das einfallende Mondlicht aus, um mich zurechtzufinden. Außerdem ist Monsieur Arnaud verreist. Einzig ein paar Angestellte sind zugegen, die sich im Erdgeschoss aufhalten.


Ich nähere mich dem Safe und gebe die Kombination ein. Vor einigen Wochen bin ich bereits einmal in das Haus eingestiegen und habe an der gegenüberliegenden Wand winzige Kameras installiert, wodurch ich den Code erkennen konnte, als Monsieur Arnaud ihn eingetippt hat.


Leise knirschend öffnet sich die Tresortür.


Mit einer Taschenlampe leuchte ich den Safe aus, ehe ich nach den Geldscheinen, Uhren und Goldbarren greife, die sich darin befinden. Nachdem ich die Beute in meinem Rucksack verstaut habe, steige ich auf einen Stuhl und sammle meine Kameras wieder ein. Anschließend werfe ich mir den Rucksack über die Schultern und verlasse das Haus auf dem gleichen Weg, den ich gekommen bin.


Im Garten husche ich über das ausladende Gelände, klettere mühelos über den hohen Zaun und renne die einsame Privatstraße hinab. Meine Schritte knirschen auf dem Asphalt und mein Herz rast unterdessen wie verrückt.


Sobald mein alter hellblauer Renault, den ich in einem abgelegenen Waldstück geparkt habe, in Sicht kommt, atme ich erleichtert aus. Ich springe in den Wagen und fahre vom Cap d´Antibes über die Küstenstraße nach Nizza.


Wie immer, wenn ich den Flughafen passiere, bewundere ich die gigantischen Maschinen, die dort in ihrer Parkposition verharren. Bislang ist es mir leider nicht gelungen, meinen Wunschtraum vom Fliegen zu erfüllen, aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben.


Ich nähere mich Les Moulins, einem etwas heruntergekommenen Viertel am Stadtrand von Nizza, in dem ein Bekannter von mir wohnt. Christophe ist ein großgewachsener schlaksiger Kerl, den ich vor einiger Zeit im Fitnessstudio kennengelernt habe. Er bewegt sich in zwielichtigen Kreisen und wird die Goldbarren und Uhren, die ich erbeutet habe, veräußern. Einen Teil der Einnahmen wird er mir hinterher zukommen lassen. Das Bargeld, das ich dem Safe entnommen habe, behalte ich, da ich es dringend benötige.


Nachdem ich meinen Wagen vor einem Rolltor abgestellt habe, schlüpfe ich durch eine schmale Seitentür auf das dahinterliegende Gelände. Dort befindet sich eine schäbige Lagerhalle. Im Inneren entdecke ich Christophe, der im Halbdunkel in der gegenüberliegenden Ecke an einem hölzernen Tisch sitzt. Karosserieteile und Reifen lagern an mehreren Stellen. Während ich auf Christophe zumarschiere, steigt mir der scharfe Geruch von Benzin in die Nase, der ein Übelkeitsgefühl in mir hervorruft. Da ich jedoch weiß, dass Christophe auch mit gestohlenen Fahrzeugen handelt, lasse ich mir meine Abneigung nicht anmerken.


„Romy“, begrüßt er mich erfreut, während er sich ein paar fettige dunkle Haarsträhnen aus dem Gesicht wischt. „Sag mir, dass du erfolgreich warst!“ Erwartungsvoll lehnt er sich auf seinem Stuhl zurück und verschränkt die Arme vor der Brust.


Ich nicke, stelle meinen Rucksack auf dem Schreibtisch ab und ziehe die Uhren und Goldbarren heraus. Zwar könnte ich die Goldbarren bei einem Juwelier oder einer Bank auch selbst verkaufen, doch ich möchte nicht von irgendwelchen Überwachungskameras eingefangen werden, daher verzichte ich lieber auf einen Teil des Geldes.


Mit einer Lupe prüft Christophe die Kostbarkeiten eingehend, ehe er zufrieden nickt. Anschließend entnimmt er einem verschlossenen Metallschrank ein Bündel Geldscheine, das er mir reicht.


Ich habe keine Ahnung, ob er mich bei diesem Deal über den Tisch zieht, doch das spielt keine Rolle. Mit dem Geld können Maman und ich uns ein paar dringend benötige Dinge leisten, das ist alles, was zählt.


„Bis zum nächsten Mal!“, ruft Christophe mir noch hinterher, als ich die Halle verlasse.


Ich nicke, hoffe jedoch, dass ich niemals wieder gezwungen sein werde, mit ihm Geschäfte zu machen.


 


Ich zittere immer noch am ganzen Leib, als ich etwas später unsere kleine Wohnung in Antibes betrete.


Innerlich bin ich fürchterlich aufgewühlt.


Einerseits bin ich heilfroh, dass ich bei dem Einbruch nicht ertappt wurde, andererseits frisst mich mein schlechtes Gewissen beinahe auf.


Seit einiger Zeit wandle ich auf einem schmalen Grat zwischen Verzweiflung und Selbsterhaltungstrieb. Letztendlich siegt jedoch grundsätzlich die Liebe zu meiner Mutter. Da ich es nicht übers Herz bringe, sie in einem Heim unterzubringen, kann ich leider keinem vernünftigen Job nachgehen, weswegen es um unsere finanziellen Mittel seit langer Zeit nicht gut bestellt ist.


Um nicht zu sagen, wir sind chronisch pleite.


Außerdem benötige ich hin und wieder Medikamente für Maman, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden, was stets tiefe Löcher in mein Portemonnaie reißt.


Natürlich ist mir bewusst, dass Einbrüche illegal sind, aber Arnaud hatte einen Denkzettel verdient. Ob er für den Tod meines Vaters verantwortlich ist, wissen wir bis heute nicht. Der Karabinerhaken an Papas Fangseil brach beim Absturz, weswegen es ihn nicht abfangen konnte.


Womöglich hat Arnaud bei der Ausrüstung gespart oder aber der Sicherheitsbeamte vernachlässigte seinen Job. Die Wahrheit konnte leider nie bewiesen werden, da Arnaud die Schuld meinem Vater in die Schuhe schob und wir kein Geld für einen Anwalt aufbringen konnten.


Dessen ungeachtet war es eine Schande, wie dieser Kerl Maman und mich hinterher behandelt hat. Allein dafür hat er eine Strafe verdient.


„Romy!“, ruft meine Mutter erfreut aus, als ich unser kleines Wohnzimmer betrete. Wie üblich sitzt sie in dem alten verschlissenen Ledersessel und starrt auf den Fernseher, über den ein Krimi flimmert. „Hattest du einen schönen Abend?“


Ich nicke, gehe auf sie zu und küsse sie auf beide Wangen. Der Lavendelgeruch ihrer Seife, den ich über alles liebe, steigt mir in die Nase. Nichts verkörpert meine Heimat Südfrankreich stärker als dieser Duft. „Ja, danke. Wie geht es dir?“


Sie wackelt leicht mit dem Kopf hin und her und blickt mich aus ihren großen dunklen Augen, die meinen ähneln, vertrauensvoll an. „Ein bisschen müde. Aber Hauptsache du hattest deinen Spaß. Es freut mich, dass du so nette Kollegen hast.“


Beschämt wende ich mich ab.


Maman weiß, dass ich stundenweise in einem Fitnessstudio arbeite. Allerdings gehe ich selten mit Kollegen aus, in Wirklichkeit nutze ich meine freie Zeit, um zu trainieren. Oft verausgabe ich mich auch beim Joggen oder in einer Kletterhalle. Bereits vor über einem Jahr habe ich aus der Not heraus entschieden, Arnaud für das büßen zu lassen, was er uns angetan hat, und dafür benötigte es eine akribische Vorbereitung.


Seit Papas Tod ist Maman nicht mehr dieselbe, was mir manchmal beinahe das Herz zerreißt. Nach mehreren Nervenzusammenbrüchen und depressiven Phasen gab sie das Akrobatendasein schließlich auf. Panikattacken suchten sie heim, sobald sie sich nur in die Nähe eines Trapezes wagte. Doch auch am Boden war sie bei Auftritten nicht mehr in ihrem Element. Sie vergaß die Choreos oder brach mitten in der Vorführung ab, bis kein anderer Akrobat mehr mit ihr zusammenarbeiten wollte.


Anschließend versuchte sie es mit verschiedenen Jobs, ihre Krankheit holte sie jedoch immer wieder ein, bis sie letztendlich aufgab und Sozialhilfe beantragte.


Da ich noch zu jung und unerfahren war, um bei den Shows für Maman einzuspringen, setzte Arnaud uns kurzerhand vor die Tür und vermietete die Wohnung in einem Seitentrakt seiner Villa, in der wir zuvor gelebt hatten, an andere Künstler. Wir flehten ihn an, uns diese letzte Zuflucht nicht auch noch zu nehmen, doch er war unerbittlich.


Maman und Papa sind beide in französischen Artistenfamilien aufgewachsen. Schon früh hatten sie sich ineinander verliebt und geheiratet. Als die Zirkusse jedoch nach und nach ausstarben, schlossen sie sich dem Cirque de Soleil an, mit dem sie rund um den Globus tingelten.


Nach meiner Geburt wurde die Reiserei allerdings zu anstrengend, so nahmen sie das Angebot von Monsieur Arnaud, eine Akrobatikshow für die High Society auf seinem Grundstück aufzuziehen, liebend gerne an.


Nach Papas schrecklichem Unfall schloss ich die Schule ab und entschied, mein eigenes Geld zu verdienen, um Maman und mir ein angenehmes Leben zu ermöglichen. So bespaßte ich Touristen mit meinen akrobatischen Künsten und nahm Unmengen von Aushilfsjobs an. Trotz all meiner Bemühungen reichte mein Einkommen jedoch nicht aus, um die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken. Außerdem war die heruntergekommene Wohnung in Menton, die uns der Staat übergangsweise vermittelt hatte, ein Graus.


Letztendlich begab ich mich in die Altstadt von Nizza, durch die sich tagtäglich Tausende von Touristen drängen, und fing voller Verzweiflung an, Urlauber zu bestehlen. Die Côte d′Azur ist seit jeher ein Paradies für Taschendiebe und Einbrecher. Reichtum wird hier unverblümt zur Schau gestellt, was jede Menge Ganoven anlockt. Im Grunde genommen lag es mir fern, mich unter diesen Abschaum zu mischen, aber ich wusste einfach nicht mehr weiter.


Nachdem ich die ersten Hemmungen abgelegt hatte, wurde mir recht schnell klar, dass ich ziemlich talentiert darin war, Menschen um ihre Wertsachen zu erleichtern. Allein durch meine blitzschnellen, katzenhaften Bewegungen entwickelte ich mich im Handumdrehen zur Meisterdiebin.


Nach einigen Monaten keimten jedoch Bedenken in mir auf.


Ich bestahl wahllos fremde Leute.


Ja, die meisten schienen vermögend zu sein, dennoch hatte ich immer häufiger ein schlechtes Gewissen. Wer sagte mir denn, dass ich durch mein Handeln nicht irgendeinem armen Tropf großes Leid zufügte.


So entschied ich, einen anderen Weg zu gehen: Ich würde den Mann dafür leiden lassen, der für unser Dilemma verantwortlich war: Monsieur Arnaud.


Höchstwahrscheinlich käme ohnehin eine Versicherung für all die luxuriösen Gegenstände in seiner Villa auf. Allerdings wusste ich, dass es ein paar Uhren gab, an denen er sehr hing.


Nachdem ich das Für und Wider lange abgewogen hatte, entwickelte ich einen Plan, um in seine Villa einzusteigen. Als Artistin kann ich nicht nur klettern wie eine Katze, sondern zudem aus großen Höhen springen. Auch Kampfsport ist mir vertraut, da ich im Fitnessstudio an vielen Kursen teilgenommen habe. Sollte ich also in eine bedrohliche Situation geraten, würde ich mir zu helfen wissen.


Zu guter Letzt fehlte mir noch das technische Know-how, um dieses Unterfangen durchzuführen. Sprich: das Knacken von Schlössern, Ausschalten von Alarmanlagen und Öffnen von Tresoren. So durchstöberte ich des Nachts Unterlagen im Internet und übte in leer stehenden Häusern und Wohnungen. Schon bald stand meinem privaten Rachefeldzug nichts mehr im Wege.


Und wie sich heute gezeigt hat, war es ein Kinderspiel.


Fatalerweise habe ich jetzt Blut geleckt. Ich denke, nachdem ein wenig Zeit ins Land gegangen ist, werde ich erneut bei Monsieur Arnaud einsteigen, denn die Villa birgt Unmengen weiterer Schätze, die ich fürs Erste einmal außer Acht gelassen habe, da sie schwer zu transportieren sind und ich schnellstmöglich wieder verschwinden wollte.


Aber mit einer sorgfältigen Planung sollte mir auch das gelingen.


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