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Belletristik
Buch Leseprobe Tabula Rasa, Edith Oltmanns
Edith Oltmanns

Tabula Rasa


Autor: Enne Coordes

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Auszug aus dem I. Kapitel:


Lirum Larum Löffelstiel...die kleine Enne aß nicht viel…


Mit dem Rücken zur Haustür, die halb offen war, hockte ich mit nacktem Unterkörper und rührte den Buttermilchbrei, den meine Mutter gerade gekocht hatte um. Ich weinte und weinte, denn mein Po tat fürchterlich weh. Außerdem hatte ich Angst, dass meine Mutter wieder drauf los schlug. Gerade eben erst hatte sie mich grob am Arm gezogen und nach hause gebracht. Dann gab erst einmal eine Tracht Prügel... Ich, knapp 4 Jahre alt, war ja noch zu klein, um mir der Gefahr bewusst zu werden, in der ich geschwebt hatte, als ich mit meinem kleinen Eimer und meiner Schaufel über den Deich ins Watt hineinlief. Das Wasser kam mir schon entgegen und umspielte meine dünnen Beinchen. Wie gefährlich die Flut war, die gerade eingesetzt hatte, wusste ich ja nicht. Dieses Erlebnis war prägend für mich. Meine Eltern, mein 6 Jahre älterer Bruder und ich wohnten in einem kleinen idyllischen Dorf in Ostfriesland ganz nah am Deich. Eine traumhafte Gegend, nur ein paar Häuser, Felder, und Wiesen, mit bunten Blumen. Mir ist nur wenig aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben. Von den ersten drei Lebensjahren weiß ich nichts mehr, außer, dass wir eine Ziege hatten, die habe ich noch genau vor Augen. Die Mutter hat sie immer gemolken. Auch an die Wohnung kann ich mich noch schemenhaft erinnern. Ich spielte gerne draußen. Kurioserweise mag ich immer noch gerne Buttermilchbrei. Aber so, wie meine Mutter ihn zubereitete.


 


Auszug aus dem II. Kapitel:


Mutter, wie weit darf ich reisen…Bis Warf und Bredens…


Meine Eltern hatten mir Arbeit besorgt.1969 zog ich nach Warf ins Schwesternwohnheim vom Krankenhaus. Früher war das so. Nun war ich unabhängig und nicht mehr der Gewalt meiner Mutter ausgesetzt. Das bedeutete ein für alle Mal keine Schläge mehr. Die Arbeit als Stationshilfe machte mir Spaß, obwohl sie sehr hart war. Ich half beim Füttern der Patienten, Essen austeilen, putzen, abwaschen usw. Jeden Tag von 7 Uhr bis 19 Uhr, mittags 1 ½ Stunden und einen Tag in der Woche, sowie jedes zweite Wochenende hatte ich frei. Es kam auch vor, dass ich für die Arbeit in der Küche, oder in der Waschküche eingeteilt wurde. Ich bewohnte das Zimmer mit einem anderen Mädchen, das Agnes hieß, wir verstanden uns prima und genossen die Freiheiten, die wir nun besaßen. Discobesuche und viel Spaß hatten Vorrang. Dass wir meistens erst sehr spät nach Hause kamen, war uns egal. Während der Arbeit schliefen wir abwechselnd einige Zeit auf dem Klo. Wir nahmen uns vor, am nächsten Tag zuhause zu bleiben, aber das funktionierte nicht, der Drang nach Action setzte sich stets durch. Das Schönste war, wenn alle Mitarbeiterinnen unten in der Küche am großen Tisch saßen und die Mahlzeiten einnahmen. Plötzlich konnte ich reinhauen wie ein Scheunendrescher. 3 Brötchen waren nix, mir schmeckte das Essen, so nahm ich auch etwas an Gewicht zu. Mit 40 kg aber immer noch dünn. Auch mit den anderen Mädchen, die mit mir im Schwesternheim wohnten verstand ich mich sehr gut. In der oberen Etage hatten die Krankenschwestern ihre Zimmer, auch Hella, sie war eine herzige Person, ihre Sommersprossen lachten mich jedes Mal an, und auf ihre schönen langen Haare war ich richtig neidisch. Sie wurde eines Tages schwanger, aber der Vater kümmerte sich leider nicht richtig um sie. Irgendwann kaufte ich mir eine Mofa, so war ich mobil und nicht aufs Trampen angewiesen, denn das war zu der Zeit in. Agnes und ich waren auf dem Nachhauseweg von Warfsiel. Ich fuhr und Agnes saß hinten drauf. Nach der Hälfte der Strecke tauschten wir. Lange saß ich nicht hinten, denn ich ließ mich einfach fallen und landete unsanft auf der Strasse. Mein Po tat fürchterlich weh, aber ich musste lachen. Agnes fuhr einfach weiter, sie merkte nichts. Nach etlichen Metern drehte sie sich um und… ich war nicht mehr da. Sie kehrte um und fand mich am Straßenrand sitzen. Sie schimpfte wie ein Rohrspatz, dann prusteten wir beide los vor lachen. Das Mofa fuhr ja nicht schnell und es war ja nichts passiert...


 


Auszug aus dem III. Kapitel:


Auf der Mauer auf der Lauer sitzt die brave Enne …


Er kam völlig betrunken nach Hause und es hagelte Beschimpfungen, wie Nutte, Hure, Stück Scheiße ect. Er lief wie ein wildes Tier durch die Wohnung. Riss Türen aus dem Küchenschrank, warf Stühle um und wollte den Elektroofen aus dem Fenster werfen. Ich war ein Spielball für ihn, er schüttelte mich und schubste mich durch die Wohnung, von Zimmer zu Zimmer. Er hatte unheimliche Kraft. In seinen Augen blitzte es gefährlich. Seine Worte waren wie eine Waffe, jeder Schuss ein Treffer. Ich zitterte am ganzen Körper und wimmerte leise vor mich hin, konnte ihm aber entwischen. Unten bei den Nachbarn hörte ich von oben das Krachen und Gepoltere...... Irgendwann war es still. Die Kinder waren noch oben, mutig, aber voller Angst ging ich zurück. Es war ja still, Fred hatte sich aus getobt. Oh Gott, so was hatte ich noch nie erlebt. Nur weg von diesem Teufel, so schnell wie möglich. Gleich morgen, dachte ich...


 


Auszug aus dem X.Kapitel:


Heile Heile Segen...Enne geht auf neuen Wegen...


Meine Gedanken und Gefühle überschlugen sich, wie die Wellen bei Ebbe und Flut. Ich stand extrem unter psychischem Druck. Die Sturmflut der Emotionen nahte. Mein Körper fing an zu tillen, wie ein Flipper, Schmerzen überall. Fressattacken überfielen mich. Ab und an aß ich soviel, dass mein Bauch so wehtat, dass ich den Finger in den Hals steckte und erbrach. Irgendwann habe ich mich selbst verletzt um Druck abzubauen, oder einfach um krank zu sein, weil ich zu nichts Lust hatte. Wutausbrüche ließen mich gegen Türen treten. Beim Fahren mit dem Auto, oder dem Fahrrad verspürte ich den Gedanken einfach geradeaus zu fahren, wenn die Strasse abbog. Immer wieder schloss ich die Augen, beim Essen und Zähneputzen. Wenn ich beim Einkaufen Menschen sah, deren Gesicht mir nicht passte, beschimpfte ich sie gnadenlos in Gedanken. War ich von mehreren Menschen umgeben, stieg in mir Übelkeit hoch. Nachts überkamen mich Angstgefühle. Oft saß ich stundenlang nur rum, hatte Suizidgedanken und die Angst die Kontrolle über mich zu verlieren...


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