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Belletristik
Buch Leseprobe Rhythm & Blue, Kiki Novak
Kiki Novak

Rhythm & Blue



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Tödliche Witze? Geschichten, die so unterhaltsam sind, dass man daran stirbt? Jemandem, der nicht Monty Pythons Wunderbare Welt der Schwerkraft gesehen hat, fallen auf Anhieb wahrscheinlich nur Abschwächungen ein: Witze mit tödlichem Ausgang in der Erzählung? Eine besondere Form von schwarzem Humor? Strenggenommen ist ein tödlicher Witz nicht anders tödlich als ein Flugzeugabsturz. Man hört die Story, fällt bei der Pointe aus allen Wolken und lacht sich tot, im wahrsten Sinn des Wortes. Ohne Spaß. Eine der Nonsens-Episoden von Wunderbare Welt der Schwerkraft handelt von der Entwicklung eines tödlichen Witzes und dessen Einsatz als Nahkampf-Geheimwaffe. Von dieser an sich grotesken Idee ausgehend - zumindest empfand ich sie als grotesk, als ich den Film vor Jahren im Kino sah - spinnt die Story einen ganzen Faden von zwingenden logischen Konsequenzen weiter. Wenn sich zum Beispiel der oder die Hörer des Witzes zu Tode lachen, dann müsste es dem Erzähler eigentlich genauso ergehen. Folgerichtig sieht man den ersten Witzsoldaten an die Front stapfen, bis er sich in Sichtweite - oder zumindest in Hörweite - des Feindes postiert. Er entfaltet den kuvertierten Witz und brüllt ihn durch ein Megaphon, um so die Streuwirkung zu erhöhen. Kaum ist das letzte Echo der Pointe verhallt, wälzt sich die feindliche Armee am Boden und hält sich den Bauch in stark übertriebenen Konvulsionen - es ist ja ein lustiger Film. Ein paar Sekunden später packt es dann auch den Erzähler selbst. Warum die Verzögerung? Ich versuchte schon damals, diese absurde Lücke mit einer befriedigenden Erklärung zu füllen, so wie ich mich überhaupt gerne in Hirngespinste reinkniete. Vielleicht hat er den Witz erst als letzter verstanden - wenn ich in der Schule einen mir unbekannten Text laut vorlesen musste, war ich mit dem Verstehen auch immer ziemlich hintennach. Um den Kern der Idee Es-gibt-tödliche-Witze etwas breitzutreten und eine erzählbare Story mit Hand und Fuß daraus zu machen, endete der Film nicht bei diesem Kamikaze-Prototyp. Es folgte eine ausgereiftere Version, die das Problem des Erzählers in den Griff bekommen hatte. Der Witz wurde zu einem Witzschrapnell fragmentiert und einer Witzkampftruppe übergeben. Diese postierte sich wiederum vor dem Feind, und so wie eine Kompanie durchzählt, posaunte jeder sein Witzfragment durchs Megaphon und hielt sich dann so schnell wie möglich die Ohren zu, um der Witzdruckwelle zu entgehen. Eine ebenso logische wie absurde Konsequenz ergab sich jetzt wiederum für den Feind, denn es hätte genügt, einen einzigen Witzsoldaten abzuschießen, um die Witzgranate zu entschärfen. Dieser Gedanke war mir gekommen, als der Film längst schon zur nächsten Episode übergegangen war. Auf die weit absurdere Idee, dass ich selbst einmal dazu kommen würde, eine tödliche Story zu erzählen, wäre ich damals nicht verfallen. Leonora hatte mich zu ihrem Witzsoldaten auserkoren, obwohl ich anfangs alles andere als ein begnadeter Witzeerzähler war. Eher ein schlechter Hofnarr, der eine besonders tolerante Königin unterhält. Nachdem sie mir aber keine Wahl gelassen hatte, erzählte ich munter drauflos. Meine ersten Geschichten müssen sie furchtbar gelangweilt haben, aber selbst, wenn es so war, zuckte sie nicht mit der Wimper und ließ mich weitererzählen. Sie schien an ein in mir verborgenes Talent zu glauben, und deswegen gab ich auch nicht auf. Siehe da, schön langsam wurden meine Geschichten wirklich besser, und es folgte eine Zeit, wo wir beide riesigen Spaß hatten. Ich erzählte und erzählte, und eine Zeitlang endete es unfehlbar damit, dass wir uns beide am Boden wanden. Oder wo auch immer. Wann genau die Geschichte zu entgleisen begann, kann ich nicht mehr genau sagen. Irgendwann mal bekamen meine Erzählungen einen galligen Beigeschmack, eine morbide Färbung, wie besonders schwarzer Humor. Die meisten Leute hätten dabei wahrscheinlich nur angewidert das Gesicht verzogen, aber Leonora fand sie besonders aufregend. Sie ermutigte mich, sie feuerte mich regelrecht an, jetzt auch alle geschmacklosen und dreckigen Pointen, die ich auf Lager hatte, vom Stapel zu lassen. Ich fühlte mich so elend, als hätte mich ein Stammtisch deutscher Buschauffeure nach der zehnten Maß Bier aufgefordert, ein paar deftige Judenwitze zum Besten zu geben. Nach und nach ließ ich mich dann doch breitschlagen, denn Leonora war ein weitaus dankbareres Publikum. Ich hatte ja schließlich auch meinen Spaß daran, und aus diesem Grund merkte ich nicht, wie aus der ganzen Sache plötzlich bitterer Ernst geworden war. Für einen ehemaligen Meister im Erzählen von Witzen und sonstigen unterhaltsamen Geschichten werden Sie mich wahrscheinlich ziemlich schwerfällig finden. Ich merke schon, dass Sie ungeduldig werden und bedaure, dass die Pointe noch so lange auf sich warten lässt. Sie müssen verstehen, dass mir seit der ganzen Sache mit Leonora der Spaß vergangen ist, und deswegen klinge ich jetzt auch ein bisschen, na ja, langatmig. Ganz abgesehen davon haben Sie noch immer keine Ahnung, wovon ich rede, also fange ich beim nächsten Anlauf am besten ganz von vorne an. Für heute muss ich mich entschuldigen. Im Saal schmeißen sie schon alles Mögliche Zeugs auf die Bühne, und Phil hat gerade die PA fürs zweite Set angeworfen.


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