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Belletristik
Buch Leseprobe Seegestöber, Kadlin Mallet
Kadlin Mallet

Seegestöber



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Oh, Mist! Wie hatte das passieren können! Sie war doch immer vorsichtig gewesen.


Diese Frau... Sie hatte aber auch so verdammt ausladende Röcke angehabt, die bei jeder Bewegung rauschten – bei jedem Windzug! Sie hatte es nicht kommen sehen, dass sich der Überrock um ihre Beine schmiegte. Und die Frau brüllte, kaum dass sie wieder auf den Beinen war.


Es hätte so einfach sein können. Sollen!


»Bleib’ stehen, du Ratte!«


So verdammt nah! Sinyar presste das Buch enger an ihren Oberkörper und huschte entlang der Straße an den Ständen vorüber. Äpfel polterten zu Boden, eine Weintraube zerplatzte unter ihrem rechten Schuh, und Flüche erhoben sich hinter ihrem Rücken – drohend laut.


Sie wagte es nicht, zurückzusehen. Nicht ein einziges Mal und nicht einmal dann, als sie den nächsten Haken schlug und zwischen Tüll und Tuch eines Stoffverkäufers tauchte und der Standlinie nach links weiterfolgte.


»Stehen bleiben!« Nein! Das Herz schlug ihr bis zum Hals, der Atem floss unstet über ihre Lippen. Aber so lange sie einen Fuß sicher vor den anderen setzen und sich um die Menschen schlängeln konnte: Nein!


Nur noch bis zur Hausecke. Der dort vorne übersät mit Efeu und blitzender Wandfarbe und von dort durch den Blattwust in die Sicherheit der Gasse dahinter. Nur noch... Sie konnte den Efeu schon riechen, dezent nur unter dem Geruchsgemisch des Marktes, doch es war da. Ganz leicht süßlich und darüber eine unangenehm, faulige Note. Nicht, dass sie es schätzte, doch danach wäre sie sicher!


Sinyar lächelte. Gleich.


Etwas langte nach ihrem Überwurf und ihre Füße flogen schneller voran. So nah schon! Sie hatte den dicken Mann eindeutig unterschätzt. Oder die Gleichgültigkeit der anderen Menschen.


Sinyar keuchte auf und jagte über Brotkörbe, vorbei an einer schwatzenden Traube Menschen. Nicht mehr weit! Sie konnte ihre Gasse schon sehen. Dort, zwischen den Efeublättern.


Eine Hand umfasste ihren Arm. Der Griff fest, ja vollkommen entschlossen, und mit einem Ruck wurde sie zur Seite gezogen, bis die Helligkeit dunklen Schatten wich.


»Was?!« Sinyar wollte fluchen, laut, und konnte doch nur rasselnd atmen. Mist, mist, mist! Das konnte nicht sein, das durfte nicht sein! Sie hatte es doch so gut geplant. Das alles hier! Ihre Beute ausgemacht, die Wachen beobachtet, der Weg über den Markt...


Gut, die Frau war ein unerwartetes Ärgernis gewesen. Aber trotzdem, sie hätte es schaffen können – sollen! Sie war schon dutzende Male so verschwunden.


Ihre Lippen wurden zu einem schmalen Strich. Der Griff um das Buch fester. Heute nicht.


»Keine Sorge. Wir sind hier sicher.«


»Was?«, wiederholte Sinyar und blinzelte. Keine Sorge? Sie wurde geschnappt!


Ein Tropfen landete auf ihrer Nase, ein weiterer auf ihrem Kopf und erneut blinzelte sie. Langsam sah sie sich um. Kein Markt mehr, keine Menschen. Nur zwei Hauswände, unsauber verlegte Pflastersteine auf denen Pfützen schwammen und über ihr frische Wäsche.


»Das sah wirklich knapp aus.« Ein Mann erschien vor ihr und Sinyar hielt die Luft an. Diese Augen! So blau, wie die See und dieses Lächeln, unter dem sie kurz aufblitzten. Sinyar konnte den Blick kaum davon abwenden. So schön!


Ein Nicken, mehr bekam sie gerade nicht zustande, und fasziniert beobachtete sie, wie das Lächeln um seine Lippen, zu einem schiefen Grinsen wurde. Sein feurig rotes Haar tanzte darum und wieder konnte sie nur fasziniert zusehen. So etwas... war ihr noch nie passiert! Nicht bei einer ersten Begegnung. Und sie hatte schon dutzende davon gehabt.


Sie räusperte sich und endlich – endlich! – war da auch wieder eine Stimme in ihrer Kehle. »Danke.« Er hatte sie gerettet!


»Faylan.« Seine Augen leuchteten, und war da eine Spur von Verwegenheit, die auf seinem Gesicht zuckte?


Was für ein schöner Name! Sie strich sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. »Sinyar.«


Auch sie lächelte. Konnte nicht anders, als zu lächeln.


 



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