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> Belletristik > Rosi - Beruf: Hure
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Belletristik
Buch Leseprobe Rosi - Beruf: Hure, Valerie le Fiery
Valerie le Fiery

Rosi - Beruf: Hure



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Rosi steht unter der Laterne, das fahle Licht beleuchtet ihr Gesicht. Man kann die Tränenspuren deutlich sehen. Als sie sich dessen bewusst wird, kramt sie in ihrer Handtasche nach dem kleinen Spiegel, holt ein Tempo raus, und beginnt damit, ihr Gesicht wieder einigermaßen herzurichten. Schließlich dauert die Schicht noch eine ganze Weile. Mist, die Zigaretten sind alle. Sie geht zu Lissy hinüber, schnorrt sich eine Zigarette, und eine Weile rauchen sie beide schweigend. Dann geht sie wieder zu ihrer Laterne zurück.


Plötzlich sieht sie, dass sich Jonny seinen Mädchen nähert. Am Arm seine neueste Eroberung. Sie schaut sich das Mädel genauer an, bisher konnte sie sie immer nur kurz sehen. Höchstens achtzehn Jahre alt ist sie wohl. Das Gesicht ist noch so kindlich, so unverdorben. Strahlend hängt sie an Jonnys Arm, lächelt verliebt. Am liebsten würde Rosi sie schütteln und nach Hause bringen, dorthin, wo diese Kleine sicher ist vor diesen Männern, diesem Milieu. Innerlich kocht sie vor Wut, dass wieder mal ein unschuldiges Leben vernichtet, ein Mensch zerbrochen wird. Äußerlich lässt sie sich nichts anmerken, lächelt so, wie sie es in den vielen Jahren gelernt hat. Auch sie war ja mal jung, hat an die große Liebe geglaubt.


Jonny spricht mit jedem seiner Mädchen, vergewissert sich, dass sie auch ja stehen bleiben, selbst wenn das Wetter noch schlechter werden sollte. Großzügig erlaubt er allerdings, dass sie einen Kaffee trinken gehen dürfen. Aber erst in zwei Stunden. Na ja, besser als nichts. Es ist halb zwölf, noch neun Stunden. So lange dauert die Schicht noch. Dann verschwindet Jonny wieder, dafür biegt ein Wagen um die Ecke. Ein großer, weißer Wagen der Oberklasse. Ein leichtes Lächeln huscht über Rosis Gesicht, einer ihrer Stammfreier ist das. Sehr viele hat sie davon ja nicht, aber der hier, der kommt nur zu ihr.


Das Beste daran ist, er will meistens nur reden. Typischer Fall von Ehemann, der zu Hause nicht einmal mehr reden mag. Geschweige denn, dass noch irgendwas läuft zwischen ihm und seiner Frau. Der Wagen hält neben ihr und sie steigt ein. Lissy weiß, dass das ein guter und vor allem zuverlässiger Kunde ist, winkt ihr hinterher und wartet weiter. Rosi hat sich nicht geirrt. Ihr Kunde begrüßt sie freundlich und fährt mit ihr in ein Café. Das macht er öfter. Er sucht ihre Gesellschaft, redet gern über sein Geschäft. Es scheint, als ob sich seine Frau nur noch für sich selbst interessiert. Sie hört ihm nicht einmal mehr zu. Kinder haben sie glücklicherweise keine, sie wären wohl mehr sich selbst überlassen, bei der Mutter.


Rosi sieht sich ihren Kunden heute mal etwas genauer an. Er kommt ja jetzt schon seit über zwei Jahren zu ihr. Gevögelt haben sie aber selten, so ca. zehnmal, wenn es hoch kommt. Dabei ist er noch gar nicht so alt, sie schätzt ihn auf Anfang vierzig. Gut aussehend, leicht angegraute Schläfen, stattliche Figur. Dabei einigermaßen wohlhabend. Für die Stunde mit ihr zahlt er freiwillig immer einhundert Euro, viel Geld für Gerede. Mit einem leichten Lächeln um den Mund sitzt Rosi ihm gegenüber und hört, zu was er so erzählt. Er redet gerne und viel, Antworten erwartet er nicht. Ihn aufmerksam anschauend kann sie es nicht verhindern, dass ihre Gedanken wieder abschweifen. In eine Zeit, als sie noch glaubte, dieser Hölle entfliehen zu können.


 


*


 


Es war in ihrem zweiten Jahr bei Danny. Rosi stand fast jeden Abend hinter dem Tresen des Clubs. An fast alles hatte sie sich gewöhnt. Sie konnte mittlerweile perfekt bedienen. Sie ließ sich auch nicht mehr aus der Ruhe bringen, wenn sie in den Separees auf grade vögelnde Kundschaft stieß. Es war ihr schließlich auch schon passiert, dass einer ihrer zahlenden Kunden eine Flasche Hausmarke bestellt hatte, und dann schon seine Finger oder andere Körperteile an oder in ihr hatte, wenn das Bestellte endlich kam.


Sie stumpfte ab, man gewöhnte sich schließlich an alles.
An die auf der Bühne an einer Stange tanzenden Mädchen. An die geilen Blicke der Männer, wenn sie die nackten Mädels an der Stange anfeuerten. Genau wie an alle Arten des Sex, jede Spielart hatte sie mittlerweile kennenlernen „dürfen“. Egal ob normal, oral, anal, zu dritt oder sogar zu viert. Sie hatte keine Illusionen mehr. Liebe war für sie nur noch ein Wort. Und Danny? Der liebte sie nicht, das wusste sie inzwischen nur zu gut. Warum sie blieb? Ganz einfach. Geld hatte sie keins, Danny gab ihr nur ein kleines Taschengeld. Ihren Personalausweis hatte er ihr schon ganz am Anfang abgenommen, in „Verwahrung“ wie er sagte. Sie fühlte die Resignation, die sich in ihr breitmachte. Mit ihren zwanzig Jahren fühlte sie sich manchmal uralt.


Vor allem, wenn Danny blutjunge Mädchen hier anschleppte. Grade mal alt genug, dass der Staatsanwalt seine Finger nicht mehr drauf hatte. Kurze Zeit später standen auch sie hier und durften Dannys Laden in Schwung halten. Meistens konnte sie sich die professionelle Kühle bewahren, die man hier so dringend brauchte, sonst machte es einen fertig. Doch einmal war es schon vorgekommen, dass sich ein Freier - oder sollte sie lieber Gast sagen? - in sie verliebt hatte. Er hieß Frank und er kam fast jeden Abend, ein wirklich teurer Spaß für ihn. Und er himmelte sie an. Rosi fing an, sich auf seine Besuche zu freuen, ja sie wartete regelrecht darauf.


Manchmal brachte er ihr eine kleine Aufmerksamkeit mit. Ein bisschen Schokolade, eine Rose, einen Schal. Eine Gegenleistung wollte er nicht, er rührte sie nicht einmal an. Und sie fing an, sich zu verlieben. Erzählte von ihrem Leben, ihrer Kindheit, ihren Wünschen und Träumen. Sie kam sich ein bisschen vor wie in „Pretty Woman“. Er hätte ihr Prinz auf dem weißen Ross sein können.


Die Betonung lag auf können. Denn sein Vater, von dessen Geld er lebte, bekam heraus, wo sein Sohn viele Abende verbrachte. Wie viel Geld er dafür ausgab, nur um ihr nahe sein zu können. Da ihm dieses nicht sonderlich gefiel, sorgte er dafür, dass Danny Rosi „zur Räson“ brachte. Die Mittel dafür waren nicht eben sanft, zwei Wochen konnte sie nicht arbeiten. Zu stark sah man die blauen Flecke und Abschürfungen. Der clubeigene Arzt versuchte alles, um die Heilung zu beschleunigen. Doch Danny hatte sich so sehr gehen lassen, dass die Verletzungen schwerer wurden als ursprünglich beabsichtigt. Zumindest versicherte er das immer wieder.


In Rosi war endgültig jegliches Gefühl für Danny erloschen, doch er hatte es nicht geschafft, sie ganz zu zerbrechen. Ein Rest Stolz war in ihr geblieben.


Er hatte ihr ihre aufkeimende Liebe gestohlen, man hatte sie seelisch und körperlich misshandelt. Er hatte sie genug gedemütigt. Und doch erwachte in ihr gerade dadurch der Überlebenswille wieder, sie wollte nur noch weg von hier. Sie begann damit, sich zu überlegen, wie sie wohl am besten dieser Hölle entkommen konnte. Weg aus dem Club, und vor allem: weg von Danny.


 


*


 


Ihr Kunde erzählt immer noch. Jetzt ist sie mit ihren Gedanken wieder zurück in der Gegenwart, lächelt ihn sanft an. Und sie denkt mal wieder daran, dass er ein Mann sein könnte zum Verlieben. Wenn er denn frei wäre. Dürfen Huren lieben? Dürfen sie glücklich sein? Oder haben sie dieses Recht verwirkt, als sie sich für diesen „Beruf“ entschieden? Respektive entschieden wurden.


Ihr Kunde schaut auf die Uhr, die Stunde ist vorbei. Er bezahlt erst den Kaffee, dann Rosi. Schließlich fährt er sie zurück zu ihrem Standplatz. Beim Verabschieden bittet er sie um ein privates Wiedersehen. Da sie zu verblüfft ist, um sofort zu reagieren, erbittet er sich ihre Antwort zum nächsten Treffen. In einer Woche kommt er wieder, so wie jede Woche. Dann fährt er mit einem Lächeln auf den Lippen davon.


Sie schaut dem Wagen noch eine Weile nach. In sich hineinlächelnd träumt sie von einer heilen Welt. Von einer besseren Zukunft, vor allem für ihre Sarah. Lissy kommt zu ihr herüber und erinnert sie daran, dass sie morgen alle drei einen Termin beim Gyn haben. Rauf auf den Pflaumenbaum und den Bockschein abholen. Rosi zuckt mit den Schultern, das ist ihr eigentlich ganz egal, aber das Gesundheitsamt besteht nun mal darauf. Der Regen wird stärker, die Zigaretten sind alle, und die Nacht ist noch lang. Aber Rosi lächelt immer noch. Sie träumt grad einen Traum.


 


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